Heinz Penzlin (* 26. Januar 1932 in Waren (Müritz)) ist ein ehemaliger Professor der Allgemeinen Zoologie und Tierphysiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Biographie Heinz Penzlin ist ein Sohn des Studienrates Gustav Penzlin (* 1894 in Penzlin, † 1955 in Waren) und seiner Ehefrau Käthe (geb. Milhamke, * 1905, † 1978 in Waren).Eintrag im Rostocker Matrikelportal
Im Jahre 1950 schloss Penzlin seine Schulzeit mit dem Abitur an der Richard-Wossidlo-Oberschule in Waren (Müritz) ab. Sein Studienantrag an der Rostocker Universität wurde wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ abgelehnt. Erst nach heftigem Einspruch wurde die Zulassung doch noch erwirkt. Sein Studium der Mathematik, später Biologie im Hauptfach schloss er 1954 in Rostock als Diplombiologe ab und übernahm anschließend eine Assistentenstelle am dortigen Zoologischen Institut unter Leitung von Josef Spek.
Nach seiner Promotion (1956) und der Habilitation (1962) wurde er im Januar 1963 zum Hochschuldozenten für das Fachgebiet der Allgemeinen Zoologie in Rostock berufen. In der Forschung beschäftigte sich Penzlin mit Fragen der Regeneration und ihrer Steuerung zunächst an Hydrozoen (Promotion), später an Schaben (Habilitation). Anlässlich der Jubiläumstagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in Hamburg 1956 wurde er deren Mitglied. 1970 erschien die Erstauflage seines "Lehrbuchs der Tierphysiologie" beim Fischer Verlag Jena.
Im Jahre 1974 wurde Heinz Penzlin auf den von Ernst Haeckel begründeten Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie und Tierphysiologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena als Nachfolger von Manfred Gersch berufen. Er veröffentlichte über 250 wissenschaftliche Beiträge auf den Gebieten der Vergleichenden Tierphysiologie, der Neurobiologie der Insekten sowie der Geschichte und Theorie der Biologie. Forschungsschwerpunkte waren unter anderem das Frontalganglion, die Morphologie und Physiologie des stomatogastrischen Nervensystems der Insekten, insbesondere das Vorkommen, die Verbreitung und Funktion von Neuropeptiden.
Neben Gastprofessuren an den Universitäten Mossul (Wintersemester 1978/1979) und Wien wurde er unter anderem als Herausgeber und Kurator mehrerer Fachmagazine ("Zoologische Jahrbücher", "Biologie in unserer Zeit") aktiv. In den Jahren 1991 bis 1995 fungierte er als gewählter Fachgutachter für Zoologie der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Er war verheiratet mit Hannelore Penzlin, geb. Schwarz, und hat zwei Kinder. Sein älterer Bruder Fritz war Professor der Theoretischen Physik an der Freien Universität in Berlin. Penzlin ist verwandt mit Friedrich Pentzlin (1796–1870), Freiheitskämpfer, Arzt am Stadtkrankenhaus in Wismar und Redakteur des „Belletristischen Journals“, und dessen Sohn Julius Pentzlin (1837–1917), Rektor, Pastor und Kirchenrat.
Ehrungen
1981: Wahl zum ordentlichen Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften 1996: Auszeichnung mit der Wilhelm-Ostwald-Medaille der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. 1996: Wahl zum Vizepräsidenten der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (Wiederwahl 2000) 1996: Wahl zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. 1997: Wahl zum Vizepräsidenten des Verbandes Deutscher Biologen 2005: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Rostock an Penzlin für sein „Gesamtwerk auf dem Gebiet der Physiologie der Tiere, besonders der Entwicklungs- und Neurobiologie von Insekten, sowie der Theoretischen Biologie“. 2008: Ernennung zum Ehrenmitglied der Deutschen Zoologischen Gesellschaft „in Anerkennung seiner Lebensleistung und seiner herausragenden Förderung der Zoologie in Forschung und Lehre“
Veröffentlichungen Lehrbuch der Tierphysiologie, Spektrum Akademischer Verlag, 2005, ISBN 3-8274-0170-4. Für wie wahr dürfen wir unsere Wahrnehmungen nehmen?, Verlag d. Sächs. Akd. d. Wiss., 2004, ISBN 3-7776-1307-X. Der Mensch – oder die Bürde der Freiheit, Verlag d. Sächs. Akd. d. Wiss., 1998, ISBN 3-7776-0851-3. Biologie auf der Suche nach ihrer Identität, erschienen in Biologie in unserer Zeit, Ausgabe 5/2007, Wiley-VCH Verlag. Was heißt „lebendig“? Der Selbst-Organisation auf der Spur. In: BiuZ 1/2012 (42), S. 56–63. Abstract, bei Wiley online library.
Das Phänomen Leben: Grundfragen der Theoretischen Biologie. Springer Spektrum, 2014. ISBN 978-3-642-37460-9 (Print); ISBN 978-3-642-37461-6 (E-Book).
Weblinks
H. Penzlin: Der Kosmos im Kopf. Warum wir in den Tieren nicht nur Objekte, sondern auch Subjekte sehen sollten. In: Die Zeit, 16. Mai 1997.
Einzelnachweise
Kategorie:Zoologe Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Schiller-Universität Jena) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Ehrendoktor der Universität Rostock Kategorie:Ehrenmitglied einer wissenschaftlichen Organisation Kategorie:Absolvent der Universität Rostock Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1932 Kategorie:Mann