190px|mini|Wegweiser auf Ikaria. Schriftart: Transport. Nachzeichnung eines Fotos.
Das griechische Alphabet ist das Schriftsystem, in dem die griechische Sprache seit etwa dem 9. Jahrhundert v. Chr. geschrieben wird. Das griechische Alphabet umfasst heute 24 Buchstaben, die ebenso wie im lateinischen Alphabet als Majuskeln (Großbuchstaben) und Minuskeln (Kleinbuchstaben) vorkommen. Im Zeitalter des Hellenismus wurden drei Betonungs- und zwei Hauchzeichen (Diakritika) eingeführt. Diese wurden über 1000 Jahre später in der Orthografie verpflichtend. Nach einem weiteren Jahrtausend wird seit einer Rechtschreibreform im Jahr 1982 lediglich ein Betonungszeichen für mehrsilbige Wörter verwendet (siehe diakritische Zeichen in der neugriechischen Orthographie).
Die griechische Schrift ist eine Weiterentwicklung der phönizischen Schrift und war die erste Alphabetschrift im engeren Sinne; zuvor verwendeten die Griechen eine Silbenschrift (Linear B). Vom griechischen Alphabet stammen unter anderem das lateinische, kyrillische und koptische Alphabet ab (siehe Ableitung der lateinischen und kyrillischen aus griechischen Buchstaben). __TOC__
Buchstaben Klassische Buchstaben Buch-stabe Var. Name Altgriechisch Neugriechisch Deutsch Griechisch Trans-kription Aus-sprache Trans-kription Aus-sprache bis 1982 ab 1982 Alpha a [], [] a ( = e) [] ([]) Beta b [] v [] Gamma g [] g ( = ng, , = nch, = nx) [] ([]), vor E- undI-Lauten [] Delta d [] d [] Epsilon antik Ei (, Aussprache „Ej“),⁠Vergleiche Lemmata in Liddell-Scott-Jones: (Perseus Project) und (lsj.gr).später ,dann Lemma im Middle Liddell (Digital Ancient Greek – English Lexicon; lsj.gr): e [] e ( = i) [] ([]) Zeta z [], [] z [] Eta ē [] i [] Theta th [] th [] Iota i [], [] i ( = e) [], [] ([]) Kappa k [] k ( = ⟨n⟩g) [], [], [] ([], []) Lambda antik ,⁠Lemma in Liddell-Scott-Jones (Perseus Project): später ,Neuzeit ⁠ ,auch l [] l [] My m [] m ( = ⟨m⟩b, = ⟨m⟩bz) [] ,vor und : [] Ny n [] n ( = ⟨n⟩d) [] ([⟨n⟩]) Xi x [] x [], [] Omikron antik Ou (),⁠dann ,später o ( = ou,historisch oft u) [] ([]) o ( = i, = ou) [] ([], []) Pi p [] p ( = ⟨m⟩b) [] ([⟨m⟩]) Rho r(h) [], [] r [] , Sigma s [], [] s [] Tau t [] t ( = ⟨n⟩d) [] ([⟨n⟩]) Ypsilon antik Y (; Aussprache erst „U“, später „Ü“),⁠Bei Platon überliefert, vergleiche Eintrag in Liddell-Scott-Jones (lsj.gr), Zitat: .dann ,später y (bei : u) [], [] y ( = ou [historisch oft u], sonst nach Vokal v oder f; = i) [] ([], [], []) Phi ph [] f [] Chi antik Chei (),⁠später ch [] ch [], [] Psi ps [] ps ( = ⟨m⟩bz) [], [] Omega antik O (),⁠dann ,später ō [] o []
Nichtklassische Buchstaben Archaische Buchstaben, die außer Gebrauch kamen Einige Zeichen aus dem phönizischen Alphabet existierten in bestimmten älteren Formen des griechischen Alphabets. Durch die Standardisierung des Alphabets wurden diese archaischen Buchstaben abgeschafft. Die Buchstaben Digamma, Koppa und Sampi blieben aber als Zahlenzeichen bestehen.
Buch-stabe Vari-anten Name (deutsch) Transkrip-tion Aus-sprache Erläuterung Digamma (Wau) w [] Das Digamma ging wie das Ypsilon aus dem phönizischen Waw hervor und bezeichnete ursprünglich den Laut [] (wie in englisch ). Als dieser Laut in den meisten Dialekten wegfiel, wurde das Zeichen überflüssig. Die Bezeichnung Digamma („Doppelgamma“) bezieht sich darauf, dass es wie zwei aufeinander gelegte Gammas () aussieht.Später Zahlzeichen für 6. Heta h [] Historisches Derivat von Eta als Konsonant. San s [] Das San entsprach dem phönizischen Zade. Es stand meistens für [], wurde aber schon früh durch das Sigma ersetzt. Im arkadisch-kyprischen Dialekt hatte es den Lautwert []. Koppa q [] Das Koppa entsprach dem phönizischen Qoph, das den semitischen []-Laut bezeichnete. Im Griechischen wurde das Koppa anfangs für [] vor [] oder [] verwendet.Später Zahlzeichen für 90. Sampi ss [] Ionischer Buchstabe. Der Ursprung des Sampi ist nicht eindeutig geklärt, es könnte vom San abstammen. Der genaue Lautwert ist nicht sicher erschließbar, Möglichkeiten sind [] oder [].Später Zahlzeichen für 900.
Später ergänzte Buchstaben Zwei Zeichen wurden später für spezielle Zwecke ergänzt: Das Scho () entstand im 1. Jahrhundert v. Chr. in Baktrien, um den Laut [] (wie in deutsch „Schule“) in der baktrischen Sprache wiederzugeben. Dieses Phonem gibt es in der neugriechischen Standardsprache nicht. Das Jot () – griechische Schreibung , Aussprache [] wie im Deutschen – wurde im 19. Jahrhundert aus dem lateinischen Alphabet übernommen, vor allem um in protogriechischen und frühaltgriechischen Texten das Phonem // in Abgrenzung zum vokalischen // wiedergeben zu können. Zusätzlich wurde das Zeichen, ebenfalls im 19. Jahrhundert, in die Schrift des Arvanitischen übernommen.
Namen der Buchstaben Die Bezeichnungen der Buchstaben haben im Griechischen keine Bedeutung. Sie wurden größtenteils aus dem Phönizischen übernommen. Dort bezeichnen die Buchstabennamen Begriffe, denen nach dem akrophonischen Prinzip ein Lautwert zugeordnet wurde. Beispielsweise bedeutet „Ochse“ und „Haus“.
Die Namen einiger Vokale gehen auf die byzantinische Zeit zurück. Ihre Bezeichnungen in klassischer Zeit unterschieden sich teils, zum Beispiel wurden die Buchstaben Omikron und Omega schlicht und genannt. Erst als die Aussprache der beiden Buchstaben zusammenfiel, erhielten die Buchstabenbezeichnungen die unterscheidenden Zusätze und (Omikron bedeutet „kleines O“, Omega „großes“ bzw. „breites O“). Ähnlich verhält es sich bei den Namen Epsilon („einfaches E“) und Ypsilon („einfaches Y“ oder entsprechend der Aussprache etwa „einfaches Ü“), bei denen zur Unterscheidung von den inzwischen gleichlautenden Buchstabenkombinationen und angefügt wurde.
Aussprache Lautverschiebung Die antiken und modernen Lautwerte der griechischen Buchstaben unterscheiden sich recht stark, weil die tiefgreifenden lautlichen Veränderungen, die die griechische Sprache in den 2800 Jahren seit der Einführung des modernen Alphabets durchlebte, in der Orthografie nicht mitvollzogen wurden. Daher sind alt- und neugriechische Wörter im Schriftbild oft identisch oder sehr ähnlich, obwohl sich ihre Aussprache unterscheidet.
Betonung Das sprachliche Rhythmusgefühl der Griechen hat seit Beginn der Notation mit drei Betonungszeichen (Akut ´, Gravis `, Zirkumflex ῀) in der Epoche des Hellenismus, aber auch schon davor erstaunliche Stabilität gezeigt.Aristophanes der Byzantiner war Grammatiker in Alexandria und Leiter der dortigen Bibliothek. Er hatte circa 200 v. Chr. als erster in manchen seiner Texte konsequent die neuen Betonungszeichen eingeführt, um die Versmaße in den homerischen Gedichten präzise wiederzugeben. Bis in die Neuzeit werden mehrsilbige Wörter ausschließlich in einer der letzten drei Silben betont (ähnlich den spanischen Betonungsregeln).Im Spanischen gibt es Betonungsregeln für die letzten beiden Silben eines Wortes. Weicht der Sprachrhythmus von diesen Regeln ab, muss ein Akzent auf der betonten Silbe gesetzt werden. Insbesondere betrifft das alle betonten drittletzten, viertletzten etc. Silben. Siehe Wortbetonung in der spanischen Sprache. Hat jedoch eine der letzten zwei Silben einen langen Vokal (zum Beispiel oder ), dann wird die drittletzte Silbe nicht betont. Siehe für das Altgriechische unter Altgriechische Phonologie – Akzent. Das galt auch für das Neugriechische in polytonischer Orthographie. In der seit 1982 geltenden monotonischen Orthographie sind nur die Akzente zu einem einzigen zusammengefallen.
Wegen dieses griechischen Sprachrhythmus entstehen bei der Transkription in Sprachen ohne Betonungszeichen Diskrepanzen, die dem ausländischen Leser oder „Sprecher“ des Altgriechischen nicht auffallen, wenn er seinen eigenen Sprachrhythmus verwendet. Berühmte Beispiele sind die Namen antiker Persönlichkeiten: (nicht Pythágoras), (nicht Aristόteles), (nicht Alexánder). Siehe dazu Deutsche Betonung altgriechischer Eigennamen.
Altgriechisch
mini|Frühform des griechischen Alphabets. Kylix aus Böotien, um 420 v. Chr.Exponatbeschilderung im Archäologischen Nationalmuseum Athen: “Kylix. The alphabet. Unknown provenance. About 420 BC. (9716)” Archäologisches Nationalmuseum, Athen
In den antiken Aussprachen der zahlreichen lokalen Dialekte war die Laut-Buchstaben-Zuordnung im Griechischen zunächst regional recht differenziert. Je nach Dialekt wurden lokale Schriftsysteme entwickelt, die sich nur allmählich anglichen. Erst gegen Ende des 5. Jahrhunderts und unter dem Einfluss des aufstrebenden Athens vereinheitlichte ein Teil der Griechen ihre Schreibweise weitgehend entsprechend der ionischen Variante (geschrieben an der ägäischen Küste Kleinasiens) bis zum heute üblichen griechischen Alphabet.
Bei der Darstellung der Vokale musste das Altgriechische wegen der Vereinheitlichung aber mit sieben Buchstaben für 12 Phoneme auskommen. Alpha, Iota und Ypsilon konnten für lange oder für kurze Laute stehen. Bei den e- und o-Lauten wurde dagegen zwischen Epsilon bzw. Omikron für die Kurzvokale , und Eta bzw. Omega für die offenen Langvokale , unterschieden. Für die geschlossenen Langvokale und verwendete man indes die Digraphen Epsilon-Iota () und Omikron-Ypsilon (). Daneben ist zu beachten, dass die Diphthonge Alpha-Ypsilon () und Epsilon-Ypsilon () als [] und [] gesprochen wurden.
Die Vereinheitlichung des Alphabets zum Ionischen hin wurde nicht von allen Regionen gleichermaßen mitgetragen. So behielten und verbreiteten die griechischen Siedlungen Italiens dort ihr westgriechisches Alphabet, woraus sich letztendlich das Lateinische entwickelte.
Die im Schulunterricht westlicher Länder etablierte Aussprache ist länderspezifisch akademisch (zum Beispiel im deutschen Schulsystem für [] sowie für und unterschiedslos []) und weicht in einigen Punkten von der heute nach wissenschaftlichen Kriterien rekonstruierten Aussprache ab. So wurden Theta, Phi und Chi in der Antike als aspirierte Verschlusslaute und nicht als Reibelaute gesprochen. In Griechenland selbst wird heute für alle Texte, auch für altgriechische, die neugriechische Aussprache verwendet. Auch in anderen orthodoxen Ländern ist die dem Neugriechischen nahestehende byzantinische statt der antiken Aussprache Grundlage für die Aussprache griechischer Wörter.
Neugriechisch
Wie in den meisten Sprachen ist auch im Griechischen die Aussprache der Konsonanten relativ eng definiert, während die Aussprache der Vokale instabiler ist. Weil aber im Griechischen die Schrift weitgehend historisch geblieben ist, wurde die Orthographie durch den Lautwandel der Vokale weit weniger phonematisch. Zwar können geschriebene Vokale wie die Konsonanten mit nur wenigen Ausspracheregeln (vergleichbar dem Französischen und Deutschen, nicht aber dem Englischen) korrekt gelesen werden. Umgekehrt ist die Schreibweise von gesprochenen Vokalen nicht eindeutig. Diskrepanzen entstehen beispielsweise bei ehemaligen Diphthongen, wo im Neugriechischen einer der Vokale nicht mehr gesprochen wird ( für ) oder der Laut sich vollständig verändert hat ( für oder für ). Nur manchmal ist hier die Schreibweise grammatikalisch definiert. Dadurch ist das Erlernen der griechischen Rechtschreibung auch für Muttersprachler mit Schwierigkeiten verbunden.
Aussprache plosiv stimmhaft stimmlos griechisch κ γ χ ξ π β φ ψ τ δ θ ζ entspricht deutsch(englisch) g j, r ch gs b w f bs d th (en) th (en) z (en) Anmerkung