Die Deutsche Seereederei (DSR) in Rostock ist heute in den Bereichen Hotellerie & Tourismus und Immobilien tätig.
In der DDR war sie als Staatsreederei ab 1952 für den gesamten Schiffsbetrieb im Außenhandel verantwortlich und erreichte Ende der 1970er Jahre ihre maximale Größe mit über 200 Schiffen. Die Abkürzung DSR stand ab 1974 als Reederei und Stammbetrieb im Kombinat Seeverkehr und Hafenwirtschaft (KSH) für VEB Deutfracht/Seereederei Rostock, die somit Rechtsträger der ihr übertragenen volkseigenen Schiffe wurde, als DSR-LINES bekannte Liniendienste unterhielt und auch Mitglied mehrerer internationaler Schiffahrtskonferenzen war.Stichwort Deutfracht Seereederei, VEB, Abk. DSR, gegr. 1.1.1974. In: Erno Wiebeck (Hrsg. und Mitautor), Wolfgang Althoff u. a. Mitautoren: BI Taschenlexikon Lexikon Schiffbau Schiffahrt. , Bibliografisches Institut Leipzig, 1. Aufl. 1980 – sowie 2. Aufl. 1982, Seite 67 und 68 – .
mini|Ehrengeschenk – Deutsche Seereederei (DDR) Im wiedervereinigten Deutschland wurde die DSR durch die Treuhandanstalt vom Volkseigenen Betrieb in eine GmbH umgewandelt und an die Investoren Horst Rahe und Nikolaus H. Schües verkauft. Durch anschließende Übertragung des Frachtschiffgeschäfts auf die Hamburger Reederei F. LaeiszF. Laeisz: . In: Webseite des Unternehmens, abgerufen am 12. Oktober 2015 sowie Ausgründungen und Verkäufe in der Folgezeit ist das Unternehmen schon seit 2009 nicht mehr im Bereich Seefahrt und Reedereigeschäft tätig. Das verbliebene Immobilien- und Hotelgeschäft steuert die DSR als Führungsholding. Der operative Betrieb liegt bei den jeweiligen Tochtergesellschaften. Deutsche Seereederei; abgerufen am 4. Oktober 2015
Mit Stand 1. Januar 1995 gehörte die Deutsche Seereederei Rostock als DSR Senator Lines Holding zusammen mit der NSB Niederelbe Schiffahrtsgesellschaft aus Buxtehude kurzzeitig auch zum Bereich „Beteiligungen“ des maritimen Mischkonzerns Bremer Vulkan.
Nach erfolgreicher Vermarktung des vom FDGB-Feriendienst verbliebenen „Urlauberschiffs“ Arkona finanzierte die DSR einen Schiffsneubau, der als „Clubschiff“ AIDA große Bekanntheit erreichte und zur Entwicklung der heutigen Kreuzfahrtmarke AIDA Cruises führte. Nach hohen Anlaufverlusten wurde der Bereich auf Horst Rahes Arkona Touristik übertragen und im September 1999 an die britische Reederei P&O verkauft.P&O strengthens position in German cruise sector. In: Pressearchiv der Carnival Corporation & plc; abgerufen am 13. Oktober 2015 (englisch)
Historie
Ausgangslage Mit der sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges abzeichnenden Teilung Deutschlands und der Entwicklung unterschiedlicher Wirtschaftssysteme wurde es für das Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) notwendig, die Fischerei und den Seeverkehr eigenständig wieder aufzubauen. Die Ausgangslage war denkbar ungünstig. Die Schifffahrt in Rostock hatte um das Jahr 1870 ihren Höhepunkt mit 378 Schiffen erreicht, bis 1910 war die Anzahl auf 45 gesunken und in den Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beheimatete Rostock im Durchschnitt nur noch 35 Schiffe. Stralsund und Wismar waren schon in der Vorkriegszeit bedeutungslos geworden.Hans-Jürgen Klesse: 25 Jahre Mauerfall – So wandelte sich die Deutsche Seereederei. In: Wirtschaftswoche, 7. November 2014; abgerufen am 13. Oktober 2015 Ursachen waren eine deutlich bessere Ausgangslage der Nordseehäfen für den Überseeverkehr, die schwache Industrialisierung in Mecklenburg und Pommern und das Festhalten an althergebrachten Unternehmensformen wie der Partenreederei, die das für Modernisierung und Wachstum notwendige Kapital nicht aufbringen konnten. Die wenigen bei Kriegsende 1945 im Hafen von Rostock verbliebenen Schiffe wurden nach der Besetzung der Stadt durch die Rote Armee beschlagnahmt, mit Besatzungen versehen und als Kriegsbeute abgefahren. Lediglich zwei Schiffe, der mit Maschinenschaden in Wismar liegende Dampfer Johann Ahrens (die ehemalige Grete Cords) mit 1.250 tdw und ein ebenfalls beschädigter Seeleichter Quistorp IV, standen noch zur Verfügung.
Im August 1950 beschloss der DDR-Ministerrat den Bau von 18 neuen Handelsschiffen zwischen 1000 und 8000 tdw. Die Johann Ahrens wurde in der VEB Volkswerft Stralsund repariert und ab dem 13. Oktober 1950 als VorwärtsHildtrud Gerlach, Siegfried Fügenschuh (Red.): Mit dem Dampfer „VORWÄRTS“ begannen wir – Erinnerungen, Aufzeichnungen. (= Beiträge zur Geschichte der Seeverkehrswirtschaft der DDR; Heft 2). Geschichtskommission der SED-Kreisleitung Seeverkehr und Hafenwirtschaft Rostock, Rostock 1975, () durch die am 1. Oktober 1949 gegründete „Deutsche Schiffahrts- und Umschlagsbetriebszentrale“ (DSU) bereedert, die eigentlich für die Binnenschifffahrt zuständig war. Der Leichter ging ebenfalls an die DSU, lag aber in Greifswald auf und konnte vorerst nicht eingesetzt werden. Im Rahmen der Feiertage in der DDR wurde der 13. Oktober als das Datum der Indienststellung des Dampfers VORWÄRTS als das 1. Schiff der DSU nachfolgend als „Tag der Seeverkehrswirtschaft“ in die Reihe der Ehren- und Gedenktage kalendarisch aufgenommen, war aber kein gesetzlicher arbeitsfreier Feiertag.
Zur Verwirklichung des 1950 auf dem 3. Parteitag der SED von Walter Ulbricht betonten Bedeutung des Aufbaus einer neuen Hochsee-Handelsflotte der DDR wurde auf Beschluss des Ministerrates der DDR am 1. Juli 1952 die Bildung des VEB Deutsche Seereederei Rostock (DSR) mit Sitz in Rostock vom ersten Minister für Verkehr der DDR (Hans Reingruber) angeordnet und unter dem Vorsitz von Staatssekretär Karl Salomon eine Aufbauleitung gebildet, die am 10. Juli 1952 ihre Tätigkeit aufnahm. Somit wurde der VEB DSR ab dem 1. Juli 1952 zunächst durch den Staatssekretär Karl Salomon und folgende kurzfristige kommissarische Leitungen so lange geführt, bis Wilhelm Knapp am 1. Februar 1955 vom ZK der SED zum 1. Direktor der Reederei DSR berufen wurde und in dieser Leitungsfunktion zweieinhalb Jahre bis 1957 tätig war um die neue Handelsflotte mit aufzubauen.Hildtrud Gerlach, Siegfried Fügenschuh (Red.): Mit dem Dampfer „Vorwärts“ begannen wir – Erinnerungen, Aufzeichnungen in Beiträge zur Geschichte der Seeverkehrswirtschaft der DDR; Heft 2-75; (Hrsg.:) Geschichtskommission der SED-Kreisleitung Seeverkehr und Hafenwirtschaft Rostock, 1975, (), Seite 7 und Seite 4.
Die Geschichte der Deutschen Seereederei inkl. Kombinat Seeverkehr und Hafenwirtschaft als Teil der Vergangenheit der Hansestadt Rostock nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde von MV1 in der Reihe Heimat bewegt durch Hans-Jörg Goldhofer mit historischen Aufnahmen in einer Zeitreise dokumentiert. Dabei wurde zunächst die Ausgangslage mit dem 1946 / 1947 gegründeten Unternehmen DERUTRA und den 1949 gegründeten Deutschen Schiffahrts- und Umschlagbetrieben im Verantwortungsbereich der Sowjetischen Militäradministration dargestellt, die 1945 die Regierungsgewalt in Mecklenburg-Vorpommern an Wilhelm Höcker übergab. Nach Währungsreformen in Deutschland 1948 und Gründung der DDR folgten im Jahr 1950 zunächst Beschlüsse der Landesregierung Mecklenburg zum Aufbau einer volkseigenen Flotte und historische Aufnahmen des dafür zur Verfügung stehenden Seeleichters und des Dampfers wurden eingeordnet, bevor es 1952 zur Gründung der DSR kommen konnte.
VEB Deutsche Seereederei Rostock (bis 1973) mini|hochkant|Frachter Vorwärts im Hafen von Rostock (1953) mini|Frachter Unstrut wurde 1965 erworben Die Deutsche Seereederei wurde am 1. Juli 1952 unter dem Namen „VEB Deutsche Seereederei Rostock“ (DSR) gegründet. Der Beginn mit der Übernahme der Vorwärts war eher symbolisch. Im Februar 1954 wurde der Dampfer mit einem irreparablen Kesselschaden aufgelegt und der Leichter, der unter dem Namen Fortschritt erst 1953 in Dienst gegangen war, musste mit Leckage am Schiffsboden an den VEB Schiffsbergung zur Metallrückgewinnung übergeben werden. Bis zum Herbst 1954 war die DSR damit eine Reederei ohne Schiff.
Im Herbst 1954 wurden als erste Schiffe die Dampfer Rostock und Wismar und im Dezember das Motorschiff Stralsund in Dienst gestellt, Mitte 1955 folgten mehrere Kümos mit je 500 tdw. Einsatzgebiete waren Ostsee, Nordsee und Mittelmeer, transportiert wurden Außenhandelsgüter der DDR. Durch den Kalten Krieg und den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik Deutschland war es am Anfang schwierig, ausländische Partner für den Handel, aber auch die Versorgung und Ausrüstung der Schiffe in ausländischen Häfen zu finden. Eine finnische Reederei machte am 1. Januar 1956 den Anfang mit einem gemeinsamen Liniendienst zwischen Südfinnland und den DDR-Häfen. Nach anfänglichem Improvisieren begann der Ausbau zu einer weltweit agierenden Reederei. Feste Liniendienste wurden nach Ost- und Westeuropa, Fernost, Mittel- und Südamerika sowie nach Afrika eingerichtet. Allein der afrikanische Kontinent wurde mit fünf festen Routen an das ostdeutsche Transportnetz angeschlossen. Seit 1958 betrieb die DSR hier – in Gemeinschaft mit der sowjetischen Baltic Shipping CompanyBaltic Shipping Company in der englischsprachigen Wikipedia und der nationalen Schifffahrtsgesellschaft der Vereinigten Arabischen Republik – eine Linie mit Alexandria als Abschlusshafen. 1961 kam, diesmal in Kooperation mit Polish Ocean Lines und Polska Zegluga Morska, eine zweite Linie nach West- und Zentralafrika hinzu. Schon ein Jahr später folgte eine dritte Linie durch das Rote Meer, die Häfen in Ost- und Südafrika zu bedienen hatte. Zunächst alleine operierend, schloss sich die DSR hier 1967 mit Polish Ocean Lines zur Baltafrika zusammen, um ein Monopol westlicher Konferenzen auf den Transport von Kaffeebohnen zu durchbrechen. Nach 1975 sollten noch zwei weitere feste Linien mit Endpunkten in Tunesien und Algerien hinzukommen. Im Rahmen der Beziehungen der DDR und der Volksrepublik Mosambik liefen die Schiffe der DSR im damaligen Ostafrika-Liniendienst die drei Haupthäfen Maputo, Beira und Nacala Provinz Nampula regelmäßig an und im Jahre 1979 wurde hierzu auch ein Seeverkehrsabkommen zwischen beiden Staaten geschlossen.Egon Hammerschmied: Fünf am Indik. Die Seehäfen der Volksrepublik Mosambik. In: Jahrbuch der Schiffahrt. Ein Rundblick über die internationale See- u. Binnenschiffahrt. Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin, Jg. 1982, S. 78–84, ISSN 0075-238X. ()