mini|Die heute populäre Vorstellung von Feen als winzigen Frauen und ihre Assoziation mit Blumen wurde von William Shakespeare (1564–1616) erfunden. Englische Künstler des 18. Jahrhunderts ergänzten dieses Bild um Insektenflügel. Die Vorstellung der winzigen, geflügelten und naturverbundenen Fee wurde schließlich durch die viktorianische Literatur des 19. Jahrhunderts weit verbreitet.Goodrich 2015: 458.Young 2019: 253f., 260. (Kinderbuchillustration von Warwick Goble, 1920)
Das deutsche Wort Fee bezeichnet eine Art von übernatürlichen Wesen aus Kunst und Religion. Unter einer Fee wird heute oft eine schöne, magisch begabte Frau verstanden, die Menschen gegenüber meist gut, aber auch bösartig auftreten kann.Worteintrag: Fee. In: Duden Onlinewörterbuch. Abgerufen am 18. August 2022.Worteintrag: Fee. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 18. August 2022. Die Figur der Fee stammt aus der französischen Literatur, aus der sie zwei Mal ins Deutsche sowie in viele andere Sprachen übernommen wurde. Was unter einer Fee genau vorgestellt wird, unterscheidet sich je nach zeitlichem und regionalem Kontext.
Die genaue Herkunft der Figur ist unklar. Das Wort taucht in der altfranzösischen und normannischen höfischen Dichtung des 12. Jahrhunderts erstmals als fae bzw. fay auf. Es stammt von lateinisch fata („Schicksal“) und war ursprünglich vermutlich ein Verb bzw. Adjektiv, das in etwa „verzaubern“ und „verzaubert“ bedeutete. Das Wort wurde in der französischen Dichtung wohl benutzt, um keltische Sagenfiguren zu beschreiben. Daraus entwickelte sich eine beliebte Kategorie von Figuren, die über den Einfluss der französischen Kultur auch in die mittelalterliche Dichtung des weiteren Europas einging, insbesondere als fei in die deutsche und als fairy in die englische. Die Feen der mittelalterlichen Dichtung waren meist schöne, mächtige und magisch begabte Männer und Frauen, die als Helfer oder Geliebte der menschlichen Protagonisten auftreten. Bekannte Beispiele sind Morgan le Fay und der Feenkönig Oberon. Unter dem Einfluss der italienischen Literatur entstand Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich die Gattung des Feenmärchens (conte des fées). In diesen für das Publikum der literarischen Salons verfassten Geschichten treten häufig die namensgebenden guten oder bösen fées auf, etwa in der Rolle der Feenpatin. Das Genre der Feenmärchen wurde im 18. Jahrhundert auch im deutschen Sprachraum populär und die Figur der fée als Fee zum zweiten Mal ins Deutsche übernommen. Ein bekanntes Feenmärchen ist Dornröschen, in dem mehrere gute und eine böse Fee über das Schicksal der Prinzessin entscheiden.
Mit der normannischen Eroberung Englands kam die mittelalterliche französische Feendichtung auf die Britischen Inseln. Aus der höfischen Kultur übernahm die angelsächsische Bevölkerung den Begriff fairy (Mehrzahl fairies) für die elves genannten Wesen ihrer eigenen Tradition. Die Feen wurden damit auch zu schädlichen Wesen, die beispielsweise Krankheiten bringen oder Kinder stehlen und gegen Wechselbälger austauschen. Gleichzeitig entstand die Idee, dass die fairies in einem ebenfalls fairy genannten Feenland leben, das von einem edlen und schönen Königspaar regiert wird, dem Feenkönig und der Feenkönigin. Sehr einflussreich wurde das Feenbild, das der frühneuzeitliche Schriftsteller William Shakespeare (Ein Sommernachtstraum) entwarf. Seine Vorstellung von den fairies beeinflusste nicht nur die Kunst, sondern wirkte auch wieder auf die Volkserzählungen und den Feenglauben zurück. Unter anderem durch den Einfluss der conte des fées Literatur setzte sich im 19. Jahrhundert eine heute typische Vorstellung durch: Fairies sehen aus wie winzige Menschen mit Insektenflügeln, sind mit Tieren und Pflanzen verbundene Naturgeister und sie haben eine besondere Verbindung zu Kindern. Über die englische Literatur sowie durch die Darstellungen in Filmen (insbesondere Disneyfilmen wie Peter Pan (1953)) wurde diese Vorstellung weltweit verbreitet.
Das englische Wort fairy hat daneben eine viel breitere Bedeutung als das deutsche Fee. In der englischsprachigen Forschungsliteratur wird fairy auch oft als etischer Sammelbegriff für alle möglichen übernatürlichen Wesen verwendet, unabhängig davon, wie diese Wesen von den Akteuren selbst genannt werden.Williams 1984: Sp. 799. So können beispielsweise die Elben und Unholde aus frühneuzeitlich deutschen Texten in der englischen Fachliteratur als fairies bezeichnet werden.Beispielsweise Goodrich 2015: 462.
Die Geschichte der Feentraditionen ist durch eine starke Wechselwirkung zwischen Volkskultur und literarischer Kultur geprägt.Williams 1984: Sp. 794. Volkserzählungen, Literatur, Kinofilme und andere Medien beeinflussen sich gegenseitig in ihrer Darstellung der Feen. Dies hat wiederum eine Rückwirkung auf die Menschen, die an diese ZwischenwesenFranz Winter: Zwischenwesen: Engel, Dämonen, Geister. In: Johann Figl (Hrsg.): Handbuch Religionswissenschaft. Religionen und ihre zentralen Themen. Tyrolia-Verlag und Vandenhoeck & Ruprecht, Innsbruck/Wien/Göttingen 2003, ISBN 3-7022-2508-0, S. 651–662, hier: S. 651. glauben: Was sie berichten gesehen und erlebt zu haben, ist oft abhängig davon, wie die Feen im jeweiligen kulturellen Kontext vorgestellt werden.Magliocco 2019: 127.
Etymologie Die genaue Wortgeschichte von Fee und Fairy ist unklar und umstritten. Im 12. Jahrhundert taucht in der höfischen Dichtung altfranzösischer und anglonormannischer Sprache erstmals das Wort fai, fae oder fay auf. Dieses scheint auf lateinisch fata („Schicksal“; von fatum „das Gesagte“) zurückzugehen. In der älteren Forschung wurde angenommen, dass frühmittelalterliche Autoren dies als ein Singularwort für „die Göttin“ fehlgedeutet und daraus wiederum den Plural fatae („die Göttinnen“) gebildet hätten. Mit fatae seien sowohl die römischen Schicksalsgöttinnen (Parcae) als auch die in Dreiergruppen auftretenden keltischen Matronae bezeichnet worden. Im Altfranzösischen sei schließlich das „t“ verloren gegangen, so dass fata zu fa’a und fae geworden sein soll. Dieses Wort habe zunächst eine magisch begabte Frau bezeichnet, daraus sei später faierie als Wort für Zauberei und das Feenland entstanden. Dieses wiederum sei als Pluralform für die magischen Wesen fehlverstanden und fairie als neuer Singular gebildet worden.Williams 1997, S. 462f.
Diese sehr spekulative und im Detail unbelegte Wortgeschichte ist ab den 1980er Jahren vom Anglisten und Volkskundler Noel Williams (1952–2021) in Frage gestellt worden. Williams weist darauf hin, dass die altfranzösischen und mittelenglischen Begriffe (etwa fee, fae, fay, fairy) meist als Verben („verzaubern“) und Adjektive bzw. Partizipien („verzaubert“) verwendet wurden. Das Wort modifiziert oft ein Nomen (etwa fairy knit „magischer Ritter“), tritt aber nur sehr selten selbst als eines auf. Tatsächlich habe sich aus dem lateinischen fata also ein Begriff entwickelt, der in etwa „vom Schicksal bestimmt“ (englisch fated) bedeutet habe. Damit seien Phänomene bezeichnet worden, die außerhalb menschlicher Kontrolle lagen.Williams 1997, S. 463–465. Englisch fairy, italienisch fada und spanisch fada oder hada seien alle parallel und unter gegenseitiger Beeinflussung aus diesem Begriff entstanden. Daraus habe sich erst allmählich die Bedeutung als Gattungsbezeichnung für magische Wesen entwickelt. Williams nimmt an, dass das altfranzösische fay in der höfischen Literatur als ein Sammelbegriff verwendet wurde, mit dem verschiedene übernatürliche Wesen aus den Traditionen der keltischsprachigen Bevölkerung der Bretagne und der Britischen Inseln zusammengefasst wurden. Dabei habe es sich um eine Fremdbezeichnung gehalten, die Kelten selbst hätten keinen übergeordneten Gattungsbegriff dieser Art gehabt.Williams 1997, S. 468.
Williams konnte aus englischen Texten bis 1829 ein Korpus von etwa 50 verschiedenen Schreibweisen für fairy, Faerie, Pharie, Feyrie, Ffeyre usw. sammeln. Dabei dürfte es sich um graphemische Varianten des Phonems /fɛəri/ bzw. /fei/ handeln. Dazu kommen wohl verwandte Begriffe, die volksetymologisch aufgrund von Homonymie oder Homophonie gebildet wurden. So ist der Ausdruck farefolkis wohl aus fair folk („schönes Volk“) zusammengesetzt, einem weit verbreiteten Euphemismus für fairies.Williams 1997, S. 459–461.
Das französische Wort wurde zweimal ins Deutsche übernommen. Zuerst wurde im Hochmittelalter die altfranzösische fae in die mittelhochdeutsche Dichtung als Fei, Feie oder Feine übernommen und hielt sich anschließend bis ins Frühneuhochdeutsche als Kompositum in den Fabelwesen Meerfei und Waldfei. Danach ging das Wort wieder verloren. Im 18. Jahrhundert wurde unter dem Einfluss der beliebten Conte des fées Literatur (siehe unten) die französische fée als Fee erneut ins Deutsche entliehen. Der von manchen Autoren unternommene Versuch das ältere Fei wiederzubeleben, setzt sich nicht durch. Im 19. Jahrhundert entstand schließlich das Verb feien. Vor oder gegen etwas gefeit zu sein bedeutet, (durch Feenmacht) davor geschützt zu sein. In der Infektionsepidemiologie existiert die davon abgeleitete Fachbezeichnung „stille Feiung“. Feien wurde unter Rückgriff auf das mittelalterliche Fei bzw. auf das mittelhochdeutsche Verb feinen gleicher Bedeutung neu gebildet.Einträge „Fee“ und „gefeit“ in: Duden. Das Herkunftswörterbuch. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Herausgegeben von der Dudenredaktion. Dudenverlag, Berlin 2020, ISBN 3-411-04076-9, S. 259, 305.Einträge „Fee“ und „gefeit“ in: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold, 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin und Boston 2011, S. 283, 339.Einträge: Fee und feien In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 23. September 2023.
Fées im französischen Sprachraum
Fays im Mittelalter mini|König Artus und Morgana. Buchmalerei aus der Suite de Merlin, 14. Jahrhundert.