Intrada (von ), auch Intrade oder Entrata (älter auch Intrata) bezeichnet in der Musik ein (meist kurzes) instrumentales Eröffnungsstück.
Geschichte Intraden kamen im 16. Jahrhundert auf und wurden im 17. Jahrhundert weiterentwickelt. Sie dienten ursprünglich zur Eröffnung von Festlichkeiten, insbesondere zur Begleitung des Ein- oder AufzugsVgl. die von Johann Christoph Demantius 1632 publizierte Formulierung: „Intrada, Intrata oder Entrata sind unterschiedlicher art Täntze, welche man bey grossen Herren oder auch Comoedianten Auffzügen brauchet“. Zitiert bei Helmut Mönkemeyer (Hrsg.): Nürnberger Lautenbuch. Handschriftliche Tabulaturensammlung um 1600 aus der Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg (Ms. 33748. Teil I) (= Die Tabulatur. Band 23). Friedrich Hofmeister, Hofheim am Taunus 1979 (= FH. Band 4572), S. 2 (Vorwort). hochgestellter Persönlichkeiten. Der Prototyp dieser Gattung, der auch mit Bezeichnungen wie Aufzug oder Signal tituliert wurde, wurde meist von Trompeten (auch als Tusch) gespielt und war durch einfache Motivik, geradtaktigen marschartigen Rhythmus und häufige Tonwiederholungen gekennzeichnet.
Daneben bildeten sich weitere Typen der Intrada aus: ein geradtaktiger pavanenartiger Typus in langsamem Tempo mit mehr polyphoner Satztechnik, etwa als Entrée de LuthsKeiji Makuta: 51 selections for Lute in renaissance era. Arranged for Guitar. Zen-On, Tokyo 1969, ISBN 4-11-238540-4, S. 64 f. im Lautenwerk des französischen Komponisten Robert Ballard oder als Eröffnungsstück Entrée von SuitenVgl. etwa Adalbert Quadt (Hrsg.): Gitarrenmusik des 16.–18. Jahrhunderts. 4 Bände. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1970–1984. Band 3, S. 15–17 (anonyme Suite um 1700) und 27–29 (anonyme Partie um 1700). auch anonymer Komponisten. ein ungeradtaktiger bewegter Tanztypus, der sich z. B. im Ballett als Entrée des Pas de deux wiederfindet oder um 1700 als Instrumentalstück L’EntréeHubert Zanoskar (Hrsg.): Gitarrenspiel alter Meister. Original-Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Band 1. B. Schott’s Söhne, Mainz 1955 (= Edition Schott. Band 4620), S. 19 f. (L’Entrée, gefolgt von Gavotte). bei Graf Tallard (Camille de Tallardimslp.org.). ein durch volksliedartige Melodik und homophonen Satz geprägter Liedtypus
Der Eröffnungscharakter rückt die Intrada in die Nähe von Introduktion, Ouvertüre und Praeludium, doch tritt im Gegensatz zu diesen Bezeichnungen der Name Intrada bereits Ende des 17. Jahrhunderts zurück.
Im 20. Jahrhundert wurde die Bezeichnung Intrada vereinzelt wieder aufgegriffen (z. B. von Joseph Ahrens, Carl Orff, Ernst Pepping und Albert Jenny).
Das Gegenstück in der barocken Suite ist die Retirada.
Musikbeispiele Im Nürnberger Lautenbuch von 1600 findet sich unter anderem eine Intrada ad Festum: Maij.Helmut Mönkemeyer (Hrsg.): Nürnberger Lautenbuch. Handschriftliche Tabulaturensammlung um 1600 Teil IV (= Die Tabulatur. Band 26). Friedrich Hofmeister, Hofheim am Taunus 1979 (= FH. Band 4575), S. 149. Beethovens Serenade für Flöte, Violine und Viola in D-Dur op. 25 beginnt mit einer Entrata. Ebenso das Parallelwerk, die Serenade für Flöte und Klavier D-Dur op. 41. Albert Jenny schrieb 1964 eine Intrada für Orgel und Streichorchester.
Siehe auch Präludium Entrée de ballet
Literatur
Marc Honegger, Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik. Band 4: Halbe Note – Kostelanetz. Aktualisierte Sonderausgabe. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 1987, ISBN 3-451-20948-9, S. 197.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Musikalische Gattung