mini|300px|Luftaufnahme 2007
Griesheim (mundartlich: Griesem)Darmstädter Echo. 26. August 2014, S. 21. ist mit rund 30.000 Einwohnern die größte Stadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Sie liegt rund sechs Kilometer westlich von Darmstadt und 35 Kilometer südlich von Frankfurt am Main.
Der Dagger-Komplex, der sich im Zuge der NSA-Affäre als wichtigstes NSA-Quartier Europas auf: hr-online.de, 18. Juni 2014, S. 14–15. Abgerufen am 23. Juli 2014.NSA-Standorte in Deutschland: Griesheim. In: Spiegel Online, 18. Juni 2014, S. 25–37, Bildunterschrift. Abgerufen am 23. Juli 2014. entpuppte, machte Griesheim im Jahr 2013 bekannt. Der erste Flugplatz Deutschlands wurde in Griesheim 1908 gegründet. Das Wahrzeichen des in der Region auch als „Zwiebelstadt“ bekannten Griesheims ist die sogenannte „Zwewwelfraa“ (Zwiebelfrau) auf dem Griesheimer Marktplatz.
Geografie Griesheim liegt im Hessischen Ried zwischen dem Verlauf des Urneckars im Westen und dem Darmstädter Westwald im Osten. Das Stadtgebiet ist überwiegend eben, im Osten bewaldet, ansonsten intensiv landwirtschaftlich genutzt. Natürliche Wasserläufe sind nicht mehr vorhanden, jedoch einige im Rahmen der Urbarmachung des Rieds angelegte Gräben, so der Sandbach südlich, der Küchlergraben westlich und der Landgraben nördlich der Stadt. Südlich von Griesheim, bereits auf Darmstädter Gebiet, liegt das Naturschutzgebiet Griesheimer Düne.
Nachbargemeinden Griesheim grenzt im Osten an die kreisfreie Stadt Darmstadt und nordwestlich an den Landkreis Groß-Gerau mit der Stadt Riedstadt im Westen, der Stadt Groß-Gerau im Nordwesten und der Gemeinde Büttelborn im Norden. Ebenfalls nördlich von Griesheim liegt die Stadt Weiterstadt, südlich die Stadt Pfungstadt, die beide wie Griesheim selbst zum Kreis Darmstadt-Dieburg gehören.
Stadtgliederung Griesheim umfasst nur eine Gemarkung (Gmk.-Nr. 61079) mit dem Stadtkern, der 1977 durch die Rückgliederung des 40 Jahre lang zwangsweise nach Darmstadt ausgemeindeten Gebiets der Sankt Stephans-Siedlung erweitert wurde. Diese fügt sich jedoch übergangslos an die restliche Bebauung an.
Bis 1937 gehörte zu Griesheim auch der Stadtteil „Siedlung Tann“, bis dieser zusammen mit fast einem Drittel der Griesheimer Gemarkung (damit auch das Gebiet des heutigen St. Stephan) unter der NS-Diktatur gegen den Willen der Kommune nach Darmstadt ausgemeindet wurde.
Geschichte Griesheim wurde am 14. Juni 1165 erstmals mit eigenem Namen urkundlich erwähnt; in älteren (Schenkungs-)Urkunden ist von Ansiedlungen in diesem Gebiet bereits als nicht namentlich bezeichnetem „Zubehör“ zum Königshof Groß-Gerau die Rede.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Griesheim:
Historische Ortsnamen In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte mit wechselnden Schreibweisen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Griezheim (1165)Grizheim (1225)Grizheim; Grisheim (1234)Grießheim (1368)Grisheim (1369)Gryesheym (1381)Grießen (1452)Grießhem; Grießehem (1475)Gryeßheym (1493)Grisheimb; Griesheimb (1648)
mini|„Griesheimer Tannenzapfenbrecher“ in der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ von 1867. Weinbau und Tannensamen-Sammlung Eine wichtige Einnahmequelle Griesheims war in früheren Zeiten der Weinanbau. Durch den Dreißigjährigen Krieg litt dieser jedoch heftig und wurde im 18. Jahrhundert letztmals erwähnt. Die Kriege im Mittelalter hinterließen in Griesheim ihre Spuren ebenso wie die Pest. Dies führte schließlich fast zur Ausrottung Griesheims. 1635 wurden nur noch 37 Einwohner gezählt.
Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Gewinnung von und der Handel mit Tannensamen zu einem wichtigen Gewerbe in Griesheim. Zudem wurde der Ort ein Zentrum des Formstecher-Handwerks.
Truppenübungsplatz und August-Euler-Flugplatz 1874 schloss die Gemeinde mit dem preußischen Kriegsministerium einen Vertrag über die Einrichtung eines Artillerie-Schießplatzes im Südwesten Griesheims, im Griesheimer Sand, einem Sanddünengebiet, das damals als landwirtschaftlich minderwertig galt. Im nördlichen Teil des Truppenübungsplatzes Griesheim errichtete August Euler 1908 den ersten Flugplatz Deutschlands.
Teilweise Eingemeindung nach Darmstadt Im Gegensatz zu Eberstadt und Arheilgen entging Griesheim 1937 einer Zwangseingemeindung nach Darmstadt, da sich ein Griesheimer Landesbauernführer für die Selbständigkeit des Ortes einsetzte. Allerdings wurden mit 800 Hektar, einschließlich des Geländes des Truppenübungsplatzes, 27,6 % der Gemarkung gegen den Widerstand von Griesheims Bevölkerung und Lokalpolitikern laut Reichsstatthalter-Beschluss nach Darmstadt eingemeindet. Dies wurde mit der Wiedererhebung Darmstadts zur Garnisonsstadt und der Ausdehnung der Siedlungstätigkeit im Sinne der nationalsozialistischen Forderungen begründetUrsula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, S. 145. und fand auf Betreiben des Darmstädter Stadtrates Holtz und des NSDAP-Kreisleiters und Darmstädter Oberbürgermeisters Wamboldt statt, der sehr gute Beziehungen zum NSDAP-Gauleiter Sprenger hatte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte die Griesheimer Politik vergeblich die Abtrennung der Gemarkungsteile rückgängig zu machen, auch mit Verweis auf die Flächen des Truppenübungsplatzes, den man für eine Ausweitung der Äcker und damit eine drastische Erhöhung der Gemüseproduktion nutzen wolle. Griesheim war damals mit seiner Agrarwirtschaft wichtig für die Versorgung der umliegenden Städte. Der damalige Landrat Wink stellte sich hinter die Gemeinde und forderte die Wiederherstellung der ursprünglichen Gemeindegrenzen, wobei er unter anderem bezweifelte, dass zum damaligen Zeitpunkt noch militärische Notwendigkeit bestand.A. Göller, A. Holtmann (Hrsg.): Ein Jahrhundert Luftfahrtgeschichte zwischen Tradition, Forschung und Landschaftspflege. Der August-Euler-Flugplatz in Darmstadt-Griesheim. Darmstadt 2008.
Die Stadt Darmstadt bezweifelte, dass die Eingemeindung aus militärischen Gründen erfolgt sei. Auf Darmstädter Seite agierte wieder der Stadtrat Holtz, der eine Wiederherstellung der alten Gemeindegrenzen zu verhindern suchte.
Letztlich scheiterten die jahrelangen Bemühungen. 1977 wurden im Rahmen der Gebietsreform in Hessen mit der Sankt Stephans-Siedlung 47,30 Hektar wieder nach Griesheim zurückgegliedert. 2006 wurde ein Flächenaustausch mit Darmstadt vereinbart, bei dem im Wege einer Grenzänderung weitere 40 Hektar gegen den Tausch von 24 Hektar Ackerland wieder Griesheimer Gemarkung wurden.
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg wurde Griesheim durch vier Luftangriffe zu über 65 % zerstört. Zahlreiche Zivilisten kamen ums Leben oder wurden verletzt. Die Stadt wurde unter den Bürgermeistern Daniel Müller und Georg Bohl wieder aufgebaut.
Nach erfolgreichem Wiederaufbau bekam Griesheim am 12. September 1965 von der hessischen Landesregierung die Stadtrechte verliehen.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Griesheim angehört(e):
vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obere Grafschaft Katzenelnbogen ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obere Grafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obere Grafschaft Katzenelnbogen (1783: zum Amt Darmstadt, später Oberamt Darmstadt, Amt Pfungstadt), Zent Pfungstadt ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DornbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Großgerau) und Verwaltung ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg
Gerichte Griesheim gehörte zur Zent Pfungstadt dessen Aufgaben ab etwa 1800 durch das Amt Pfungstadt mit wahrgenommen wurden. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Griesheim das Amt Pfungstadt zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.
Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Groß-Gerau das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: 1853: Landgericht Darmstadt; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1879: Amtsgericht Darmstadt II; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt 1932: Amtsgericht Darmstadt; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt
Einwohnerentwicklung Einwohnerstruktur Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Griesheim 25.511 Einwohner. Darunter waren 3638 (9,5 %) Ausländer, von denen 1630 aus dem EU-Ausland, 1458 aus anderen europäischen Ländern und 550 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 14,6 % einen Migrationshintergrund. Die Einwohner lebten in 11.560 Haushalten. Davon waren 3868 Singlehaushalte, 3378 Paare ohne Kinder und 3111 Paare mit Kindern, sowie 836 Alleinerziehende und 367 Wohngemeinschaften.
Einwohnerentwicklung • 1629: 146 Hausgesesse • 1791: 1510 Einwohner • 1800: 1655 Einwohner • 1806: 1713 Einwohner, 275 Häuser • 1829: 2390 Einwohner, 359 Häuser • 1867: 3393 Einwohner, 529 Häuser
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1829: 2294 lutheranische (= 94,73 %), einen reformierten (= 0,04 %), 121 jüdische (= 5,06 %) und 4 katholische (= 0,17 %) Einwohner • 1961: 9748 evangelische (= 71,15 %) und 3398 katholische (= 24,80 %) Einwohner • 2011: 9730 evangelische (= 38,2 %), 6410 katholische (= 25,1 %), 900 orthodoxe (= 3,5 %), 1100 andersgläubig (= 4,3 %), 7096 sonstige (= 27,8 %) Einwohner
Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenSozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 6.506 74.525 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 +18,8 % +21,1 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 60,9 % 68,3 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 39,1 % 31,7 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2019 1.437 14.325 218.414 363.019 Veränderung zu 2000 +14,7 +7,1 % +14,4 % +6,2 % +5,9 %