|} Die Schmalspurbahn Reichenbach–Oberheinsdorf (im Volksmund: de Rollbock, auch Rollbockbahn) war eine sächsische Schmalspurbahn im Vogtland. Sie verlief von Reichenbach (Vogtl) unt Bf nach Oberheinsdorf. Neben der Schmalspurbahn Klingenthal–Sachsenberg-Georgenthal war sie eine der beiden in Meterspur ausgeführten Bahnstrecken in Sachsen.

Geschichte mini|Historischer Fahrplan der Rollbockbahn Erstmals 1895 ersuchten die Industriellen und Kaufleute im Heinsdorfergrund um einen Eisenbahnanschluss. Zu dieser Zeit war die Fortführung der schon bestehenden Bahnstrecke von Reichenbach ob Bf nach Mylau durch den Heinsdorfer Grund vorgesehen, was letztlich so nicht realisiert wurde. Stattdessen wurde vom sächsischen Staat nunmehr eine schmalspurige Industriebahn bis Oberheinsdorf geplant, welche vor allem die schon vorhandenen Straßen mitbenutzen sollte. Die Stadt Reichenbach unterstützte dieses Vorhaben und stellte den notwendigen Grund unentgeltlich zur Verfügung.

Im Jahre 1901 begannen die Arbeiten mit der Verbreiterung der Straßen und dem Abriss von Häusern an der vorgesehenen Trasse. Da die Strecke nur als Industriebahn geplant war und vor allem Rollbockverkehr stattfinden sollte, wurde als Spurweite die Meterspur gewählt. Am 15. Dezember 1902 wurde die neue schmalspurige Industriebahn offiziell eröffnet. Im Stadtgebiet von Reichenbach führte sie dabei wie eine Straßenbahn durch den Ort.

Mehrfach forderten die an der Strecke wohnenden Bürger auch die Einführung des Personenverkehrs, was dann auch am 1. Oktober 1909 geschah. Bauliche Veränderungen außer dem Aufstellen von Stationsschildern erfolgten deswegen nicht. Zu diesem Zeitpunkt wurde am Posten 3 der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Altstadt eingerichtet. Die Hauptaufgabe der Bahn lag aber immer in der Bedienung der zahlreichen Fabrikanschlüsse entlang der Strecke.

1929 ging durch die Weltwirtschaftskrise die Deutsche Wollentfettung in Konkurs, seit 1930 wurde der Gleisanschluss der Firma Petzold & Ehret wegen zahlreicher Unfälle nicht mehr bedient. Damit hatte die Rollbockbahn zwei wichtige Kunden verloren.

Die begrenzte Linienführung in der Reichenbacher Altstadt und der zunehmende Straßenverkehr ab den 1930er Jahren ließen die Bahn zu einem Verkehrsproblem werden.

Ab dem 4. September 1957 verkehrten die Reisezüge im Schienenersatzverkehr, offiziell eingestellt wurde der Personenverkehr am 17. November 1957. 1958 wurde noch ein neuer Gleisanschluss für das VEB Ausrüstungs- und Kunststoffverarbeitungswerk angelegt. Güterverkehr wurde noch bis 1962 durchgeführt, fand aber im letzten Betriebsjahr nur noch unregelmäßig statt und wurde nach einem Unfall mit der Lokomotive 99 162 am 14. September 1962 ganz eingestellt. Vom 19. August 1963 bis 4. Januar 1964 wurde der Oberbau bis auf das Dreischienengleis, welches erst 1975 entfernt wurde, abgebaut.

Streckenbeschreibung Verlauf mini|Ehemaliger Bahndamm in Oberheinsdorf (2017) Vom Bahnhof Reichenbach (Vogtl) unt Bf führte ein Dreischienengleis bis zum Posten 3. Bis dorthin benutzte die Strecke Reichenbach unt Bf–Oberheinsdorf einen Schienenstrang der Bahnstrecke Reichenbach ob Bf–Göltzschtalbrücke mit. Der Posten 3 war bereits am 1. Mai 1895 mit der Betriebseröffnung der normalspurigen Strecke eröffnet worden, er diente der Absicherung der Straßenübergänge Innere Reichsstraße (heute: Am Graben), Äußere Reichsstraße sowie des Sperlingsberges. Am Posten 3 befand sich das Einfahrtssignal der Strecke von Oberheinsdorf. Der Schrankenwärter des Postens hatte dem Fahrdienstleiter des Unteren Bahnhofs das Eintreffen des Zuges zu melden, damit dieser bei freiem Gleis 1 das Signal auf Fahrt stellen konnte.

Im weiteren Verlauf führte die Trasse der als Rollbockbahn bezeichneten Schmalspurbahn durch das Tal des Raumbachs über die (Äußere) Reichsstraße, Heinsdorfer Straße in Reichenbach, dann durch die gesamte Ortslage von Unterheinsdorf. Kurz vor Erreichen der Endstation am Ortseingang von Oberheinsdorf wurde die Reichenbacher Straße gekreuzt.

Betriebsstellen

Reichenbach (Vogtl) unt Bf mini|Reichenbach (Vogtl) unt Bf, Empfangsgebäude (2017) mini|Reichenbach unt Bf mit dem ehemaligen Güterschuppen (rechts)

Der Bahnhof Reichenbach (Vogtl) unt Bf wurde am 1. Mai 1895 als Haltestelle Reichenbach i.V. unt Bf an der normalspurigen Bahnstrecke Reichenbach (Vogtl) ob Bf–Göltzschtalbrücke eröffnet. Ab 1898 hatte er den Rang eines Bahnhofs. Die Station verfügte über ein Empfangsgebäude, einen 100 Meter langen Bahnsteig, ein Beamtenwohnhaus, ein Stellwerk und ein Weichenpostenhaus. Dem Güterverkehr dienten mehrere Laderampen, eine Ladestraße und ein Güterschuppen, der im Laufe der Zeit dreimal erweitert werden musste. Die Gleisanlagen wurden von einer markanten Fußgängerbrücke überspannt, über der die Fahrgäste von der „Rotschauer Straße“ auf den „Kleinen Anger“ gelangen konnten. Von der „Burgstraße“ erreichten die Passanten den Bahnhof über einen Fußgängertunnel.

Mit der Aufnahme des Schienenverkehrs auf der Schmalspurbahn Reichenbach (Vogtl) unt Bf–Oberheinsdorf im Jahre 1902 erfuhr der nunmehrige Spurwechselbahnhof mehrere Erweiterungen. An der Südseite entstanden ein vierständiger Lokschuppen für die Schmalspurlokomotiven, zwei Wasserkräne und zwei Rollbockgruben, mittels derer die normalspurigen Güterwagen auf meterspurige Rollböcke gesetzt werden konnten. Das Bahnsteiggleis wurde um eine dritte Schiene ergänzt, sodass es von Fahrzeugen beider Spurweiten befahren werden konnte. Durch die Aufnahme des Personenverkehrs auf der Schmalspurbahn im Jahr 1909 wurde der untere Bahnhof zum Übergangsbahnhof zwischen Normal- und Schmalspurbahn (Spurwechselbahnhof) auch für Reisende. Im Jahr 1911 erhielt die Station die Bezeichnung Reichenbach (Vogtl) unt Bf. Der Normalspurteil bestand aus 9 Gleisen, 14 einfachen Weichen, 1 Wasserkran und 3 Einfahrsignalen. Der Schmalspurteil besaß 7 Gleise und ebenfalls 14 Weichen.

Ab 1935 waren dem Bahnhof Reichenbach (Vogtl) unt Bf alle Stationen der schmalspurigen Rollbockbahn nach Oberheinsdorf sowie die regelspurigen Stationen Reichenbach (Vogtl) Karolinenstraße, Schneidenbach und Mylau unterstellt. Durch eine im Jahr 1944 erfolgte Änderung der Zuständigkeit waren dem Bahnhof Reichenbach (Vogtl) unt Bf alle Haltestellen der normalspurigen Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke auf Reichenbacher Stadtgebiet und jene der schmalspurigen Rollbockbahn unterstellt. Im September 1957 endete der Personenverkehr auf beiden Strecken, 1962 wurde die Schmalspurbahn stillgelegt und ihre Anlagen in der Folgezeit demontiert. Zum 1. Juni 1964 wurde der Güterbahnhof Reichenbach (Vogtl) unt Bf dem Bahnhof Reichenbach (Vogtl) ob Bf unterstellt. Ab 1971 war der Bahnhof Endpunkt des noch betriebenen Streckenteils, 1974 endete der Betrieb mit der Stilllegung des Streckenabschnittes zwischen dem unteren Bahnhof und dem Bahnhof Reichenbach (Vogtl) Ost gänzlich. Der Gleisrückbau begann 1975; danach entstand auf dem ehemaligen Gleiskörper eine Fernverkehrsstraße.

Am Standort des einstigen unteren Bahnhofs sind die Gleisanlagen heute komplett verschwunden. Zwischen Empfangsgebäude und Güterschuppen verläuft heute die Bundesstraße 94. Die Hochbauten sind hingegen erhalten. Empfangsgebäude und Güterschuppen wurden im Vorfeld der Landesgartenschau 2009 saniert, in die ein Teil des ehemaligen Bahnhofsareals mit einbezogen wurde.

Reichenbach (Vogtl) Altstadt mini|Nachgebauter Posten 3, beim ehemaligen Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Altstadt Der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Altstadt wurde mit der Aufnahme des Personenverkehrs auf der schmalspurigen Rollbockbahn am 1. Oktober 1909 eröffnet. Er befand sich am südöstlichen Rand der Reichenbacher Altstadt kurz hinter der Trennung von der normalspurigen Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke. Bereits mit der Eröffnung der Schmalspurbahn im Jahr 1902 wurde das Einfahrsignal des Bahnhofs Reichenbach (Vogtl) unt Bf auf die Höhe des Schrankenpostens 3 verlegt. Das Dreischienengleis von Reichenbach (Vogtl) unt Bf lag bis zum Schrankenposten 3 vor der Haltestelle an der „Reichsstraße“. Während die Normalspurbahn aus Richtung Reichenbach (Vogtl) unt Bf dem Tal des Oberreichenbacher Bachs (Seifenbach) zum Bahnhof Reichenbach (Vogtl) Ost folgte, verlief die Schmalspurbahn weiter in der „Reichsstraße“ nach Oberheinsdorf.

Am 15. Mai 1935 wurde der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Reichsstraße an der Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke eröffnet. Ein 32 Meter langer Bahnsteig, der von Fahrgästen der Schmal- und der Normalspurbahn genutzt werden konnte, erleichterte das Umsteigen in die Züge der Schmalspurbahn. An Hochbauten existierte lediglich das massive Gebäude des Schrankenpostens 3. Der Bahnsteig selbst war nur mit einer Bank und dem Stationsschild ausgerüstet.

Am 4. September 1957 ging der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Altstadt mit der Einstellung des Personenverkehrs auf der schmalspurigen Rollbockbahn nach Oberheinsdorf außer Betrieb. Der sich in unmittelbarer Nähe befindliche Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Reichsstraße ging drei Wochen später am 29. September 1957 mit der Einstellung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke außer Betrieb.

Am einstigen Standort am Übergang der „Äußeren Reichsstraße“ (heute: „Reichsstraße“) in die „Innere Reichsstraße“ (heute: „Am Graben“) sind heute keine Zeitzeugen mehr vorhanden. Auf dem Gleiskörper der Rollbockbahn und des Dreischienengleises verläuft die Bundesstraße 94. Das am Raumbach gelegene Areal südlich des einstigen Haltepunkts wurde im Rahmen der Landesgartenschau 2009 in den „Park der Generationen“ umgestaltet. Das Gebäude des „Schrankenpostens 3“ wurde im Jahr 2004 durch den Traditionsverein „Rollbockbahn“ e. V. originalgetreu am Standort des Rollbockbahnmuseums in Oberheinsdorf nachgebaut.Der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Reichsstraße auf www.sachsenschiene.net

Reichenbach (Vogtl) Annenplatz mini|Ehemaliger Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Annenplatz (2017) Der ausschließlich dem Personenverkehr dienende Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Annenplatz wurde am 1. Oktober 1909 mit Aufnahme des Personenverkehrs auf der Rollbockbahn unter dem Namen Reichenbach i. V. Annenplatz eröffnet und 1911 in die bis zur Schließung gültige Bezeichnung umbenannt. Er befand sich im Südosten von Reichenbach im Kreuzungsbereich der Straßen „Heinsdorfer Straße“/„Lengenfelder Straße“/„Plauensche Straße“ und „(Äußere) Reichsstraße“. Die Station verfügte bis 1935 über ein Ausweichgleis und je ein Anschlussgleis für zwei Industriebetriebe (Firmen Petzold & Ehret sowie Färberei Hempel). Hochbauten waren keine vorhanden. Mit der Einstellung des Personenverkehrs ging die Station am 4. September 1957 außer Betrieb. Am einstigen Standort in der „Heinsdorfer Straße“ befindet sich heute die gleichnamige Bushaltestelle. Der Haltepunkt befand sich stadtauswärts auf der linken Straßenseite.

Reichenbach (Vogtl) Bergstraße mini|Ehemaliger Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Bergstraße (2017)