mini|Blick auf das Turmmassiv von Südwesten, mit Notdach von 1920

Die St.-Petri-Kirche ist eine dem Apostel Petrus geweihte evangelische Kirche in der Stadt Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wurde bis 1350 errichtet und infolge von Kriegs- und Unwetterfolgen mehrfach zerstört und wiederaufgebaut. Daher weist sie sowohl gotische als auch barocke Architekturmerkmale auf. In der Gruft der Herzöge von Pommern-Wolgast innerhalb der Kirche befinden sich die neun Sarkophage von Angehörigen der Greifenherzöge sowie in einem Sammelsarg die Überreste von drei Kleinkindern. Seit 2012 gehört die Kirchengemeinde St. Petri zu Wolgast zur Propstei Demmin im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Lage Das Bauwerk steht im historischen Stadtzentrum auf der höchsten Stelle. Es wird von der Straße Am Kirchplatz erschlossen, die ringförmig um den Sakralbau verläuft. Nach Süden hin besteht eine Verbindung zur Bundesstraße 111. Der Platz ist nicht eingefriedet.

Geschichte Die Wolgaster St.-Petri-Kirche geht zurück auf die Christianisierungsreise des Bischofs Otto von Bamberg im Jahr 1128, der einen in der Stadt bestehenden heidnischen Tempel des slawischen Gottes Jarovit zerstören ließ und vermutlich an gleicher Stelle eine errichtete Kirche weihte. Die im 21. Jahrhundert bestehende Kirche wurde als Nachfolgebau der von Otto von Bamberg geweihten Kirche zwischen 1280 und 1350 im gotischen Stil errichtet. Dabei nutzen die Handwerker von einem Vorgängerbau aus dem frühen 13. Jahrhundert ein spitzbogenförmiges Portal mit Wulstprofilen. Es befindet sich in der Südwand der südlichen Turmseitenhalle. Die weiteren Bauarbeiten begannen in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und wurden vermutlich um 1415 mit der Beisetzung Wartislaw VIII. beendet. Im 15. Jahrhundert erweiterten die Herzöge das Bauwerk um mehrere Kapellen zu einer dreischiffigen Basilika. Das Gebäude zählt damit zu den ältesten im 21. Jahrhundert vorhandenen Bauwerken in der Stadt Wolgast, gleichwohl es in den Jahren 1512 und 1628 durch Brände weitgehend zerstört und wiederaufgebaut wurde.

In der zwischen 1560 und 1587 eingerichteten Gruft der Kirche befinden sich in Zinnsarkophagen die Särge von sieben Angehörigen der letzten drei Generationen der Herzogsfamilie von Pommern-Wolgast. Eingerichtet wurde die Gruft als Grablege für den 1560 verstorbenen Herzog Philipp I., auch seine Frau Maria von Sachsen und die gemeinsame Tochter Amelia wurden dort beigesetzt. Es folgten die Beisetzungen von Ernst Ludwig, seiner Gemahlin Sophia Hedwig von Braunschweig und deren Tochter Hedwig Maria. Die vorherigen zwei älteren Grablegen werden unter dem Chor vermutet. 1688 wurde die Gruft durch Grabräuber gewaltsam geöffnet und geplündert. Dabei wurden die Särge und ihr Inhalt sehr stark beschädigt. Im Kirchenarchiv befindet sich ein Protokoll mit einer Aufstellung aller gestohlener Schmuckstücke und Gegenstände. Die Täter wurden ermittelt, darunter der Küster der Kirche, aber weder sie noch ihre Beute wurden gefunden. In den Jahren 1729 und 1829 wurde die Gruft geöffnet und durch Kommissionen besichtigt, dann aber wieder vermauert. 1929 wurde der Grufteingang mit einer Liegetür versehen und die Gruft der Öffentlichkeit eingeschränkt zugänglich gemacht.Die Gruft der Herzöge von Pommern-Wolgast, Wolgaster Museumsschriften, Heft 4, Hoffmann-Druck, Wolgast 2000, S. 7–14

Beim Niederbrennen der Stadt Wolgast im Jahr 1713 durch russische Truppen im Großen Nordischen Krieg und bei einem durch Blitzschlag ausgelösten Brand im Jahr 1920 wurden das Gebäude beziehungsweise die Inneneinrichtung jeweils weitestgehend zerstört, in beiden Fällen jedoch neu errichtet. Seit dem Wiederaufbau nach dem Brand von 1713 prägen zum Teil auch barocke Stilelemente das architektonische Bild der Kirche. Die Arbeiten zogen sich über mehrere Jahre, in denen von 1716 bis 1728 die Gewölbe erneuert und der Turm um einen oktogonalen Aufsatz auf 80 m erhöht wurden.

Von 1820 bis zu seinem Tod im Jahr 1837 wirkte Karl Heller als Archidiakon der St.-Petri-Gemeinde, der 1829 die erste umfassende Chronik der Stadt Wolgast veröffentlichte. mini|Darstellung des barocken Turmhelms von St. Petri: Winterlager der Segler in Wolgast, Willy Stöwer, 1922

Nach dem Brand von 1920 wurde der eingestürzte barocke Turmhelm durch das bis in die Gegenwart bestehende achteckige Zeltdach ersetzt.

Im Jahr 1993 begann eine umfassende Sanierung des Kirchengebäudes mit einem Kostenumfang von 4 Millionen Euro (Stand etwa 2010). Von 1998 bis 2000 wurde eine Schadenskartierung sowie Befundung der Gruft und besonders der Särge durch die Zahntechnikerin Birgit Wachholz und Goldschmiedemeister Detlef Kadagies unter Anleitung des Metallrestaurators Wolfgang Hofmann vorgenommen, der auch die Restaurierung der Särge durchführte.Die Gruft der Herzöge von Pommern-Wolgast, Wolgaster Museumsschriften, Heft 4, Hoffmann-Druck, Wolgast 2000, S. 15ff Die 2007 abgeschlossene mehrjährige Rekonstruktion der Gruft und der Särge der Pommern-Herzöge wurde im Jahr 2010 mit einem Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe in der Kategorie Erhaltung ausgezeichnet. Aufgrund der historischen Relevanz der Herzogsgruft erfolgte Anfang Mai 2011 die Anerkennung der St.-Petri-Kirche als „Denkmal von nationalem Rang“.

Baubeschreibung Kirchgebäude Die St.-Petri-Kirche ist eine dreischiffigen Basilika mit einer Länge von vier Jochen, an die sich der polygonale Umgangschor unmittelbar anschließt. Hinzu kommen eine Sakristei mit Taufkapelle im nördlichen und der Petrikapelle im südlichen Teil des Gebäudes sowie dem Westturm mit Seitenhallen. Das gesamte Bauwerk wurde überwiegend aus rötlichem Mauerstein errichtet. Die Fassaden sind nicht verputzt.

Der Chor hat einen Fünfachtelschluss und ist stark eingezogen. Die Flächen werden durch große und hohe, mehrteilige Spitzbogenfenster dominiert, die Seiten durch gestufte Strebepfeiler stabilisiert. Die Seiten des Kirchenschiffs sind weitgehend symmetrisch aufgebaut: ein hohes Seitenschiff mit ebenfalls spitzbogenförmigen Fenstern sowie Strebepfeilern, darüber ein gedrückter Obergaden mit einem Fries aus Maßwerk. An der Nordseite befinden sich die Nord- und die Greifenkapelle.

Das Kirchenportal im Turm ist mit einem fünffach gestuften Gewände geschmückt.

Turm Der etwa 50 Meter hohe Westturm (Höhe des Aussichtsplateau 40 Meter), den man über 184 Stufen besteigen kann, hat einen achteckigen Grundriss, der auf einem mächtigen quadratischen Unterbau ruht. Hier sind Turmkapellen eingebaut, die die Baumeister zu einer einheitlichen Fassade vereinten. Darin bauten sie je ein Spitzbogenfenster ein, das die dahinterliegenden Schiffe charakterisiert. Das mittlere Fenster ist dabei deutlich hochgesetzt. Es reicht in die mit reichhaltigen Blenden verzierten oberen Turmgeschosse hinein. An der westlichen Fassade befinden sich an jeder Seite drei, in der Mitte zwei kleinere Blenden. Sie werden durch je sechs Blenden im oberen Geschoss ergänzt, von denen in die jeweils beiden mittleren eine Klangarkade integriert wurde. Darüber folgt der Turmabschluss mit einem barocken Aufsatz, der durch einen achteckigen Treppenturm an der Nordwestecke erreicht werden kann. Südlich wurde die Petri-Kapelle (Südkapelle) mit einem runden Treppenturm in das Bauwerk integriert. Der Turm enthält einen Turmfalkenkasten und einen Glockenstuhl (siehe Glocken). – Die Turmbesteigung ist kostenpflichtig. Um Stürze vom Turm zu verhindern, wurden im Sommer 2018 die Sicherheitsvorkehrungen verbessert.Informationsschrift: St.Petri Wolgast: Turm- und Gruftbesichtigung, Auslage in der Kirche

Ausstattung und Nutzung mini|Innenansicht der Kirche (Hauptschiff von Westen) Innenarchitektur und kirchlicher Schmuck

Der Innenraum wird im Dehio-Handbuch als „hallenartig“ beschrieben. Dies wird mit den weiten Jochschritten des hohen Mittelschiffs in Verbindung mit dem breiten Seitenschiff begründet. Die Gewölbe ruhen auf achteckigen Pfeilern, die mit flach gekehlten Ecken und ohne Kämpfer ausgeführt wurden. Sie führen in die Scheidbögen und verstärken so den hallenartigen Eindruck.

Im Zentrum des Heiligtums steht ein gemauerter Altar, darüber ein Kruzifix wohl aus dem 16. Jahrhundert, das die Kirchengemeinde im Jahr 1959 als Geschenk von der Kirchengemeinde St. Marien aus Stralsund erhielt. Die Assistenzfiguren befinden sich im Stralsund Museum. Das Kruzifix wird von zwei Leuchtern aus dem Jahr 1749 begleitet, die vier aus Seenot gerettete Seeleute der Kirche stifteten.Informationsschrift Rundgang im Mittelschiff, Auslage in der Kirche, Juli 2017. Er ersetzt einen barocken Hochaltar aus dem Jahr 1739, der beim Brand vom 9. April 1920 zerstört wurde. Dahinter gibt es ein Altarfenster mit dem Titel Der sinkende Petrus aus dem Jahr 1929. Südwestlich vor dem Altar steht ein Taufengel aus Zink, der 1848 als Abguss hergestellt wurde. Das Original schuf der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen zuvor für den Dom zu Kopenhagen. Im südöstlichen Teil der Kirche steht mit der Figur von Jesus Christus eine weitere Kopie eines Werkes von Thorvaldsen. Die Kommerzienrätin W. Homeyer hat sie gestiftet. Die Kopie entstand 1889 im Atelier der Gebrüder Michaeli in Berlin und steht auf einem Sockel, der in der Steinschleiferei Kessel & Röhl in Wolgast hergestellt wurde. Gegenüber hängt ein von Max Uecker geschnitztes Kruzifix. Nordwestlich vor der Gruft steht an einem Strebepfeiler die hölzerne Kanzel von 1710 auf einem kannelierten Fuß. Der in dunklem Holz gehaltene Kanzelkorb ist mit Brüstungsfeldern geschmückt, die von gedrehten Säulen gehalten werden; das Lesepult mit reichem Schnitzwerk wurde 1645 gefertigt. Ein mit Akanthus verzierter siebeneckiger Schalldeckel schließt den Korb ab.

mini|hochkant|Epitaph für Philipp I. Östlich der Kanzel hängt am darauffolgenden Achteckpfeiler ein Epitaph für Philipp I, das im Jahr 1560 von Wolf Hillger in Freiberg aus Messing gegossen worden ist. Es hat einen retabelartigen Aufbau und eine Inschriftentafel mit den Pommerschen Wappen, die von pflanzlichen Renaissance-Ornamenten und figürlichen Grotesken verziert und umrahmt werden. Es handelt sich um eine Stiftung der fünf Söhne Philipps und hat die vielen Brände in der Kirche überstanden. Die Inschriften sind im italienischen Stil eingefasst. Hinzu kommen zwei Aufsätze mit dem Jesuskind und ein Untersatz mit Putten. Im Hauptfeld wird in einer lateinischen Elegie der Tod des Vaters beklagt.Informationsschrift: Epitaphium, Auslage in der Kirche, Juli 2017.

mini|hochkant|Slawischer Bildstein Jarovit an der Petri-Kirche Der Innenraum der Kirche ist durch verschiedene Glas- und Gewölbemalereien gestaltet. Ausgestellt sind des Weiteren ein Wappenstein vom Wolgaster Schloss der Pommernherzöge sowie ein seltener slawischer Bildstein aus dem 12. Jahrhundert mit einer in den Stein geritzten Darstellung des slawischen Gottes Jarovit. Am nördlichen Turmraum hängt eine Wappentafel der pommerschen Herzöge. Die Wappendarstellung findet sich auch auf der Eingangstür zur Gruft. Die neun Felder zeigen von links oben beginnend: Herzogtum Pommern-Stettin, Herzogtum Pommern, Herzogtum Kassuben, Herzogtum Wenden, Fürstentum Rügen, Herrschaft Usedom, Herrschaft Neuenkamp-Barth, Grafschaft Gützkow sowie das Herzogtum Wolgast. mini|Vitrine mit Dolch und Gewandstück von Herzog Philipp Julius