mini|hochkant=1.3|DDR-Premiere der Teile vier und fünf von Befreiung im Berliner Kino KosmosFoto im Bundesarchiv fälschlich unter Kino International abgelegt; siehe auch Kino Kosmos.

Befreiung (, Oswoboschdenije) ist ein aus fünf Teilen bestehender Propaganda-Spielfilm von Juri Oserow und Julius Kun aus dem Jahre 1969 über den militärischen Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg über die Nationalsozialisten. Die Handlung beginnt im Sommer 1943 und endet mit der Einnahme Berlins 1945 durch die Sowjetische Armee.

Der Film entstand als Koproduktion zwischen der Sowjetunion, der DDR, Polen und Italien. Alle fünf Teile des Filmes haben Spielfilmlänge.

Handlung Teil 1: Der Feuerbogen Nachdem die Sowjets auf die bevorstehende deutsche Offensive bei Kursk aufmerksam gemacht worden sind, starten sie einen präventiven Artillerieschlag, der den Feind aufhält. Das Bataillon von Oberstleutnant Lukin – angeführt von den Offizieren Zwetajew, Orlow und Maximow – nimmt an der Schlacht teil, ebenso wie der Panzer von Leutnant Wassiljew.

Im KZ Sachsenhausen lehnt Jakow Dschugaschwili das Angebot von Andrej Wlassow ab, ihn gegen Friedrich Paulus einzutauschen. Unterdessen rücken die Deutschen in Kursk vor. Maximow flieht, ehe er sich doch dazu entschließt, wieder umzukehren und notfalls in Gefangenschaft zu sterben.

Als Josef Stalin von dem deutschen Vorschlag bezüglich Jakows hört, lehnt er ihn ab und sagt, er werde keinen Feldmarschall gegen einen Soldaten eintauschen. Die jugoslawischen Partisanen brechen aus einer Einkreisung aus. Die sowjetische Gegenoffensive wird in Kursk gestartet. Erich von Manstein schickt all seine Streitkräfte zu einem letzten Angriff und bringt die Sowjets einer Niederlage nahe. Nikolai Watutin drängt in der Roten Armee darauf, die strategische Reserve einzusetzen, die die Deutschen abwehrt.

Teil 2: Der Durchbruch Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien wird Benito Mussolini auf Befehl des Königs Viktor Emanuel III. im Juli 1943 festgenommen. In Warschau bombardiert der polnische Widerstand ein deutsches Kino. Mussolini wird von Otto Skorzeny und seinen Kommandos auf dem Gran Sasso befreit. Die Rote Armee erreicht den Dnepr. Lukins Regiment überquert sie, vermutlich als Vorhut der Division; ohne dass sie es wissen, sind sie lediglich ein Trick, um den Feind in die Irre zu führen. Das Regiment wird ohne Verstärkung abgeschnitten und in der Schlacht am Dnepr aufgerieben. Lukin wird getötet. Zwetajew führt die Überlebenden zurück zu ihren Linien. Auf Befehl Stalins plant das sowjetische Oberkommando seine Offensive auf Kiew und verlegt heimlich seine Streitkräfte. Die Stadt ist befreit. Im November 1943 treffen sich die alliierten Führer in Teheran.

Teil 3: Die Hauptstoßrichtung Das Oberkommando der Roten Armee befiehlt Schukow und Rokossowski die Angriffsoperation „Bagration“, die nach der Landung der Alliierten in der Normandie stattfindet.

Bei der Operation führt Major Orlow seine Soldaten an, um die Krankenschwester Soja zu retten, die darauf besteht, die Verwundeten vom Schlachtfeld zu evakuieren. Nachdem Rokossowski zu dem Schluss gekommen ist, dass die belarussischen Sümpfe passierbar sind, fordert er, dass die Hauptanstrengungen auf Babrujsk gerichtet werden. Panteleimon Ponomarenko befiehlt den weißrussischen Partisanen, alle Eisenbahnen anzugreifen. Die Operation Bagration wird gestartet.

Die Rote Armee befreit Babrujsk, Wizebsk und Minsk.

Eine Gruppe deutscher Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg versucht, Adolf Hitler zu ermorden und die Macht zu übernehmen, scheitert jedoch. Winston Churchill freut sich, davon zu hören, denn er fürchtet, dass auf Hitlers Herrschaft die von Josef Stalin folgen könnte. In Polen beobachten Aleksander Zawadzki und Zygmunt Berling den Fluss Bug, als die 1. Polnische Armee ihn überquert, und freuen sich, nach Hause zurückzukehren.

Teil 4: Die Schlacht um Berlin Stalin befiehlt, die Weichsel-Oder-Offensive zu beschleunigen, um die Alliierten bei der Ardennenoffensive zu entlasten. Karl Wolff wird zu Verhandlungen mit den Amerikanern geschickt. Schukow lehnt den Befehl des Oberkommandos der Roten Armee ab, Berlin einzunehmen, da er einen Angriff auf seine Flanke befürchtet. In Jalta teilt Stalin Churchill und Franklin D. Roosevelt mit, dass er von ihren geheimen Geschäften mit dem Feind weiß. Schukows Truppen überqueren die Oder und nähern sich Berlin. Die Sowjets nehmen einen jugendlichen Scharfschützen gefangen; sie schicken ihn zu seiner Mutter. Der Panzer von Wassiljew fährt in ein Haus. Die Panzerbesatzung hat ein angenehmes Essen mit der Familie des Eigners. Die Sowjets und die Polen stürmen den Tiergarten.

Teil 5: Der letzte Sturm In Berlin kämpfen sich die Infanterie von Leutnant Jarzew und die Batterie von Zwetajew in der Berliner-U-Bahn durch. Als Adolf Hitler befiehlt, die Tunnel zu fluten, ertrinkt Zwetajew, während er Zivilisten rettet. Die Kompanie von Stepan Neustroev wird ausgewählt, das Siegesbanner auf dem Reichstag zu hissen. Ein sowjetischer Offizier wird dem Führerbunker als Kommunikationsoperator für Verhandlungen über die deutsche Kapitulation zugeteilt. Im Führerbunker begeht Hitler nach seiner Heirat mit Eva Braun Selbstmord. Im Reichstag wird Doroschkin bei den Kämpfen getötet. Auf der Kuppel wird das Siegesbanner entrollt. Der übrig gebliebene Volkssturm ergibt sich bedingungslos. Vor dem Reichstag feiern Wassiljew, Orlow, Jarzew und eine riesige Menge Rotarmisten den Sieg.

Veröffentlichung Die Filme wurden im 70-mm-Filmformat Sovscope-70 gedreht.

Allein die ersten beiden Teile erreichten in der Sowjetunion 56 Millionen Zuschauer. Der dritte Teil hatte 35,8 Millionen Besucher.Sergej Kudrjawzew. Swoje Kino. Dubl-D, 1998. , S. 375. Die Teile 4 und 5 erreichten nur 28 Millionen Zuschauer.Fëdor Rasakow. Gibelʹ sovetskogo kino. Exmo, 2008, ISBN 978-5-699-26846-7, S. 183. Befreiung wurde laut offiziellen statistischen Angaben in 115 Länder verkauft und hatte 400 Millionen Besucher weltweit.N. M. Sumenov, O. Sulʹkin. Juri Oserow. Isskustwo, 1986. , S. 96.

In der DDR sahen bis zur Uraufführung des dritten Teils im Juni 1971 „über 4.000.000 Besucher“ die ersten beiden Teile.Ilse Heller, Hans-Thomas Krause. Kulturelle Zusammenarbeit, DDR-UdSSR in den 70er Jahren. Staatsverlag der DDR, 1979. , S. 58. Kurz vor dem Anlaufdatum der letzten Teile im Mai 1972 hatte Befreiung schon insgesamt 6.500.000 Zuschauer.Am 8. Mai: Festliche Premiere von „Befreiung“. Neues Deutschland, 5. Mai 1972.

Dieser Film wurde 2006 von Icestorm Entertainment neu vermarktet und auf DVD herausgebracht. Zur DVD-Premiere wurde der Film in der Berliner Urania als Gesamtwerk über Kinoleinwand, mit Moderation von Zeitzeugen ausgestrahlt.

Besetzung Sowjetische Schauspieler

Deutsche Schauspieler

Polnische Schauspieler Jan Englert: Janek Wolny Stanislaw Jaschkewitsch: Franklin D. Roosevelt Daniel Olbrychski: Henrik Barbara Brylska: Helena Wieńczysław Gliński: Schmied Ignacy Machowski: Stallknecht Franciszek Pieczka: Pelka Maciej Nowakowski: Aleksander Zawadzki Tadeusz Schmidt: Zygmunt Berling

Andere Ivo Garrani: Benito Mussolini Erno Bertoli: Pierre Pouyade Florin Piersic: SS-Sturmbannführer Otto Skorzeny B. White: Hughe Knatchbull-Hugessen

Rezeption Die ersten beiden Teile wurden 1969 während des 6. Moskauer Filmfestivals vorgestellt. 1971 kürten ihn die sowjetischen Zuschauer in einer Umfrage der Zeitschrift Sowjetski ekran zum besten Film, 1972 erhielt er den Leninpreis und den Hauptpreis des Allunionsfilmfestivals in Tiflis.

Kritiken Teil 1 und 2

Teil 3

Teil 4 und 5

DVD von 1999 DVD Nr. 6 der sechsteiligen DVD-Ausgabe von Icestorm Entertainment (Lizenzgeber: Progress Film sowie DEFA-Stiftung) enthält 191 Minuten Filmmaterial zum Thema: Der Historiker Wolfgang Leonhard geht in einem 75-Minuten-Interview der Frage nach, weshalb Stalin von Hitler am 22. Juni 1941 überrascht wurde, und vergleicht Stalins geschicktes mit Hitlers starrsinnigem Taktieren über den ganzen Krieg hinweg. Der Militärhistoriker Jürgen Angelow bringt in einem fünfzehnminütigen Statement die teilweise unvollständige Sicht der Filmemacher aus dem Jahr 1969 auf das Geschehen zur Sprache: Stalin werde als gutmütig-besonnener Herrscher vorgeführt, der auch einmal einlenke. Hitlerjungen, die im April/Mai 1945 in Berlin auf Sowjetsoldaten geschossen hätten, würden im Film nach einer Verwarnung heim zu Müttern geschickt. Derweil wären die halben Kinder in Wirklichkeit auf Nimmerwiedersehen in Sibirien verschwunden. Die Verbrüderung sowjetischer Soldaten mit Berliner Zivilisten werde dargestellt, die Vergewaltigung zahlreicher deutscher Frauen hingegen nicht. Der Slawist Norbert Franz weist in einem fünfzehnminütigen Beitrag auf die dokumentarischen Bemühungen der Filmemacher hin, findet Worte für den Mut Juri Oserows, damals in den späten 1960er Jahren ansprechbare historische Wahrheiten zu tangieren, und vergleicht Oserows Leistung kurz mit der anderer Kriegsfilmemacher.

Einzelnachweise

Anmerkung Die Textfassung des Interviews, das Paul Werner Wagner im Steigenberger Hotel Rostock mit Wolfgang Leonhard führte, ist als PDF-Text auf der genannten DVD neben dem TV-Film auch computerlesbar enthalten.

Literatur B. Polewoi, K. Simonow, M. Trachman, N.G. Pawlenko: Освобождение. Verlag Progress Moskau, 1974.

Weblinks Teile 1, 2, 3, 4 und 5 in der Internet Movie Database (englisch) auf zeitgeschichte-online.de (PDF; 143 kB)

Kategorie:Filmtitel 1969 Kategorie:Sowjetischer Film Kategorie:DDR-Film Kategorie:Polnischer Film Kategorie:Italienischer Film Kategorie:Historienfilm Kategorie:Monumentalfilm Kategorie:Zweiter Weltkrieg im Film Kategorie:Kriegsfilm Kategorie:Versionenfilm