Chinatown rahmenlos|zentriert|235pxEines von drei Eingangstorenzur Chinatown in Boston Chinesische Bezeichnung Langzeichen Kurzzeichen Pinyin Tángrén jiē Jyutping Tong4jan4 gaai1 Alternative Bezeichnung Langzeichen Kurzzeichen Pinyin Zhōngguó chéng Jyutping Zung1gwok3 sing4 Langzeichen Kurzzeichen Pinyin Huárén jiē Jyutping Waa4jan4 gaai1 Japanische Bezeichnung Kanji Kana Hepburn Alternative Bezeichnung Kanji Kana Hepburn Kana Kana Hepburn Chinatown () bezeichnet Stadtviertel außerhalb von China, in denen überwiegend Menschen chinesischer Abstammung (Auslandschinesen) wohnen und arbeiten. Chinesen wählen meistens den Begriff „Tangren Jie“ (), regional auch „Huaren Jie“ () oder „Zhonghua Jie“ ().

In der Vergangenheit besaß der Begriff einen negativen Klang, weil in Chinatowns oft hygienische und strukturelle Missstände herrschten. Chinatowns sind seit längerem einem Wandlungsprozess unterworfen. Die Assimilation der asiatischen Bevölkerung in vielen Ländern führt zur Gentrifizierung der ehemals einheitlichen Stadtviertel. Einige Chinatowns dieser Länder sind heute beliebte Touristenziele, insbesondere jene mit langer Historie.

Historische Entwicklung mini|Chinatown in New York City mini|Geschäft in Chinatown New York City mini|Chinatown in Bangkok Als älteste separate chinesische Stadtviertel in der Fremde (Diaspora) gelten Shinchimachi in Nagasaki (Japan), und Yaowarat Road in Bangkok (Thailand), welches chinesische Händler vor mehr als 200 Jahren gründeten. Die Chinatown in San Francisco wurde im Jahr 1850 während des Kalifornischen Goldrausches eingerichtetDobie, Charles Caldwell: San Francisco’s Chinatown. D. Appleton-Century Company. S. 34–38 (englisch). und ist die am längsten durchgehend bestehende Chinatown außerhalb Asiens.

Die Einwanderung von China aus in andere Teile der Welt beschleunigte sich in den 1860er Jahren mit dem Inkrafttreten der Pekinger Konvention. Die ersten Immigranten kamen hauptsächlich aus den Küstenprovinzen von Guangdong und Fujian – wo Kantonesisch, Min (z. B. Minnan-Sprache, wie Hokkien, Teochew) und Hakka hauptsächlich gesprochen werden – im Südosten von China. Zunächst kümmerte sich die Qing-Regierung von China nicht um diese Migration sozialer Eigenbrötler, die das Land verließen. Sie wurden als gesellschaftlich unerwünscht und als Verräter an China betrachtet.

Chinesen aus Guangdong (Kantonesen) insbesondere aus der Gegend von Taishan (Taischanesen) und Guangzhou (Kanton) gründeten zuerst Chinatowns in Nordamerika (USA, Kanada), Australien und Lateinamerika (Kuba, Mexiko und Peru). Die amerikanische Soziologin Min Zhou geht soweit, die westlichen Chinatowns als eine genuin amerikanische Erfindung anzusehen.Min Zhou: Chinatown. The Socioeconomic Potential of an Urban Enclave ( = Conflicts in Urban and Regional Development). Temple University Press, Philadelphia PA 1995, ISBN 1-56639-337-X. (englisch) Im Gegensatz zu den klassischen Einwanderervierteln, etwa in der Betrachtung Robert Ezra Parks, seien Chinatowns keine Übergangsstationen in den amerikanischen Melting Pot geworden, sondern würden eine dauerhafte wirtschaftliche und soziologische Sonderstellung einnehmen und behalten.

Kantonesisch blieb die führende Sprache und war das Erbe vieler Chinatowns in den westlichen Staaten bis in die 1970er Jahre hinein. Als Gruppe gesehen sind die Kantonesen sprachlich und ethnisch von anderen Gruppen Chinas verschieden, im Unterschied zu Migranten, die hauptsächlich aus der Siyi- und Sanyi-Region () kommen, also das Jiangmener Umland, wie z. B. Taishan, Heshan, Kaiping, Xinhui, wo verschiedene Variationen des Kantonesischen gesprochen werden. Infolge von Gesetzen in manchen Ländern, insbesondere in den USA, in denen die Einwanderung chinesischer Ehefrauen aufgrund der angeblichen Gelben Gefahr nicht erlaubt war, entwickelten sich die Chinatowns zu einem Ort, in dem Männer dominierten und die Männer-Frauen-Quote im Allgemeinen verzerrt war. In Lateinamerika kamen die Kantonesisch sprechenden Migranten hauptsächlich als Kulis zu Lohn und Brot. Sie wurden vorzugsweise in Peru auf den Guano-Feldern und in Kuba auf den Zuckerplantagen eingesetzt, wodurch staatlich unterstützte Chinatowns entstanden.

Die Hokkien und Teochew (beides Gruppen, die die Minnan-Untergruppe von chinesischen Dialekten sprechen) sind gemeinsam mit den Kantonesen die dominierenden Gruppen in südostasiatischen Chinatowns wie zum Beispiel in Kuala Lumpur, Malaysia. Die Hakka errichteten in Afrika, zum Beispiel auf Mauritius, in Lateinamerika und in der Karibik Chinatowns. Chinesen aus dem Norden siedelten sich in Korea in den 1940er Jahren an. In Europa waren die ersten Chinesen Seefahrer und Hafenarbeiter. Aufgrund dessen gab es die ersten Chinatowns dort in den Hafenstädten, etwa Amsterdam in den Niederlanden, Hamburg in Deutschland oder Liverpool in Großbritannien. Frankreich hat den größten Teil der ersten chinesischen Immigrantenarbeiter empfangen, hauptsächlich aus Wenzhou, eine Küstenstadt in der Sprachregion des südlichen Wu-Dialekts. Des Weiteren gibt es auch Chinatowns in indischen Städten, etwa in Kalkutta und Mumbai.

Seit Mitte der 1970er Jahre setzte in Chinatowns ein Prozess ein, der zu wesentlichen Veränderungen, zur Gentrifizierung und zur touristischen Attraktivitätssteigerung in den betroffenen Stadtvierteln führte. Immigranten aus anderen Teilen der asiatischen Region ziehen in die chinesischen Stadtviertel und führen zu einer Mischung der asiatischen Ethnien. Ereignisse wie der Vietnamkrieg verstärkten diese Tendenz. Die chinesische Mehrheitsbevölkerung wechselte zunehmend zu einer pan-asiatischen Gesamtbevölkerung, wodurch die auf Exilchinesen beschränkte Prägung teilweise verloren geht.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts sind die Anzahl der Gründungen von Chinatowns stark zurückgegangen. Chinatowns in Las Vegas (1990) und Seoul (2005) sind die jüngsten größeren Gründungen.

Charakteristik Historische Chinatowns mit großen Eingangstoren (Paifang), die an den Zufahrtsstraßen gebaut wurden, sowie Gebäude und Tempel in traditionell-chinesischer Architektur gelten als das typische Erscheinungsbild einer Chinatown. Die meisten Chinatowns sind das Resultat einer chaotischen Bebauung – nur selten werden, wie etwa in Seoul, Bezirke geplant angelegt. Traditionell erreichen sie eine hohe Bevölkerungsdichte und sind gesellschaftlich, kulturell und teilweise wirtschaftlich von der übrigen Stadt autark. Traditionen wie das chinesische Neujahrsfest, aber auch Sprache und Religionen werden unverändert weitergeführt. In einigen Städten wurden in Chinatowns sogar zweisprachige Verkehrsschilder eingeführt. Es dominieren asiatische Restaurants, Imbisse, Geschäfte und Kleinindustrie. Der informelle Sektor ist ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Die sozialen Bedingungen sind in den einzelnen Städten, Regionen und Kontinenten grundverschieden. Heutzutage bewirkt eine zunehmende Assimilation, dass viele Viertel ihre einheitlich chinesische Charakteristik und Bevölkerung verlieren und sich eine allmähliche Gentrifizierung vollzieht. Einige Chinatowns haben sich zu modernen Vierteln mit vollständig ausgebauter Infrastruktur und starker Wirtschaft entwickelt. Zugleich gibt es viele ärmliche Chinatowns, die unter verheerenden Missständen leiden. Der Tourismus hat vielerorts die Lebensqualität in den Vierteln erheblich verbessert. Allerdings führt er auch zur Verfälschung und künstlichen Übersteigerung der asiatischen Akzente.

Chinatowns weltweit Europa Belgien In Belgien existieren derzeit in Brüssel und in der Hafenstadt Antwerpen drei Chinatowns. Die Brüsseler Chinatown siedelte sich zwischen der Börse und der Place Sainte-Catherine an.

Deutschland In Deutschland gibt es im Westteil Berlins vor allem rund um die Charlottenburger Kantstraße eine erhöhte Konzentration chinesischer Betriebe und Bewohner.Björn Rosen: hChinesisches Charlottenburg: Berlins Chinatown im Westen, Tagesspiegel, 17. Juni 2013.

In Hamburg gab es bis zur Räumung und Deportation durch die Nationalsozialisten im Mai 1944 In: dw.com, Deutsche Welle, abgerufen am 26. Dezember 2023. das kleine Hamburger Chinesenviertel in St. Pauli. Der Wiederaufbau einer lokalen Chinatown ist geplant. Hamburg unterhält enge Beziehungen zur Volksrepublik China – so wird hier alle zwei Jahre der bedeutende deutsch-chinesische Wirtschaftsgipfel „Hamburg Summit“ abgehalten.Benedikt Voigt: Hamburg Summit: China will die Lösung sein, Berliner Tagesspiegel, 11. Oktober 2014. Zudem ist Shanghai Partnerstadt Hamburgs. Das chinesische Generalkonsulat befindet sich an der Elbchaussee 268 in Hamburg-Othmarschen.

Siehe auch: Chinesen in Deutschland

Frankreich Paris rühmt sich „der größten Chinatown“ (le plus grand quartier chinois) in Europa. Gelegen im 13. Arrondissement, besteht das Quartier asiatique aus chinesischen, vietnamesischen und laotischen Kaufleuten und Einwohnern. Der Bereich verläuft zwischen der Avenue d’Ivry und der Avenue de Choisy, östlich der Rue de Tolbiac. Von den Bewohnern von Paris wird dieses Gebiet oft als Chinatown bezeichnet, obwohl die Bewohner eigentlich zum größten Teil aus den ehemaligen französischen Kolonien Südostasiens (Französisch-Indochina) stammen. Neben der großen Chinatown im 13. Arrondissement existieren zwei kleinere asiatische Viertel: Im dritten Arrondissement, rund um die Rue des Gravilliers, gibt es sehr viele asiatische Großhändler (Stoffe, Taschen, Kleider, Schmuck), weshalb dieses Viertel auch Sentier chinois, bezeichnet wird (benannt nach dem Zentrum der Pariser Bekleidungsindustrie Sentier im zweiten Arrondissement). Es ist die älteste Chinatown von Paris. Im Stadtteil Belleville im 19. Arrondissement, welcher durch viele verschiedene Kulturen geprägt wird, befindet sich ein weiteres chinesisches Viertel.

Italien Italien hat eine schnell wachsende chinesische Minderheit. Das Land hatte bereits seit dem Zweiten Weltkrieg eine kleine chinesische Minderheit gehabt, doch der Großteil der gegenwärtigen chinesischen Bevölkerung kam erst seit den 1980er Jahren ins Land. Geschätzte 60.000 bis 100.000 Chinesen lebten 2005 in Italien.

Rom hat einige kleine Chinatown-Bezirke; die am schnellsten wachsende römische Chinatown befindet sich im Stadtteil Esquilino.

Die Chinatown von Mailand liegt rund um die Via Paolo Sarpi.

Die Chinatown der Stadt Prato ist die größte von ganz Italien. Viele Einwanderer der ersten Generation arbeiten in der Bekleidungsindustrie. Die italienische Bezeichnung für Chinatown ist quartiere cinese, häufig wird auch die englische Bezeichnung Chinatown verwendet.

In Triest ist nördlich des Canale Grande ein kleines Chinatown entstanden.

mini|Eingangstor der Chinatown in Den Haag

Niederlande Chinatown in Amsterdam ist das älteste chinesische Viertel auf dem europäischen Festland. 2010 feierte das Stadtviertel sein 100-jähriges Bestehen.

Auch in Den Haag existiert ein Chinatown. Dort stand das frühere jüdische Viertel nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend leer und war heruntergekommen. In den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts beschloss die Gemeinde, das Viertel zu renovieren, von da an siedelten sich dort immer mehr Chinesen an.

Österreich In Wien gibt es ein chinesisches Grätzl (kleines Chinatown) entlang des Naschmarkts, zwischen Karlsplatz und Kettenbrückengasse. Dort konzentriert sich ein Großteil asiatischer Läden und Geschäfte. Über die ganze Stadt verteilt findet man rund 300 China-Restaurants mit mehr oder weniger authentischer Küche.

Serbien Die größte Chinatown liegt im neueren Teil von Belgrad. In Novi Pazar sind auch viele chinesische Händler zu finden. Serbische Chinatowns haben keinen speziellen Namen; die normale Bezeichnung ist kinezi.

Ungarn