mini|Emilie Mayer (Lithographie Eduard Meyer nach einer Zeichnung von Pauline Suhrlandt) Emilie Luise Friederika Mayer (* 14. Mai 1812 in Friedland (Mecklenburg); † 10. April 1883 in Berlin) war eine deutsche Komponistin. Sie war in ihrer Zeit vor allem für ihr Sinfonienschaffen hochgefeiert.

Emilie Mayer komponierte acht Sinfonien, Konzertouvertüren, ein Klavierkonzert, Kammermusik und Lieder. Ihre Werke sind stilistisch von der Wiener Klassik sowie ab den 1850er Jahren von Beethoven beeinflusst, wobei sie zunehmend eine eigene Tonsprache fand. In den 1860er Jahren komponierte sie überwiegend Kammermusik; besonders in ihren Violinsonaten zeigen sich frühromantische Anklänge. Emilie Mayer gehört zu den bedeutendsten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts. Die Bezeichnung als „weiblicher Beethoven“ ist laut neuester Forschung von Reinhard Wulfhorst eine Falschzuschreibung.Reinhard Wulfhorst: Emilie Mayer – ein „weiblicher Beethoven“?, in: edition massenneau (Oktober 2023). Abgerufen am 12. Juni 2025.

Leben Emilie Mayer wurde als viertes Kind des Ratsapothekers August Friedrich Mayer (1777–1840) in dessen zweiter Ehe mit Henrietta Carolina Louisa, geb. Maaß (1790–1814), Postverwalterstochter aus Mirow,Kirchenbuch Friedland (St. Marien): Geburts- und Taufeintrag Nr. 40/1812. Emilie war, wie der Kirchenbucheintrag ausdrücklich angibt, das zweite Kind aus dieser Ehe geboren. Der Vater war nur wenige Jahre zuvor aus Brandenburg nach Mecklenburg zugewandert und hatte 1804 in erster Ehe in eine uralte ostmecklenburgische Apothekerfamilie eingeheiratet.Erste Ehefrau von Emilies Vater war Friederike Eleonore Dorothea, geb. Strübing, Tochter des Neustrelitzer Kaufmanns Johann Friedrich Strübing. Die Ehe, der noch ein weiteres Kind entstammte, wurde am 14. Januar 1804 in Strelitz geschlossen (Vgl. Kirchenbuch Strelitz: Traueintrag o. Nr.). Die Mutter der Braut war eine Apothekertochter (geb. Pfuhl) aus Penzlin, wo schon deren Vater und Großvater und nach ihnen mehrere ihrer Brüder die Apotheke geführt haben. Ein Bruder der ersten Ehefrau war Apotheker in Pyritz. Zwei (Halb-)Brüder von Emilie wurden später Apotheker in Stettin und Halle.Gemeint sind hier sicherlich August Mayer (1804–1878), Emilies Halbbruder aus erster Ehe des Vaters, sowie ihr jüngerer Bruder Wilhelm Mayer (1813–1895). Beide waren zeitweilig Apotheker in Stettin. Wer von beiden später nach Halle (Saale) gegangen ist, war bisher nicht feststellbar. Mit noch nicht einmal drei Jahren verlor Emilie ihre Mutter, die nach der Geburt ihres vierten Kindes bald nach dessen Entbindung starb.Jüngstes Kind aus zweiter Ehe des Vaters war Emilies Schwester Henriette Karoline Luise (* 21. August 1814). – Vgl. Kirchenbuch Friedland (St. Marien): Geburts- und Taufeintrag Nr. 54/1814. Emilies Mutter, Tochter des Posthalters/Postmeisters Joachim Friedrich Maaß in Mirow, starb am 25. August 1814. Geburts- und Taufeinträge von fünf der sechs Mayer-Kinder finden sich stets im Kirchenbuch Friedland (St. Marien).

Als Fünfjährige erhielt Emilie durch den Friedländer Kantor und Organisten Carl Driver (1774–1840) den ersten Klavierunterricht.Petra Schellen: Vergessene Komponistin: Energische Kämpferin für die Musik. In der Romantik war Emilie Mayer Deutschlands berühmteste Komponistin. An ihrer Wiederentdeckung haben mehrere norddeutsche Ensembles mitgewirkt. In: taz. 1. Januar 2023, abgerufen am 3. April 2023. Von 1841 bis 1847 war sie Schülerin von Carl Loewe in Stettin. In dieser Zeit entstanden einige ihrer ersten Kompositionen, wie z. B. das Singspiel Die Fischerin (1842) und mehrere Lieder, sowie zwischen 1845 und 1847 mehrere Kammermusikwerke und die Sinfonien in c- und e-Moll.Heinz-Mathias Neuwirth: Emilie Mayer. In: Beatrix Borchard (Hrsg.): Musikvermittlung und Genderforschung. Lexikon und multimediale Präsentationen. Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003 ff. (Stand 5. Juli 2012); abgerufen am 9. Mai 2021. Emilie Mayer absolvierte weitere musikalische Studien; auf Empfehlung Carl Loewes hin ab 1847 in Berlin bei Adolf Bernhard Marx und Wilhelm Wieprecht.Barbara Beuys: 2021 Sie unternahm Konzertreisen nach Wien, Halle, Hamburg, Pasewalk und Stettin. In Berlin entstanden weitere Kammermusikwerke und Sinfonien, die in zahlreichen Städten aufgeführt wurden. 1860 fand Emilie Mayer zum ersten Mal Erwähnung in einem Lexikon, in Paul Franks Kleinem Tonkünstlerlexikon.Vgl. Almut Runge-Woll: Die Komponistin Emilie Mayer (1812–1883). Studien zu Leben und Werk (= Europäische Hochschulschriften. Reihe XXXVI: Musikwissenschaft. Band 234). Peter Lang, Frankfurt am Main 2003, S. 43.

1862 verließ Emilie Mayer Berlin und zog für einige Jahre zu ihrem älteren Halbbruder (Friedrich) August (1804–1878) nach Stettin. Hier komponierte sie mehrere Sonaten für Klavier und Violine sowie Sonaten für Klavier und Violoncello; außerdem war sie um die Veröffentlichung weiterer Werke bemüht.

Ab 1876 lebte sie wieder in Berlin. Ende 1880 schuf sie ein letztes großes Orchesterwerk, die Ouverture zu Faust op. 46, widmete sich aber auch kleinen Formen. Eine ihrer letzten Kompositionen, das NotturnoVgl. Almut Runge-Woll: Die Komponistin Emilie Mayer (1812–1883). Studien zu Leben und Werk (= Europäische Hochschulschriften. Reihe XXXVI: Musikwissenschaft. Band 234). Peter Lang, Frankfurt am Main 2003, S. 71. op. 48(/2), 1883 veröffentlicht, widmete sie Joseph Joachim.

Emilie Mayer blieb unverheiratet. Sie führte in Berlin ein eigenes, offenes Haus und pflegte Kontakte zu wichtigen Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und aristokratischen Lebens. Sie zählte zu den bekanntesten und produktivsten Komponistinnen der Zeit der Romantik. Ihre Werke wurden zu Lebzeiten u. a. in Brüssel, Lyon, Budapest, Dessau, Halle, Leipzig und München aufgeführt.Eva Rieger: Emilie Mayer. In: Julie Anne Sadie, Rhian Samuel (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Woman Composers. Macmillan, London 1994, ISBN 0-333-51598-6, S. 321. Zeitgenössische Berichte, so etwa die der Stettiner Schriftstellerin Marie Silling, schildern sie als „eine lässige Persönlichkeit, die Konventionen nicht unbedingt beachtete, sie war vergesslich, und befestigte deshalb wichtige Gegenstände an ihrer Kleidung, ob Regenschirm oder Brille. E.M. erschien bei festlichen Feiern auch mal ohne Hut – unmöglich für eine Dame – und amüsierte sich über das Entsetzen der Anwesenden.“ Auch abseits der Musik war Emilie Mayer kreativ: Mit Weißbrot formte sie um 1840 – lange vor Erfindung der modernen Eat-Art – Skulpturen und Schalen. Diese fanden in Berlin sogar bei Hofe Beachtung und wurden eine Zeitlang in Dresden im Grünen Gewölbe aufbewahrt.Vgl. Barbara Beuys: Emilie Mayer. Europas größte Komponistin. Eine Spurensuche. Dittrich Verlag, Weilerswist 2021, S. 82.

Sie starb in Berlin am 10. April 1883 an einer Lungenentzündung. Ihr Begräbnis fand am 13. April auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof statt.Vgl. Almut Runge-Woll: Die Komponistin Emilie Mayer (1812–1883). Studien zu Leben und Werk (= Europäische Hochschulschriften. Reihe XXXVI: Musikwissenschaft. Band 234). Peter Lang, Frankfurt am Main 2003, S. 71.

Grab mini|Grabstelle Emilie Mayers, Friedhöfe vor dem Halleschen Tor Berlin Emilie Mayer wurde auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I im heutigen Berliner Ortsteil Kreuzberg beigesetzt. Lange Zeit galt die genaue Lage des Grabes als vergessen. 2018 gelang es der Pianistin Kyra Steckeweh, dem Filmemacher Tim van Beveren und dem Historiker Jörg Kuhn im Zuge der Recherchen und Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm Komponistinnen (der sich unter anderem mit dem Leben und Wirken Mayers befasst), ihre Grabstelle zu lokalisieren. Am 13. August 2021, ursprünglich für den 14. Mai 2021 geplant und pandemiebedingt verschoben, wurde die Grabstätte, die sich in der Nähe der Gräber von Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Hensel befindet, durch einen Gedenkstein markiert. Zu diesem Festakt, der von der Mendelssohn-Gesellschaft ausgerichtet wurde, wurden das Streichquartett op. 14 sowie Fanny Hensels Gartenlieder op. 3 aufgeführt.yz/sdm: Aktuelle Meldungen. Spendenaufruf für das wiedergefundene Grab der Komponistin Emilie Mayer. In: evfbs.de, Evangelischer Friedhofsverband Berlin Stadtmitte, 24. März 2021, abgerufen am 1. April 2021.Veranstaltungen. Mendelssohn-Gesellschaft Berlin; abgerufen am 9. Mai 2021.

Auf Beschluss des Berliner Senats ist die letzte Ruhestätte von Emilie Mayer (Grablage: II-W-C-34) seit August 2021 als Ehrengrab des Landes Berlin ausgezeichnet. Diese Würdigung gilt zunächst für die übliche Frist von 20 Jahren, anschließend kann sie verlängert werden.Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: August 2021). (PDF, 2,3 MB) Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, S. 50; abgerufen am 15. Oktober 2021. Anerkennung, Verlängerung und Nichtverlängerung von Grabstätten als Ehrengrabstätten des Landes Berlin. (PDF, 196 kB) Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 18/3959 vom 4. August 2021, S. 1 und 7. Abgerufen am 15. Oktober 2021.

Werke Emilie Mayer hinterließ ein umfangreiches musikalisches Werk. Sie komponierte acht Sinfonien, zwölf Streichquartette, Klavierkammermusik, fünfzehn Konzertouvertüren, Violin- und Cellosonaten, Klavierwerke, ein Singspiel, Lieder und vierstimmige Chöre. Ein von ihr selbst erstelltes Werkverzeichnis ist nicht überliefert, zahlreiche Kompositionen müssen als verschollen gelten.Vgl. Almut Runge-Woll: Die Komponistin Emilie Mayer (1812–1883). Studien zu Leben und Werk (= Europäische Hochschulschriften. Reihe XXXVI: Musikwissenschaft. Band 234). Peter Lang, Frankfurt am Main 2003, S. 45 FN 265. Emilie Mayers Kompositionen gerieten nach ihrem Tod weitgehend in Vergessenheit und wurden erst ab den späten 1980er Jahren wiederentdeckt, ausgehend von den Untersuchungen Martina Sichardts.Martina Sichardt: Auf den Spuren einer vergessenen Komponistin. Emilie Mayer (1821–1883). Mit einem Werkverzeichnis von Karola Weil. In: Bettina Brand, Martina Helmig u. a. (Hrsg.): Komponistinnen in Berlin. Musikfrauen, Berlin 1987, S. 150–178. DOI:10.25366/2025.263. Mehrere Erstveröffentlichungen wurden u. a. vom Furore-Verlag in Kassel, dem Verlag Ries & Erler in Berlin und der Edition Massonneau Schwerin herausgegeben.

Vokalmusik Singspiel Singspiel Die Fischerin, um 1842, unveröffentlicht

Mehrstimmige Lieder und Gesänge a cappella, Chormusik Lieder für Männerstimmen (Tenor, Tenor II, Bass), bis 1847, unveröffentlicht. Fünf Gesänge op. 5 für Sopran, Alt, Tenor, Bass. Barnewitz, Neustrelitz 1847, verschollen.

Lieder und Gesänge mit Klavierbegleitung Erlkönig I (für eine Singstimme und Klavier), um 1842, unveröffentlicht. Zwei Gesänge für eine Singstimme und Klavier. Challier, Berlin o. J. Erlkönig II (für eine Singstimme und Klavier), um 1870, unveröffentlicht.

Instrumentalmusik Orchestermusik Concerto. Klavierkonzert in B-Dur (Manuskript, Anfang der 1850er). Sinfonie c-Moll. Hrsg. von Bert Hagels. Ries & Erler, Berlin 2018, (UA.: Stettiner Instrumentalverein vor dem 4. März 1847; Erstveröffentlichung). Sinfonie Nr. 2 e-Moll. Hrsg. von Bert Hagels. Ries & Erler, Berlin 2018, , (UA.: Stettin Instrumentalverein vor dem 4. März 1847; Erstveröffentlichung). Sinfonie Militaire Nr. 3 C-Dur. Hrsg. von Craig Doolin. Furore, Kassel ca. 2005, (UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 21. April 1850; Erstveröffentlichung). Ouvertüre Nr. 2, D-Dur. UA.: Berlin, 21. April 1850 (Musikdateien, Notenausgaben, Infos im IMSLP). Sinfonie h-Moll. Hrsg. und bearb. von Stefan Malzew. Furore, Kassel 2019, (Erstveröffentlichung; UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 16. März 1851, verschollen, Klavierarrangement von A. Jurke. Bote & Bock, Berlin 1860). Sinfonie D-Dur. UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 1. Mai 1852, verschollen. Sinfonie E-Dur. UA.: Berlin Königliches Schauspielhaus 25. April 1853, unveröffentlicht.