Kostroma () ist eine russische Stadt mit 265.000 Einwohnern (Stand: 2025). Sie liegt etwa 300 Kilometer nordöstlich von Moskau am Zusammenfluss der Wolga und des Flusses Kostroma und ist eine der ältesten und architektonisch reizvollsten russischen Städte sowie Teil der touristischen Route Goldener Ring. Sie ist zudem die Hauptstadt der Oblast Kostroma.
Geschichte mini|Kostroma an der Wolga ca. 1842 Geht man von der weit verbreiteten Gründungshypothese der Stadt aus, ist Kostroma fünf Jahre jünger als Moskau. Somit zählt es zu den ältesten Städten im zentralen europäischen Teil Russlands.
Frühgeschichte und Etymologie
Allgemein wird heutzutage das Jahr 1152 als Gründungsjahr Kostromas angenommen. Dies wurde erstmals im 18. Jahrhundert vom bekannten russischen Historiker Wassili Tatischtschew behauptet, der die Stadtgründung unter Berufung auf eine heute nicht mehr erhaltene Urkunde dem Susdaler Großfürsten Juri Dolgoruki (der fünf Jahre zuvor auch Moskau gegründet haben soll) bei dessen Expansionszügen auf das obere Wolgagebiet zuschrieb. Die erste bis heute nachweisbare urkundliche Erwähnung von Kostroma stammt allerdings erst aus dem Jahr 1213: Dort wurde die Ortschaft im Zusammenhang mit einem Feldzug des Rostower Fürsten Konstantin beschrieben, der Kostroma niedergebrannt haben soll. 1238 wurde Kostroma erneut in Chroniken erwähnt, diesmal im Zusammenhang mit einem Angriff Batu Khans.
Da es hinsichtlich der Stadtgeschichte Kostromas im 12. und frühen 13. Jahrhundert bis auf diese zwei Erwähnungen kaum überlieferte Daten gibt, ist auch der Ortsname nicht mit Sicherheit zu erklären. Wie auch das Hydronym des gleichnamigen Flusses könnte der Name Kostroma von einer der finno-ugrischen Sprachen abstammen und ursprünglich kostrum, wörtlich „Festung“, geheißen haben. Laut einer anderen Version wurde der Ort nach der ostslawischen Gottheit namens Kostroma benannt, die von vorchristlichen Bewohnern dieser Gegend als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde. Beide Namensherkunftshypothesen deuten darauf hin, dass das heutige Stadtgebiet von Kostroma bereits lange vor der vermeintlichen Stadtgründung bewohnt wurde.
Kostroma im Mittelalter
Die erste befestigte Ortschaft als Vorläufer der heutigen Stadt könnte in den 1240er-Jahren entstanden sein, als der Wladimirer Großfürst Jaroslaw II. Wsewolodowitsch die Gegend von der Goldenen Horde, welche damals die meisten russischen Fürstentümer infolge der Mongolischen Invasion der Rus kontrollierte, zugeteilt bekam. Am hohen und von Wäldern umgebenen linken Ufer der Wolga könnte damals die erste hölzerne Festung, ein Vorläufer des späteren (heute nicht mehr erhaltenen) Kremls von KostromaLocal history website. K. Torop. Kostroma, entstanden sein. Zudem ließ Jaroslaw dort das erste bekannte Kirchengebäude Kostromas, die Holzkirche Theodor Stratelates, bauen. Nach Jaroslaws Tod 1246 erhielt sein Sohn Wassili Jaroslawitsch die Oberhand über Kostroma. Während seiner Herrschaft, die 30 Jahre andauerte, war Kostroma zeitweise ein eigenständiges Fürstentum, ging jedoch nach seinem Tod wieder an Wladimir.
Unter Wassili Jaroslawitsch wurde nahe der Kostroma-Mündung das Erlöser-Kloster hinter dem Teich gegründet, an das heute die gleichnamige Kirche an jener Stelle erinnert. Vermutlich etwa Anfang des 14. Jahrhunderts entstand dort auch das bis heute bekannte Ipatios-Kloster, das mit Befestigungsanlagen ausgestattet wurde und damit die Stadt vor Angriffen schützen sollte.
Im Jahre 1364 wurde Kostroma nach abermaliger Neuordnung russischer Fürstentümer Teil des Großfürstentums Moskau. Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage am hohen Ufer der Wolga wurde der Ort von Moskauer Großfürsten in kritischen Zeiten mehrfach als Zufluchtsort genutzt: So suchte dort im Jahre 1382 Dmitri Donskoi bei Angriff des Khans Toktamisch auf Moskau mit seiner Familie Schutz. Es ist davon auszugehen, dass die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert im Wesentlichen aus Holzbauwerken bestand, auch Kirchen und Stadtbefestigung waren aus Holz erbaut. Dies begünstigte, wie überall in russischen Landen, häufige Brände, bei denen große Teile der Bausubstanz zerstört wurden. Auf dem Stadtgebiet von Kostroma hat kein einziger Holzbau aus dem Mittelalter bis heute überdauert.
Kostroma im Zarentum Russland
Ab dem 16. Jahrhundert begann der Aufstieg von Kostroma zu einer der wichtigsten Städte im nunmehr vereinigten Zarentum Russland. Insbesondere genoss das Ipatios-Kloster Ende des 16. Jahrhunderts dank der Tatsache, dass sein Begründer als ein Vorfahre der angesehenen Bojaren-Familie Godunow galt, ein nie dagewesenes Ansehen und erfreute sich zahlreicher Spenden aus dem Hause Godunow. Es setzten dort Bauaktivitäten ein, bei denen einige bis heute erhaltene Bauwerke entstanden – sie zählen heute mit zu den ältesten architektonischen Denkmälern der Stadt. In der kurzen Herrschaftszeit Boris Godunows als russischer Zar entstanden auch die heutigen Befestigungsanlagen des Klosters.
Nur wenige Jahre später, während der sogenannten Smuta, stand das Kloster und somit ganz Kostroma im Zentrum des politischen Geschehens Russlands. 1608 wurde das Kloster von einem Heer polnisch-litauischer Fremdherrscher, unterstützt von Anhängern des sogenannten zweiten falschen Dimitri, besetzt und als Militärstützpunkt genutzt. Erst nach mehrmonatiger Belagerung gelang es einem russischen Volksheer im September 1609, das Kloster einzunehmen. Im Frühjahr 1613 bot das Kloster dem künftigen Zaren Michael, dem ersten aus dem Hause Romanow, zeitweise Zuflucht vor einem polnischen Kommando, das an dem selbstlosen Einsatz des später als Nationalheld verehrten Bauern Iwan Sussanin scheiterte. Da gerade im Ipatios-Kloster Michael wenig später zum Zaren gewählt wurde, galt Kostroma seitdem als eine Art Wiege des Romanow-Hauses, die jeder russische Zar bis zum Ende der Monarchie in Russland mindestens einmal zu besuchen pflegte.
Entstehung des heutigen Stadtbildes
Im 17. Jahrhundert erholte sich Russland von den Wirren der Smuta und auch Kostroma gewann, unter anderem dank seiner verkehrsgünstigen Lage, merklich an wirtschaftlicher Bedeutung. Mitte des Jahrhunderts war Kostroma bereits die drittgrößte Stadt des Zarentums nach Moskau und Jaroslawl, wobei die Nähe des letzteren maßgeblich zur wirtschaftlichen Prosperität Kostromas beitrug. Die größte Rolle spielten in der Stadt damals die Handwerke, darunter das Eisenschmiedehandwerk und die Seifenherstellung. Die immer noch häufigen Großbrände führten dazu, dass sich auch in Kostroma allmählich der Bau in Stein durchzusetzen begann. So entstanden auch außerhalb des Ipatios-Klosters markante Bauwerke, von denen einige bis heute stehen. Zu erwähnen ist etwa die Christi-Auferstehungs-Kirche im Walde sowie die Bauwerke des Epiphanien-Klosters. Den Mittelpunkt der Stadt bildete der Kreml, der sich am Wolgaufer erhob, während sich rundherum die bis heute bestehende städtebauliche Struktur von der Form eines Fächers zu bilden begann.
miniatur|Epiphanien-Kloster, Mitte des 19. Jh.
Im 18. Jahrhundert wurden der Anbau des Leins und die Textilindustrie in und um Kostroma zu dem führenden Wirtschaftszweig. Es entstanden in der Stadt die ersten Manufakturen, und das architektonische Ensemble des Stadtzentrums wurde durch noble Kaufmannsresidenzen ergänzt, von denen nicht wenige bis heute stehen.Deutsche Siedler in Kostroma, abgerufen am 17. Dezember 2022 1767 empfing Kostroma jubelnd Kaiserin Katharina die Große bei ihrer Reise entlang der Wolga. Kurz darauf erhielt es ein eigenes Stadtwappen mit der Abbildung einer Galeere, die den Besuch Katharinas symbolisierte. Im Zuge der Verwaltungsreform der 1770er-Jahre erhielt Kostroma 1778 den Status der Hauptstadt eines eigenständigen Gouvernements innerhalb des Russischen Kaiserreiches.
Nachdem große Teile des noch vorwiegend hölzernen Stadtkerns bei einem Großbrand 1773 zerstört wurden, wurden sämtliche repräsentativen Bauten in Kostroma nur noch in Stein gefertigt. Verankert wurde dies im neuen Generalplan aus dem Jahr 1781, der im Wesentlichen prägend für die noch heute bestehende Bebauung des historischen Teils Kostromas ist. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurden nach diesem Plan die bekanntesten Bauwerke der Stadt errichtet: in den 1790er-Jahren die Handelsreihen, 1806–1808 das Gebäude der Gouvernementverwaltung (heute Stadtverwaltung) und in den 1820er-Jahren die nebeneinander stehenden Empire-Bauten der Hauptwache und des Feuerwachturms. Das historisch bedingte fächerartige Straßennetz rund um den Kreml und den zentralen Platz (den heutigen Sussanin-Platz) wurde bei der Neubebauung der Stadt beibehalten.
20. Jahrhundert
mini|hochkant=0.8|Junge Frau aus Kostroma in Nationaltracht (um 1900)
Die Industrialisierung erreichte in Kostroma Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Zu den bedeutendsten Betrieben der Stadt zählte zu jener Zeit die Leinmanufaktur, die unter Beteiligung des bekannten Kunstmäzens Pawel Tretjakow gegründet wurde. 1887 erhielt Kostroma mit der Verlegung der Strecke aus Jaroslawl über Nerechta einen Eisenbahnanschluss. 1913 stand Kostroma ein letztes Mal im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, als es zu einem der zentralen Austragungsorte der pompösen Feierlichkeiten zum 300-jährigen Bestehen der Romanow-Dynastie wurde.
miniatur|Eisenbahnbrücke über die Wolga in Kostroma
Das im Russischen Reich gepflegte Ansehen Kostromas als Wiege des Romanow-Hauses wurde mit dem Niedergang der russischen Monarchie nach der Februar- und der Oktoberrevolution des Jahres 1917 praktisch zunichtegemacht, und für mehrere Jahrzehnte verlor Kostroma auch seinen Titel einer Provinzhauptstadt: Anfang 1929 wurde das Gouvernement Kostroma offiziell aufgelöst und ging in den neuen Oblasten Jaroslawl und Iwanowo auf, die heutige Oblast Kostroma mit Kostroma als Hauptstadt wurde erst 1944 gebildet. Gleichzeitig setzte hier in den 1930er-Jahren, wie vielerorts in der Sowjetunion, eine zweite Welle der Industrialisierung ein, so wurde unter anderem ein neues Kombinat zur Leinverarbeitung in Betrieb genommen. Im Zweiten Weltkrieg blieb Kostroma, das sich im sowjetischen Hinterland befand, von deutschen Bombardements weitgehend verschont. Dieser Tatsache hat es im Wesentlichen die gute Erhaltung seiner architektonischen Denkmäler, aber auch die rasche wirtschaftliche Entwicklung in der Nachkriegszeit zu verdanken. In den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden in Kostroma völlig neue Industriebetriebe sowie eines der größten Heizkraftwerke Europas.
Seit den 1970er-Jahren gehört Kostroma zur beliebten Touristenroute des Goldenen Ringes und weist eine stetig wachsende Bedeutung für den Tourismus auf.
21. Jahrhundert
In der Nacht auf Samstag, 5. November 2022 brannte der seit Jahrzehnten populäre Nachtclub Poligon auf einer Fläche von 3.500 m². 250 Barbesucher kamen davon, mindestens 15 starben. Ein betrunkener Mann hatte auf der Tanzfläche eine Leuchtpistole abgefeuert, er wurde verhaftet.Tote bei Brand in russischem Nachtclub – Mann verhaftet orf.at, 5. November 2022, abgerufen am 5. November 2022.
Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner 1825 16.874 1870 27.178 1897 41.336 1939 121.325 1959 171.720 1970 223.042 1979 254.725 1989 278.414 2002 278.750 2010 268.742 Anmerkung: ab 1897 Volkszählungsdaten
Architektur und Sehenswürdigkeiten mini|Kostroma, Freilichtmuseum Durch die vergleichsweise gute Erhaltung der historischen Bausubstanz des 18. und 19. Jahrhunderts gehört Kostroma heute zu den architektonisch reizvollsten Städten Russlands. Die Altstadt ist durch das weitestgehend erhaltene fächerartige Netz von großen und kleinen Straßen, die am zentralen Platz beginnen, auch für einen Ortsfremden sehr leicht zu durchschauen; die meisten Sehenswürdigkeiten dort liegen in fußläufiger Nähe zueinander. Außerhalb der Altstadt zählt vor allem das Ipatios-Kloster zu den Hauptsehenswürdigkeiten von Kostroma.
Altstadt