mini|Turm zu Babylon von Pieter Bruegel Türme ist ein Sachbuch des Kinderbuchautors Paul Maar über turmähnliche Bauten aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte aus dem Jahr 1987.
Inhalt Dieses Buch erzählt von Einleitend macht Paul Maar das subjektive Auswahlprinzip seines Sachbuchs klar, indem er schreibt: „Dieses Buch erzählt von alten, neuen, hohen und schiefen Türmen. Von äußerst merkwürdigen und ganz gewöhnlichen. Von in- und ausländischen; von Türmen aus Stein, aus Holz, Lehm, Porzellan, Eisen und Eis.“
Was ein Turm alles sein kann Am Anfang stellt Maar Beispiele von fotografierten Türmen vor, die aufzeigen, wie vielfältig das Thema Turm ist:
Die ersten Türme Oben und unten Philosophen sprächen den Menschen sogar einen »Höhentrieb« zu, denn »Oben« wird immer als erstrebenswerter als »Unten« empfunden.
Massive und hohle Türme mini|Nurage Die ersten Türme waren, laut Maar, künstliche Fluchthügel in der Savanne, die vor wilden Tieren schützten. Aber bald ging die Hauptgefahr nicht mehr von Tieren, sondern von anderen Menschen aus und damit wurden die außen besteigbaren Lehmtürme zwecklos. So wurde der hohle, von innen besteigbare Turm erfunden.
Als älteste Stadt der Welt gilt Jericho und hier fand man die Überreste eines steinernen Rundturms mit einem Durchmesser von 8,5 Metern. Bemerkenswert an diesem Fluchtturm ist, dass er bereits in der Steinzeit erbaut wurde und die Steine noch mit Steinstößeln bearbeitet werden mussten.
Ebenfalls aus der Steinzeit stammten die Nuragen auf Sardinien und Sizilien, runde, kegelförmige Türme, die innen durch eine Leiter oder Wendeltreppe besteigbar waren. Sie sind aus großen Steinblöcken gebaut und oben durch ein Gewölbe abgeschlossen.
Interessant ist die Etymologie des Wortes »Nurage«. Das Wort ist zu übersetzen mit »hohler Turm« und weist also darauf hin, dass es wohl andere Türme gegeben haben muss, die nur von außen bestiegen werden konnten.
Ägyptische Türme – Wie die Entwicklung weiterging Die Hieroglyphen mit der Bedeutung „Burg“ stellt einen Turm dar. Sie hat sich zwar im Lauf der Jahrhunderte gewandelt, der Turm bleibt trotzdem immer zu erkennen. Es ist ein Rundbau, der nach oben schmaler wird und der von einem weit überstehenden, balkonähnlichen Wehrgang bekrönt wird. Der Eingang liegt ganz oben. Nähert sich ein Feind, zieht man die Leiter einfach nach oben und schließt die Tür.
Bericht über eine erfolgreiche Turmverteidigung Im Alten Testament, Buch der Richter, wird von einer erfolgreichen Turmverteidigung erzählt: „Abimelech aber zog gegen die Stadt Thebez und belagerte sie und gewann sie.“ Es war aber ein starker Turm mitten in der Stadt. Auf den flohen alle Männer und Frauen und alle Bürger der Stadt und schlossen hinter sich zu und gingen auf das Dach des Turmes. Da kam Abimelech zum Turm und stritt dawider und nahte sich der Tür des Turmes, dass er ihn mit Feuer verbrenne. Aber ein Weib warf ein Stück von einem Mühlstein Abimelech auf den Kopf und zerbrach ihm den Schädel. Da rief Abimelech den Knaben, der seine Waffen trug, und sprach zu ihm: „Zieh dein Schwert aus und töte mich, daß man nicht von mir sage: Ein Weib hat ihn getötet.“
Der Turm wird zum Sinnbild Je höher und sicherer die Türme wurden, desto mehr wurde daraus ein symbolisches Bauwerk. Sie waren nun nicht mehr Fluchttürme für jedermann; nun gehören sie dem König. Man war auf die Gnade des Königs angewiesen, darauf, dass er einem bei Gefahr Zuflucht in seinem sicheren Turm gewährte und zahlte dafür Tribut. So wurde der Turm zum Sinnbild für die Macht des Herrschers. Je größer ein Turm war, desto mächtiger musste sein Besitzer sein.
Türme mit seltsamen Namen (1) Butterturm und Buttermilchturm mini|Butterturm der Kathedrale von Rouen Der Butterturm der Kathedrale von Rouen verdankt seinen Namen einer Tradition: Zur Fastenzeit war im Allgemeinen der Genuss von Butter und anderen Milchprodukten verboten. Durch die vorübergehende Aufhebung dieses Verbots konnte mit den aus dem Butterverkauf erzielten Einnahmen der Bau des Glockenturms finanziert werden.
Der Buttermilchturm in der ehemals ostpreußischen Stadt Marienburg (Malbork) wurde als Sühne für einen Frevel mit Buttermilch gebaut. Im »Großen Universal-Lexikon« von Johann Heinrich Zedler steht dazu:
Als der Bischof davon hörte, mussten die Bauern einen Turm bauen und dabei den Kalk nicht mit Wasser, sondern mit Buttermilch mischen.
Der Buttermilchturm der Totenkirche in Treysa führt seinen Namen nach einer Sage: Im Laufe einer Belagerung überlisteten die Treysaer ihre Feinde. Der Turm wurde weiß gestrichen, und die Stadtknechte riefen den Belagerern zu, es seien noch so große Vorräte an Nahrung innerhalb der Stadtmauern, dass man die Kirche mit Buttermilch geweißt habe. Die Feinde zogen daraufhin resigniert ab. Die Sage hat einen wahren Kern. Tatsächlich wurde früher Kaseinweiß auf Milchbasis als Farbe eingesetzt, und Quark und Buttermilch wurden verwendet, um Leim und Mörtel größere Festigkeit zu verleihen. Im Rahmen der Sanierung der Kirche wurden Rechnungen gefunden, die belegen, dass die Kirchengemeinde zur Zeit der Sage im Dreißigjährigen Krieg Milch zur Herstellung von Kaseinfarbe eingekauft hat.
Der betrogene Teufel Ein junger Baumeister in Rouen, bekam den Auftrag, den Turm an der Kathedrale zu bauen. Weil der junge Mann aber bald erkennen musste, dass sein Können nicht ausreichte, rief er den Teufel um Beistand an. Der Teufel war bereit, zu helfen, forderte allerdings die Seele des Baumeisters. Nach einem Jahr war der Bau fertig. Der Baumeister sagte zum Teufel: „Wenn es dir gelingt, die Wendeltreppe vom Fuß des Turmes bis zur Spitze hochzurennen, während die Turmuhr Mitternacht schlägt, darfst du mich packen und vom Turm stürzen.“ Der Baumeister beschmiert die oberen Treppenstufen dick mit Butter, der Teufel rutschte aus, fiel die halbe Treppe hinunter und kam zu spät oben an. Damit war die Seele des Baumeisters gerettet.
Der älteste bekannte Turmbesucher Eine Inschrift im Turm der Münchner Frauenkirche berichtet, dass im Jahr 1819 der 114 Jahre alte Berchtesgadener Anton Adner den Turm allein und ohne Hilfe zu seinem Vergnügen bestiegen habe.
Tortentürme 1985 meldete die Presse, dass man zur Feier des 93. Geburtstages von Luis Trenker einen Tortenturm mit der Höhe von 16,5 Metern gebacken hatte. Doch bereits 1987 war dieser Rekord schon wieder überholt als bei der Eröffnung der Hamburger Konditoreimesse ein 17,5 Meter hoher Tortenturm gezeigt wurde.
Der Turm zu Babel Der Turm zu Babel ist der bekannteste Turm der Welt, allerdings nicht als Bauwerk, sondern als Symbol für die Überheblichkeit des Menschen.
Der Ursprung der Turm-Fabel Die Geschichte geht auf die indische Weda zurück, in der erzählt wird, dass die Menschen einen Baum pflanzten und ihn begossen, bis er an den Himmel reichte, um in den Himmel eindringen zu können. Daraufhin haben die zornigen Götter die Menschen über die ganze Welt zerstreut. Siebenhundert Jahre später wird diese Geschichte in das Zweistromland vorgedrungen sein. Nur wurde aus dem Baum ein Turm.
Die Sumerer und ihre Tempeltürme
Die Sumerer gründeten Städte, in deren Mitte sie Hügel aus Erde aufschütteten. Der Grund dafür könnte gewesen sein, dass die Hügel bei Überschwemmungen aus dem Wasser ragten und als Zufluchtsort dienten. Diese Terrassen wurden immer höher und ergaben einen stufenförmigen Tempelturm, Zikkurat, dessen oberste Stufe den Tempel trug.
Wirkung und Nachwirkung Für Reisende, die mit einem Boot oder mit einer Kamelkarawane nach Babylon kamen, muss es ein imposanter Anblick gewesen sein, wenn sie sich aus dem flachen Land der Stadt näherten. Der Turm war kilometerweit zu sehen und ragte blendend im Sonnenlicht. Die obersten Stockwerke waren mit glasierten Keramikkacheln verkleidet. Darüber strahlte der Tempel, dessen Außenwände mit Gold überzogen waren.
Turm-Rekonstruktion Zahlreiche Archäologen stellten Vermutungen an, wie der Turm genau ausgesehen hatte. Aber einiges ließ sich nicht aus den Texten ablesen. Hatte der Turm sieben Terrassen, auf denen der Tempel als achte stand, oder war dieser selbst die siebte Stufe? Zwischen 1811 und 1900 fanden Wissenschaftler die Überreste von insgesamt elf Zikkuraten. Eine deutsche Orient-Expedition unter Robert Koldewev fand 1912 endlich die Ruinen von Babylon. Man fand glasierte Kacheln, die Überreste von Pfeilern und, 60 Meter entfernt, den Ansatzpunkt, den Beginn einer 9 Meter breiten Treppe.
Wie man sich früher den Turm zu Babel vorstellte Im Mittelalter wurde viel darüber gestritten, wie hoch der Turm zu Babel gewesen sei. Im Buch Mose steht, dass die Spitze »bis in den Himmel« reichte. Da die Wolken in 1000 Meter Höhe über die Erde ziehen, und da die Wolkenschichten tausend Meter dick sein können, musste der Turm mindestens 2 Kilometer hoch gewesen sein. Andere wiederum behaupteten, die Spitze des Turmes reichte mindestens bis zum Mond und setzten sich mit dieser Ansicht durch. Vom Fuß bis zur Spitze des Turms hätte ein Arbeiter zu Fuß 105 Jahre gebraucht.
Der Jesuit Athanasius Kircher bewies im Jahr 1679, dass der Turm nicht so hoch gewesen sein konnte, denn sein Gewicht hätte die Erde aus dem Gleichgewicht gebracht, so dass sie gekippt wäre.
Ein anderer Naturforscher, Johann Jacob Scheuchzer, veröffentlichte 1731 seine so genannte »Kupferbibel« und stellt darin fest: »Ganz zu schweigen, daß 50mal mehr Bau-Materialien und Zeug nötig gewesen wäre, als die ganze Erde hätte fassen mögen.« Scheuchzer berechnete auch, dass von Noah und seinen drei Söhnen damals 9.094.468 Nachfahren existierten, von denen exakt 1.763.128 Personen am Turm gearbeitet hätten, und schließt daraus: »belauft sich die Zeit auf 12 Jahre, worinnen ein so gewaltiges Gebäude zu Ende gebracht hat werden können«. In Wirklichkeit war der Turm zu Babel lediglich 90 Meter hoch.
Ein Turm und eine Geschichte aus Afrika Früher redeten alle Menschen in einer Sprache. Das würden sie auch noch heute tun, wenn sie nicht so neugierig wären! Eines Tages kamen die Leute auf die Idee, zu gucken, was über den Wolken sei. Sie fragten ihren König und der ließ sich von seiner Frau den Rat geben, einen Turm zu bauen, der bis zu den Wolken reicht. Die Leute sammelten all ihre Kornspeicher und stellten sie übereinander. Dann befahl der König dem Leichtesten seiner Leute, hinaufzuklettern und nachzusehen, was über den Wolken sei. Doch es fehlte noch ein wenig, da hatte der König eine gute Idee und sagte: „Ihr nehmt einfach den untersten Kornspeicher weg und stellt ihn als letzten obendrauf!“ Da stürzte der Turm mit einem solchen Getöse zusammen, dass die Leute vor Schreck ihre Sprache vergaßen. Und seitdem reden die Menschen in verschiedenen Sprachen.
Wie der Turm ins Schachspiel kam mini|Türme Das Kennzeichen eines Turmes ist es, dass er fest auf seinem Platz steht. Ganz anders der Turm im Schachspiel. Hier wird er nur noch von der Dame an Beweglichkeit übertroffen. Aber der deutsche Name „Turm“ beruht auf einem Missverständnis.
Die Perser nannten den Kriegswagen „Rukh“. Die Araber übernahmen auch den persischen Namen für diese Spielfigur. Da wurde der Islam gerade Staatsreligion. Jetzt verbot die Religion das Herstellen von Bildwerke und so veränderten sie das Aussehen der Figuren. Sie machten aus den Schachfiguren Symbole, abstrakte Formen.
Als die Europäer nach der Bedeutung der Eckfiguren fragten, erklärte man ihnen, das sei der „Rukh“. Die Ritter deuteten den Rukh nach seiner äußeren Form: Die Einkerbungen hielten sie für Turmzinnen, also machten sie die Figur zu einem Turm. In England heißt jedoch der Turm nicht etwa „Tower“, sondern „Rook“.
Herr Turm höchstpersönlich mini|der Alte Steffel