Natori (jap. , -shi) ist eine Stadt in der Präfektur Miyagi auf Honshū, der Hauptinsel von Japan.

Geographie

Natori liegt südöstlich von Sendai und nördlich von Iwanuma in der Sendai-Ebene und besteht vornehmlich aus reliefarmem Tiefland mit landwirtschaftlichen Flächen (Reisanbaugebiet) nahe der pazifischen Küste. (Online veröffentlicht am 27. März 2012). Neben den Reisfeldern ist die flache Küstenlandschaft von Siedlungen und Sandstränden geprägt. Der Ort ist der Sendai-Bucht zugewandt. Er liegt ähnlich wie andere Städte der Sendai-Ebene über vier Kilometer landeinwärts der Küstendämme und Wellenbrecher wenig über der Höhe des Meeresspiegels. Earthquake Engineering Research Institute (EERI). Die Stadt Natori verfügt über zwei hauptsächliche Bevölkerungszentren: Die 5 km von der Küste entfernte Innenstadt und der an der Küste liegende und an die Flussmündung des Natori angrenzende Ortsteil Yuriage.

Im Norden liegt das Gebiet von Natori nahe an dem gleichnamigen Fluss, an dessen rechtem Flussufer sich Yuriage mit einem Hafen und einem Wohngebiet befindet. (Veröffentlicht am 29. März 2012).

Natori verfügt über zwei Küstenregionen, zu denen Yuriage gehört. Der Fischereihafen Yuriage und der Teizankanal (貞山運河/Teizan-bori), der zwischen den Flüssen Natori und Abukuma verläuft, sind die wichtigsten topographischen Merkmale der Stadt. Der Teizankanal ist ein etwas landwärts von der Küste parallel zu ihr verlaufender Transportkanal, den Date Masamune (伊達政宗), der mächtige Daimyō aus der Tōhoku-Region, einst hatte ausheben lassen.

Ebenfalls in Natori liegt im südlichen Teil der Stadt in einer Entfernung von etwa einem Kilometer von der Küstenlinie der Flughafen Sendai als Verbindungspunkt zur Tōhoku-Region.

Tōhoku-Erdbeben 2011 Ausmaß von Überflutung und Schäden

Am 11. März 2011 wurde die Stadt 60 Minuten nach dem Tōhoku-Erdbeben von dem darauffolgenden Tsunami getroffen, der 30 Minuten nach Ankunft der ersten Wellen auch weiter nördlich gelegene Orte erreichte.; hier: S. 27. In Natori, wo sich der Flughafen Sendai befindet, konnte eine Tsunami-Höhe von 10 – 12 m anhand des auf Bäumen zurückgebliebenen Mülls gemessen werden. Der Tsunami stürzte die meisten Bäume um, doch half der dem Küstenschutz dienende Regulationswald, den Flughafen zu schützen, zumal die Tsunami-Überschwemmungstiefe lediglich 4 m betrug. (Online veröffentlicht am 7. Juli 2012). Nach dem Überschreiten der Dämme fand der Tsunami keine Beschränkung in den Flusstälern und breitete sich über die Landoberfläche der Sendaiebene aus. Die Zahl der völlig zerstörten Wohngebäude in Natori wird mit 2801 beziffert.

Obwohl die höchsten Wasserhöhen in der Sendai-Ebene geringer waren als in den weiter nördlich gelegenen Gebieten, wurde eine weitaus größere Ausdehnung überflutet. Zwar war ein Großteil der Überschwemmungszone landwirtschaftlich geprägt mit einer geringen Bevölkerungsdichte, doch gab es mit dem Gebiet des Flughafens Sendai und mit dem nahe dem Fluss Natori gelegenen Yuriage zwei besondere Ausnahmen innerhalb der Stadtgrenzen. Yuriage erlitt dabei eine höhere Anzahl an Opfern als der Flughafen Sendai.

Yuriage Yuriage (閖上, ehemals: 閖上町) war der Bezirk mit den schwersten Schäden in der Stadt Natori., Lizenz: Creative Commons Attribution CC BY 3.0 IGO. Der einst wirtschaftlich sehr rege Fischereihafen mit 7101 Einwohnern zum Zeitpunkt vor der Katastrophe lag direkt an und innerhalb von 800 m Entfernung von der Küste und dicht am Fluss Natori. Am Fluss stieg der Tsunami schneller an. Seine Uferdämme wurden teilweise vom Tsunami zerstört und erlitten in Yuriage in Abständen von rund 50 m Brüche an den Verbindungen verschiedener Bauteile.

Der Tsunami erreichte Yuriage etwa 65 Minuten nach dem Erdbeben und überflutete das Land bis zu 5,2 km landeinwärts, bis in die Nähe der Böschungen der Tōhoku-Autobahn (Tōhoku Expressway), wo im Tsunami treibende und brennende Holzhäuser, Fahrzeuge, Boote und andere Trümmer angespült wurden. Die Siedlung Yuriage wurde überflutet und von verschiedenen Richtungen aus vom Tsunami erfasst, der sowohl von der Küste aus vordrang als auch vom Fluss und von dem Kanal aus, der das dem Tsunami am stärksten ausgesetzte Gebiet Yuriages vom Zugang zu höher gelegenem Terrain abschnitt. In der Nähe des Hafens lag die Überflutungshöhe des Tsunamis bei 8,81 m. Nicht nur um den Hafen herum wurden viele Gebäude vom Tsunami zerstört, sondern auch auf einem kleinen Hügel, der das höchstgelegene Land in diesem Gebiet darstellte, vom Tsunami jedoch überflutet wurde und wo der Tsunami eine Tsunamispur in einer Höhe von 2,10 m über dem höchsten Punkt des Hügels hinterließ. Somit war kein Ort in dem Gebiet hoch genug für eine Evakuierung der Einwohner gelegen, was als ein Grund für die hohe Opferrate dieses Gebiets angesehen wird. Nur wenige Gebäude waren höher als drei Stockwerke. Schulen waren als vertikale Evakuierungsgebäude ausgewiesen und oftmals mit externen Treppen ausgestattet, um einen einfachen Zugang zu ermöglichen.

Über 2902 Häuser (80 Prozent aller Häuser in Yuriage) wurden teilweise oder vollständig zerstört. Die Mehrzahl der Gebäude auf dem Landstreifen zwischen dem Meer und dem Teizankanal wurden vom Tsunami zerstört. Fast alle aus Holz konstruierten Wohngebäude in Yuriage brachen vollständig zusammen. Stahl- und Stahlbetongebäude erlitten Schäden, die von leicht bis Zusammensturz reichten. Das Stahlbetonhafengebäude und der Kai brachen teilweise zusammen. Der Tsunami strömte offenbar senkrecht von Osten auf die Küste zu und direkt in die Flussmündung und über den Hafen von Yuriage, wo es keine nennenswerten Küstenbefestigungen gab.

Das (Alten-)Pflegeheim Urayasu (Urayasu Special Elderly Nursing Home, Kozukahara Aza Tohigashi) wurde von dem Tsunami weitgehend zerstört. Nach dem Tsunami blieb das Gebiet zunächst überflutet und das Pflegeheim vier Tage von der Außenwelt abgeschnitten, während die meisten Häuser in der Umgebung fortgespült waren. Die benachbarte Regenwasserpumpanlage Yuriage war ausgefallen, so dass das Gebiet nicht entwässert werden konnte., city.natori.miyagi.jp, 20. März 2011. 43 der 163 älteren Bewohner sowie 4 der 62 Mitarbeiter starben. (Online veröffentlicht am 21. September 2014)., CBC Radio, 27. September 2017., city.natori.miyagi.jp, 16. September 2011. Laut der Leiterin der Einrichtung, Keiko Sasaki, war der Plan, die Bewohner mit Proviant in ein nahegelegenes Gebäude zu evakuieren und dort auf Hilfe zu warten, nicht umgesetzt worden, nachdem die örtliche Polizei die Mitarbeiter kurz vor dem Tsunami angewiesen habe, die Bewohner mit PKWs oder Bussen zu einer örtlichen Junior High School zu evakuieren. Die Patienten seien dann für den Transport in Gruppen eingeteilt worden, doch sei die einzige Verkehrsroute zum Zielort überfüllt gewesen und die Fahrzeuge seien im Verkehrsstau stecken geblieben, so dass der Tsunami sie erreicht habe, bevor sie zur Schule gelangt seien. Einige den Tsunami überlebenden Patienten starben an Unterkühlung. Am zweiten Tag trugen die Mitarbeiter die Patienten auf ihren Rücken zu einem anderen Gebäude, in dem in höheren Stockwerken Notfallproviant vorhanden war.

Einschließlich der diensthabenden Feuerwehrleute wurden in Yuriage etwa 752 Tote und Vermisste gemeldet. +Schadens- und Opferbilanz nach Gebieten Yuriages (Datenstand: 2011) Gebiet in Yuriage 1 chome 2 chome 3 chome 4 chome 5 chome 6 chome 7 chome Kozukahara Gesamt Opfer (Tote und Vermisste) 49 200 43 84 64 138 89 54 721 Bevölkerung (Stand: 2009) 667 895 356 755 533 1062 832 566 5666 Opferrate [%] 7,3 22,3 12,1 11,1 12,0 13,0 10,7 9,5 12,7 Bevölkerungsanteil über 75-jähriger (Stand: 2005) [%] 11,8 14,6 17,3 16,5 7,4 9,7 4,9 18,9 - Anteil fortgespülter Häuser (*) [%] 21 81 100 100 96 90 91 - - (*): Die fortgespülten Häuser wurden unter Verwendung von Googlemaps anhand von Gebietsfotos vom 6. April 2011 in Abgleich mit der Häuserkarte von Zenrin gezählt.

Unmittelbar nach dem Erdbeben entsendete die japanische Rundfunkgesellschaft NHK eine Hubschrauber-Kameracrew an die Sendai-Küste, um das Übergreifen des Tsunamis auf die Küste zu übertragen. Der Tsunami erreichte die Sendai-Küste etwa eine Stunde nach dem Erdbeben und es gelang der NHK-Crew, den Augenblick des Tsunami-Übergriffs auf die Küste zu filmen. Das Kamerateam flog dabei entlang des Flusses Natori und konnte das Vordringen und Auflaufen des Tsunamis entlang des Flusses dokumentieren. Es filmte dabei insbesondere den Tsunami links des Natori in Sendai-Fujitsuka und rechts des Flusses in Natori-Yuriage und Natori-Kozukahara. Das Video wurde weltweit vielfach ausgestrahlt und ist im Videoarchiv von NHK enthalten. (Online veröffentlicht am 22. Juli 2014). Mit Verweis auf das NHK-Videoarchiv: www9.nhk.or.jp/311shogen/map/#/evidence/detail/D0007030024_00000.3.11大震災, 宮城県名取市, 3月11日15時54分, NHK東日本大震災アーカイブス (NHK Great East Japan Earthquake Archive), Programm: NHKニュース(2011年3月11日)(NHK News, 11. März 2011), Ort: 宮城県仙台市・名取市 名取川上空, Videosequenzen: ニュース映像, Chapter 1: 3月11日 15時54分, Chapter 2: 3月11日 15時58分, Chapter 3: 3月11日 16時02分, Chapter 2: 3月11日 16時07分. Es wurde wissenschaftlich ausgewertet und bietet wichtige Informationen zu der Art und Weise des landeinwärtigen Vordringens des Tsunamis und zu seinen Fließeigenschaften bei den lokalen Überflutungen. (Online veröffentlicht am 22. Juli 2014).

Flughafen Sendai Am Flughafen Sendai brachen die Tsunamiwellen nahe der Küste und überrollten eine 5–10 m hohe Sanddüne, worauf der Tsunami mehrere Kilometer landeinwärts Reisfelder überflutete. Der bedeutende Flughafen der Tōhoku-Region, der rund einen Kilometer von der Küste auf einer Erhebung von 4 Metern über dem Meeresspiegel liegende Flughafen Sendai, wurde vom Tsunami getroffen. Der Tsunami erfasste den Flughafen, überflutete die Start- und Landebahn, das erste Geschoss des viergeschossigen Flughafenterminalgebäudes, das aus Stahl und Stahlbeton bestand und über eine hohe Anzahl von Außenverglasungen in allen Geschossen verfügte, und die Bahnstrecke der Airport Access Railway., Lizenz: Creative Commons Attribution CC BY 3.0 IGO; hier: S. 173, Figure 20.2: "Sendai Airport after the tsunami" ("Source: MLIT"). Die inneren Stahlgerüst-Trennwände des Terminalgebäudes wurden durch Trümmereinschläge verbogen. Die gemessenen Überflutungshöhen betrugen 2,82 m innerhalb und 2,98 m außerhalb des Gebäudes des Flughafenterminals. Im Terminal blieb Schlamm zurück, doch nahm der Flughafen keine Schäden an tragenden Bauteilen. Der Tsunami überflutete das gesamte Gebiet der Flughafenanlage. Viele Fahrzeuge wurden von dem Tsunami zerstört und fortgeschwemmt.

Opfer Die Brand- und Katastrophenschutzbehörde meldete in ihrem Schadensbericht 954 Tote und 38 Vermisste in Natori. (), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 7. März 2018.