mini|Luftbild von Markdorf (1985) mini|Obertorstraße mit Pfarrkirche St. Nikolaus Markdorf ist eine Kleinstadt im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Geographie Geographische Lage Markdorf liegt zwischen Friedrichshafen und Salem, am Fuße des hohen Gehrenbergs.

Von den Touristikern wird die Stadt blumig als „Perle des Linzgaus“ oder „Balkon zum Bodensee“ umschrieben. Die Gehrenbergregion, deren Zentrum sie ist, wird beworben mit: „Bei uns ist der See – mit Abstand – am schönsten“ – ein Slogan, der auf den etwa sechs Kilometer südlich liegenden Bodensee anspielt.Winfried Thum: Markdorf. Auf der Sonnenseite des Gehrenbergs. In: Die Region stellt sich vor. Wir sind hier. Sonderbeilage des Südkurier vom 19. November 2010, S. 16.

Im 409,2 Hektar großen Stadtgebiet sind zwei Natur- und Landschaftsschutzgebiete (Hepbacher-Leimbacher Ried und Markdorfer Eisweiher), der Schonwald Gehrenberg und ein Einzelgebilde-Naturdenkmal ausgewiesen (Stand: 30. Mai 2009).

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend) Deggenhausertal, Oberteuringen, Friedrichshafen, Immenstaad, Hagnau, Stetten, Meersburg und Bermatingen.

Die nächsten Städte in weiterer Umgebung sind Friedrichshafen im Südosten, Meersburg im Südwesten und Ravensburg im Nordosten.

Stadtgliederung Markdorf besteht neben der Kernstadt (mitsamt den Dörfern und Weilern Bergheim, Fitzenweiler, Gehrenberg, Möggenweiler und Wangen) aus den Teilorten Ittendorf (mit den Weilern Bürgberg, Hundweiler, Reute und Wirrensegel) und Riedheim (mitsamt den Dörfern und Weilern Gangenweiler, Hepbach, Leimbach und Stadel).

Wappen Stadtteil Einwohner Fläche auf der Internetseite der Stadt Markdorf, abgerufen am 29. Mai 2015. 50px|Markdorf Markdorf (Kernstadt) 10.222 1.162 ha 50px|Ittendorf Ittendorf 710Ittendorf auf der Internetseite der Stadt Markdorf, abgerufen am 29. Mai 2015. 1.547 ha 50px|Riedheim Riedheim 1.943 Website der Stadt Markdorf, abgerufen am 29. Mai 2015. 1.382 ha

Klima

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung des Orts datiert aus dem Jahr 817, als Kaiser Ludwig der Fromme eine Schenkung an das Kloster St. Gallen vornahm. Die Verleihung der Stadtrechte hat um das Jahr 1250 herum stattgefunden; die Stadt feierte deshalb im Jahr 2000 ihr 750-jähriges Stadtjubiläum. Der Ausbau der Stadt wurde vom 12. bis zum 14. Jahrhundert von den Herren von Markdorf vorangetrieben, bevor sie unter der Herrschaft der Konstanzer Bischöfe vor allem dank des Weinanbaus ihre Blütezeit erlebte.

Seit 1236 ist ein regelmäßiger Markt in Markdorf verbürgt, der Name leitet sich jedoch nicht davon ab, ebenso wenig von der späteren Funktion als Grenzort des Konstanzer bzw. später badischen Gebiets. In der ersten Erwähnung des Orts lautet der Name Maracdorf.https://www.e-chartae.ch/de/charters/view/560 „Marac“ könnte für Marach bzw. Mähre stehen, sich also auf Pferdehaltung beziehen.

mini|hochkant|St.-Nikolaus-Kirche nach Erneuerung des Turmdachs im Juli 2006

Während des Deutschen Bauernkrieges 1524/25 gehörten Markdorf und Umgebung zum Kerngebiet des Seehaufens. Am 2. April 1525 zog der Bermatinger Haufen unter seinem Hauptmann Eitelhans Ziegelmüller nach einer großen Versammlung nach Markdorf. Die Stadt ergab sich den Bauern freiwillig. Tags darauf schwor „die ganze Gemeinde in der Stadt dem Hauptmann“, berichtet ein Salemer Mönch in seiner Chronik der Ereignisse. Der Vertrag von Weingarten, mit dem der Aufstand in der Region beendet wurde, trägt in Vertretung der Bauern unter anderem das Siegel der Stadt Markdorf. Für den „Marchdorfer Platz“ unterschrieben hat der Bauernhauptmann Conradt Hablizel.

Besonders der Dreißigjährige Krieg und die Napoleonischen Kriege forderten ihren Tribut. Nur wenige Jahrzehnte später, in der Nacht vom 10. zum 11. Juli 1842, folgte der große Brand von Markdorf, durch den 349 Bewohner vor allem des östlichen Teils der Stadt obdachlos wurden. Neben der Oberstadt brannte auch das Dach des Kirchturms der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus ab, sodass die neun Glocken in die Tiefe stürzten. Zum Gedächtnis des Großen Brandes wurde in der Nachkriegszeit bis 1964 noch der Brauch begangen, am 11. Juli die Rathausglocke zu läuten. Im März 1845 wurde der Kirchturm in Form eines Oktogons wieder aufgebaut.

Im Jahr 1901 schließlich wurde das badische Markdorf durch die Bahnstrecke Stahringen–Friedrichshafen an das reichsdeutsche Bahnnetz angeschlossen. Auf dieser eingleisigen Strecke prallte am 22. Dezember 1939 ein Personenzug zwischen Markdorf und Kluftern bei Lipbach frontal und ungebremst mit einem Güterzug zusammen. 101 Menschen starben in den Trümmern.Der unvergessene Schrecken einer Nacht, Badische Zeitung vom 15. Dezember 2009, abgerufen am 17. September 2013.

Wie in vielen anderen Städten in Süddeutschland am Anfang des 20. Jahrhunderts, beschloss die Stadtverwaltung im Jahr 1904 die Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden und von Straßen durch Acetylengas einzuführen. Im Jahr 1922 wurde das städtische Gaswerk stillgelegt, da die Elektrifizierung durch das „effiziente, saubere, geruchlose und sichere ‚neue Licht‘“ als „Inbegriff des gesellschaftlichen Fortschritts“ galt und sich in kürzester Zeit durchgesetzt hat.

Am 29. April 1945 wurde die Stadt an bis hierhin vorgerückte französische Truppen übergeben.

In den 1960er und 1970er Jahren kam es zu einem starken Wachstum der Stadt, insbesondere durch die zahlreichen Pendler, die in Friedrichshafener Unternehmen arbeiteten. 1964 wurde bei einem Brand das 400 Jahre alte Rathaus durch Feuer und Wasser zerstört. Der Turm der St.-Nikolaus-Kirche wurde 1966 wieder in seiner alten Bauweise mit vier Giebeln errichtet, wodurch er mit 68 m gegenüber dem Kirchturm vor dem Großen Brand um ca. 8 m höher geworden ist.

1967 wurde das neue Rathaus an alter Stätte eingeweiht. 1974 wurde die Städtepartnerschaft zwischen der elsässischen Stadt Ensisheim und der Stadt Markdorf begründet.

Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindereform wurden die ehemals selbständigen Gemeinden Riedheim (1. März 1972) und Ittendorf (1. April 1972) in die Stadt Markdorf eingegliedert, was zu einem starken Anstieg der Bevölkerungszahl führte.

Die Stadt Markdorf sowie die Stadtteile Ittendorf und Riedheim gehörten bis zum 31. Dezember 1972 dem Landkreis Überlingen an.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1900 etwa 1.700 1933 2.200 1939 3.000 1961 4.750 1970 6.495 1975 9.873 1991 11.329 Jahr Einwohner 1995 11.389 2000 12.097 2005 12.686 2008 12.873 2010 12.963 2015 13.714 2020 14.156

Politik

Gemeinderat Nach der Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 ergab sich folgende Sitzverteilung: Partei / Liste Stimmenanteil Sitze +/− CDU 29,0 % 6 −1 FWV 26,7 % 6 ±0 Umweltgruppe (UWG) 21,1 % 5 −3 FDP 9,6 % 2 +1 SPD 8,8 % 2 −1 Die Grünen 4,9 % 1 +1

Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 23. September 2013 Georg Riedmann (CDU). Der ehemalige Donaueschinger Kulturamtsleiter wurde im zweiten Wahlgang am 30. Juni 2013 mit 53,5 % der Stimmen gewählt und am 16. Oktober 2013 vereidigt. 2021 wurde er mit 57,0 % wiedergewählt. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Sein Vorgänger Bernd Gerber (FWV) war 1991 auf Eugen Baur gefolgt, der nach 16 Amtsjahren in die Privatwirtschaft wechselte.Christiane Keutner: Geld ging an Gläubigern vorbei. In: Südkurier vom 8. Oktober 2005. Gerber wurde 1999 und 2007 im Amt wiedergewählt, 2013 trat er vorzeitig zurück.

1945–1957: Leo Bürkle (1924–1938: Markdorfer Ratsschreiber; 1923–1938: Dirigent der Stadtkapelle) 1957–1975: Gerhard ThiedeSiegfried Amann, Eugen Baur: Das ist meine Geschichte, Südkurier vom 6. März 2004; Christian Gerards, Markdorfs Ex-Bürgermeister Gerhard Thiede war schon im Dritten Reich Schultes, Schwäbische Zeitung vom 21. März 2013. 1975–1991: Eugen Baur 1991–2013: Bernd Gerber seit 2013: Georg Riedmann

Bürgermeister der ehemaligen Gemeinden Ittendorf und Riedheim waren bis zur Gemeindereform Josef Lang bzw. Josef Lohr.Andreas Lang: Weiß läutet Amtswechsel ein. In: Südkurier vom 18. September 2004.

Gemeindeverwaltungsverband Markdorf hat sich mit den Gemeinden Bermatingen, Deggenhausertal und Oberteuringen zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen. Sitz ist Markdorf.

Wappen und Flaggen 100px 73px 100px

Stadtteilwappen

Städtepartnerschaft Seit 1974 besteht eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Ensisheim im Elsass.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Markdorf liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße und am Oberschwäbischen Jakobsweg von Ulm nach Konstanz. Ab Markdorf sind es noch 2364 Kilometer bis zum Ziel des Jakobswegs im spanischen Santiago de Compostela.

Am Bahnhof Markdorf endet die dritte und beginnt die vierte Etappe des Jubiläumswegs Bodenseekreis, einem 111 Kilometer langen Wanderweg, der 1998 zum 25-jährigen Bestehen des Bodenseekreises ausgeschildert wurde. In sechs Etappen führt er durch das Hinterland des Bodensees von Kressbronn über Neukirch, Meckenbeuren, Markdorf, Heiligenberg und Owingen nach Überlingen.

Theater und Kino Das Wirtshaus am Gehrenberg mit dem überregional bekannten Theaterstadel seit 1982. Anfangs reine Kleinkunstbühne, kamen mit den Jahren Konzertveranstaltungen und ein Kino hinzu. (Bekannte Kabarettisten und Komiker/Comedians wie z. B. Michael Mittermeier oder Django Asül traten bereits auf.)

Museen Die Stadtgalerie Markdorf zeigt Wechselausstellungen.

Bauwerke mini|Hexenturm nach Sanierung 2026 mini|hochkant|Untertorturm

Kernstadt mit historischer Altstadt

Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus (gotische Kirche von 1370 mit Schutzmantelkapelle von 1660 und Hochaltar von 1871) Heilig-Geist-Spital mit Spitalkirche St. Peter und Paul (barocke Kirche von 1689 bis 1700) Kapelle St. Mauritius vor den Mauern (mittelalterlicher Bau mit Fresken des 15. Jahrhunderts, 1771 barockisiert) Evangelische Kirche (neugotische Kirche von 1897) mit einer Orgel der Orgelbauwerkstatt Harald Rapp Bischofschloss, frühere Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Konstanz. Es wurde in der heutigen Form erbaut 1510, umgebaut 1735, saniert und innen weitgehend modernisiert 1983, war lange Zeit Hotel. Pläne, das Rathaus in das Bischofschloss umzuziehen, wurden 2018 von einem Bürgerentscheid gekippt. Latschebrunnen am Latscheplatz (mit lebensgroßen Bronzefiguren) Gehrenbergturm (auf dem Gehrenberg, Gemeindegebiet von Deggenhausertal, gehört aber der Stadt Markdorf; Aussichtsturm aus Eisen, erbaut 1903 als Großherzog-Friedrich-Warte). Er bietet bei gutem Wetter eine ausgezeichnete Sicht bis weit über den Bodensee zu den bayerischen, österreichischen und Schweizer Alpen. Im Süden der Stadt steht ein Feldkreuz. Es wurde von Ernst Arnegger als Kleindenkmal initiiert und vom Meckenbeurer Kunstschmied Hafen aus einer Tonne Stahl gefertigt.

Mittelalterliche Stadtbefestigung

Der Hexenturm wurde im 13. Jahrhundert erbaut und sicherte die Stadt nach Süden ab. In den oberen Stockwerken befindet sich das Handwerksmuseum.Plaque Hexenturm Obertor (erbaut 1534) Das Untertor war Teil der ehemaligen Stadtbefestigung. Der Torbogen ist romanisch, der Staffelgiebel gotisch.Plaque Untertorturm

In den Ortsteilen mini|links|Hochkreuzkapelle zwischen Riedheim und Bergheim mini|hochkant|Dreifaltigkeitskapelle Breitenbach mini|Historischer Wasserspeicher im Ortsteil Möggenweiler Katholische Pfarrkirche St. Jodokus, Bergheim (Turm mittelalterlich, historistische Kirche von 1876 mit neugotischer Ausstattung) Katholische Pfarrkirche St. Sigismund, Hepbach (historistische Kirche von 1853 mit neugotischer Ausstattung) Katholische Pfarrkirche St. Martin, Ittendorf (barocke Kirche von 1660 bis 1680 mit spätbarocker Ausstattung) Dreifaltigkeitskapelle, Breitenbach (spätgotisch, romanischer Kern, geweiht 1521) Hochkreuzkapelle zwischen Riedheim und Bergheim (1688 gebaut, 1696 geweiht, 1894 erweitert und neu ausgestattet) Konradskapelle, Wangen (1776 erbaut) Wolfgangskapelle, Möggenweiler (1450 erstmals erwähnt, mit Ausstattungsstücken aus mehreren Jahrhunderten)