Die Bliestalbahn ist eine ehemalige Bahnstrecke zwischen Bierbach und Saargemünd, deren nördlicher Abschnitt im Saarland und deren südlicher Teil im französischen Lothringen liegt. Größtenteils folgt sie der namensgebenden Blies.

Die 1879 eröffnete Verbindung wurde ab Zweibrücken gebaut. Sowohl während des Ersten als auch während des Zweiten Weltkrieges erlangte sie Bedeutung als Strategische Bahn. Nach der Abtrennung des Saargebiets als Folge des Ersten Weltkriegs beziehungsweise des Saarlandes nach dem Zweiten Weltkrieg, dem die meisten Orte entlang der Strecke bis Reinheim zugeschlagen wurden, kam es zu einer dauerhaften Verlagerung der Verkehrsströme nach Homburg. Aus diesem Grund wird der Begriff Bliestalbahn oft fälschlicherweise auf den ebenfalls entlang der Blies verlaufenden Schienenweg Homburg –Bierbach ausgeweitet, der jedoch Teil der Strecken Homburg – Zweibrücken beziehungsweise Schwarzenacker – St. Ingbert ist.

Da der Abschnitt Bliesbruck – Saargemünd an Frankreich ging, verlor der Durchgangsverkehr an Bedeutung. Der Personenverkehr südlich von Reinheim endete in den 1950er Jahren. 1991 folgte der saarländische Streckenteil Bierbach–Reinheim. Der ursprünglich als Teil der Bliestalbahn errichtete Abschnitt Zweibrücken – Bierbach wird nunmehr zur Bahnstrecke Landau–Rohrbach gezählt. Die Bliestalbahn im engeren Sinne wurde 1997 stillgelegt und ihre Trasse zu einem Bahnradweg umgebaut, der Teil des Glan-Blies-Weges ist.

Geschichte Vorgeschichte

Bereits in den 1830er Jahren plante die französische Regierung, eine Eisenbahnlinie von Metz über Saargemünd und weiter durch die Pfalz entlang der Blies bis nach Homburg mit anschließender Fortsetzung an den Rhein zu errichten. Nachdem die Stadt Saarbrücken davon erfahren hatte, drängte sie das entsprechende Komitee dazu, die Bestrebungen nicht weiter zu verfolgen, da dies eine verkehrstechnische Isolation der Saargegend mit ihrem Kohlerevier zur Folge gehabt hätte. Dennoch stand Bayern einer Verknüpfung der 1849 auf voller Länge eröffneten Pfälzischen Ludwigsbahn Ludwigshafen–Bexbach mit Metz aufgeschlossen gegenüber. Dabei war eine Linienführung durch das Bliestal die bevorzugte Wahl, da hierbei im Gegensatz zu einer Verbindung über Saarbrücken preußisches Gebiet umgangen werden konnte. Nachdem die Ludwigsbahn in den Folgejahren bis nach Saarbrücken fortgesetzt worden war und zur selben Zeit eine Verbindung von Saarbrücken nach Metz entstanden war, rückte die Realisierung einer Strecke entlang der Blies zunächst in weite Ferne.

Eine Erleichterung der Verkehrsverhältnisse der Region trat ein, als 1857 die Bahnstrecke Homburg–Zweibrücken und in den Jahren 1866 und 1867 die Würzbachbahn Schwarzenacker – St. Ingbert eröffnet wurden. Vor allem mit Letzterer hatten viele im Bliestal lebende Berg- und Industriearbeiter einen kürzeren Anfahrtsweg zu ihren Arbeitsplätzen in Zweibrücken, Homburg, St. Ingbert oder im Sulzbachtal. Nächstgelegener Bahnhof war Lautzkirchen, der unweit der Stadt Blieskastel lag.

mini|hochkant|Gesuch zur Erlangung zum Bau einer Strecke durchs Bliestal am 24. Juni 1868

In den 1860er Jahren hatte die französische Bahngesellschaft Chemins de fer de l’Est begonnen, eine Bahnstrecke von Folpersviller nach Saargemünd zu projektieren. Am 24. Juni 1868 bewarb sich die pfälzische Regierung um eine Konzession zur Projektierung einer Strecke entlang des mittleren Bliestals bis nach Saargemünd. Mit demselben Ziel bildete sich in Blieskastel ein vorläufiges Komitee. Im Oktober erteilte das bayerische Handelsministerium die Konzession zur Projektierung einer Bliestalstrecke.

In der Folgezeit begannen die Vorarbeiten für den Bau der geplanten Strecke. Am 29. April 1869 folgte die Konzession für den pfälzischen Teil der Bahn. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 und 1871 ließ die Unternehmung ins Stocken geraten. Nach Kriegsende genossen andere projektierte Strecken innerhalb der Pfalz, wie der Rheinkreis zwischenzeitlich hieß, Priorität.

Planung

Bereits am 1. Januar 1870 hatten sich die Pfälzische Ludwigsbahn-Gesellschaft, die Pfälzische Maximiliansbahn-Gesellschaft, die Gesellschaft der Pfälzischen Nordbahnen und die Neustadt-Dürkheimer Eisenbahn-Gesellschaft zu den Pfälzischen Eisenbahnen zusammengeschlossen. Mit Ausnahme der Neustadt-Dürkheimer Eisenbahn-Gesellschaft behielten sie jedoch ihre Selbständigkeit. Zu den Bahnprojekten, zu deren Realisierung die Ludwigsbahn-Gesellschaft verpflichtet wurde, gehörte neben einer Bahnstrecke von Landau nach Zweibrücken auch eine Strecke, die von der Würzbachbahn abzweigen, das Bliestal durchqueren und bis nach Saargemünd verlaufen sollte.

Als Folge des Krieges fiel der Norden Lothringens, in dem sich der südliche Teil der geplanten Strecke von Reinheim bis zum Endpunkt Saargemünd befand, zusammen mit dem benachbarten Elsass als Reichsland Elsaß-Lothringen an das neu gegründete Deutsche Kaiserreich. Dabei war vorgesehen, dass die Ludwigsbahn-Gesellschaft auch den im besagten Reichsland liegenden Streckenabschnitt errichten sollte. Der nördliche Ausgangspunkt sollte anfangs bei Lautzkirchen liegen. Zunächst war geplant, unmittelbar östlich vom bisherigen Bahnhof Lautzkirchen einen neuen Abzweigbahnhof zu errichten. Dies scheiterte jedoch aus mehreren Gründen. Die Stadt Blieskastel protestierte aufgrund der relativ weiten Entfernung dagegen. Darüber hinaus bestand Uneinigkeit mit einem betroffenen Grundstückseigentümer bezüglich des Preises für die Abtretung des erforderlichen Terrains. Aus diesem Grund sollte der rund zweieinhalb Kilometer östlich liegende Bahnhof Bierbach als Abzweigestation dienen und Blieskastel einen ortsnahen Bahnhof entlang der neuen Strecke erhalten. Bestrebungen, eine Verbindungskurve zwischen den Bahnhöfen Blieskastel und Lautzkirchen einzurichten, setzten sich jedoch nicht durch. Dies galt auch für den Wunsch der Gemeinde Habkirchen, die Strecke innerhalb des Reichsgebiets konsequent am rechten Ufer der Blies verlaufen zu lassen.

Auf Betreiben des zuständigen Ingenieurs wurde eine Durchbindung der Strecke bis nach Zweibrücken ins Spiel gebracht. Bis Einöd sollte sie parallel zur Bahnstrecke Homburg–Zweibrücken verlaufen und anschließend eine Verbindungskurve zwischen Einöd und Bierbach geschaffen werden. Ausschlaggebend war, dass die Strecke konzeptionell als Fortsetzung der ebenfalls zu dieser Zeit entstehenden Strecke Landau –Zweibrücken dienen sollte. Zudem gehörten die Orte im Bliestal größtenteils zum Bezirksamt Zweibrücken. Darüber hinaus sollte das benachbarte Homburg nicht zu viel Einfluss als Eisenbahnknotenpunkt erhalten. Am 22. Februar 1875 wurde der Pfälzischen Ludwigsbahn-Gesellschaft von bayerischer Seite die Konzession für den Bau der Strecke bis Saargemünd erteilt. Am 25. September 1875 folgte die Genehmigung der Reichsregierung, deren Mitspracherecht sich daraus ergab, dass die Strecke teilweise im Reichsland verlief. Sie gab im Februar 1877 endgültig grünes Licht.

Bau und Eröffnung Der Bau der Strecke, für die bis 1879 eine Grundfläche von insgesamt 4740 Ar erworben werden musste, geschah durch zwei Sektionen in Zweibrücken und Saargemünd. Für die Höhe des Bahndamms diente der Hochwasserstand der Blies im Jahr 1844 als Maßstab. Die Arbeiten für den bayerischen Streckenabschnitt begannen im Herbst, innerhalb Elsass-Lothringens im Dezember 1875. Obwohl zunächst eingleisig ausgeführt, wurde die gesamte Bahntrasse für einen späteren zweigleisigen Ausbau vorbereitet.

Die Baustoffe für die Streckenbauten wurden aus der sich anschließenden Region bezogen, die Hausteine hingegen aus der Umgebung von Landstuhl und Metz. Auf bayerischem Terrain verlief der Bau weitgehend unproblematisch, da das Gefälle dort bei maximal 1:250 lag. Auf dem Streckenabschnitt Zweibrücken – Bierbach war die Verbreiterung einiger Dämme, Durchlässe und Einschnitte erforderlich. Die Verbindungskurve von Einöd nach Bierbach, oft „Ingweiler Kurve“ genannt, machte einen tieferen Einschnitt notwendig. Die Bliesbrücke der Würzbachbahn musste verlängert werden, da die neue Strecke von dort ab parallel zu dieser verlaufen sollte. Zwischen Blickweiler und Breitfurt musste ein Tal mit einer Brücke überquert werden, die drei Öffnungen mit je 16 Metern Weite besaß. Außerdem musste die Bahn mit zwei Flutbrücken ausgestattet werden. Auf dem Abschnitt Bierbach – Reinheim beschränkten sich die Kunstbauten im Wesentlichen auf kleinere Brücken und Durchlässe.

mini|Bahnhof Bliesbrücken im März 1879 Aufwändiger gestaltete sich die Bahnlinie innerhalb Lothringens. So wies der Streckenabschnitt Reinheim –Folpersweiler (ehemals Folperswiller) beispielsweise ein Gefälle von 1:66 auf. Aus diesem Grund waren Ausschachtungen im Umfang von 470.000 Kubikmetern erforderlich. Im Kobachtal bei Bliesebersingen mussten ein Kamm von insgesamt 28 Metern sowie zwischen 8 und 14 Meter tiefe Einschnitte überwunden werden. Da der Wellenkalk vor Ort instabil war, musste der Damm mit Sand und Schlacke befestigt werden. Bereits am 15. Oktober 1877 war der Streckenabschnitt Zweibrücken – Bierbach fertiggestellt, um Züge auf der Relation Zweibrücken – St. Ingbert zu ermöglichen. Weil die Winter in den Jahren 1878 und 1879 sehr schneereich waren, rutschte der Bahndamm bei Bliesebersingen ab, sodass sich die ursprünglich für den 29. Dezember geplante Eröffnung mehrmals verzögerte. Am 1. März 1879 wurde der Güterverkehr eröffnet; der reguläre Personenverkehr auf der insgesamt 36,8 Kilometer langen Strecke wurde einen Monat später, am 1. April, aufgenommen.

Weitere Entwicklung (1879–1920)

Um den militärischen Anforderungen zu entsprechen, wurde die Bliestalbahn ab 1888 zweigleisig ausgebaut. Diese Maßnahme war zwei Jahre später abgeschlossen. Dabei und aufgrund einer neuen Betriebsordnung für bayerische Hauptbahnen erhielten die Bahnhöfe neue Signale für die Aus- und Durchfahrt. 1901 erhielt die zwischen Bliesbrücken und Folpersweiler liegende Gemeinde Bliesebersingen einen Bahnhof. Am 1. Januar 1909 ging der Abschnitt Zweibrücken – Reinheim zusammen mit den übrigen Bahnstrecken innerhalb der Pfalz in das Eigentum der Bayerischen Staatseisenbahnen über.

mini|Bahnhof Breitfurt im Jahr 1910

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 fuhren über die Strecke vom 9. bis 16. August pro Tag 20 Militärzüge von Germersheim aus nach Landau und von dort über Zweibrücken ins Bliestal. Dadurch kam der planmäßige Verkehr zunächst zum Erliegen. Im weiteren Kriegsverlauf erlangte der Abschnitt Bierbach – Saargemünd zusammen mit der 1866 entstandenen Verbindung Schwarzenacker – Bierbach, der 1857 eröffneten Bahnstrecke Homburg–Zweibrücken, und der 1904 vollendeten Glantalbahn Homburg – Bad Münster strategische Bedeutung, da bei Aufmärschen gegen Frankreich eine Überlastung der Nahetalbahn vermieden wurde und eine Umfahrung von Saarbrücken möglich war. Nachdem Deutschland den Krieg verloren hatte und das französische Militär einmarschiert war, wurde die Bliestalbahn am 1. Dezember 1918 für den Personenverkehr gesperrt, drei Tage später jedoch wieder freigegeben.

Nach Kriegsende fiel der Norden Lothringens an Frankreich zurück und oblag fortan der neu gegründeten Réseau ferroviaire d’Alsace-Lorraine (AL). Der restliche, bislang bayerische Teil der Bliestalbahn wurde mit Wirkung des 10. März 1920 mit Ausnahme von Zweibrücken dem neu geschaffenen Saargebiet zugeschlagen. Für diesen Streckenabschnitt war fortan die Saareisenbahn zuständig, die teilweise aus der vormaligen preußischen Eisenbahndirektion Saarbrücken hervorgegangen war. Im selben Jahr wurde der Bahndamm von einem Hochwasser erfasst.

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg (1920–1945)