Walsdorf ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bamberg und zählt zur Metropolregion Nürnberg.
In Walsdorf befinden sich der größte Judenfriedhof und eine der ältesten Kirchen der Region. Infolge ihrer reichsritterschaftlichen Vergangenheit hat die Gemeinde den mit Abstand höchsten Anteil von Angehörigen der evangelischen Kirche im katholisch geprägten Landkreis Bamberg. Die St.-Laurentius-Kirche ist die Mutterkirche für die evangelischen Gemeinden der umliegenden Orte. Das kulturelle Erbe der Gemeinde ist an einigen Baudenkmälern, insbesondere Fachwerkhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sichtbar. mini|Luftaufnahme 2022
Geographie Lage mini|Naturräumliche Karte Walsdorf liegt rund zehn Kilometer westlich der Stadt Bamberg.
Gemeindegliederung Es gibt fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Erlau (Dorf) Feigendorf (Dorf) Kolmsdorf (Dorf) Walsdorf (Pfarrdorf) Zettelsdorf (Weiler)
Die 2655 Einwohner verteilen sich folgendermaßen (Stand 2013):Statistik Kommunal 2014 Bayerisches Landesamt für Statistik
Die Einöde Hetzentännig (sechs Einwohner) ist kein Gemeindeteil.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Erlau, Kolmsdorf und Walsdorf. Die Gemarkung Walsdorf hat eine Fläche von 9,069 km². Sie ist in 1811 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5007,65 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Zettelsdorf.
Geologie Die Aurach, ein orografisch linker Nebenfluss der Regnitz, fließt, von Feigendorf kommend, durch die fünf Ortsteile in Richtung Stegaurach. Das Gebiet liegt zum größten Teil im Naturraum des Mittelfränkischen Beckens. Zwischen Zettelsdorf und Feigendorf grenzt der Steigerwald im Westen an die Aurach. Beide Gebiete sind eine Untergruppierung des Fränkischen Keuper-Lias-Landes, in dem überwiegend Sandsteinkeuper zu finden ist. Regierung von Oberfranken Die Aurach gliedert die Landschaft in ein nördliches und ein südliches Hügelland. Der Teil nördlich der Aurach erstreckt sich bis zu 70 Meter über dem Talgrund und ist von landschaftlichen Nutzflächen durchzogen. Im Tal befinden sich überwiegend Wiesen, auf denen früher Weiher angelegt wurden. Das südliche Hügelland ist großteils mit Wald bedeckt, hat steilere Lagen und ist stärker reliefiert. Die beiden alten Ortskerne von Zettelsdorf und Kolmsdorf nutzten den Talgrund nördlich der Aurach zwischen nach Süden auslaufenden Hügeln im Norden und dem Flusslauf. Der Talgrund ist mit holozänen Talsedimenten aufgefüllt und neigt zur Vernässung, Hänge und Höhen sind aus den Schichten des Mittleren und Unteren Burgsandsteins gebildet. Der Talgrund ist von zahlreichen Entwässerungsgräben durchzogen, die angelegt wurden, um den Boden besser nutzbar zu machen. Vereinzelt tritt in Form von Arkosen Dolomit an die Oberfläche. Die Böden und die Hänge bestehen aus leicht zu bearbeitenden, aber nährstoffarmen Braun- oder Parabraunerden. Ein Charakteristikum ist der kleinräumige, manchmal abrupte Wechsel der Bodenart. In der Vergangenheit machte man sich Rohstoffquellen wie Lehmgruben und Kalksteinbrüche zunutze.Dörfer im Landkreis VII - Walsdorf Gemeinde WalsdorfKulturlandschaftsinventarisation Walsdorf-Erlau Gemeinde Walsdorf
Flora und Fauna
Mit der traditionellen Landwirtschaft hat sich im Aurachtal ein Mosaik aus Mähwiesen, Schilfgebieten und Hochstaudenfluren gebildet. Zwischen Walsdorf und Kolmsdorf liegt eines der größten Schilfgebiete Oberfrankens. Rohrweihe und Blaukehlchen (PDF; 2,6 MB) Landschaftspflegeverband Landkreis Bamberg e. V. sind dort ebenso zu finden wie der gefährdete Wiesenknopf und der Wiesenknopfbläuling.Schwarzblauer Wiesenknopfbläuling Bayerisches Landesamt für Umwelt Besondere Bedeutung kommt der Grünen Flussjungfer zu. Sie ist nur an Gewässern mit einer hohen Wasserqualität anzutreffen und gilt als stark gefährdet.Grüne Flussjungfer Bayerisches Landesamt für Umwelt
Der Name der Aurach leitet sich vom Auerochsen ab, der noch bis ins Mittelalter zur heimischen Fauna zählte. Seit 2006 wird im Aurachtal zwischen Walsdorf und Kolmsdorf ein größeres Areal mit Heckrindern ganzjährig beweidet. Die Tiere sollen die ökologische Funktion des ausgestorbenen Auerochsen übernehmen und dabei artenreiche Lebensräume erhalten und gestalten. (PDF; 825 kB) Franken Magazin Man musste jedoch feststellen, dass die 22 Heckrinder im Gegensatz zu den Auerochsen kein Schilf fressen.Luzifers jüngste Kinder Infranken.de Um diesen Mangel zu kompensieren, wurden im Jahr 2011 sechs Wasserbüffel und eine Konikstute angeschafft. Beide Arten sind Schilffresser und befinden sich im Wechsel auf einer Fläche in Feigendorf und dem Heckrindareal. Aufgrund der besonderen Technik der Koniks, Schilf zu ergattern, wurde eine Mischbeweidung angestrebt. Für die Koniks ist weiterer Zuwachs geplant.Wasserbüffel in Walsdorf Infranken.de Die Ansiedlungen finden im Rahmen der Hochwasser- und Renaturierungsmaßnahmen an der Aurach statt. Das Wasser wird länger im Uferbereich gehalten, wobei feuchte Wiesen entstehen. Eine zu starke Verwilderung der feuchten Wiesen oder gar die Entstehung eines Auwaldes soll jedoch vermieden werden, da sich dies nachteilig auf den Hochwasserschutz auswirken würde. Die Pflege der schwer zu bewirtschaftenden Flächen wird allein den Tieren überlassen. Das ungleichmäßige Abweiden schafft neue Lebensräume und trägt zur Steigerung der ökologischen Vielfalt bei. Durch den Landschaftspflegeverband Bamberg finden auf den 20 und 18 Hektar großen Arealen Gruppenführungen statt.Landschaftspflegeprojekt im Aurachtal Infranken.de
Geschichte Etymologie Die Herkunft des Ortsnamens ist nicht eindeutig geklärt, die Abstammung von dem Wort „Walchen“ oder „Welsche“ erscheint in Bezug auf die Siedlungsgeschichte möglich. Dies war die Bezeichnung der Franken für die „Fremden“, womit die Vorbewohner gemeint waren. Wahrscheinlicher ist jedoch die Rückführung auf die älteste bekannte Schreibweise „Wahlesdorf“. Diese steht in Zusammenhang mit einem damals in der Gegend ansässigen und reich begüterten rheinischen Grafengeschlecht der Alwahalonen namens Walah.Siedlungsgeschichte Gemeinde Walsdorf
Ansiedlung Der Ort gehört zu den ältesten Ansiedlungen im Aurachgrund. Die Entstehung der Pfarrei wird auf die Karolingerzeit datiert. Die Nennung von Lisberg als eingepfarrten Ort um 802 im Klosterarchiv zu Fulda kann jedoch als Indiz dafür gewertet werden, dass Walsdorf schon wesentlich länger besteht. Mehrere Grabhügel im Westen weisen darauf hin, dass der Ort durch die Besiedlung der Kelten entstanden ist. Als erste urkundliche Nennung Walsdorfs ist es im ältesten Würzburger Lehnsbuch für das Jahr 1317 mit dem Kranz der umgebenden Orte als „bambergisches Lehen der Leutersheim von Lisberg“ aufgeführt.
Herrschaft
Walsdorfs Schicksal wurde von wechselnden Herrschaften bestimmt, wobei die Lage im Grenzbereich zwischen den Bistümern Bamberg und Würzburg einen gewissen Freiraum für eine eigenständige Entwicklung schuf. Als bambergisches Lehen im Besitz der Leutersheim zu Lisberg wurde es 1399 den Herren von Thüngfeld übereignet, die 1524 wiederum „Schloß mit Vorhof und Graben und Dorf samt den Zehenden daselbst und zu Zettelsdorf nebst großen und kleinen Seen...“Die Walsdorf Neuhaus Stiftung Gemeinde Walsdorf an Wolf von Crailsheim (als „Krewelsheim“) verkauften. Das Grabmal des Heinz von Thüngfeld († 1500) an der Pfarrkirche zeugt von der Bedeutung dieses Geschlechts. Besonders prägend wirkte sich die Herrschaft derer von Crailsheim seit 1525 aus. Sie bestimmten Religionszugehörigkeit, Ortsstruktur und Prosperität des Ortes als wohlhabenden Marktflecken im nördlichen Steigerwald.
Diese Grundherren waren Anhänger der Reformation und gehörten zur Bewachung Martin Luthers auf seinem Weg nach Worms. Sie nahmen das Patronatsrecht aus den Händen des Bamberger Domdekans und zwangen die Untertanen, die evangelische Glaubenslehre anzunehmen (ca. 1550),Reformation in Walsdorf Gemeinde Walsdorf was jedoch zu jahrzehntelangen Querelen mit dem Bistum Bamberg und zur zeitweiligen Enteignung allen Grundbesitzes führte. Auch musste in dieser Zeit der evangelische Gottesdienst zum Teil im Schloss abgehalten werden. Mit dem als schwachsinnig erklärten Johann Erdmann erlosch 1669 die Linie der Walsdorfer Crailsheimer. Der Besitz ging an Wolf Bernhard von Crailsheim (1595–1652), dessen Sohn Krafft von Crailsheim die Walsdorf-Neuhaus-Stiftung gründete. Die gesamten Lehen wurden als Grundausstattung eingetragen, die Erträge sollten für die universitäre Ausbildung der Crailsheimer Gesamtfamilie verwendet werden. Nach dem Übergang in Familienbesitz sollte sich laut Kraft ein Beamter um das Walsdorfer Schloss kümmern. Es blieb jedoch ungenutzt und verfiel mit der Zeit.
Während der Gegenreformation wurde Walsdorf gewaltsam rekatholisiert. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 erhielten die von Crailsheim den Ort zurück, der nach dem Grundsatz Cuius regio, eius religio wieder zum evangelischen Bekenntnis zurückkehrte. Die meisten der umliegenden Gebiete wurden im Laufe des 17. Jahrhunderts wieder katholisch, Walsdorf blieb jedoch eine protestantische Enklave im Hochstift Bamberg und betreute bis 1807 auch die Protestanten Bambergs.
Mit dem Merkantilismus setzte sich die Anschauung durch, dass der Reichtum eines Staatsgebildes vor allem von der Anzahl seiner Einwohner abhängt. Aufgrund des enormen barocken Repräsentationsbedürfnisses der Reichsritter kamen gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges zahlreiche Neusiedler, zumeist protestantische Glaubensflüchtlinge, aus der Pfalz, Österreich und der Schweiz in das Dorf. 1756 fanden auch viele Protestanten aus dem rekatholisierten Lisberg in Walsdorf Zuflucht. Die hohe Zuwanderung führte schon früh zu einer starken Entwicklung des Handwerks.
1805 kamen die ritterschaftlichen Güter der Hochstifte Bamberg und Würzburg zu Bayern, 1810 mussten wahrscheinlich auch in Walsdorf große Teile der Flur abgegeben werden. Bis auf einige Parzellen zog sich der einheimische Besitz auf die ertragsschwache Flur im Aurachgrund bei Walsdorf und Zettelsdorf zurück. Während der Koalitionskriege überstiegen die Kriegskosten Walsdorfs finanzielle Möglichkeiten, weshalb die Crailsheimer sie übernahmen und sich dafür den Wald des Ortes Stück für Stück aneigneten. Dies führte im 19. Jahrhundert zu großen Spannungen zwischen den Bürgern und dem Haus Crailsheim, das bis zur Aufhebung der Grundherrschaft im Jahre 1848 Grundherr und bis 1964 Patronatsherr blieb. Aus dieser Zeit resultiert der noch hohe Anteil der evangelisch-lutherischen Bevölkerung (2011 38 %) im Gegensatz zu den überwiegend katholischen Gemeinden der Umgebung (1987).Volkszählung 1987 Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung Erst 1972 wurde eine Kirche für die katholische Gemeinde errichtet, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hatte.
Cent Hoheneich mini|Martin Seger 1575