Was bin ich? Ein heiteres Beruferaten war eine Panel-Quizsendung, die von 1955 bis 1958 und von 1961 bis 1989 vom Ersten Deutschen Fernsehen bzw. Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Moderator der 337 Folgen war Robert Lembke. Das Konzept wurde später von verschiedenen Sendern wieder aufgegriffen.

Vorbild What’s My Line? Das Quizformat stammte von Mark Goodson und Bill Todman und wurde in den USA als Gameshow What’s my line? erstmals am 2. Februar 1950 vom Sender CBS im Fernsehen ausgestrahlt. Von ihrem Start 1950 bis 1967 war John Charles Daly der Moderator der wöchentlich stattfindenden Sendung. Die Schauspielerin Arlene Francis, die Journalistin Dorothy Kilgallen und der Verleger Bennett Cerf waren jeweils über zehn Jahre ständige Mitglieder des vierköpfigen Rateteams der Spielshow. Die Komiker Steve Allen und Fred Allen sowie der Schauspieler Martin Gabel, der Ehemann von Francis, waren ebenfalls wiederkehrend Mitglieder im Rateteam. Daneben wurden auch häufig weitere Prominente eingeladen, in einzelnen Folgen als Mitglied des Rateteams zu fungieren.

In einer der halbstündigen Sendungen wurden durch Beantwortung von Ja-oder-nein-Fragen meist die Berufe mehrerer Bürger erraten, ehe es dann (meist gegen Ende der Sendung) einen Prominenten mithilfe von Fragen zu erraten gab. Zu den prominenten Überraschungsgästen der Sendung, deren Identität erraten werden sollte, zählten berühmte Namen wie Marlon Brando, Bette Davis, Eleanor Roosevelt, Doris Day, Marlene Dietrich, Walt Disney, Alfred Hitchcock, Groucho Marx, Frank Sinatra, Salvador Dalí und Frank Lloyd Wright. Nach Einstellung der ursprünglichen Quizshow im Jahr 1967 folgten in den USA noch mehrere neue Staffeln, die aber meist tagsüber im Fernsehen liefen.

Die Sendung wurde auch im Vereinigten Königreich übernommen und von 1951 bis 1963 ausgestrahlt. Während eines Besuchs bei der BBC in London 1954 erwarb Robert Lembke die Verwertungsrechte an diesem Sendeformat.

Erste Staffel Die erste Folge hatte unter dem Titel Ja oder Nein. Ein psychologisches Extemporale mit sieben unbekannten Größen am 2. Januar 1955 ihre Premiere. Moderator war Robert Lembke, da sich kein anderer dafür gemeldet hatte.

Dem ersten Rateteam (von Robert Lembke regelmäßig als „Kollegium“ vorgestellt)Siehe auf YouTube eingestellte Folgen. gehörten an: Hans Sachs, Oberstaatsanwalt in Nürnberg Inge Sandtner (aus Österreich) Anja Golz (aus der Schweiz) Peter Mauch

In der 80-minütigen Urform von Was bin ich? mussten sieben Berufe erraten werden. Erster Gast, dessen Beruf das Team herausfinden sollte, war Tilde Bublitz-Lindmayer, die einer Beschäftigung als Friseurin nachging. Erster Stargast (von Lembke regelmäßig als „Ehrengast“ angekündigt) war Vico Torriani. Die Besetzung des Rateteams bestand im Laufe der Jahre aus wechselnden Personen, genannt sei hier der Journalist Werner Friedmann.

Am 21. März 1958 wurde das Quiz nach 29 Folgen eingestellt. Das Rateteam bestand aus: Guido Baumann, Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens, von Lembke oft als Guido „der Fuchs“ Baumann vorgestellt Annette von Aretin, TV-Ansagerin und Leiterin des Besetzungsbüros des BR Hans Sachs, Oberstaatsanwalt in Nürnberg Marianne Koch, Schauspielerin und ab den 1970er Jahren Ärztin

Zweite Staffel 1959 präsentierte Lembke das Quiz Spiel mit Worten. Solch ein Wechsel war zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich, auch Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff stellten alle zwei Jahre neue Shows vor. Die Zuschauer lehnten Lembkes neue Sendung aber ab, wodurch es ab dem 11. Februar 1961 zu einer Neuauflage von Was bin ich? kam.

Ursprünglich wechselte sich im Rateteam Hans Sachs mit Peter Kottmann ab, dem Unterhaltungschef des WDR bis zu dessen Suizid 1965. Lilo Pulver und Emily von Sarközy-Kerner fungierten bis 1964 als Vertretung für Marianne Koch; Anneliese Fleyenschmidt, Fernsehansagerin und -moderatorin, wechselte sich vom 17. Februar 1965 bis 1988 häufig mit Koch und gelegentlich mit von Aretin ab. Die österreichische Fernsehansagerin Ingrid Wendl vertrat ab 1979 zeitweise Fleyenschmidt, von Aretin oder Koch. Als Ersatz für Guido Baumann fungierten Hans Jürgen Diedrich (1966), Hans Stotz (1967, 1971), Max Rüeger (1974), Walter Netzsch (1978) sowie Werner Wollenberger (1978–1979, 1981).

Robert Lembke nahm seit 1956 seinen Foxterrier „Struppi“ (eine Hündin) als Maskottchen in die Sendung, die die Fünf-Mark-Stücke bewachen sollte. Nach ihrem Tod 1959 wurde der Hund „Jacky“ ihr Nachfolger, der bis Dezember 1968 an der Sendung teilnahm.Letzte Teilnahme in der Folge 95 am 17. Dezember 1968. Danach nahm Lembke keinen Hund mehr ins Studio, weil das Tier den „Strapazen der Hitze in einem Farbstudio“ nicht länger ausgesetzt werden sollte.Begründung Lembkes in Folge 94 vom 26. November 1968.

Technische und organisatorische Details Lembke erhielt im Monat etwa 6000 Briefe, in denen sich Kandidaten mit mehr oder weniger seltenen Berufen vorstellten. 20 bis 30 davon kamen meist in die engere Auswahl. Auch eine Hausfrau erschien vor dem Rateteam; ihr Beruf wurde sehr spät erraten. „Könnte Ihr Beruf von einem Mann ausgeführt werden?“, wollte Guido Baumann wissen. Nach einem fragenden Blick entschied Lembke: „Sagen wir nein.“

Die Produktionskosten waren bescheiden: Lembke erhielt pro Sendung (Stand 1974) 6000 DM (entspräche inflationsbereinigt Euro im Jahr ), die Mitglieder des Rateteams knapp je 1000 DM ( Euro) und die Assistentin Irene Aulich (1972–1989) 150 DM ( Euro). Jeder Gast konnte nach zehn Nein-Antworten maximal 50 DM gewinnen, was inflationsbedingt etwa Euro für Sendungen des ersten Ausstrahlungsjahres 1955 und Euro für 1989 entsprechen würde.

Die Aufzeichnung erfolgte im Studio 2 des Bayerischen Rundfunks in Unterföhring bei München. Bis 1973 wurden zwölf Sendungen pro Jahr produziert, danach in der Regel nur noch zehn. An jedem Aufzeichnungstermin wurden zwei Sendungen hintereinander aufgezeichnet, was zusätzlich Kosten sparte. Vereinzelte Sendungen wurden auch aus dem Fernsehzentrum in Zürich, aus dem Ronacher in Wien oder aus Berlin im Rahmen der Funkausstellung ausgestrahlt.

Bühnenbild und Requisiten Ein Tisch für das Rateteam, ein Tisch für Robert Lembke mit Gast, (Vor-)Namensschilder des Rateteams, Nummernschilder zum Umblättern für Lembke, verschiedenfarbige Sparschweine, ein Gong mit Schlegel, eine Tafel für die Unterschrift des Gastes, Augenmasken für das Rateteam während des Prominentenratens.

Ablauf und Rituale Seit 1961 war jede Sendung in vier Raterunden gegliedert: In den ersten drei Runden mussten durch Ja-/Nein- bzw. Entscheidungsfragen die Berufe der drei Gäste erraten werden. Zu Beginn jeder Runde stellte Robert Lembke seinem Gast in anheimelndem Bairisch die Standardfrage: „Welches Schweinderl hätten S’ denn gern?“, nachdem dieser zuvor eine Unterschrift an einer Tafel geleistet, angekreuzt hatte, ob er selbständig oder angestellt war und eine für seinen Beruf typische – nicht allzu verräterische – Handbewegung gemacht hatte. Jedes Mitglied im Rateteam durfte dann so lange eine Frage stellen, bis es ein „Nein“ erhielt. Danach ging das Fragerecht an den Nächsten weiter. Nach jedem „Nein“ klappte Lembke per Hand das nächsthöhere Nummernschild nach vorn und warf ein Fünf-Mark-Stück in das Sparschwein. Die Runde war zu Ende, wenn entweder zehn „Nein“-Antworten erreicht waren oder der Beruf erraten war. Meist wurde im Anschluss die Tätigkeit des jeweiligen Gastes mit einem eingespielten Film vorgestellt.

In der vierten Runde erschien der Stargast. Damit dieser nicht von den Ratemitgliedern erkannt wurde, mussten sie sich die Augen verdeckende Masken aufsetzen und anschließend den Namen des Gastes nach demselben Ja/Nein-Schema erraten. Um sich nicht durch die Stimme zu verraten, durfte der Gast nicht selbst antworten, sondern nur nicken oder den Kopf schütteln. Robert Lembke antwortete für ihn, verriet dem Rateteam zuvor aber stets das Geschlecht des Stargastes. Statt eines Fünf-Mark-Stückes gab es bei jeder Nein-Antwort ein kleines Geschenk, wie z. B. eine Flasche Wein. Meistens wurde der Stargast erraten. Der Gast gab nach der Raterunde eine Probe seiner Kunst (ein Lied oder eine eingespielte Filmszene). Einmal war z. B. Rita Pavone zu Gast in der Sendung und schwang nach der Raterunde zusammen mit Hans Sachs zu den Klängen ihres bekannten Schlagers Arrivederci, Hans das Tanzbein.

Die Zuschauer, die den Ablauf im Studio verfolgten, amüsierten sich oft, wenn das Rateteam falsche Fährten verfolgte. Der Fernsehzuschauer wusste die Lösung (durch Einblendung) im Voraus. Auch der Name des Stargastes wurde vor der Raterunde für den Zuschauer eingeblendet, obwohl es sich meistens um allgemein bekannte Persönlichkeiten handelte.

Damals herrschten noch strengere Sitten als beim späteren Revival mit Björn-Hergen Schimpf. Lembke achtete stets darauf, dass das Rateteam sich nicht untereinander austauschte. Jeder war auf sich gestellt, wenn die Reihe an ihn kam. Wem nichts mehr einfiel, konnte höchstens das Fragerecht weitergeben.

Gelegentlich kam es vor, dass ein Mitglied des Rateteams einen nicht prominenten Kandidaten persönlich kannte und daher dessen Beruf auf Anhieb wusste. Dann galt die ungeschriebene Regel, dass dies angezeigt wurde und man vom Raten für diese Runde ausschied.

Auch kam es gelegentlich vor, dass ein nicht prominenter Gast dennoch von vornherein eine gewisse Bekanntheit hatte oder dass Lembke zumindest davon ausging, dass einer aus dem Rateteam den Gast kannte. In solchen Fällen kam der Gast dann verkleidet, z. B. mit einem falschen Vollbart, in das Studio.

Die Sendung am 29. August 1967 war die erste Farbsendung des Bayerischen Rundfunks. Sie wurde auf der IFA in Berlin mithilfe von Farbkameras des NDR hergestellt. Einige nachfolgende Sendungen aus Unterföhring wurden dann wieder in Schwarzweiß hergestellt. Seit 24. September 1968 wurden alle Folgen in Farbe ausgestrahlt.

Ritualisierte Sprüche Rateteam „Sind Sie mit der Herstellung oder Verteilung einer Ware beschäftigt?“ (oft eine der ersten Fragen) „Könnte auch ich zu Ihnen kommen?“ „Können Sie diesen Dienst (an) mir vollbringen?“ (zumeist Guido Baumann) „Ich gebe weiter an …“ „Machen Sie Menschen glücklich/zufrieden?“ „Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie nicht …?“ (zumeist Hans Sachs) „Beginnt Ihr (Vor-)Name mit einem Buchstaben aus der ersten/zweiten Hälfte des Alphabets?“ (meistens Annette von Aretin beim Raten des Ehrengastes) Robert Lembke „Welches Schweinderl hätten S’ denn gern?“ „Ich ersticke nochmal an dem, was ich alles nicht sagen darf.“ „Ich hoffe, es hat Ihnen ein bisschen Spaß gemacht und Sie laden uns wieder zu sich ein beim nächsten Was bin ich?; Auf Wiederschaun“

Vorläufiges Ende Nach dem Tod von Robert Lembke am 14. Januar 1989 wurde die langlebigste Quizsendung des deutschen Fernsehens eingestellt. Vier Tage zuvor lief die letzte aufgezeichnete Sendung. 1969 war das Quiz mit 75 % Einschaltquote die beliebteste Sendung im deutschen Fernsehen. In den 1980er Jahren erreichte Was bin ich? immerhin noch bis zu 40 %.

Liste der ARD-Ausstrahlungen mit Robert Lembke

Ehrengäste, die sich bislang keiner konkreten Sendung zuordnen lassen Franz Josef Strauß (1955 oder 1956)In der Sendung vom 14. Januar 1969 von Annette von Aretin und Robert Lembke erwähnt. Fritz Schäffer (Zwischen 1955 und 1957) Gertrud Kückelmann (1957)

Abkürzungen der Mitglieder des Kollegiums AF: Anneliese Fleyenschmidt AG: Anja Golz AvA: Annette von Aretin EvSK: Emily von Sarközy-Kerner GB: Guido Baumann HJD: Hans Jürgen Diedrich HSa: Hans Sachs HSt: Hans Stotz IS: Inge Sandtner IW: Ingrid Wendl LP: Liselotte Pulver MK: Marianne Koch MR: Max Rüeger PK: Peter Kottmann PM: Peter Mauch RL: Robert Lembke WN: Walter Netzsch WW: Werner Wollenberger