Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im Mai 2004.

Tagesgeschehen

Samstag, 1. Mai 2004 mini|150px|Die nunmehr 25 Mitgliedsstaaten der EU Berlin/Deutschland: Mittags kommt es in den Bezirken Friedrichshain und Lichtenberg zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und links orientierten Demonstranten, die gegen eine Demonstration der rechtsextremen Partei NPD protestieren. In den genannten Bezirken nimmt die Polizei 348 Beteiligte an den Ausschreitungen fest. Dublin/Irland: Die Europäische Union wird in einem feierlichen Akt um zehn Mitgliedstaaten erweitert. In die Staatengemeinschaft aufgenommen werden Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik, Ungarn und die Republik Zypern. Janbu/Saudi-Arabien: Bei einem terroristischen Selbstmordattentat in der saudischen Hafenstadt Janbu am Roten Meer werden mehrere Einheimische und mindestens sechs Ausländer getötet. Unter diesen sind drei Amerikaner, zwei Briten und ein Australier. Rom/Italien: Drei Menschen sterben bei einem Feuer im Nobelhotel „Parco dei Principi“. Der deutsche Tennis-Profi Tommy Haas und weitere Spieler entkommen den Flammen. Wien/Österreich: Die Vergewaltigung in der Ehe und in einer Lebensgemeinschaft ist ab heute in Österreich auch dann Gegenstand des Strafrechts, wenn das Opfer die Tat nicht explizit anzeigt.

Sonntag, 2. Mai 2004 mini|150px|Marek Belka, Leszek Miller Panama-Stadt/Panama: Martín Torrijos von der Revolutionären Demokratischen Partei gewinnt die Präsidentschaftswahlen in Panama. Thun/Schweiz: Mit einem 2:0-Auswärtssieg beim FC Thun sichert sich der FC Basel vier Runden vor Schluss seinen zehnten Titel als Schweizer Fussball-Meister und krönt damit eine ausschließlich vom neuen Champion dominierte Meisterschaft. Warschau/Polen: Einen Tag nach dem EU-Beitritt seines Landes tritt Ministerpräsident Leszek Miller vom Bund der Demokratischen Linken (SLD) von seinem Amt zurück. Der zuvor mit der eigenen Partei vereinbarte Rücktritt ist die Konsequenz aus mangelndem Rückhalt für Miller sowohl in der Bevölkerung als auch in der SLD. Ihm wird vorgeworfen, in eine Reihe von Korruptionsskandalen verwickelt zu sein und an der hohen Arbeitslosenquote von 20 % Schuld zu tragen. Sein Nachfolger wird der parteilose frühere Finanzminister Marek Belka.

Montag, 3. Mai 2004 Bursa/Türkei: Mit der Festnahme von mindestens 16 mutmaßlichen Mitgliedern der Terrororganisation Ansar al-Islam vereitelt die türkische Polizei vermutlich einen Anschlag auf den NATO-Gipfel, der am 28. Juni und 29. Juni stattfinden soll. Zu dem Treffen werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs erwartet. Die Gruppe steht offenbar in Verbindung mit der Organisation Al-Qaida von Osama bin Laden. Die Verhaftungen sind Teil von Razzien, bei denen auch Sprengstoff, Waffen, Computer, falsche Reisepässe sowie CDs sichergestellt werden. Dabei werden laut Medienangaben auch Privatwohnungen und Geschäftsräume in Istanbul durchsucht. Jerusalem/Israel: Ariel Scharon stellt in seiner Partei Likud den Abzug der Streitkräfte Israels aus dem Gazastreifen und aus Teilen des Westjordanlands zur Abstimmung. Bei einer Wahlbeteiligung von 45 % lehnen 60 % der Stimmberechtigten einen Abzug der Truppen ab. Sheffield/Vereinigtes Königreich: Ronnie O’Sullivan gewinnt gegen Graeme Dott souverän das Finale der Snookerweltmeisterschaft und holt damit seinen zweiten WM-Titel nach 2001. Weltweit: Ein Computerwurm mit dem Namen Sasser befällt Rechner mit Windows-Betriebssystemen, die nicht mit einem neuen Patch von Microsoft oder einer Personal Firewall ausgestattet sind. Die Rechner starten den Download der Schadsoftware, von der innerhalb weniger Stunden mehrere Varianten auftauchen, unmittelbar nach Aufbau einer Verbindung ins Internet.

Dienstag, 4. Mai 2004 Mitteleuropa: Von Mitteleuropa aus kann ab etwa 20.45 Uhr beobachtet werden, wie der Kernschatten der Erde auf die Oberfläche des Monds fällt. Ab etwa 22.00 Uhr liegt der Mond für circa 75 Minuten komplett im Kernschatten und erhält nur noch Sonnenlicht, das zuvor die Erdatmosphäre passierte. Deshalb erscheint die sichtbare Mondscheibe in einem rötlichen Ton. Paris/Frankreich: Die Fluggesellschaften Air France und KLM aus den Niederlanden fusionieren zur größten Fluggesellschaft der Welt. Das neue Unternehmen erhält den Namen Air France-KLM und hat seinen Sitz in Paris. Prag/Tschechische Republik: Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft der Herren besiegt die Mannschaft der Schweiz das deutsche Team mit 1:0. Die Schweiz erreicht die Play-Offs, Deutschland scheidet aus dem Turnier aus. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Der Internationale Währungsfonds gibt bekannt, dass der ehemalige spanische Wirtschaftsminister Rodrigo Rato die Nachfolge von Horst Köhler im Amt der geschäftsführenden Direktion übernimmt.

Mittwoch, 5. Mai 2004 Athen/Griechenland: Vor einer Polizeistation im Süden der Stadt explodieren am Morgen zwei Sprengsätze im Abstand von fünf Minuten, eine dritte Explosion folgt 30 Minuten später. Eine griechische Anti-Terror-Einheit entschärft in der Nacht eine vierte Bombe. Ob ein Zusammenhang zu den in genau 100 Tagen beginnenden Olympischen Sommerspielen in Athen besteht, ist noch unklar. Batumi/Georgien: Den zweiten Tag in Folge halten Massenproteste, ohne Unterbrechungen, in der georgischen Provinz Adscharien an. Tausende fordern den Rücktritt des diktatorisch regierenden Präsidenten der Provinz Aslan Abaschidse und demokratische Reformen. Klagenfurt/Österreich: In Briefen an einige Kärntner offeriert das Nauru College den Verkauf von Doktor­titeln und anderen akademischen Graden gegen eine vierstellige Spende. Der Kauf ist erlaubt, die Nutzung aber verboten. Das in Finanznöten steckende Nauru College dementiert, der Absender dieser Briefe gewesen zu sein. New York/Vereinigte Staaten: Auf einer Auktion von Sotheby’s wird das 1905 von Pablo Picasso erschaffene Gemälde Junge mit Pfeife für das Gebot von 104,2 Millionen US-Dollar an einen unbekannten, via Telefon zugeschalteten Bieter verkauft und ist nun das teuerste Gemälde der Welt. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: US-Präsident George W. Bush entschuldigt sich in einem arabischen Fernsehsender für die Misshandlungen irakischer Gefangener durch Angehörige der Streitkräfte der Vereinigten Staaten. Zuvor sprach schon seine Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice ihr tiefstes Bedauern über die Vorfälle aus. Bisher starben in US-geführten Gefängnissen 25 irakische Gefangene. Täglich werden neue Vorfälle bekannt, die den öffentlichen Druck auf die Regierung Bush steigen lassen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld soll seit Monaten von den Misshandlungen wissen, was Rumsfeld bestreitet.

Donnerstag, 6. Mai 2004 Lima/Peru: In Peru treten mehr als 200 inhaftierte Guerilleros des Leuchtenden Pfades, unter ihnen ihr Anführer Abimael Guzmán, aus Protest gegen ihre Haftbedingungen in den Hungerstreik. Melitopol, Nowo-Bogdanowka/Ukraine: Mehrere Personen werden bei Waffendepotexplosionen in der Stadt Melitopol verletzt. Menschen in benachbarten Städten werden evakuiert, auch in der 600 km entfernten Hauptstadt Kiew wird der Notstand ausgerufen und die Gasversorgung der Stadt wird eingestellt. Am Unglücksort kann die Feuerwehr wegen der Explosionen nicht direkt eingreifen. In Nowo-Bogdanowka in der Oblast Saporischschja brennt ein Arsenal mit Artilleriegeschossen und Panzerabwehrraketen auf einer Basis der Ukrainischen Armee. Der Brand führt zu einer Kettenexplosion und mehrere Gebäude der Basis sowie ein Teil der Stadt werden zerstört. Nadschaf/Irak: Aufständische besetzen eine Polizeistation. Nach eigenen Angaben töten die Streitkräfte der Vereinigten Staaten an diesem Tag 41 Iraker in der Stadt. Warschau/Polen: Mit Berufung auf Regierungskreise vermelden polnische Medien die Absicht des neuen Ministerpräsidenten Marek Belka, sämtliche der circa polnischen Soldaten aus dem Irak abzuziehen.

Freitag, 7. Mai 2004 Ankara/Türkei: In der Türkei werden diverse Änderungen der Verfassung beschlossen, um Forderungen der Europäischen Union (EU) nachzukommen. Sämtliche politischen Führungen des Landes verfolgten in den letzten Jahrzehnten das Ziel eines Beitritts, aber mit Verweis auf fehlende demokratische Strukturen und auf fehlende Gewährleistung der Menschenrechte verhandelte die EU nie konkret mit der Türkei über deren Beitritt. Berlin/Deutschland: Der Bundestag beschließt die Einführung einer Ausbildungsabgabe. Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten, deren Ausbildungsquote unter 7 % liegt, müssen einen finanziellen Ausgleich zahlen. Das Gesetz ist im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig, kann aber dort an einer Zwei-Drittel-Mehrheit scheitern, wenn auch einige der SPD-regierten Länder gegen die Abgabe stimmen. Kathmandu/Nepal: Premierminister Surya Bahadur Thapa tritt nach Protesten der Opposition zurück. Sein Nachfolger wird Sher Bahadur Deuba. Moskau/Russland: Der Präsident Russlands Wladimir Putin von der Partei Einiges Russland wird auf seine zweite Amtszeit vereidigt. Rotenburg/Deutschland: Der mutmaßliche Programmierer des Computerwurms Sasser wird im niedersächsischen Rotenburg (Wümme) festgenommen. Es handelt sich um einen 18-jährigen Schüler. Saporischschja/Ukraine: Nach dem Brand und den Explosionen in einem Waffendepot entschuldigt sich der ukrainische Verteidigungsminister Jewhen Martschuk bei den Menschen der Region und beklagt, dass die Munitionsdepots der Armee bis zu 30 % mehr Waffen enthielten als zulässig, darunter viele Altbestände der Roten Armee der Sowjetunion. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: In einer Befragung durch den Streitkräfteausschuss des Senats übernimmt Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die politische Verantwortung für die Misshandlungen irakischer Gefangener im Bagdader Gefängnis Abu-Ghraib durch Soldaten der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und entschuldigt sich offiziell für den Vorfall. Er räumt ein, dass es weit mehr Vorfälle dieser Art gebe, als bislang bekannt seien. Senatoren der Demokratischen Partei fordern Rumsfeld zum Rücktritt auf. Die Nichtregierungsorganisation Amnesty International nennt die Bezeichnung „Misshandlung“ eine Verharmlosung und spricht von Folter.

Samstag, 8. Mai 2004 München/Deutschland: Kurz vor dem S-Bahnhof Leuchtenbergring stößt ein Zug der S-Bahn-Linie 6 mit einer entgegenkommenden Gleisbaumaschine zusammen. 42 Passagiere ziehen sich Verletzungen zu, zehn von ihnen werden schwerwiegend verletzt. München/Deutschland: Das Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga endet im Heimstadion des FC Bayern München 1:3 für den SV Werder Bremen. Somit stehen die Bremer vorzeitig als neuer Deutscher Fußballmeister fest.

Sonntag, 9. Mai 2004 Barcelona/Spanien: In seinem 200. Grand Prix ist Michael Schumacher zum 75. Mal auf Platz eins gerast. Mit seinem Jubiläumssieg beim Großen Preis von Spanien stellte der weltbeste Formel-1-Pilot den Startrekord Nigel Mansells ein: fünf Rennen, fünf Erfolge. Berlin/Deutschland: Laut aus dem Bundeswirtschaftsausschuss durchgesickerten Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit soll das ab Januar 2005 geplante ALG II allein für die Auszahlung neue Behördenmitarbeiter nötig machen. Grosny/Russland: Bei einem Bombenanschlag in einem Stadion in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny wurden am Vormittag 6 Personen getötet und 57 weitere verletzt. Unter den Toten ist auch der Präsident der Kaukasusrepublik Achmad Kadyrow. Der Sprengsatz explodierte vor der Haupttribüne des Stadions während einer Feier zum Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über die Nationalsozialisten im Jahre 1945. Prag/Tschechische Republik: Kanada wird Eishockey-Weltmeister durch einen 5:3-Sieg im Finale gegen Schweden.

Montag, 10. Mai 2004 Die Türkei befürchtet aufgrund der Misshandlung irakischer Gefangener durch US-Soldaten eine weitere Destabilisierung des Iraks.