Oestrich-Winkel ist eine Stadt im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Der Sitz der Stadtverwaltung liegt im Stadtteil Oestrich.
Seit Mai 2026 trägt die Stadt die amtliche Zusatzbezeichnung Hochschulstadt, in Bezug auf den hiesigen Sitz der EBS Universität für Wirtschaft und Recht.
Geographie Geographische Lage Das Stadtgebiet zieht sich ungefähr in Süd-Nord-Richtung von der Fahrrinne des Rheins aus in einem etwa fünf Kilometer breiten Streifen die Südhänge zum Taunushauptkamm empor und umfasst die beiden höchsten Erhebungen des Rheingaugebirges, die Hallgarter Zange () mit ihrem Aussichtsturm und die Kalte Herberge (). Nördlich des Taunushauptkamms reicht Oestrich-Winkel im Hinterlandswald über das mittlere Ernstbachtal bis zum linken Wisperufer bei Geroldstein und nahe der Kammerburg. Vom Rhein bis zur Wisper ist das Stadtgebiet 13 Kilometer lang. Der südliche Teil des Stadtgebiets besteht von den Rändern der bebauten Ortslagen bis auf eine Höhe von 250 Meter überwiegend aus Weinberglagen; der nördlich anschließende Teil ist bewaldet. Während die Stadtteile Oestrich, Mittelheim und Winkel ein Siedlungsband am Rheinufer bilden, liegt in Höhenlage unter dem Waldrand der Stadtteil Hallgarten, zu dem auch die weiter oben in den Wald hineingebaute Siedlung Am Rebhang gehört.
Der Schnittpunkt des 50. nördlichen Breitengrades mit dem 8. östlichen Längengrad liegt im Stadtteil Winkel.
Stadtgliederung mini|hochkant=1.3|Luftaufnahme des Ortes.Im Vordergrund der Ortsteil Winkel, links oben Oestrich und auf der gegenüberliegenden Rheinseite Frei-Weinheim Das Stadtgebiet von Oestrich-Winkel besteht aus den Stadtteilen Hallgarten, Mittelheim, Oestrich und Winkel.
Winkel, das damit baulich verbundene Mittelheim und Oestrich liegen in West-Ost-Richtung direkt am Rhein, Hallgarten etwa 2 km nördlich.
Flächennutzung Das Stadtgebiet umfasst eine Gesamtfläche von 5953 Hektar, davon entfallen auf:Informationsbroschüre der Stadt Oestrich-Winkel, Stand 31. Dezember 2008 Flächentyp Flächein Hektar Anteilin Prozent Gebäude- und Freifläche 233 3,9 Verkehrsfläche 229 3,8 Landwirtschaftliche Fläche 176 3,0 Rebfläche 1019 17,1 Waldfläche 3949 66,3 Wasserfläche 243 4,1 Fläche anderer Nutzung 104 1,7
Damit besteht das Stadtgebiet der größten Weinstadt Hessens ziemlich genau zu zwei Dritteln aus Waldflächen und zu 20 Prozent aus landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, wobei der Weinanbau allein gut 17 Prozent beansprucht. Damit liegt fast ein Drittel der Rebflächen des hessischen Anbaugebietes Rheingau in Oestrich-Winkel. Gleichwohl liegt auch der Waldanteil weit über dem Durchschnitt des als waldreich geltenden Rheingau-Taunus-Kreises. Ebenso ist auch der Anteil an Wasserflächen bemerkenswert hoch; er liegt etwa beim Dreifachen des hessischen Durchschnittswertes. Das liegt daran, dass die Südgrenze des Stadtgebietes mitten im Rhein in der Mitte des historischen Hauptfahrwassers liegt und somit auch die von diesem durch Strömungsleitwerke und die Winkeler Aue abgeteilte Winkeler Bucht umfasst.
Nachbargemeinden Oestrich-Winkel grenzt im Westen an Geisenheim, im Norden an Lorch, Welterod (Rhein-Lahn-Kreis), Heidenrod und Schlangenbad und im Osten an Eltville am Rhein. Im Süden, jenseits des Rheins, liegt die Stadt Ingelheim am Rhein (Landkreis Mainz-Bingen).
Geschichte Gemeindebildung Das rund 12.000 Einwohner zählende Oestrich-Winkel entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 1. Juli 1972 durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Mittelheim, Oestrich und Winkel. Gleichzeitig wurde der neuen Gemeinde durch die Landesregierung das Recht verliehen, sich Stadt zu nennen. Der Doppelname hatte schon vor der Stadtgründung eine lange Tradition als Name der einzigen Bahnstation im Stadtgebiet. Zum ersten Bürgermeister der Stadt wurde der letzte Bürgermeister von Winkel, Klaus Frietsch, gewählt, der nachmalige Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises. Am 1. Januar 1977 wurde die Gemeinde Hallgarten kraft Landesgesetz eingegliedert. Seit 2016 gibt es für alle Stadtteile einen Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Oestrich-Winkel 11717 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1890 Einwohner unter 18 Jahren, 4650 zwischen 18 und 49, 2427 zwischen 50 und 64 und 2481 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 776 (6,6 %) Ausländer, von denen 304 aus dem EU-Ausland, 333 aus anderen europäischen Ländern und 136 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 8,4 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 12,2 %.) Die Einwohner lebten in 5295 Haushalten. Davon waren 1863 Singlehaushalte, 1539 Paare ohne Kinder und 1479 Paare mit Kindern sowie 333 Alleinerziehende und 78 Wohngemeinschaften. In 1230 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 3495 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Religionen Jeder der vier Stadtteile von Oestrich-Winkel hat eine eigene katholische Kirche, die zur Großpfarrei St. Peter und Paul Rheingau gehören. Die evangelischen Christen gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde Mittlerer Rheingau, die 2026 aus der 1891 gegründete Kirchengemeinde Oestrich-Winkel durch Zusammenschluss mit den Kirchengemeinden Geisenheim und Rüdesheim hervorging. Zur Gemeinde gehört ebenfalls der Eltviller Stadtteil Hattenheim.
In Oestrich gibt es einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas und in Mittelheim eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche.Gemeinde Oestrich-Winkel der Neuapostolischen Kirche
Ende des 18. Jahrhunderts gab es bis in die Zeit des Nationalsozialismus eine kleine Jüdische Gemeinde, die in enger Beziehung zu der von Eltville stand; um 1900 bestand sie aus etwa 40 Personen. Der Jüdische Friedhof von Oestrich gilt als ältester erhaltener jüdischer Friedhof im Rheingau. Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Betraum von SA-Angehörigen zerstört und Geschäfts- und Wohnräume demoliert und geplündert. An den Ausschreitungen waren neben den örtlichen NSDAP-Mitgliedern auch welche aus Winkel und Mittelheim beteiligt, unterstützt durch SA-Angehörigen aus Eltville und Rüdesheim. Im August 2013 wurden zum Gedenken der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus die ersten Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig verlegt.Erste Stolpersteine in Oestrich-Winkel verlegt Wiesbadener Kurier vom 29. August 2013
Konfessionsstatistik • 1987: 1836 evangelische (= 16,9 %), 8015 katholische (= 73,8 %), 1009 sonstige (= 9,3 %) Einwohner • 2011: 2170 evangelische (= 19,0 %), 6350 katholische (= 55,5 %), 2930 sonstige (= 25,5 %) Einwohner
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Oestrich-Winkel erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 26,9 8 36,1 11 44,6 14 37,9 14 43,4 16 47,9 18 42,1 13 34,8 11 30,7 9 29,7 11 29,6 11 31,1 11 12,0 4 18,4 6 14,9 5 25,4 9 19,1 7 10,8 4 8,3 3 10,6 3 9,8 3 7,0 3 7,9 3 4,3 2 10,8 3 – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 6,0 2 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 64,1 60,2 55,5 52,8 51,5 60,2
Bürgermeister mini|Bürgerzentrum und Rathaus der Stadt Oestrich-Winkel, erbaut im Jahr 2005 Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Oestrich-Winkel neben dem Bürgermeister hauptamtlich ein Erster StadtratErster Stadtrat (nur noch bis zum 31. März 2026) und ehrenamtlich acht weitere Stadträte angehören.Gremien: Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2024 Carsten Sinß (SPD), der in der Kommunalpolitik zuletzt Fraktionsvorsitzender seiner Partei war. Der Amtsvorgänger Kay Tenge wurde in seiner ersten Amtszeit nach langer Krankheit am 31. Mai 2023 wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Deshalb leitete der hauptamtliche Erste Stadtrat Björn Sommer die Stadtverwaltung seit Frühjahr 2022 kommissarisch und die Wahl eines neuen Bürgermeisters musste vorgezogen werden. Carsten Sinß erhielt am 22. Oktober 2023 in einer Stichwahl bei 63,67 Prozent Wahlbeteiligung 53,08 Prozent der Stimmen und setzte sich so gegen den Ersten Stadtrat Björn Sommer als seinen Mitbewerber durch.Votemanager: Bürgermeisterstichwahl Stadt Oestrich-Winkel 2023
Amtszeiten der Bürgermeister - Votemanager: Wahltermine Stadt Oestrich-Winkel, seit 1999 2024–2029 Carsten Sinß (SPD)Wiesbadener Kurier, 22. Oktober 2023: Carsten Sinß ist neuer Bürgermeister in Oestrich-Winkel. „Der SPD-Mann Carsten Sinß hat sich in der Stichwahl in Oestrich-Winkel gegen den Ersten Stadtrat Björn Sommer durchgesetzt.“ - FAZ, 14. Dezember 2023: Sinß appelliert an Gemeinsinn in Oestrich-Winkel. „Der bisherige Fraktionschef der SPD in Oestrich-Winkel, Carsten Sinß, ist am Mittwochabend im Bürgerzentrum als neuer Bürgermeister vereidigt worden.“ … „Sinß tritt am 1. Januar die Nachfolge von Kay Tenge (parteilos) an.“ 2019–2023 Kay TengeCDU Oestrich-Winkel, 1. September 2019: Feierliche Einführung von Kay Tenge / Verabschiedung von Michael Heil - Rheingau Echo, 4. Mai 2023: Kay Tenge wurde vom Amtsarzt für dauerhaft dienstunfähig erklärt / Neuwahlen im Oktober 2013–2019 Michael Heil (CDU) 1995–2013 Paul Weimann (CDU) 1989–1995 Heinz-Dieter Mielke (SPD) 1972–1989 Klaus Frietsch (SPD)
Partnerschaften Die Stadt Oestrich-Winkel unterhält partnerschaftliche Beziehungen zum ungarischen Tokaj, zum französischen Denicé und zum 2./ Fernmeldebataillon 283 in Lahnstein.
Wappen 80px|Wappen Oestrich-Winkel Das Stadtwappen von Oestrich-Winkel zeigt ein gespiegeltes silbernes „Z“, beiderseits von einem goldenen Stern begleitet. Das „Z“ stellt eine Wolfsangel bzw. einen Doppelhaken dar und wurde offenbar bei der Abwehr von Wölfen in früheren Zeiten verwendet. Das Wappen stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es war vor der Stadtgründung seit 1965 Gemeindewappen des heutigen Stadtteils Mittelheim.
Flagge Am 6. Januar 1988 ist der Stadt Oestrich-Winkel die nachstehend beschriebene Flagge verliehen worden: „Die Flagge der Stadt Oestrich-Winkel zeigt zwischen schmalen blauen, mit einem weißen Faden belegten Randstreifen auf breiter weißer Mittelbahn in der oberen Hälfte das aufgelegte Stadtwappen.“Genehmigung einer Flagge durch das Hessische Ministerium des Innern vom 6. Januar 1988 (StAnz. S. 242) Seite 2 der PDF-Datei 9,3 MB
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Weinberge in Oestrich-Winkel mit Blick auf die Hallgarter Zange
Weinkultur Oestrich-Winkel ist geprägt vom Weinbau. Folgende Lagen werden bewirtschaftet: Oestrich: Lenchen – Doosberg – Klosterberg – Pfaffenberg Mittelheim: Edelmann – St. Nikolaus – Goldberg Winkel: Dachsberg – Hasensprung – Gutenberg – Jesuitengarten – Schloss Vollrads Hallgarten: Jungfer – Würzgarten – Schönhell – Hendelberg – Mehrhölzchen
Sehenswürdigkeiten mini|Oestricher Kran mini|hochkant|Der Wohnturm von Schloss Vollrads Der Oestricher Kran, ein Wahrzeichen des Stadtteils Oestrich, ist ein ehemaliger Weinverladekran aus dem 18. Jahrhundert zum Be- und Entladen von Schiffen. 1745 fertiggestellt, arbeitete er bis 1926. Im Inneren des Kranes befinden sich zwei Tret- oder Laufräder, in denen je zwei Männer durch ihre Körpermasse eine Seilwinde in Bewegung setzten, um damit die Schiffladung zu heben.
Die Oestricher Pfarrkirche St. Martin und die St.-Aegidius-Basilika in Mittelheim gelten als die ältesten Kirchen des Rheingaus. In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Hallgarten ist die berühmte Hallgartener Madonna aus dem frühen 15. Jahrhundert zu besichtigen. Auch die moderne Evangelische Kirche Mittelheim aus dem Jahr 1956 steht unter Denkmalschutz.