Menkaure (griechisch Mykerinos) war der sechste König (Pharao) der altägyptischen 4. Dynastie im Alten Reich. Er herrschte etwa von 2530 bis 2510 v. Chr.Jahreszahlen nach T. Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002. Über seine Person und seine Regierungszeit existieren nur sehr wenige Zeugnisse. Bekannt ist er vor allem durch den Bau der dritten Pyramide von Gizeh und durch zahlreiche, zum Teil hervorragend erhaltene Statuen, die in ihrer Umgebung gefunden wurden.

Herkunft und Familie mini|links|140px|Kartuschenname des Mykerinos in der Abydos-Liste Mykerinos war wahrscheinlich ein Sohn von Pharao Chephren und der Chamerernebti I. Dies wird angenommen, da im Pyramidenbezirk des Mykerinos ein Messer gefunden wurde, das den Namen Chamerernebtis trägt.G. A. Reisner: Mycerinus. The Temples of the Third Pyramid at Giza. Cambridge (Mass) 1931, S. 18, 233, Tafel 19.

Die einzige bekannte Gemahlin des Mykerinos war Chamerernebti II. In ihrem Grab wird ihre Mutter gleichen Namens erwähnt, die den Titel einer Königsmutter trägt. Daraus zog George Andrew Reisner den heute allgemein akzeptierten Schluss, dass ihre Mutter ebenfalls Chamerernebti I. war. Mykerinos war demzufolge mit seiner Schwester verheiratet. Das einzige bekannte Kind aus dieser Ehe war Prinz Chuenre, der nahe der Pyramide seines Vaters bestattet wurde und bei dem es sich laut Reisner um den früh verstorbenen Kronprinzen handelte.Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. Die Baugeschichte und Belegung einer Nekropole des Alten Reiches. Band I: Die Mastabas der Kernfriedhöfe und die Felsgräber. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, S. 66, ISBN 3-7001-3244-1.

Völlig unklar ist die familiäre Verbindung zwischen Mykerinos und seinem Nachfolger Schepseskaf. Dieser ließ zwar den Totentempel des Mykerinos vollenden und dort ein Dekret anbringen, was Reisner zu dem Schluss führte, in ihm ebenfalls einen Sohn zu sehen. Allerdings ist die Vollendung des Tempels allein kein ausreichendes Indiz, da jeder ägyptische König die ordnungsgemäße Bestattung seines Vorgängers gewährleisten musste, unabhängig von der verwandtschaftlichen Beziehung. Auch eine Abstammungsangabe (Filiationsangabe) lässt sich aus den Resten des stark zerstörten Dekrets nicht eindeutig herauslesen.

Herrschaft Mykerinos folgte seinem Cousin Bicheris, der nur für kurze Zeit regiert hatte, auf den Thron. In einer Inschrift ist der Regierungswechsel im ägyptischen Kalender belegt; zugleich der Beweis eines schon verwendeten 365-Tage-Kalenders.Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz / Wiesbaden 1950, S. 54. Die genaue Regierungsdauer des Mykerinos ist unbekannt. Der Königspapyrus Turin, der im Neuen Reich entstand und ein wichtiges Dokument zur ägyptischen Chronologie darstellt, ist an der entsprechenden Stelle beschädigt und es lässt sich nur noch die Angabe x + 8 Jahre ablesen, es könnten also 18 oder 28 Jahre gemeint gewesen sein. Der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebende ägyptische Priester Manetho gibt ihm 63 Jahre, was aber viel zu hoch angesetzt sein dürfte.

Das höchste zeitgenössisch belegte Datum ist ein „11. Mal der Zählung“ (gemeint ist eine landesweite Zählung des Viehs zum Zwecke der Steuererhebung), möglicherweise auch ein „Jahr nach dem 11. Mal der Zählung“. Problematisch hieran ist, dass diese Zählungen ursprünglich alle zwei Jahre stattfanden (d. h. auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte ein „Jahr nach dem x-ten Mal der Zählung“), später aber zum Teil auch jährlich stattfinden konnten (auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte das „y-te Jahr der Zählung“).siehe hierzu M. Verner: Archaeological Remarks on the 4th and 5th Dynasty Chronology. Prag 2001. Ob unter Mykerinos eine regelmäßige zweijährliche Zählung stattfand, lässt sich aus dem vorhandenen Quellenmaterial nicht herauslesen. Sollte es so gewesen sein, würden sich über 20 Regierungsjahre ergeben.

Außer dem Bau seines Pyramidenkomplexes sind aus der Regierungszeit des Mykerinos keinerlei Ereignisse bekannt.T. Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 164. Der Name des Herrschers erscheint auf einem Objekt aus ByblosMaurice Dunand: Fouilles de Byblos I. 1926–1932. Paris 1931, S. 169. und von dem Herrscher sind zahlreiche Siegelabrollungen aus Buhen bezeugt.Peter Kaplony: Die Rollsiegel des Alten Reiches. Katalog (= Monumenta Aegytiaca. Band 3). Brussels 1981, S. 116–127.

Menkaure erscheint auch auf der Rückseite des berühmten Palermosteins, einem großen Bruchstück des Annalenstein der 5. Dynastie. Dessen gesamte Rückseite ist den Königen Menkaure bis Neferirkare gewidmet. Leider ist die Steintafel besonders auf ihrer Rückseite durch Abrieb so stark beschädigt, dass ein Großteil der ursprünglichen Inschrift kaum oder gar nicht mehr lesbar ist. Menkaure erscheint in Zeile 1, wobei allerdings aufgrund der Bruchkante nur noch das Überbleibsel des letzten Regierungsjahres erhalten geblieben ist. Im Anschluss wird der Herrschaftsantritt von König Schepseskaf beschrieben, was die ägyptologische Rekonstruktion der Herrscherabfolge der späten 4. Dynastie stützt. Leider ist im Ereignisfenster zu Menkaure nur noch der Eintrag: „...???-Monate und 24 Tage“ erhalten, was sein Todesdatum darstellt.Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt: The Palermostone and its associated Fragments. London 2000, S. 148 & 149.

Hofstaat Die einzigen hohen Beamten aus der Regierungszeit des Mykerinos, die namentlich bekannt sind, waren die Tjatiu (eine Amtsbezeichnung, die häufig mit „Wesir“ übersetzt wird, einem Amt, das allerdings erst mehr als drei Jahrtausende später aufkam). Dieses Amt war während der 4. Dynastie Mitgliedern der königlichen Familie vorbehalten. Unter Mykerinos wurde es von seinen Halbbrüdern Nikaure, Iunmin, Nebemachet, Anchmare und Duaenre bekleidet.

Bautätigkeit Die Mykerinos-Pyramide mini|links|Die Mykerinos-Pyramide mit ihren drei Königinnenpyramiden

Mykerinos war der Erbauer der dritten und letzten der drei Pyramiden von Gizeh. Mit einem Basismaß von 102,2 × 104,6 m und einer ursprünglichen Höhe von 65,55 m ist sie deutlich kleiner als die Pyramiden von Cheops und Chephren. Als Baumaterial für das Kernmauerwerk diente Kalkstein aus der unmittelbaren Umgebung des Bauwerks, die Verkleidung bestand bis zu einer Höhe von 15 m aus Rosengranit und in den restlichen Lagen aus Tura-Kalkstein. Von der Nordseite aus führt ein Gang hinab zu einer unterirdisch gelegenen Vorkammer. In sie mündet noch ein weiterer Gang, der oberhalb des ersten verläuft und etwa auf Höhe der Pyramidenbasis blind im Mauerwerk endet. Offenbar handelt es sich hierbei um den ursprünglichen Zugangskorridor, der nach einer Änderung des Bauplans aufgegeben wurde. Unterhalb der Vorkammer liegt die eigentliche Grabkammer. Der dort aufgefundene Granit-Sarkophag maß 2,43 × 0,94 × 0,88 Meter.Anna Maria Donadoni Roveri: I sarcofagi egizi dalle origini alla fine dell'Antico Regno. Rom 1969, S. 105 (Volltext als PDF; 46,5 MB). und war erstmals mit Vor- und Rücksprüngen im Palastfassadenstil gearbeitet. Er unterschied sich somit recht deutlich von den sehr schlicht gestalteten Sarkophagen seiner Vorgänger. 1838 sollte er nach Großbritannien überführt werden, kam dort aber nie an, da das Transportschiff in einem Sturm sank.

Der Pyramidenkomplex mini|Plan der Nekropole von Gizeh

An der Ostseite der Pyramide steht der Totentempel, der in seinem Grundriss dem des Cheops ähnelt. Über einen 600 Meter langen Aufweg ist er mit dem Taltempel verbunden. Die Tempelanlagen sollten ursprünglich in Stein errichtet werden, allerdings starb Mykerinos noch vor ihrer Fertigstellung. Erst sein Nachfolger Schepseskaf vollendete beide Tempel sowie den Aufweg, verwendete dafür aber die zeit- und kostensparende Ziegelbauweise. Das Gebiet unmittelbar vor dem Taltempel des Mykerinos konnte noch nicht vollständig ausgegraben werden, da sich über ihm ein islamischer Friedhof befindet.

Die Pyramide besitzt drei Nebenpyramiden. Die östliche (G III-a) ist eine echte Pyramide und wird aufgrund ihrer Substruktur teilweise für die ursprüngliche Kultpyramide des Mykerinos gehalten, die als symbolisches Grab für sein Ka dienen sollte. Da in ihr jedoch ein Sarkophag gefunden wurde, scheint sie nachträglich zu einem Königinnengrab (wahrscheinlich für Chamerernebti II.) umfunktioniert worden zu sein. Bei den beiden anderen Bauwerken (G III-b und G III-c) handelt es sich um Stufenpyramiden, die von Anfang an als Königinnengräber konzipiert waren. In G III-b konnten sogar noch Knochenreste einer jungen Frau gefunden werden.

Das ausgedehnte Gräberfeld in Gizeh scheint unter Mykerinos keine bedeutende Erweiterung erfahren zu haben. Erwähnenswert ist dort lediglich das Felsgrab seines Sohnes Chuenre, das in einem Steinbruch südöstlich der Mykerinos-Pyramide angelegt wurde. Auch Bootsgruben, wie sie bei den Grabanlagen von Cheops und Chephren gefunden wurden, konnten in der Umgebung der Mykerinos-Pyramide nicht ausfindig gemacht werden.

Siehe auch: Nekropole von Gizeh

Statuen Fast alle bekannten Statuen des Mykerinos stammen aus Grabungen, die George Andrew Reisner ab 1908 in dessen Pyramidenkomplex durchführte. Die meisten Stücke wurden im Taltempel gefunden, unter ihnen auch die berühmten Mykerinos-Triaden. Weitere Funde wurden im Totentempel gemacht. Die Fundstücke befinden sich heute im Museum of Fine Arts in Boston und im Ägyptischen Museum in Kairo. Lediglich drei Statuen wurden außerhalb Gizehs entdeckt.

Die Mykerinos-Triaden x200pxx200pxx200pxx200pxx200px Triade mit 7. oberägyptischem Gau (Diospolis Parva); Ägyptisches Museum Kairo, Inv.-Nr. JE 46499 Triade mit 17. oberägyptischem Gau (Schakalgau); Ägyptisches Museum Kairo, Inv.-Nr. JE 40679 Triade mit 4. oberägyptischem Gau (Thebanischer Gau); Ägyptisches Museum Kairo, Inv.-Nr. JE 40678 fragmentierte Triade mit Gau; Museum of Fine Arts, Boston, Inventar-Nr. 11.3147 (Kopf in Brüssel) Triade mit 15. oberägyptischem Gau (Hasengau); Museum of Fine Arts, Boston, Inv.-Nr. 09.200

Reisner entdeckte insgesamt vier hervorragend erhaltene Triaden, eine weitere wies größere Beschädigungen auf, mehrere weitere waren nur noch in Fragmenten erhalten. Alle Triaden bestehen aus Grauwacke und zeigen den König zusammen mit der Göttin Hathor, die dort als „Herrin der Sykomore“ bezeichnet wird, und einem personifizierten ägyptischen Gau. Der König ist, soweit noch erkennbar, auf allen Triaden im gleichen Ornat dargestellt. Er trägt die weiße Krone Oberägyptens, den zeremoniellen Kinnbart und einen plissierten Schurz.