Ishinomaki (jap. , -shi) ist eine Großstadt in der Präfektur Miyagi auf Honshū, der Hauptinsel von Japan.
Geographie mini|links|Küstenbereich von Ishinomaki (rechte Bildhälfte) und Higashimatsushima (linke Bildhälfte) mit dem Kitakami-Kanal (北上運河) (rot markiert). Ishinomaki liegt südlich von Kesennuma am Pazifischen Ozean. Die Stadt ist zudem rund 50 km nordöstlich von Sendai gelegen, einer der größten Metropolen in der Tōhoku-Region. (Online veröffentlicht im Januar 2016).
Die Küste vor der Stadt Ishinomaki markiert das nördliche Ende der sich nach Süden bis Minamisōma erstreckenden pazifischen Flachküste in der Tōhoku-Region, umfasst aber auch einen Teil der Ria-Küste als typische Landform für die sich nach Norden anschließende Sanriku-Küste. (Online veröffentlicht am 15. August 2017).
Die küstennahe Zone an der Bucht von Ishinomaki teilt sich politisch auf die Gemeinden Ishinomaki und Higashimatsushima auf und kombiniert eine Vielzahl von Landnutzungszonen einschließlich urbaner und industrieller Gebiete, Wohngebiete und ländlicher Gebiete. Neben dem Militärflughafen Matsushima (松島基地) in Higashimatsushima befinden sich dort ein Handelshafen und ein Fischereihafen. Die lokale Wirtschaft gründet sich vornehmlich auf Fischerei, Fischereiproduktindustrie und Landwirtschaft., Lizenz: Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0). Special issue on Mega Earthquakes and Tsunamis.
Ishinomaki ist die zweitgrößte Stadt in Miyagi, lediglich Sendai verfügt über eine größere Bevölkerung in der Präfektur. Zu Ishinomaki gehört eine 12 km lange südexponierte Küste, die zu einem großen Teil von Lager- und Industriestandorten des Fischereihafens und des Handelshafens eingenommen wird. Das dicht bebaute, urban entwickelte Gebiet erstreckt sich bis zu 4,8 km landeinwärts. Innerhalb der dem Hafen nächstgelegenen 400 Meter befindet sich eine Gewerbe- und Industriefläche, der sich weiter landeinwärts Wohngebiete und kleine Gewerbeflächen anschließen. (Online veröffentlicht am 27. März 2012).
Die geomorphologische Beschaffenheit der Bucht von Ishinomaki macht das Gebiet besonders anfällig für Tsunami-Ereignisse, da es sich um eine Flachküste handelt, die von den beiden Buchten von Ishinomaki und von Matsushima umgeben ist, welche beide flach sind und sich durch einen relativ ebenen (glatten) Meeresboden auszeichnen. Das Gebiet verfügt über ein ausgedehntes hydrographisches Netzwerk, das aus den Flüssen Kitakami (北上川, in Ishinomaki), Jo (定 川, zwischen Ishinomaki und Higashimatsushima) und Naruse (鳴瀬川, in Higashimatsushima) besteht, die mit Kanälen verbunden sind. Der Hügel Hiyoriyama (日和山, in Ishinomaki) und die örtlichen Küstenwälder sind die einzigen natürlichen Barrieren für Tsunamiwellen im von Tsunamis bedrohten Gebiet an der Bucht von Ishinomaki.
Angrenzende Städte und Gemeinden: Higashi-Matsushima Tome Onagawa
Geschichte Im frühen 17. Jahrhundert florierte das Stadtzentrum des alten Ishinomaki an der Flussmündung des Kyūkitakami als wirtschaftlicher und logistischer Hauptumschlagplatz für Bootsfracht. Im späten 18. bis zum frühen 19. Jahrhundert prosperierte der Ort als Stadt mit einem benachbarten Fischgrund vor der Insel Kinkasan (金華山). In jüngeren Jahren entwickelte sich die Stadt auch zu einer Industriestadt. Kleinere Städte auf der Halbinsel, wie das alte Oshika und das alte Ogatsu, bestehen vorrangig aus Fischerdörfern, die eng mit der Fischereiindustrie und damit verwandten Industriezweigen in der Region verbunden und geprägt waren. In ihren Namen findet sich das Wort hama (wörtlich: „Strand“).
Die Gemeinde Ishinomaki entstand am 1. April 1889 während der Einführung des modernen japanischen Gemeindewesens und war eine kreisangehörige Stadt (chō) im Landkreis Oshika. Am 1. April 1993 folgte die Ernennung zur kreisfreien Stadt (shi).
Die heutige Gemeinde entstand im Jahr 2005 aus der Vereinigung der alten Gemeinde Ishinomaki mit sechs umgebenden Gemeinden. Dabei entstand die heutige Form der Stadt, die sowohl aus einer weiten Ebene besteht, auf der der urbane Bezirk entstand, als auch aus einer Halbinsel mit einem Ria-Küstenprofil, also einer komplexen Landschaftsform, in der Gebirge an das Meer grenzt. Während Ishinomaki durch die Fusion 2005 mit den sechs umliegenden Städten zur zweitgrößten Stadt in der Präfektur Miyagi wurde, entschied sich die benachbarte Stadt Onagawa unabhängig zu bleiben und verblieb infolgedessen wie eine Enklave inmitten der Stadt Ishinomaki.Mayuka Yamazaki (unter Mitarbeit von Fumika Yoshimine and Hiroko Yanagisawa): "Rebuilding the Tsunami-Stricken Onagawa Town", [Juli 2013 ?]. ETIC (Entrepreneurial Training for Innovative Communities) > Disaster Recovery Leadership Development Project > Case Studies from Tohoku > Case3 (URL: ) Bei den sechs Gemeinden, mit denen das alte Ishinomaki fusionierte, handelte es sich um die Städte Monou, Kanan, Kahoku, Kitakami, Ogatsu, je im Landkreis Monou und Oshika im Landkreis Oshika. Dies führte zur Auflösung des Landkreises Monou, während der Landkreis Oshika nur noch aus der Gemeinde Onagawa bestand.
Erdbeben- und Tsunamikatastrophen Historische Tsunami-Erfahrungen und Gegenmaßnahmen In Ogatsucho-Wakehama (雄勝町分浜) war für die jeweils vom Meiji-Sanriku-Erdbeben 1896 und vom Shōwa-Sanriku-Erdbeben 1933 ausgelösten Sanriku-Tsunamis eine Tsunamihöhe von 2 m und für den vom Chile-Erdbeben von 1960 ausgelösten Tsunami eine Höhe von 3 m berichtet worden.
Vor der Tōhoku-Katastrophe von 2011 hatte man mittels rechnerischer Überschwemmungssimulationen, die von einem erwarteten Miyagi-ken-oki-Beben der JMA-Magnitude 8.0 ausgingen, geschätzt, dass bei einer derartigen Katastrophe in Ishinomaki 164 Menschen getötet würden. Als maximale Überflutungshöhe eines von einem solchen vorhergesagten Ereignis ausgelösten Tsunamis war man von 3 m direkt am Hafen ausgegangen sowie von 1 m in einer Entfernung von 500 m im Landesinneren.
Tōhoku-Erdbeben und -Tsunami 2011 Ausmaß von Überflutung und Schäden
mini|links|Wellenbrecher („Breakwater“), Küstenschutzwald („Control forest“) und Tsunamischäden in Ishinomaki 2011:grau: Überflutungrot: fortgespülte Häuserblau: standgehaltene Häuser (Online veröffentlicht am 7. Juli 2012), hier: S. 1004, Figure 15. Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0).
Die Stadt wurde am 11. März 2011 von einem durch das Tōhoku-Erdbeben ausgelösten Tsunami getroffen, der in Ishinomaki eine Überflutungshöhe von 15,5 m hatte und ein Gebiet von 73 Quadratkilometern (13 Prozent des gesamten Stadtgebietes), darunter 46 Prozent der Fläche in den Wohngebieten, überflutete. (Online veröffentlicht am 21. Mai 2011)., Lizenz: Creative Commons Attribution CC BY 3.0 IGO. Obwohl nur 13,2 Prozent des gesamten Stadtgebietes überflutet wurden, erlitten 76 Prozent der Häuser in der Stadt Schäden, und insbesondere das Stadtzentrum wurde vollständig überschwemmt. Ishinomaki, von wo aus der Tsunami noch 49 km stromaufwärts des Kitakami Auflaufspuren hinterließ, ist ein Beispiel für die Orte, in denen der Tsunami-Auflauf neben dem direkten Angriff von der Küste aus auch bedeutenden Schaden entlang wichtiger Flüsse in der Region verursachte.
Anders als zum Beispiel in Rikuzentakata und Natori überlebten in Ishinomaki fast alle Kiefern des Regulierungswaldes den Tsunami. Die Wälder minderten hier die zerstörerische Kraft des Tsunamis und fingen Trümmer aus den Fluten wie beispielsweise Fahrzeuge ein, bevor diese in die Stadt eindringen konnten. Möglicherweise wurden die Bäume verschont, weil die Höhe des Tsunamis in Ishinomaki mit rund 6 m geringer ausfiel. Auch der – später zerstörte – Deich könnte den Bäumen zu ihrem Schutz verholfen haben. (Online veröffentlicht am 7. Juli 2012).
An mehreren Stellen, die über 470 m landeinwärts lagen, ergaben Untersuchungen Tsunamiüberflutungshöhen von mindestens 4 m. In den Haupthafenanlagen im Südwesten des Ballungszentrums kam es zu Wasserhöhen im Bereich von 4,5 bis 5 Metern. Lagerhallen und Stahlbetongebäude erlitten zwar einige Schäden, stürzten jedoch nicht ein.
Ishinomaki war eine der größten vom Tsunami getroffenen Städte. Rund 20.000 Wohngebäude wurden vollständig und rund 13.000 teilweise zerstört. Knapp 17.000 Bewohner wurden evakuiert.
Fischereihäfen, Industrieparks und Wohngebiete entlang der Küste wurden vollständig weggespült und in Trümmermassen zerstört. Der Fischereihafen von Ishinomaki war zum Zeitpunkt des Tsunamis der landesweit drittgrößte in Bezug auf die gesamten Anlandungen. Die Fischerei und die Verarbeitung von Meeresfrüchten als Hauptindustrien der Stadt beschäftigten in Hunderten von Unternehmen mehrere tausend Menschen. Messungen zeigen, dass die Tsunami-Höhe im Fischereihafen Ishinomaki etwa 4 mal höher war als die im Vorfeld der Katastrophe modellierten Schätzungen, die einen Tsunami erwartet hatten, der von einem vorhergesagten Miyagi-ken-oki-Beben der JMA-Magnitude 8.0 ausgelöst werden würde.
Der Hafen der Stadt Ishinomaki, einer der größten Häfen nördlich von Sendai und ein Zentrum des Reishandels, war im Mai 2011 wieder fast vollständig in Betrieb.
Die übrige Stadt war dagegen zum großen Teil sehr stark beschädigt. Der Tsunami flutete fast das gesamte zentrale Geschäftsviertel der Stadt. Neben den Schäden an Gebäuden und Anlagen kam es durch das Erdbeben auch zur Absenkung des Bodens um etwa 1,4 Meter, sodass Meerwasser bei Flut in das Gebiet eindringen konnte., Lizenz: Creative Commons Attribution CC BY 3.0 IGO. Die Landabsenkungen erstreckten sich über ein ausgedehntes Gebiet. Im auf der Halbinsel Oshika gelegenen Ayukawa-hama (鮎川浜) wurde eine Absenkung von 1,2 m registriert. Obwohl die Wellen keine große Amplitude hatten, drang Wasser tief in das Stadtgebiet ein und gelangte von der Küste aus mehr als drei Kilometer landeinwärts, wobei viele Bewohner ums Leben kamen, die nicht evakuiert wurden.
Zwar blieb die Mehrheit der Gebäude im Überflutungsgebiet der Stadt Ishinomaki stehen, doch wurden einige Bereiche um die Flussmündung des Alten Kitakami, wo es zu beträchtlichen koseismischen Bodensenkungen von bis zu 0,78 m gekommen war, fast vollständig zerstört. In der Folgezeit kam es an der Flussmündung und direkt am Hafen bei Flut zur Überflutung von abgesenktem Land.
Aufgrund der großen Menge an Trümmern im Wasser, einschließlich der Boote, wurden auch einige Bereiche beschädigt, die über dem Überflutungsniveau lagen.
In Ishinomaki-Yagawahama (谷川浜) spülte der Tsunami fast alle Häuser fort und bedeckte die landwirtschaftlichen Flächen mit Sedimentablagerungen wie Sand, Muschelfragmente und Kies. Tsunamispuren weisen auf eine Überflutungshöhe von 18,7 m hin. Die maximale Auflaufhöhe von 21,2 m in der Präfektur Miyagi wurde auf dem Friedhof hinter dem Tofuku-ji-Tempel (洞福寺) gemessen.
In der Gegend um Ishinomaki-Nagazuraura (oder: Nagazuraura-Bucht / 長面浦) herum, einem mit der Bucht von Oppa verbundenem Brackwassersee, überflutete der Tsunami fast alle Häuser. An der Flussmündung des Kitakama wurden Japanische Schwarzkiefern und Häuser fortgespült. Erhebliche Bodensenkungen führten zur Überflutung von Häusern und Reisfeldern. Überall im Wohngebiet wurde Sand abgelagert. Im östlich von Nagazuraura gelegenen Bezirk Onosaki (尾崎) wurden Überschwemmungshöhen von 4,2 und 3,9 m gemessen. Im westlich von Nagazuraura gelegenen Bezirk Nagatsura (長面) erreichte die Überflutung Höhen von 4,1 bis 7,1 m. Einige Einwohner ertranken im Tempel, wohin sie in der fälschlichen Annahme evakuiert waren, dass dieser in sicherer Höhe gelegen sei.
In Ogatsucho-Wakehama (雄勝町分浜) übertrafen die Tsunamihöhen 2011 jene des Chile-Tsunamis von 1960, der wiederum höher war als die Sanriku-Tsunamis von 1896 und 1933. Der Tsunami von 2011 überflutete Gebiete bis zu einem 250 m von der Küste entfernten Tempel und spülte fast alle Häuser fort. Seine Auflaufhöhe betrug 14 m.