Kesennuma (jap. , -shi) ist eine Stadt in der Präfektur Miyagi auf Honshū, der Hauptinsel von Japan.
Geographie mini|links|Stadtzentrum Kesennuma (aus 14 Luftaufnahmen von 1977 zusammengesetztes Luftbild in Farbe), erstellt vom MLIT Kesennuma liegt nördlich von Sendai und südöstlich von Morioka am Pazifischen Ozean. Die Stadt liegt am innersten Ende der langgestreckten und 1 km breiten Bucht von Kesennuma,, Earthquake Engineering Research Institute (EERI). die in diesem Gebiet von der Ria-Küste gebildet wird und sich in ihrem südlichen Teil zur Pazifikküste öffnet. Die urban entwickelten Gebiete konzentrieren sich an der Westseite und am nördlichen Ende der Bucht. Der Eingang der Bucht von Kesennuma, die eine Gesamtfläche von 15,4 km² hat, ist 2,6 km breit. (Veröffentlicht am 29. März 2012). Die Bucht befindet sich in einer etwas durch die Insel Ōshima (大島) und die Landzunge im Osten (Karakuwa-Halbinsel/唐桑半島) vor dem Ozean geschützten Lage. (Online veröffentlicht am 27. März 2012).
Die Ria-Geografie der Küste bietet zwar eine Fülle natürlicher Ressourcen, birgt aber auch ein Katastrophenrisiko für die Stadt. Die Küstenregion ist sowohl für Tsunamis als auch für Hochwasser anfällig. Seawalls schützen das Land vor den Meeresfluten, Pumpen entfernen Flutwasser und Flussdeiche regulieren den Strom der Flüsse.
Geschichte Die Stadt Kesennuma soll im 14. Jahrhundert gegründet worden sein, um dort bergmännisch gefördertes Gold aus dem Landesinneren zusammenzusammeln und es nach Sendai, Edo (heute Tokio) und Kyoto zu verschiffen. Die Stadt bestand in ihrer frühen Zeit aus zwei Gebieten, der Binnensiedlung (Furumachi) und dem inneren Hafengebiet (Naiwan), das am Ende einer langgezogenen Bucht des Pazifischen Ozeans liegt und vor Naturkatastrophen üblicher Art wie Taifun, schwerer Brandung und Sturm geschützt ist. Die Furumachi und das Naiwan waren etwa einen Kilometer voneinander entfernt und durch die in Ost-West-Richtung verlaufende Hauptstraße verbunden. Die frühen Siedler betrachteten das Hafengebiet entsprechend nicht als Wohn-, sondern als Arbeitsstätte.
In der modernen Zeit wurde das vorher nur als Arbeitsstätte dienende Hafengebiet für die Fischerei und die Nahrungsmittelindustrie kulturfähig gemacht und entwickelt. Es wurde bald mit Läden, Büros, Fabriken, Gaststätten und Häusern bebaut. Die Stadt florierte und es entwickelte sich auch die Reiswein-Brauereiindustrie an der nördlichen Hangseite (namentlich die Kakuboshi-Brauerei und die Otokomaya-Brauerei), die bald Hauptsitz und Ladengeschäft an der Nairan-Hauptstraße errichteten.
Das Hafengebiet Naiwan wurde zweimal durch unbeabsichtigt und nicht naturkatastrophenbedingt entstandene Brände in den Jahren 1916 und 1929 vollständig zerstört. Die Bevölkerung konnte die Stadt und die Industrie unter Anstrengungen wieder aufbauen und zu neuer Blüte bringen. Nach dem Brand von 1929 führten die Menschen eine feuerfeste Konstruktion ein, indem sie die Holzkonstruktion der Häuser mit einer verstärkten Mörtelwand bedeckten. Während einige dabei einfach das vorherige Holzbau-Erscheinungsbild beibehielten, führten andere Mauerwerk oder ein dem Stahlbeton ähnelndes Design ein.
In den 1970er Jahren entwickelte sich die Stadt zu einem der fünf größten Fischereistützpunkte Japans.
Am 1. Oktober 2009 wurde Motoyoshi aus dem Motoyoshi-gun eingemeindet.
Vor der Katastrophe von 2011 war Kesennuma eine der bedeutendsten Städte an der Sanriku-Küste mit 75.000 Einwohnern. Zu ihren wichtigsten Industrien gehörten die Fischerei, die Verarbeitung von Meeresprodukten und der Schiffbau. (Kapitel erstmals online veröffentlicht am 19. Mai 2017) Kesennuma war vor dem Tsunami von 2011 ein florierender Handelsfischerhafen und Zentrum des japanischen Haiflossenhandels. Durch den Tsunami verlor die Stadt ihren historisch bebauten Ortsteil.
Erdbeben- und Tsunamikatastrophen mini|links|Schäden des Shōwa-Sanriku-Erdbeben 1933 in Karakuwa Die Sanriku-Küste war in den letzten beiden Jahrhunderten von mehreren Tsunamis betroffen: dem Meiji-Sanriku-Tsunami 1896, dem Shōwa-Sanriku -Tsunami 1933 und dem Tōhoku-Tsunami 2011. +Vergleich der Bilanzen von völlig zerstörten Häusern und Opfern in Kesennuma für die Katastrophen von 1896, 1933 und 2011 (Online veröffentlicht am 15. August 2017). Mit Verweis auf: Tadashi Nakasu, Yuichi Ono, Wiraporn Pothisiri: Forensic investigation of the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami disaster: a case study of Rikuzentakata, Disaster Prevention and Management, 26 (3) (2017), S. 298–313, doi:10.1108/DPM-10-2016-0213. Katastrophenereignis Völlig zerstörte Häuser Zahl der Todesopfer Quelle Meiji 1896 (Erdbeben und Tsunami) 486 1887 Shōwa 1933 (Erdbeben und Tsunami) 407 79 Tōhoku 2011 (Erdbeben und Tsunami) 8533 1325 Anmerkung: Die Zahl der Todesopfer für die Tōhoku-Katastrophe 2011 errechnet sich aus den Gesamtzahlen der Toten und Vermissten des 153. FDMA-Schadensberichts vom 8. März 2016 abzüglich der Zahlenangaben katastrophenbedingter Todesfälle,Mit dem Ausdruck „disaster-related deaths“ hat die Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency) offiziell eine Kategorie für solche Fälle definiert, in denen der Tod Folge indirekter Schäden war, die durch Erdbeben, Tsunami und Nuklearkatastrophe verursacht waren. (Quelle: (Online veröffentlicht am 22. Dezember 2017); Lizenz: Creative Commons Attribution Non Commercial (CC BY-NC 4.0).) die von der Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency, RA) ermittelt wurden.
Tōhoku-Katastrophe 2011 Das Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 wurde im zentralen Teil von Kesennuma mit Stufe 6 der japanischen seismischen Intensitäts-Skala registriert und erreichte im Motoyoshi-Gebiet im südlichen Teil der Stadt Stufe 5.
Ausmaß der Überflutung und Schäden Der Tsunami strömte in Kesennuma in nördlicher Richtung die Bucht hinauf, erreichte den Hafen als schnell fließende Steigtide und überflutete Hafendämme und Flussbefestigungen. Zu erheblichen Schäden kam es entlang des westlichen Ufers der Bucht von Kesennuma (links, also östlich des Flusses Ōkawa/大川) und im nördlichen Bereich der Stadt am inneren Ende der Bucht. Etwa ein Drittel der Fläche wurde überflutet. Im Motoyoshi-Distrikt erreichte die Tsunami-Überflutung eine Höhe von 19,3 m. Der Tsunami überflutete die Distrikte Naiwan, Shishiori und Minami-Kesennuma. Der Tsunami erreichte Naiwan mit einer Höhe von 5 bis 6 m und führte dabei schwimmende Objekte mit sich wie Stahlschiffe und Bauhölzer. Zwar konnten Beton- und Stahlgebäude in Naiwan dem Tsunami standhalten, doch erlitten Fahrzeuge und Maschinen im Salzwasser Totalschäden und Holzgebäude wurden vom Tsunami fortgespült und zerstört. Dagegen hielten nur wenige, die alle 2001 vom Bunka-chō als national gelistetes Erbe anerkannt worden waren, stand, wenn auch in schlechtem Zustand. Während die gemessenen Überflutungshöhen des Tsunamis an vielen Stellen außerhalb der Bucht von Kesennuma mehr als 10 m betrugen, lagen sie innerhalb der Bucht von Kesennuma allgemein unter 10 m. Um den Hafen von Kesennuma gemessene Überflutungshöhen lagen bei 7,79 und 11,84 m. Am inneren Ende der Bucht wurden etwa 500 m landeinwärts Überflutungshöhen von 7–8 m gemessen.
Die Stadt Kesennuma wurde schwer von einem Brand betroffen, der offenbar am Ölterminal im Süden der Stadt begonnen hatte und sich weitläufig über Treibgut ausbreitete. Die durch das Erdbeben und den nachfolgenden Tsunami ausgelösten Feuerbrünste ergriffen weite Teile der Stadt. So explodierten im Dorf Shishiori beschädigte Öltanks und verursachten dort große Brände. Die massiven Brände in der Bucht von Kesennuma gelten als typisches Beispiel für Tsunami-induzierte Brände, die von zerstörten Öltanks ausgingen. Aus diesen vom Tsunami zerstörten Öltanks im Hafen von Kesennuma war Öl ausgetreten, das Brände verursachte, die sich mit den Tsunamifluten in weitere Stadtgebiete ausbreiteten. Lizenz: Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0). Auch in: Proceedings of the International Symposium on Engineering Lessons Learned from the 2011 Great East Japan Earthquake, March 1-4, 2012, Tokyo, Japan, S. 43–62.
In dem 15 km südlich vom Hafen von Kesennuma gelegenen Motoyoshicho-Nakajima (本吉町中島), wurden rund 300 m Küstenerosion beobachtet. In diesem Gebiet erstreckte sich das tiefliegende Land um die Flussmündung des Tsuya, weshalb hier ein ausgedehntes Gebiet überflutet wurde. Im erodierten Gebiet wurden Tsunami-Überflutungshöhen von 9,23 und 10,88 m gemessen.
Im nördlichen Teil der Stadt Kesennuma verhinderte die Überflutung in Verbindung mit 0,74 m tiefen co-seismischen Bodensenkungen den Zugang zur Küste.
Viele der großen Verpackungsbetriebe in der Umgebung des Hafens erlitten Schäden durch Bodenverflüssigung. Dutzende von Booten wurden von ihren Liegeplätzen gerissen und in das Landesinnere der Stadt fortgespült oder versanken in der Bucht. Große Boote wurden auf das Land gespült. Die vielen großen und kleinen Fischereifahrzeuge, die der Tsunami im Hafen von Kesennuma mit sich riss und die landeinwärts gestrandet zurückblieben, trugen zu den Schäden an Häusern und anderen Bauwerken verschärfend bei. Auch Schlamm, der an einigen Stellen eine Mächtigkeit von rund 10 cm oder mehr erreichte, wurde aus dem Meer getragen und landeinwärts abgelagert, wodurch die Hilfsmaßnahmen behindert wurden.
10.000 Menschen mussten in Notunterkünfte evakuiert werden. Die Zahl der völlig zerstörten Wohngebäude wird mit 8483 beziffert.
Das 60 Meter lange, mit Ringwaden ausgestattete Fischereischiff Kyotoku-maru No. 18 (第18共徳丸) mit einer Gesamttonnage von 330 Tonnen und einem Bruttogewicht von 500 bis 800 Tonnen, das dem Fischereiunternehmen Gisuke Gyogo aus der Präfektur Fukushima gehörte und sich zur Zeit der Katastrophe in einem Hafen zur turnusmäßigen Überprüfung befand, wurde durch den Tsunami 750 Meter vom Hafen entfernt in die Stadt Kesennuma getrieben und strandete vor der bereits zusammengestürzten Station Shishiori-Karakuwa der JR East-Ōfunato-Linie an der Kreuzung der Präfekturstraßen 210 und 34 im Shishiori-Bezirk von Nakaminato-cho. Es wurde zu einem Symbol des Tsunamis. Es war zu groß und schwer zum Abtransport. 2013 wurde entgegen bestehender Pläne der Stadt Kesennuma, das Boot als Denkmal im Gedenkpark zu erhalten, mit der Mehrheit der Stimmen der Stadtbevölkerung seine Verschrottung beschlossen, die von September bis Ende Oktober 2013 durchgeführt wurde., bbc.com, 13. August 2013., huffingtonpost.jp, 9. September 2013 (Update: 9. März 2017).
Im Gebäude der Kesennuma Koyo High School in Hajikamisemukai reichte der Tsunami bis in das vierte Geschoss und hinterließ Schäden und mitgerissene Objekte. Am 11. Mai 2015 entschied die Stadt Kesennuma, das Schulgebäude zu erhalten. Nur das südliche Schulgebäude, in dessen dritten Geschoss sich weiterhin ein vom Tsunami hineingetragener PKW befindet, soll in seinem Zustand belassen werden. Das Schulgebäude soll zum Betreten für die Öffentlichkeit geöffnet sein, um zukünftigen Generationen die Höhe des Tsunamis zu veranschaulichen. Auf dem gleichen Grundstück in Hajikamisemukai soll eine neu erbaute Touristeneinrichtung Dokumente zum Tōhoku-Erdbeben und -Tsunami zeigen. mini|Die vom Tsunami überflutete und beschädigte Tsuyagawa-Brücke brach zusammen. (Foto: 13. April 2011) Die 1974 errichtete Tsuyagawa-Brücke, über die die Kesennuma-Linie der JR East verlief, wurde vom Tsunami mit einer Geschwindigkeit von 6,7 m/s und einer Überflutungshöhe zum Zeitpunkt der höchsten Geschwindigkeit von rund 13 Metern überspült. Die erste landwärts gerichtete Welle des Tsunamis beschädigte die Brücke schwer. Die Tsunamischäden führten zum Zusammensturz der Brücke.