thumb|Major von Schill; die zeitgenössische Darstellung zeigt Schill in der 1808 eingeführten Uniform Die Schillschen Jäger (auch als Schillsches Freikorps bekannt) waren eine irreguläre Einheit unter dem Befehl des preußischen Majors Ferdinand von Schill, die während des Fünften Koalitionskrieges 1809 gegen Frankreich kämpfte.
Kampfhandlungen Während sich im Frühjahr 1809 vor dem Hintergrund des Volksaufstandes in Spanien ein neuer Krieg zwischen Österreich und Frankreich abzeichnete, fällte Schill, der bei der Belagerung Kolbergs 1807 populär gewordene Freikorps-Führer, die Entscheidung, erneut ein Freikorps zu bilden, um auch Preußen von Napoléon Bonaparte in einem Volkskrieg zu befreien.
Am 28. April 1809 verließ er mit dem von ihm geführten Husarenregiment unter einem Vorwand Berlin und gab seine Absicht bekannt. Wenig später schlossen sich ihm zwar 500 Soldaten der Berliner Garnison unter Offizieren aus Kolberger Tagen an, jedoch blieb der erwartete Zulauf aus Norddeutschland aus. Das Freikorps führte am 5. Mai 1809 die Schlacht bei Dodendorf. Später gelang es ihm, Stralsund zu erobern. Für den preußischen König und die Regierung galt Schill als ein Deserteur. Er erhielt daher keine Hilfe aus Armee und Politik. Auch seine Hoffnung auf einen Aufstand der Bevölkerung und das Eintreffen britischer Hilfe erfüllte sich nicht. Mit rund 1500 Kämpfern unterlag Schill in Stralsund den holländischen Truppen des napoleonischen Generals Pierre Guillaume Gratien, wobei er am 31. Mai 1809 im Straßenkampf fiel.
Hingerichtete Offiziere mini|Die Erschießung der elf Schillschen Offiziere am 16. September 1809 auf der Lippewiese bei Wesel; stehend: Hans Gustav Albert von Wedell|377x377px Elf Offiziere der Schillschen Jäger wurden nach der Niederlage in Stralsund von einem französischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt und am 16. September 1809 in Wesel erschossen. Der auf Schills Seite kämpfende schwedische Leutnant Friedrich Gustav von Petersson wurde bereits am 4. Juni 1809 am Kniepertor in Stralsund hingerichtet, wo heute ein Gedenkstein und eine Gedenktafel an ihn erinnern. NameNamensliste in: Veit Veltzke (Hrsg.): Für die Freiheit - gegen Napoleon. Ferdinand von Schill, Preußen und die deutsche Nation. Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2009, ISBN 978-3-412-20340-5, S. 405 f. Waffengattung Geburtsort und -jahrLeutnant Friedrich Wilhelm Felgentreu Artillerie Berlin 1786Leutnant Hans von Flemming Infanterie Glogau 1790Leutnant Constantin Wilhelm Gabain Infanterie Geldern 1786Leutnant Friedrich Ferdinand Galle Husaren Berlin 1771Leutnant Leopold Jahn Husaren Massau 1778Leutnant Carl Gustav von Keffenbrinck ? Krien 1791Leutnant Adolph von Keller Infanterie Strasburg 1785Leutnant Johann Christian Daniel Schmidt Jäger Berlin 1780Leutnant Carl Friedrich von Trachenberg Infanterie Rathenow 1784Leutnant Albert von Wedell Infanterie Kriegsdorf 1791Leutnant Carl Magnus von Wedell Husaren Braunsforth 1786
Gedenken mini|hochkant|Gedenktafel am Kirchplatz in Rathenowmini|hochkant|Gedenkmonument für die 11 erschossenen Offiziere in WeselZum Gedenken an den Todestag der 11 Schillschen Offiziere wurde am 31. März 1835 an der Stelle ihrer Hinrichtung auf den Lippewiesen nach den Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel ein Denkmal eingeweiht.Denkmal der 11 Schill’schen Offiziere. In: Onlineprojekt Gefallenendenkmäler, abgerufen am 6. April 2014. In der Kasematte des Haupttorgebäudes der Festung Wesel zeichnet eine museale Ausstellung die Geschichte von Ferdinand von Schill und seiner Offiziere nach, die in diesen Räumen auch gefangen gehalten wurden. In Braunschweig wurde ein Denkmal für 14 erschossene Mitstreiter errichtet.Schill-Denkmal Braunschweig. In: Onlineprojekt Gefallenendenkmäler, abgerufen am 6. April 2014. In Berlin-Lankwitz wurden 1935/1936 fünf Straßen nach hingerichteten Schillschen Offiziere benannt (Felgentreu, Gabain, von Keffenbrink, von Trachenberg und die von-Wedell-Brüder). Im Kreishaus in Rathenow erinnerte als Ersatz für ein in der Kirche verbranntes Epitaph seit 1953 eine vom Bildhauer Karl Mertens geschaffene Gedenktafel an von Trachenberg und von Keller, die 1990 verschwunden ist. Im Jahr 2009 wurde erneut eine Tafel am Kirchplatz aufgestellt.
Verfilmungen Der Vorfall wurde mehrfach verfilmt, und zwar unter den Titeln: 1909: Der Heldentod der elf Schill’schen Offiziere zu Wesel 1912: Die Erschießung der elf Schill’schen Offiziere 1926: Die elf Schillschen Offiziere, Regie: Rudolf Meinert und erneut 1932: Die elf Schill’schen Offiziere, Regie: Rudolf Meinert
Literatur Veit Veltzke (Hrsg.): Für die Freiheit – gegen Napoleon. Ferdinand von Schill, Preußen und die deutsche Nation. Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2009, ISBN 978-3-412-20340-5 Felix Richard: Das Schicksal der 11 Schill’schen Offiziere. Ein Gedenkbuch. Herausgegeben von der Stadt Wesel aus Anlass der 150. Wiederkehr ihres Todestages am 16. Sept. 1959. Stadtverwaltung Wesel, Wesel 1959
Einzelnachweise
Kategorie:Schillsches Freikorps Kategorie:Freiheitskämpfer (Napoleonische Zeit) Kategorie:Fünfter Koalitionskrieg Kategorie:Militärischer Verband in den Koalitionskriegen Kategorie:Irreguläre Truppe