mini|305px|Gebiet des napoleonischen Sechs-Tage-Feldzugs

Die Schlacht bei Montmirail war eine Schlacht des Sechs-Tage-Feldzuges der Befreiungskriege. Die Schlacht fand am 11. Februar 1814 bei Montmirail in der Champagne zwischen einer französischen Armee unter dem Kommando Napoleons und zwei Korps der alliierten Schlesischen Armee statt. Das Ergebnis war ein Sieg Napoleons und der Rückzug der Koalitionstruppen. Die Schlacht gilt als eine der Glanzleistungen napoleonischer Feldherrenkunst.Chandler S. 973.

Das preußische Kontingent hatte eine Stärke von über 18.000 Mann und wurde von General Yorck angeführt. Das russische Kontingent, etwa gleich stark, wurde von General Sacken kommandiert. Das französische Heer bestand anfangs nur aus 10.500 Mann. Diese Zahl stieg im Verlaufe der Schlacht durch Verstärkungen auf 20.000 Mann und 36 Kanonen an.

Die Verbündeten verloren 4000 Mann, die Franzosen 2000 Mann.

Vorgeschichte Die Maßnahmen Napoleons Durch den französischen Sieg in der Schlacht von Champaubert gegen die Russen einen Tag zuvor war das Selbstvertrauen der französischen Truppen wieder angestiegen. So suchte Napoleon ein neues Ziel und wandte sich gegen die in der Nähe befindlichen russisch-preußischen Korps von Yorck und Sacken. Das Ziel Napoleons war es, beide Korps von der Hauptarmee Blüchers zu isolieren und sie zwischen seiner Armee und der Marne abzudrängen. Napoleon ging durch seine Offensive ein großes Risiko ein, da er numerisch seinen Gegnern zusammen 2:3,6 unterlegen war. Napoleon konnte allerdings darauf vertrauen, dass er rechtzeitig Verstärkung erhielt, bevor die preußischen Truppen in die Schlacht eingreifen konnten. Zudem bestand sein Kontingent zum Teil aus altgedienten Veteranen der Alten Garde. Napoleon teilte seine Armee so auf, dass ein Teil seiner Truppen das Korps Sacken attackierte und der andere Teil die Angriffe des preußischen Kontingentes aufhalten sollte.

Bereits am Abend des 10. Februar 1814 traf Napoleon, der über die Bewegungen seiner Gegner immer gut informiert war, diesbezüglich seine ersten Vorkehrungen: Er stellte eine Brigade des Korps Marmont zusätzlich unter den Befehl des Kommandeurs der Garde-Kavallerie, General Nansouty, und befahl diesem, noch vor Mitternacht nach aufzubrechen, das 18 km weiter westlich lag. Er selbst brach mit dem Gros seiner Truppen am nächsten Tag um 5:00 Uhr morgens in dieselbe Richtung auf.

Bei Champaubert ließ er eine Division des Korps Marmont – unter dem Befehl des Marschalls selbst – und ein größeres Kontingent seiner Kavallerie zurück. Diesen war befohlen, langsam auf , das 6 km weiter östlich lag, vorzurücken und Napoleons Hauptmacht gegen die Truppen Blüchers bei zu decken.

Die Bewegungen der Koalitionstruppen am 10. und 11. Februar mini|305px|Schlacht bei Montmirail von Michail Ossipowitsch Mikeschin, 1857

Die Dispositionen Blüchers Am 10. Februar 1814 um 7:00 Uhr morgens hatte Blücher Befehle an die Korps von Sacken bei und York bei gesandt.Ollech Damit wies er diese an, sich über und auf zuzubewegen, wo Blücher sich befand. Diese Befehle standen im Gegensatz zu der in den Vortagen ergangenen Anweisung, das französische Korps von MacDonald zu verfolgen, das an diesem Tage bereits bei stand. Grund für diese Änderung in den Dispositionen waren eingehende Gerüchte, ein französisches Kontingent würde sich nordwärts auf zubewegen, möglicherweise unter Führung Napoleons persönlich. Am 9. Februar 1814 waren das preußische Korps Kleist und das russische Korps KapzewitschDieses kleinere Korps war eine der Divisionen des russischen Korps Langeron, dem die Belagerung der Festung Mainz oblag. Von dort war es der Schlesischen Armee nachgesandt worden. bei Blüchers Hauptquartier in Vertus eingetroffen. Noch am selben Tage um 21:00 Uhr ließ Blücher eine Vorhut dieser Korps unter Zieten Richtung Süden nach marschieren. Das Gros beider Korps folgte am 10. Februar 1814 morgens und positionierte sich nach Eintreffen bei dem Dorf westlich von Fère-Champenois an der Straße nach Sézanne. Blücher wünschte, die französischen Truppen bei Sézanne abzufangen. Dass er seine eigenen Truppen in Verfolgung dieser Absicht sofort nach Süden verlegte und nicht über im Westen marschieren ließ, entsprach einem Wunsch des Feldmarschalls Schwarzenberg, der sich davon einen besseren Flankenschutz der eigenen böhmischen Armee versprach. Während des Tages (10. Februar 1814) trafen weitere Nachrichten über das Vorrücken Napoleons bei Blücher ein. Um 2:00 Uhr morgens wurde ihm gemeldet, dass die französischen Truppen bereits bei Sézanne ständen, um 10:00 Uhr erfuhr er, dass Napoleon selbst bereits am Vortage (9. Februar 1814) in Sézanne gewesen sei. Blücher, der sich selbst nach Fère-Champenois begeben hatte, kam zu der Einsicht, dass ein Vorrücken auf Sézanne sinnlos geworden war, und beschloss, nach zurückzumarschieren. Seine Truppen brachen zu einem Nachtmarsch auf und erreichten den Zielort am frühen Morgen des 11. Februar 1814, wo sie die Reste des russischen Korps Olsufiew aufnehmen konnten, das am Vortage von Napoleon bei Champaubert aufgerieben worden war. Blücher ließ die ermüdeten Truppen am 12. Februar 1814 ruhen und wartete auf die Korps Sacken und Yorck, die nicht mehr kommen sollten.

Die Maßnahmen des preußischen Generals Yorck mini|200px|Siegessäule in Montmirail

General Yorck hatte Blüchers Befehl, nach Vertus zurückzugehen, noch am 10. Februar 1814 erhalten und seine Dispositionen in dessen Sinne getroffen. Allerdings stand Yorck vor einem großen Problem, wenn er dem Befehl folgen wollte: Die Straße von Château-Thierry nach Montmirail war nur bis zu dem kleinen Dorf einigermaßen befestigt, befand sich aber in einem winterlich schlechten Zustand. Über Viffort hinaus war der Boden tief aufgeweicht und der Weg kaum mehr zu erkennen; Pferde konnten die Straße nur unter großen Mühen benutzen, Geschütze so gut wie gar nicht. Seinem bedächtigen und vorsichtigen Naturell entsprechend ließ Yorck einen erheblichen Teil seiner Truppen mit allen schweren Geschützen in Château-Thierry zurück mit dem Auftrag, dort eine zweite (Schiffs-)Brücke über die Marne zu errichten. Mit dem Rest seiner Truppen schaffte er es bis 10:00 Uhr am 11. Februar bis Viffort, etwa auf halbem Wege von Château-Thierry nach Montmirail. Da er bereits Gefechtslärm hören konnte, sandte er einen seiner Adjutanten voraus, um mit Sacken in Kontakt zu treten und diesen über die Schwierigkeiten des Korps Yorck beim Vormarsch zu unterrichten. Der Adjutant fand Sacken im Dorf und berichtete ihm wie aufgetragen.

Zum Verständnis der Situation ist es gut zu wissen, dass Sacken der dienstältere der beiden Generale war. Ein gemeinsames Kommando hätte er angeführt.

Der Vormarsch des russischen Korps Sacken mini|200px|Tête der Siegessäule

Blüchers Befehl vom Morgen des 10. Februar 1814 hatte General Sacken noch im Verlauf des gleichen Tages erreicht, da zu dieser Zeit die Straße über und noch nicht von französischen Truppen beherrscht wurde. Das Gros des Korps Sacken stand bei La Ferté-sous-Jouarre. Sackens Kavallerie unter General Wassiltschikow hatte bereits weiter westlich an der Marne-Brücke bei , östlich von , französische Truppen des Korps MacDonald erfolgreich zum Gefecht gestellt und musste erst zurückgerufen werden. Danach ließ Sacken die Brücke über die Marne in zerstören, um sich den Rücken von nachrückenden französischen Truppen des Marschalls MacDonald freizuhalten. Am Abend des 10. Februar 1814 um 21:00 Uhr brach sein Korps zu einem Nachtmarsch nach Osten entlang der gepflasterten Straße nach Montmirail (heute D407 und D933) auf. Am späten Morgen des 11. Februar 1814 erreichten sie das Dorf . Dieses Dorf liegt 13 km westlich von Montmirail, aber weniger als 7 km entfernt von dem Abzweig der Straße nach , auf der das Korps Yorck heranrücken sollte. Dort bei Viels-Maisons traf die Kavallerie Sackens auf die ersten Truppen Napoleons.

Topografie des Gefechtsfeldes mini|305px|Blick auf Montmirail heute

liegt im Tal des an dessen Nordufer. Die Umgebung liegt höher als der Ort, insbesondere steigen die Straßen, die von Montmirail nach Osten und Westen verlaufen, in beiden Richtungen wieder hinauf bis auf die Höhe der Wasserscheide zwischen dem Petit Morin und der Marne, die hier näher am Petit Morin verläuft. Diese Straßen waren befestigt und gepflastert. Folgt man der nach Westen auf Paris führenden Straße, gelangt man nach 6,5 km kurvenreicher Strecke an den Abzweig der Straße, die nach Norden nach führt (heute D1). Diese Straße war am Gefechtstage tiefgründig aufgeweicht und für Infanterie und Kavallerie mühsam, für Geschütze kaum passierbar. Knapp südlich dieses Abzweigs liegt das Dorf an einer größeren Waldung, die von einem Bach durchflossen wird. Entlang der Straße nach Westen sind die nächsten Ortschaften und dann , das wieder an einem Wald liegt. Das gesamte Gelände zu beiden Seiten der befestigten Straße war am 11. Februar 1814 aufgeweicht und schwer zu passieren. Insbesondere Geschütze konnten darauf kaum bewegt werden.

Der Gefechtsverlauf am 11. Februar 1814 mini|305px|Karte des Gefechtsverlaufes aus dem„Atlas of Alison’s History of Europe“ von 1863

Der Gefechtsverlauf bis 15:00 Uhr Um 10:00 Uhr am 11. Februar 1814 erreichte Napoleon mit den meisten, aber noch nicht allen seinen Truppen, , als ihm schon das Korps Sacken gemeldet wurde, das auf zumarschierte. Napoleon ließ seine Truppen durch Montmirail marschieren und westlich des Ortes verdeckte Positionen beziehen: Zwei Divisionen der Jungen Garde bei den Gehöften gerade östlich des Dorfes , die Division RicardDie Division Ricard war eine der beiden Divisionen des Korps Marmont. Es verlor bei den nachfolgenden Kämpfen die Hälfte seiner Männer und erlitt unter den französischen Truppen die höchsten Verluste. Der Rest des Korps Marmont stand im Osten und sicherte die französische Armee dorthin ab. aus 1800 jungen Rekruten davor.Chandler S. 971 Die Garde-Kavallerie unter Nansouty stand nördlich der Straße nach ; Teile davon waren nach Westen vorgeschoben bis . Diejenigen Truppenteile der Kaiserlichen Garde, die am Vortage nicht in der Schlacht von Champaubert mitgewirkt hatten, namentlich die Division Michel und die Ehrengarde (Gardes d’Honneur), waren unter dem Befehl von Marschall Mortier noch auf dem direkten Wege vom 25 Kilometer entfernten nach Montmirail unterwegs. Diese und weitere Truppenteile hielt Napoleon zurück, da er mit dem Erscheinen des preußischen Korps Yorck rechnen musste.

Kurz nach 10:00 Uhr traf Sackens Kavallerie unter General Wassiltschikow bei auf Reiter der französischen Garde-Kavallerie. Die Russen konnten sich durchsetzen und trieben die französischen Kavalleristen zurück bis vor Montmirail, wo diese durch den dort stehenden Hauptteil der französischen Garde-Kavallerie verstärkt wurden und nun ihrerseits die Russen zurückdrängen konnten.

Den russischen Reitern folgte entlang der Straße Sackens erste Division unter General Schtscherbatow, die schnell das Dorf erreichte und besetzte. Von dort sahen die Russen bereits Montmirail tiefer gelegen im Tal des Petit Morin vor sich liegen. Sacken, dessen Auftrag lautete, seine Truppen über Montmirail zu Blücher in zu bringen, ordnete an, die gewundene Straße zu verlassen und direkt auf Montmirail zu marschieren. Sofort wurde sein Kavallerie-General Wassiltschikow bei ihm vorstellig und riet Sacken dringend, die befestigte Straße nicht zu verlassen. Die Reiter hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Erfahrungen mit dem grundlosen Gelände zu beiden Seiten der Straße gemacht. Sacken lehnte ab und bestätigte seinen Befehl. So marschierten die Russen über den aufgeweichten, schlammigen Boden und kamen zu dem Dorf , wo sie zunächst den vorgelagerten und sich noch weiter südlich erstreckenden Wald besetzten. Dann griffen sie das Dorf an und eroberten es im Sturm von der französischen Division Riccard, die es verteidigen sollte. Damit begann ein fast fünf Stunden anhaltender Kampf um dieses eine Dorf.