mini|Fernão Mendes Pinto mini|hochkant=1.00|Portugiesische 2-Euro-Gedenkmünze 2011
Fernão Mendes Pinto [] (* 1509, 1510 oder 1514 in Montemor-o-Velho; † 1583 in Pragal (bei Almada)) war ein portugiesischer Entdecker und Schriftsteller. Im Zuge seiner Reisen besuchte er den Mittleren und Fernen Osten, Äthiopien, das Arabische Meer, China, Indien und Japan. Seine Abenteuer wurden durch die postume Veröffentlichung seiner Memoiren Pilgerreise (Portugiesisch: Peregrinação) im Jahr 1614 bekannt. Der Wahrheitsgehalt des episch ausgestalteten Werkes ist schwer bestimmbar. Der Reisebericht umfasst in literarischer Form eine historische Quelle für asiatisches Leben im 16. Jahrhundert sowie Kritik am Kolonialismus. Die Beschreibung von Kolonialismus als Ausbeutung unter dem Vorwand einer religiösen Mission ist ungewöhnlich für die Zeit der Entstehung der Peregrinação. Zur Zeit der Inquisition musste Fernão Mendes Pinto seine Sicht indirekt unter Verwendung literarischer Gestaltungselemente ausdrücken. 2017 wurden seine Erinnerungen mit Peregrinação verfilmt.
Leben mini|Francisco de Xavier auf einem japanischen Porträt aus der Namban-Periode mini|Franz Xaver als Brückenheiliger in Bensheim (Skulptur von 1747, der kniende indische Junge wurde später hinzugefügt)
Fernão Mendes Pinto wurde zwischen 1509 und 1514 als Kind einer armen Familie in Montemor-o-Velho geboren.Nach Angaben in seinen Werken gelten als wahrscheinlich: 1509, 1511 oder 1514.Möglicherweise war er mit den wohlhabenden, zum Christentum übergetretenen, Mendes in Lissabon und Antwerpen verwandt. Dies würde das Verständnis seiner späteren Verwendung als Diener in Lissabon erklären. vgl. Rebecca Debora Catz, S. xxxviiRebecca Debora Catz, S. xxxvii; Bestätigende Quellen für Pintos eigene Angabe des Geburtsortes fehlen. Über seine Familie ist bekannt, dass er zwei Brüder, António und Álvaro, sowie einen wohlhabenden Cousin mit Namen Francisco García de Vargas hatte. Alle drei bereisten wie Pinto selbst auch später die portugiesischen Überseestützpunkte in Asien.
Am 13. September 1531 kam Pinto durch Vermittlung seines Onkels als Diener nach Lissabon in das Haus einer adligen Dame. Nach eineinhalb Jahren verließ er aus nicht näher bekannten Gründen überstürzt den Hof und schiffte sich nach Setúbal ein. Pinto selber schrieb hierzu: „Etwas geschah, das mich in große Gefahr brachte, so dass ich gezwungen war, das Haus in kürzester Zeit zu verlassen und um mein Leben zu rennen.“Mendes Pinto, Erstes Kapitel
Bei Sesimbra wurde sein Schiff angeblich von französischen Piraten ausgeraubt, die die Passagiere bei Melides zurückließen. In Setúbal trat er in den Dienst des Adligen Dom Francisco de Faria, später wurde er Edelknabe bei einem unehelichen Sohn des Königs, Dom Jorge de Lencastre, Herzog von Coimbra. Am 11. März 1537 verließ Pinto Portugal auf einem Segelschiff in Richtung Portugiesisch-Indien, wo auch seine Brüder lebten, und begann damit eine 21-jährige Asienreise. Nach seinen Angaben waren Unzufriedenheit mit der Entlohnung und die Erwartung besserer Chancen in Indien Gründe für seine Auswanderung.Mendes Pinto, Erstes Kapitel
Fernão Mendes Pinto gibt an, er habe sich in den 21 Jahren u. a. in den heutigen Ländern Äthiopien, Dubai, Jemen, Indien, Indonesien, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Myanmar (Birma), Malaysia, China und Japan aufgehalten. Nur für eine Reise von Indien nach Japan existieren unabhängige Quellen.
Im Jahre 1551 lernte er Francisco de Xavier, einen Mitbegründer der Gesellschaft Jesu, kennen. Pinto war offenkundig ein wohlhabender Kaufmann geworden und spendete 300 Cruzados für den Bau der ersten Kirche in Japan.Rebecca Debora Catz, S. xxxviii Am 9. April 1554 trat er in Goa als Laienbruder der Gesellschaft Jesu bei und spendete ihr einen Großteil seines Vermögens.
Ebenfalls 1554 traf ein Schreiben von Ōtomo Yoshishige, des Shugo-Daimyō von Bungo, in Goa ein, in dem er Vizekönig Alfonso de Noronha um die Entsendung Francisco de Xaviers nach Japan bat und seinen Übertritt zum Christentum anbot. Francisco de Xavier war jedoch bereits verstorben. Ersatzweise wurde Belchior Nunes Barreto, Rektor der Jesuiten, als Leiter einer religiösen Mission entsandt. 1554 kam Pinto in seiner Begleitung nach Japan. Bei ihrer Ankunft hatte sich allerdings die innenpolitische Lage Japans geändert und Otomo konnte wegen andauernder Bürgerkriege seiner Ankündigung des Übertritts zum Christentum nicht Folge leisten. Pinto bekleidete dort die Funktion eines Botschafters des Vizekönigs und war mithin nicht Mitglied der religiösen Mission.Martin Angele, S. 105. Briefe Pintos, die von Malacca am 5. Dezember 1554 bzw. von Macao am 20. November 1555 nach Portugal geschickt wurden, sowie existente weitere Quellen belegen diese Japanreise.
Nach der Japanreise verließ Pinto den Orden der Jesuiten wieder. Die Gründe für seinen Austritt sind heute unbekannt. Die Jesuiten nahmen Korrekturen an seinen erst 20 Jahren nach seinem Tod erschienenen Memoiren vor und strichen ihn aus jesuitischen Dokumenten. Offenkundig hat Pintos letzte Reise nach Japan seine Einstellung gegenüber den Idealen der Jesuiten oder deren konkreten Wirken grundlegend verändert.
Pinto kehrte am 22. September 1558 nach Portugal zurück. Von 1562 bis 1566 versuchte er vergeblich, eine Pension für seine angeblichen Dienste in Asien gerichtlich zu erstreiten. Er zog nach Almada und heiratete Maria Correia de Brito, mit der er mehrere Kinder hatte; die Geburt zweier Töchter ist belegt.
Pinto hatte sich einen Ruf als Asien-Kenner erworben, denn der portugiesische Historiker João de Barros und der Cosimo I. de’ Medici schätzten ihn als Informationsgeber. Zitat: „He had acquired somewhat of a reputation as an old China hand, for there he was consulted by João de Barros, the foremost historian of his day, for information about China and Japan.“Rebecca Catz, S. xxxix Bereits ab 1555 machte ein Bericht über Pintos Reisen als Bestandteil einer in Venedig publizierten Sammlung jesuitischer Briefe ihn in interessierten Kreisen in Europa bekannt.Rebecca Catz, S. xxxvii
1573 und 1578 wurde er Stellvertreter (Mamposteiro) des Hospitals São Lázaro e Albergaria in Almada. 1583 erhielt Pinto eine aus Naturalien bestehende Pension von jährlich 1800 l Weizen von König Dom Filipe I. von Portugal.
Fernão Mendes Pinto starb am 8. Juli 1583 und wurde vermutlich in der 1755 beim Erdbeben von Lissabon zerstörten Kirche Santa Maria do Castelo Almadas beigesetzt.Martin Angele, S. 108.
Pintos Reisen mini|Eine frühe Ausgabe der Peregrinação mini|Darstellung des Priesters Johannes in der Schedelschen Weltchronik (1493)
Pinto reiste nach seinen Angaben an die Westküste von Indien und dann durch viele Länder um das Rote Meer von der Küste Afrikas bis zum Persischen Golf. Zurück an der Westküste Indiens in Goa, führte ihn sein weiterer Weg an die Ostküste und von dort zu den portugiesischen Besitzungen um Malakka im heutigen Malaysia. Malakka und später auch wieder Goa waren Stützpunkte weiterer Reisen, die ihn nach Sumatra, Java, Siam, China und Japan geführt haben sollen. Nach 21 Jahren kehrte er aus Japan über Indien nach Portugal zurück.
Erste Reise nach Indien und Reise in das Rote Meer Pintos erste Reise begann am 11. März 1537, als er von Lissabon absegelte. Nach einem kurzen Halt in der portugiesischen Kolonie Mosambik will er am 5. September 1537 Diu erreicht haben, eine befestigte Insel und Stadt in Indien, die erst zwei Jahre vorher von Portugal in Besitz genommen worden war. Laut seinem Bericht wurde die Stadt gerade von Süleyman I., dem Prächtigen, belagert, der fest entschlossen war, die portugiesische Herrschaft in Indien zu beenden und das moslemische Handelsmonopol im Osthandel zu bewahren.
Von den Berichten über die Reichtümer angeregt, die durch Überfälle auf die moslemische Schifffahrt erlangt werden konnten, will er einer Aufklärungsmission ins Rote Meer beigetreten sein. Über diese Reise berichtet er: Er habe eine Nachricht an portugiesische Soldaten überbracht, die Eleni von Äthiopien, die Mutter des „Priester Johannes“ (Kaiser David II.), in einer Bergfestung beschützt hätten.
Nachdem sie Äthiopien über den Hafen Massaua verlassen hätten, hätten sie drei osmanische Galeeren angegriffen, wären jedoch besiegt worden. Sie seien als Gefangene nach Mokka (im heutigen Jemen) gebracht und dort versteigert worden. Er sei an einen moslemischen Griechen verkauft worden. Dieser sei grausam gewesen und Pinto habe deswegen angedroht, Selbstmord zu begehen. Dieses habe seinen Herrn angeblich überzeugt, ihn für Datteln im Wert von 30 Dukaten an einen jüdischen Händler weiterzuverkaufen.
Sein neuer Herr habe ihn über eine Karawanen-Route nach Hormus mitgenommen, damals der führende Handelsort am Persischen Golf. Dort sei er dem Hauptmann der Festung Hormuz und des Königs Magistrat für indische Angelegenheiten zum Kauf angeboten worden und von diesem für 300 Dukaten freigekauft worden.
Seine zweite Reise nach Indien habe kurz nach seiner Befreiung begonnen, als er ein portugiesisches Schiff nach Goa bestieg. Gegen seinen Willen sei er einer nach Dabul segelnden Flotte übergeben worden, die versuchen sollte, dort ankernde osmanische Schiffe zu erbeuten oder zu zerstören. Nach einigen Gefechten unterschiedlichen Ausgangs im Arabischen Meer habe er endlich Goa in Indien erreicht.
Die Portugiesische Seebasis war gegründet worden, um die volle Kontrolle des Seehandels von den anderen europäischen Mächten zu erlangen, nachdem die hergebrachte Landroute nach Indien von den Osmanen versperrt worden war.
Malakka und der Ferne Osten mini|200px|Hist. Ansicht von Malakka, 1726. Der Hafen war wichtig für die Kontrolle über die Handelsschifffahrt von China nach Indien. Die Meerenge von Malakka zwischen Sumatra und Malaysia musste zwingend passiert werden.
Es scheint, dass Pinto ab 1539 in Malakka unter dem Kommando des neu eingesetzten Hauptmanns Pedro de Faria stand. Dieser entsandte ihn, um diplomatische Kontakte mit unbekannten Staaten der Region zu knüpfen. Den größten Teil seiner Anfangszeit verbrachte er angeblich mit Aufträgen in den unbedeutenden Königreichen Sumatras, die mit den Portugiesen gegen die Muslime von Aceh im Norden Sumatras verbündet waren. Während dieser Reisen tätigte er private Geschäfte. Er will aber, im Unterschied zu vielen seiner Kollegen, loyal gegenüber den Interessen seines Königs geblieben sein.
Nach seiner Reise nach Sumatra sei er nach Pattani an der Ostküste der Malaiischen Halbinsel geschickt worden. In einer gemeinsamen Unternehmung mit seinen in Pattani ansässigen Landsleuten sei er mit einer Ladung Handelsgüter an die Küste Siams gereist. Dort seien sie von muslimischen Piraten überfallen worden, die ihnen ihre Gewinne abgenommen hätten. Bei der Verfolgung der Piraten seien sie unter der Führung Antonio de Farias selber zu Piraten geworden.
Sie seien für Monate im Golf von Tonkin und den Gewässern Südchinas bis hoch nach Korea als Piraten aktiv gewesen. Während dieser Zeit hätten sie das Grab eines chinesischen Kaisers geplündert. Nach einem Schiffbruch sei er in die Hände der Chinesen gelangt und zu einem Jahr Zwangsarbeit an der Chinesischen Mauer verurteilt worden. Er habe nicht die ganze Strafe ableisten müssen, da er bei einer Tatareninvasion gefangen genommen worden sei.
Gemeinsam mit seinen Gefährten habe er sich die Freiheit erkauft, indem sie die Tataren lehrten, Festungen zu stürmen. Im Gefolge eines tatarischen Botschafters seien sie nach Cochinchina (der südlichsten Teil des heutigen Kambodscha und Vietnams) gereist. Während dieser Reise hätten sie eine wichtige religiöse Persönlichkeit getroffen, die mit dem Papst vergleichbar sei. Aus Unzufriedenheit mit dem langsamen Fortgang der Reise, die noch immer in der Nähe der unbewohnten Inseln Kantons verlief, habe er mit zwei Gefährten eine chinesische Piratendschunke bestiegen. Diese sei im Jahr 1543 von einem Taifun an die Küste Tanegashimas geworfen worden.