Die Dampflokomotiven der preußischen Gattung G 7.3 waren die dritten aus der G 7-Reihe und für die Beförderung von schweren Güterzügen auf steigungsreichen Strecken vorgesehen, auf denen die zulässige Achslast noch nicht so hoch war. Dies betraf zum Beispiel die Strecken Paderborn–Holzminden und Betzdorf–Siegen.
August von Borries hatte in Nordamerika die Bauart Consolidation (Achsfolge 1’D) kennengelernt und schlug daher den Bau einer Lokomotive dieser Achsfolge zur Leistungssteigerung im Güterverkehr vor. Durch die vordere Laufachse konnte ein größerer Kessel verwendet werden. Die G 7.3 war wie die G 7.2 in Verbund-Bauart ausgeführt. Durch die Ausrüstung mit dem von Borriesschen Wechselventil konnten die Lokomotiven auch als Zwillingslokomotive betrieben werden. Insgesamt wurden von dieser Lok zwischen 1893 und 1895 nur 15 Exemplare, alle von Hanomag, gebaut, da durch die Erhöhung der zulässigen Achslasten auch die billigeren G 7.1 und 7.2 ohne vordere Laufachse diese Strecken befahren konnten. Auch hatte sich die als Adamsachse ausgeführte vordere Laufachse aufgrund ihres geringen Achsdrucks bei schlechtem Oberbau als entgleisungsanfällig gezeigt.
Im Ersten Weltkrieg erinnerte man sich an diesen Typ, da man einfache Lokomotiven mit einer geringen Achslast benötigte, und nahm die Produktion wieder auf. Es wurden weitere 70 Exemplare von den Unternehmen Maffei, Krauss und der Maschinenfabrik Esslingen gebaut. Sie wichen von der alten Lieferserie unter anderem durch den höheren Kesseldruck von 14 bar und einen Speisewasser-Vorwärmer ab. Weitere Abweichungen waren die Verwendung von Druckluft- statt Dampfbremsen für die Lokomotive und der Ersatz des von Borriesschen Wechselventils durch eines der Regelbauart nach Dultz. Der Achsdruck der Vorlaufachse wurde von 6,1 auf 8 Mp erhöht, damit sank die Entgleisungsanfälligkeit. Statt dem bislang verwendeten Tender pr T 3 12 erhielten die Nachbauten den Tender pr 3 T 16,5 und damit größere Wasser- und Kohlenvorräte. Die 70 Lokomotiven wurden direkt an die Deutschen Heeresbahnen abgeliefert.
Nach dem Ersten Weltkrieg mussten einige Lokomotiven an das Ausland abgegeben werden. So betrieb die PKP 23 Maschinen unter der Baureihenbezeichnung Tr1. Sie wurden bis Ende der 1930er Jahre ausgemustert, nach dem Überfall auf Polen fand sich keine mehr in dem durch die Reichsbahn von der PKP übernommenen Lokomotivbestand. Belgien erhielt 17 Maschinen unter der Baureihenbezeichnung HL 73.
Die Friedrich-Franz-Bahn in Mecklenburg kaufte über den Althandel fünf und die Lübeck-Büchener Eisenbahn vier G 7.3. Die Deutsche Reichsbahn übernahm 1925 elf Exemplare in ihren Umzeichnungsplan für Dampflokomotiven. Die G 7.3 aus Preußen bekamen die Betriebsnummern 55 701 (fälschlich der Baureihe 55 zugeordnet) und 56 001–005, die Fahrzeuge aus Mecklenburg die Betriebsnummern 56 201–205. Von den aus Preußen übernommenen Maschinen entstammten noch zwei der Originalserie von 1893, alle anderen waren Nachbauten. Nach der Verstaatlichung der Lübeck-Büchener Eisenbahn im Jahr 1938 kamen noch zwei G 7.3 als 56 001 und 002 in den Bestand der Reichsbahn. Sie waren in den 1930er Jahren auf Zwillingsausführung umgebaut worden.Alfred Gottwald: Die Lübeck Büchener Eisenbahn, Alba Verlag, Düsseldorf 1999, ISBN 3-87094-235-5, S. 63 Die von der Reichsbahn mit ihrer Gründung übernommenen Lokomotiven wurden bis Ende der 1920er Jahre ausgemustert.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Dampflokomotive Achsfolge 1D G 07 3 Kategorie:Schienenfahrzeug (Hanomag) Kategorie:Schienenfahrzeug (Krauss) Kategorie:Schienenfahrzeug (Maffei) Kategorie:Schienenfahrzeug (Maschinenfabrik Esslingen)