mini|Heiligenhaus, Hauptstraße, Rathaus mini|Historische Luftaufnahme von Heiligenhaus um 1900 Heiligenhaus ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des nordrhein-westfälischen Kreises Mettmann im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie liegt im Städtedreieck Düsseldorf–Essen–Wuppertal im Niederbergischen Land.
Geographie Geographische Lage Die Stadt erstreckt sich auf einem in west-östlicher Richtung verlaufenden ungefähr 160 Meter hohen Geländerücken, der nach Norden und Süden zum Vogelsangbachtal beziehungsweise Angertal hin stark abfällt.
Heiligenhaus hat (im Uhrzeigersinn) eine gemeinsame Stadtgrenze mit der kreisfreien Stadt Essen sowie mit Velbert, Wülfrath und Ratingen (alle Kreis Mettmann).
Alle Angaben als Luftlinienentfernung von Stadtmitte zu Stadtmitte.
Stadtteile Eine amtliche Einteilung in Stadtbezirke gibt es nicht. Als Stadtteile gelten siedlungs- und stadtentwicklungsgeschichtlich die Gemarkungen und Siedlungen Abtsküche, Beeker Busch, Hasselbeck, Heide, Hetterscheidt, Hofermühle, Innenstadt, Isenbügel, Leubeck, Migua, Nonnenbruch, Oberilp, Oberstadt, Tüschen, Unterilp, Unterstadt, Vogelsang, Waldsiedlung, Werkerwald und Wassermangel. Neu entstanden ist der Stadtteil Selbeck. Heiligenhaus hat die Struktur einer Bandstadt: Die am dichtesten bebaute Fläche erstreckt sich im Wesentlichen entlang der Ost-West-Achse durch das Zentrum.
Der Stadtteil Hetterscheidt wurde in Harry Binghams Roman „The Sons of Adam“ erwähnt. In diesem wird ein Kriegsgefangenenlager für westliche Offiziere während des Ersten Weltkrieges geschildert: „in Hetterscheidt […] a little way outside Düsseldorf“.
Die Hofbezeichnung Isenbügel wurde 1250 erstmals als Isenbugele erwähnt. Nach dem Hof Isenbügel wurde die gleichnamige Honschaft und somit auch der Stadtteil benannt.
Geschichte Verwaltungsgeschichte Die heutige Stadt Heiligenhaus ging aus dem Dorf Heiligenhaus hervor, das historisch zur Honschaft Leubeck im Amt Angermund des Herzogtums Berg gehörte. Seit der Franzosenzeit gehörte Heiligenhaus mit den umliegenden Ortschaften zur Bürgermeisterei Velbert, die 1846 die Rheinische Gemeindeordnung und 1856 die Rheinische Städteordnung erhielt.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1847, S. 6Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1856, S. 839 Am 1. April 1897 wurde das Gebiet der alten Honschaften Hasselbeck, Hetterscheidt, Isenbügel, Leubeck, Oefte und Tüschen aus der Stadt Velbert herausgelöst und zur neuen Landgemeinde Heiligenhaus zusammengefasst, die seitdem auch eine eigene Bürgermeisterei bildete.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1897, S. 53 Oefte wurde am 1. April 1936 von Heiligenhaus an die Stadt Kettwig abgetreten. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Bombenabwürfe 17 Häuser (1,4 %) mit 31 Wohnungen völlig zerstört, während 138 Häuser (18,2 %) schwer und 915 Häuser (69,6 %) leicht oder mittelmäßig beschädigt wurden. Nur 10,8 % der Häuser blieben unbeschädigt.Erich Keyser: Rheinisches Städtebuch, Band III, Stuttgart 1957. Die Gemeinde Heiligenhaus erhielt 1947 das Stadtrecht.
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen (jeweils zum 31. Dezember): mini|400px|Einwohnerentwicklung von Heiligenhaus von 1897 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle Jahr Einwohner 1897 5.368 1947 11.947 1953 15.034 1964 25.028 1967 27.541 1975 29.886 1980 29.649 1985 28.514 1990 29.715 1995 29.487 Jahr Einwohner 2000 28.442 2001 28.402 2002 28.373 2003 28.025 2004 27.789 2005 27.750 2006 27.415 2007 27.312 2008 26.963 2009 26.818 Jahr Einwohner 2010 26.659 2011 26.462 2012 25.502 2013 25.419 2016 27.331 2017 27.476 2022 26.681
Einwohnerzahl zum 9. Mai 2011 (Zensus) männlich weiblich insgesamt 12.370 13.180 25.560 Quelle: IT.NRW Einwohnerzahl am 30. Juni 2012 männlich weiblich insgesamt 12.967 13.446 26.413 Quelle: Landesbetrieb Information und Technik NRW
Politik
Gemeinderat + Sitze im Rat nach den Kommunalwahlen seit 1999 Partei/Liste 2025 2020 2014 2009 2004 1999 CDU 16 13 17 16 17 21 SPD 6 6 10 9 10 12 Grüne 5 6 2 — — — FDP 2 3 3 6 5 5AfD 6 2 — — — — GfH* 3 – — — — — WAHL** 2 3 4 5 — —Linke – 1 — — — — Gesamt 40 34 36 36 32 38 * Gemeinsam für Heiligenhaus ** Wahlalternative Heiligenhauser Liste mini|Rathaus Heiligenhaus
Bürgermeister
seit 2025: Björn Kerkmann, CDU
2017–2025: Michael Beck, CDU 2004–2017: Jan Heinisch, CDU 1994–2004: Peter Ihle, CDU 1989–1994: Hermann Schwarze, SPD 1984–1989: Ernst Berninghaus, CDU 1979–1984: Helga Schniewind, FDP 1964–1979: Felix Wittmann, CDU
Wappen, Siegel, Flagge und Logo Der Stadt Heiligenhaus wurden zuletzt am 20. März 1947 ein Wappen, ein Siegel und eine Flagge verliehen.
Wappen Blasonierung: „Geteilt von Blau und Rot durch einen überhöhten silbernen (weißen) Sparren; unten ein silberner (weißer) Amboss, darüber gekreuzt eine silberne (weiße) Zange und ein silberner (weißer) Hammer.“
Die 1947 zur Stadt erhobene Gemeinde beherbergte seit dem 17. Jahrhundert sogenannte Hausschmieden, deren Werkzeuge die damalige Eisenindustrie, besonders Schloss- und Beschlägeherstellung, darstellen sollen. Der Düsseldorfer Heraldiker Jupp Held gestaltete das Wappen 1937 in den Bergischen Farben Rot, Silber und Blau. Der Gemeinde ist am 27. November 1937 vom Oberpräsidenten in Koblenz das Wappen verliehen worden und erneut am 20. März 1947 als neue Stadt durch Urkunde des Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalen. Anders als in den meisten Stadt- und Gemeindewappen im Bergischen Land fehlt im Heiligenhauser Wappen die Darstellung des Bergischen Löwen.
Siegel „Die Stadt führt ein Dienstsiegel mit dem Stadtwappen. Geteilt durch einen überhöhten Sparren; unten ein Amboss, darüber gekreuzt eine Zange und ein Hammer.“
Flagge „Die Flagge ist in drei Bahnen im Verhältnis 1 : 1 : 1 von Blau zu Weiß zu Rot quergestreift und zeigt in der Mitte das Stadtwappen im Schild.“
Logo Den 2005 ausgeschriebenen Wettbewerb für ein neues Logo der Stadt Heiligenhaus gewann der Diplom-Designer Sven Hornscheidt mit folgendem Entwurf: Ein dreiteiliges Signet in den Farben Rot, Grün und Blau mit dem dazugehörigen Schriftzug „Stadt Heiligenhaus“ in Antiquaschrift. Das Blau symbolisiert die Gewässer der Naherholungsgebiete Stauteich, Angerbach- und Vogelsangbachtal, das Grün steht für das Bergische Land und das Rot zeichnet unter sich eine weiße Sheddach-Silhouette ab und symbolisiert damit die wirtschaftliche Produktivität der Stadt.
Städtepartnerschaften Städtepartnerschaften bestehen zu:
Basildon und Mansfield im Vereinigten Königreich Meaux in Frankreich Zwönitz in Deutschland.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Im kulturellen Bereich finden Kunstausstellungen, Theatervorstellungen, Kleinkunst und Konzertabende in der Aula des Immanuel-Kant-Gymnasiums und im „Club – Zentrum für Kultur und Freizeit“ des Jugendfreizeitheimes statt. Außerdem bestehen eine Stadtbücherei, Museum Abtsküche – Heimatkundliche Sammlung – mit Backhaus und das Feuerwehrmuseum mit Geräten und Ausrüstungsgegenständen aus 150 Jahren Feuerwehrgeschichte.
Bauwerke
Die evangelisch-lutherische Kirche von 1788/89 an der Hauptstraße wurde 1928 abgerissen. Ev.-ref. Stadtkirche (Alte Kirche); schlichte barocke Saalkirche von 1769. Katholischen Kirche St. Suitbertus (genannt „Dom“ aufgrund des hohen, weithin sichtbaren, neugotischen Turmhelms; Grundsteinlegung der Kirche am 5. Juli 1896, später Kriegsbeschädigungen) und St. Ludgerus (Konsekration 1962); ferner die katholische Kapelle St. Jakobus Abtsküche (fertiggestellt 1909 im neoromanischen Stil) in der Abtsküche/Hetterscheidt gegenüber dem Stauteich, dort ehemalige Sommerresidenz der Äbte von Kloster Werden, genannt Schloss Hetterscheidt. Die ehemalige Pilgerhütte Otterbeck in Heiligenhaus, in der Gerhard Tersteegen wirkte, hat ihren Namen nach den dort ansässigen Bauern. Vermutlich ist die Familie Otterbeck zurückzuführen auf eine gleichnamige Bauerschaft bei Gescher in Westfalen. Die Otterbeek heißt heute kartografisch „Uhlandsbach“. Ehemaliges Rittergut Haus Rossdelle 2009 wurde die erste Waggonbrücke Deutschlands von Ulrich Diehl errichtet.
Sport Sportvereine und Sportanlagen Das Sportangebot der Stadt Heiligenhaus umfasst neben Ballsportarten wie Handball, Fußball, Badminton, Tischtennis und Volleyball auch die Möglichkeit des (Sport-)Schwimmens im stadteigenen Frei- und Hallenbad Heljensbad.
Größter Sportverein in Heiligenhaus ist die SSVg 09/12 Heiligenhaus mit über 1100 Mitgliedern. Die 1. Herrenfußballmannschaft spielt in der Landesliga.
In der HSG Velbert/Heiligenhaus spielen über 500 Spieler und ca. 25 Mannschaften Handball. Die HSG wird von mehr als 50 Trainern, Übungsleitern und Betreuern unterstützt. Die Jugendarbeit wird von dem Förderverein H-F-V aktiv gefördert.
An der Grenze zu Homberg befindet sich außerdem das Segelfluggelände Meiersberg, auf dem vor allem Segelflug, aber auch Motorflugausbildung betrieben wird. Die ebenfalls auf dem Segelfluggelände stattfindenden und sich jeweils jährlich abwechselnden Drachen- bzw. Modellbaufeste sind auch über die Stadtgrenzen hinweg bekannt.
Darüber hinaus führen 45 km markierte Wanderwege im Umkreis der „Industriestadt im Grünen“ durch das Anger- und Vogelsangbachtal bis ins Ruhrtal.
Inklusion 2021 bewarb sich die Stadt als Host Town für die Gestaltung eines viertägigen Programms für eine internationale Delegation der Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin. 2022 wurde sie als Gastgeberin für Special Olympics Mauretanien ausgewählt. Damit wurde sie Teil des größten kommunalen Inklusionsprojekts in der Geschichte der Bundesrepublik mit mehr als 200 Host Towns.
Wirtschaft und Infrastruktur Heiligenhaus hatte 2008 gut 9000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, davon die meisten in der mittelständisch strukturierten Metall verarbeitenden Industrie. Bedeutung hat die Stadt als Standort der Zulieferindustrie für die deutsche Automobilproduktion, es werden Schlösser, Beschläge, Verriegelungen produziert. Traditionell ist in Heiligenhaus Schloss- und Baubeschlagindustrie ansässig; die Stadt liegt in der Schlüsselregion Velbert/Heiligenhaus. Bekanntester Industriebetrieb ist die Kiekert AG als Hersteller von Autoschließsystemen unter anderem für VW und BMW. Im Jahr 2000 wurde die Kiekert AG vom Finanzinvestor Permira für 530 Millionen Euro über eine fremdfinanzierte Übernahme erworben. Aufgrund der hierbei übertragenen Schuldenlast und der schlechten Konjunktur auf dem Automobilmarkt drohte die Firma 2006 in die Insolvenz zu gehen. Die Insolvenz konnte jedoch abgewendet werden.
Die gesamte Industrie in Heiligenhaus hatte im Jahr 2008 einen Umsatz von 987 Millionen Euro. Wirtschaftsdaten Heiligenhaus
Straßenverkehr Durch das Stadtgebiet verläuft ein Teilstück der Bundesautobahn 44. Dieses beginnt an der Ratinger Landstraße zwischen Heiligenhaus und Ratingen-Homberg und führt von da aus über Velbert nach Essen. Am Autobahndreieck Velbert-Nord zweigt von diesem Teilstücke die Bundesautobahn 535 nach Wuppertal ab. Bis voraussichtlich 2025 wird ein weiteres Teilstück der A44 zwischen der Anschlussstelle Heiligenhaus und dem Autobahnkreuz Ratingen-Ost gebaut, wo es an das A44-Teilstück nach Düsseldorf, Flughafen Düsseldorf, Krefeld und Mönchengladbach, sowie die im Autobahnkreuz Ratingen-Ost kreuzende Bundesautobahn 3 in nördlicher Richtung nach Duisburg, Oberhausen, Niederlande, Ruhrgebiet, Hannover, sowie in südlicher Richtung nach Köln, Koblenz, Rhein-Main-Gebiet (Frankfurt am Main, Wiesbaden), Nürnberg, Passau und Österreich anschließen wird.
Durch das Stadtgebiet verläuft auch die Bundesstraße 227. Sie schließt im Westen an die A3, A52 (Essen–Düsseldorf), A524 im Autobahnkreuz Breitscheid an.
Schienen- und Busverkehr mini|Panoramaradweg am ehemaligen Bahnhof Heiligenhaus