mini|300px|Karte von Haan mini|Alter Markt mit Sicht auf den kleinen Springbrunnen
Die Gartenstadt Haan ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Mettmann in Nordrhein-Westfalen zwischen Düsseldorf und Wuppertal.
Geografie Haan liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Düsseldorf (18 km Entfernung) und Wuppertal (13 km Entfernung) im Bergischen Land am Übergang zur Niederrheinischen Bucht. Wirtschaftlich wird Haan von der Rheinschiene beeinflusst. Architektonisch und kulturell zählt Haan zum Bergischen Land, was unter anderem an den vielen Fachwerkhäusern deutlich wird. Mit seinen rund 30.000 Einwohnern ist Haan die drittkleinste der zehn Städte im Kreis Mettmann. Der höchstgelegene Punkt der Stadt ist 213 m über Normalnull, der tiefstgelegene Punkt 72 m über Normalnull, die durchschnittliche Höhe beträgt 150 m.
Haan wird im nördlichen Teil von der Düssel, im südlichen Teil von der Itter durchflossen. Die Itter bildet zu großen Teilen die Stadtgrenze mit Solingen. Haan grenzt an folgende kreisangehörige und kreisfreie Städte (im Norden beginnend und im Uhrzeigersinn fortlaufend): Mettmann, Wuppertal, Solingen, Hilden und Erkrath.
Die Stadt ist von einem ausgedehnten Grüngürtel umgeben, beginnend vom Osterholz im Nordosten, über das Ittertal im gesamten Süden, den Kesselsweier und den Hildener Stadtwald im Westen bis hin zum Düsseltal und den Ausläufern des Neandertals im Nordwesten. Innerhalb des Siedlungsgebiets erstrecken sich das Haaner Bachtal, das sich vom Osten Haans bis nah an die Innenstadt ausdehnt, sowie das Gelände rund um den Sandbach im Westen der Stadt. Auch in der Innenstadt wird großes Augenmerk auf gepflegte Grünanlagen gelegt, sodass dort insbesondere im Sommer bunt blühende Pflanzen zu sehen sind.
Geschichte
Die Ursprünge Haans werden ungefähr auf das Jahr 2200 v. Chr. datiert. Damals wurde im heutigen Stadtkern eine Siedlung in Hag-Form, also mit Wall, Palisadenzaun und Heckenstreifen ausgestattet, gegründet. Dementsprechend soll sich der Name „Haan“ von Hagen ableiten, mit einer Umbildung analog zu Hain.
Ab 718 n. Chr. lag Haan nahe der zwischen Sonnborn und Elberfeld (beide heute zu Wuppertal) verlaufenden sächsisch-fränkischen Grenze. Da die heutige Kaiserstraße ein Aufmarschweg für die fränkischen Truppen in Richtung Osten war, entstand in Haan ein Marketenderwesen zur Versorgung der Soldaten.-
Schon vor Beginn des Hochmittelalters gehörte Haan zusammen mit Hilden zum Erzbistum Köln und war auch nach Bildung der Grafschaft und späteren Herzogtum Berg zunächst eine der Enklaven innerhalb dieses Territorialgebietes. Bereits um 850 wurde auf dem Alten Kirchplatz eine vorromanische Kapelle oder Kirche errichtet, die Erzbischof Wichfried von Köln im Jahr 935 weihte. Zu diesem Zeitpunkt unterstand diese Kirche der Hauptkirche in Hilden.Lacomblet, Theodor Joseph: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: V. Eine Inschrift zu Haan bei Hilden. Band 2, 1857, S. . Onlinefassung
Ritter Craft van Elveruelde aus dem Hause Elverfeldt erhielt 1372 Höfe in Haan zum Lehen. 1386 fand die Straße von Hilden über Haan nach Elberfeld, die heutige Bundesstraße 228, erstmals urkundliche Erwähnung. Die ersten Belege für das bis ins 20. Jahrhundert in Haan weit verbreitete Schleifer- und Webergewerbe lassen sich auf die Jahre 1589 bzw. 1724 zurückdatieren.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Haaner Kirche evangelisch-reformiert.
Bis 1806 gehörten Haan, Obgruiten und Gruiten zum Amt Solingen, Ellscheid zum Amt Mettmann innerhalb des Herzogtums Berg. 1808 gerieten die Orte Haan, Ellscheid, Millrath (heute zu Erkrath), Gruiten, Schöller und Sonnborn (beide heute zu Wuppertal) unter französische Herrschaft und wurden zur „Mairie Haan“ vereinigt. 1815 wurde diese Mairie unter preußische Verwaltung gestellt und zu einer preußischen Bürgermeisterei umgewidmet. Zu dieser Zeit gehörten zur Bürgermeisterei Haan folgende sieben Specialhaushaltgemeinden: Kirchspiel Haan, Honschaft Ellscheid, Honschaft Millrath, Honschaft Gruiten, Honschaft Schöller, Honschaft Obgruiten und Kirchspiel Sonnborn.Johann Georg von Viebahn (Hrsg.): Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf, Düsseldorf 1836, zweiter Theil, Abschnitt Elberfeld, S. 45–46.
mini|Alte Poststation von 1851, heute ein Kiosk
1841 erhielt Haan mit der Fertigstellung der Bahnlinie Elberfeld –Gruiten –Düsseldorf Anschluss an das sich stetig ausdehnende Schienennetz. 1867 folgte mit der Strecke Ohligs –Gruiten eine weitere Verbindung.
Im selben Jahr schied Sonnborn aus der Bürgermeisterei Haan aus. 1894 schied Haan aus der Bürgermeisterei aus und Millrath, Gruiten und Schöller bildeten fortan die Bürgermeisterei, später Amt Gruiten.
1899 erhielt Haan Anschluss an die Straßenbahnverbindung von Benrath (heute zu Düsseldorf) über Hilden nach Vohwinkel (heute zu Wuppertal). 1921 wurden die Stadtrechte an Haan verliehen.
Zur Jahreswende 1944/1945 hinterließ der Zweite Weltkrieg sichtbare Spuren im Stadtbild, als am Silvester- und Neujahrstag Wohngebiete in Ober- und Mittelhaan bombardiert wurden. Dabei kamen 70 Menschen ums Leben. Am 16. April 1945 zogen US-amerikanische Truppen in Haan ein, die im Juli 1945 von britischen Streitkräften abgelöst wurden.
1956 ersetzte die katholische Kirchengemeinde ihr neugotisches Gotteshaus von 1869 durch die moderne St.-Chrysanthus-und-Daria-Kirche.
Seit dem 14. Juli 2017 trägt Haan gemäß § 13 Abs. 3 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen den Namenszusatz „Gartenstadt“. Die Stadt bezeichnete sich schon vorher im Außenauftritt als „Gartenstadt“. Im 19. Jahrhundert waren den Wohnhäusern tiefe Gartenflächen zugeordnet; Samenhandlungen spielten für die städtische Wirtschaft eine bedeutende Rolle.
Eingemeindungen Am 3. Mai 1876 wurde die Landgemeinde Ellscheid nach Haan eingemeindet.Amtsblatt der königlichen Regierung zu Düsseldorf. 1876, Stück 26, S. 279. Am 1. April 1894 kam es zu diversen Umgliederungen: Die Gemeinde Obgruiten wurde nach Gruiten eingemeindet. Die Haaner Wohnplätze „Simonshöfchen“, „Ölbers“, „Linden“ und zwei kleinere Gebiete wurden nach Gruiten, „Simonshaus“, „Schlüssel“ und „Porten“ nach Vohwinkel eingemeindet. Am 1. August 1929 wurde der Gruitener, bis 1894 Haaner, Wohnplatz „Simonshöfchen“ nach Barmen-Elberfeld umgemeindet. Ebenso gelangten die Haaner Wohnplätze „Bolthausen“ und „Mais“ nach Barmen-Elberfeld. Am 15. Mai 1930 wurden die Haaner Wohnplätze „Klappmütze“ (Ellscheid) und „Bücherberg“ nach Gruiten eingemeindet. Des Weiteren wurde der Millrather Wohnplatz „Frinsberg“ nach Gruiten umgemeindet. Am 1. Januar 1975 wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen Gruiten nach Haan eingemeindet. Der Haaner Wohnplatz „Schönholz“ wurde nach Hilden umgemeindet, der Wohnplatz „Eickert“ wurde in die neue Stadt Erkrath (Stadtteil Hochdahl) eingegliedert. Zuvor hatten sich die Bürger von Gruiten und Haan durch Proteste in der Landeshauptstadt Düsseldorf erfolgreich gegen eine Eingemeindung Haans nach Solingen sowie Gruitens nach Wuppertal zur Wehr setzen können.
Einwohnerstatistik (jeweils am 31. Dezember) mini|400px|Einwohnerentwicklung von Haan von 1996 bis 2017
Jahr Einwohner 1996 28.996 1997 29.213 1998 29.452 1999 29.525 2000 29.677 2001 29.607 2002 29.518 2003 29.472 2004 29.370 2005 29.325 2006 29.411 Jahr Einwohner 2007 29.323 2008 29.149 2009 30.074 2010 29.149 2011 30.257 2012 29.848 2013 29.985 2014 30.811 2015 31.137 2016 31.230 2017 31.265 Jahr Einwohner 2019 31.118 2020 31.081 2022 30.542 Konfessionsstatistik Im Dezember 2019 waren von den 31.118 Einwohnern genau 9090 (29,2 %) Katholiken registriert. Ein Jahr zuvor waren es noch 9170.Zahl der Katholiken in Haan ging im Jahr 2019 zurück, abgerufen am 17. Mai 2020 Gemäß dem Zensus 2022 waren 26,9 % der Einwohner evangelisch, 26,7 % römisch-katholisch und 46,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Haan Religion, Zensus 2022. Mit Stand 2026 hatte Haan 5900 (zirka 20 %) evangelische Kirchenmitglieder.haanertreff.de Durchschnittseinkommen Das Durchschnittseinkommen in Haan liegt bei 55.054 EUR (2018) und damit an 9. Stelle in Nordrhein-Westfalen.
Politik Stadtrat Ergebnisse der Stadtratswahlen 1975–2025 2025 2020 2014 2009 2004 1999 1994 1989 1984 1979 1975 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CDU34,9216 32,2 11 34,7 13 38,6 17 39,2 15 53,0 20 44,3 17 41,5 17 43,5 17 50,7 20 49,9 19 SPD19,029 21,1 8 29,4 11 25,4 11 29,8 11 31,1 12 37,2 15 38,6 15 37,0 15 37,8 15 37,6 15 FDP4,672 6,8 2 7,2 3 16,9 7 13,0 5 9,0 3 7,7 3 11,2 4 9,4 3 11,5 4 12,5 5 GAL9,394 14,7 5 9,1 4 10,3 5 9,1 4 6,9 3 10,8 4 8,7 3 10,2 4 – – – – UWG – – – – 3,1 1 5,4 2 9,0 3 – – – – – – – – – – – – Linke5,142 1,1 – – – 3,4 2 – – – – – – – – – – – – – – WLH12,196 15,8 6 11,1 4 – – – – – – – – – – – – – – – – AfD10,795 4,2 1 5,4 2 – – – – – – – – – – – – – – – – Bürger für Haan3,892 4,1 1 – – – – – – – – – – – – – – – – – – Wahlbeteiligung59,9 – 56,6 – 53,8 – 58,5 – 59,0 – 58,2 – 84,7 – 68,7 – 69,4 – 74,0 – 87,9 – Die CDU, die SPD und die FDP waren immer im Stadtrat vertreten. Seit 1984 zählt auch die Grüne Alternative Liste, ein Teilverband von Bündnis 90/Die Grünen, zum Stadtrat. Die Unabhängige Wählergemeinschaft Haan war von 2004 bis 2020, Die Linke von 2009 bis 2014 im Stadtrat vertreten und zog 2025 erneut ein.
Im Jahr 2014 gelang es sowohl der Alternative für Deutschland als auch der Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan, in den Stadtrat einzuziehen. Die Parteien bzw. Gemeinschaften wurden erst 2013 gegründet.Geschichte der WLH auf wlh-haan.de, abgerufen am 1. Juni 2014 Bei der Wahl im Jahr 2020 gelangte die neugegründete Partei „Bürger für Haan“ mit einem Sitz in den Stadtrat.
Durch Überhangmandate wuchs der Rat bei der Kommunalwahl 2025 von 35 auf 46 Plätze an.
Bürgermeister Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen 1999–2025 2025202020152009200419991. WG2. WG1. WG1. WG2. WG1. WG1. WG2. WG1. WGVincent Endereß (CDU)43,22 %56,35 %Bettina Warnecke (parteilos, jetzt CDU)50,28 %Bettina Warnecke (parteilos, jetzt CDU)33,2 %59,8 %Knut vom Bovert (parteilos)48,3 %Knut vom Bovert (parteilos)45,6 %72,3 %Martin Mönikes (CDU)61,8 %Meike Lukat (WLH)26,01 %43,65 %Meike Lukat (WLH)26,42 %Knut vom Bovert (parteilos)27,0 %40,2 %Klaus Mentrop (CDU)30,2 %Matthias Nocke (CDU)30,7 %27,7 %Frieder Angern (SPD)38,2 %Simone Kunkel-Grätz (SPD)17,58 %Bernd Stracke (SPD)23,31 %Jörg Dürr (SPD)21,1 %Bernd Stracke (SPD)18,4 %Bernd Stracke (SPD)18,5 %Nicola Günther (GAL)8,02 %Meike Lukat (WLH)17,4 %Michael Henchoz (Die Linke)3,1 %Hans-Jürgen Lemmer (GAL)5,2 %Mikail Kafa (Linke)5,18 %Gabriele Haage (Einzelbewerberin)1,4 %Wahlbeteiligung59,93 %43,47 %Wahlbeteiligung56,69 %Wahlbeteiligung50,4 %43,8 %Wahlbeteiligung58,1 %Wahlbeteiligung59,0 %49,3 %Wahlbeteiligung58,2 %
Städtepartnerschaften Als Zeichen der deutsch-polnischen Versöhnung wurde 1957 eine Patenschaft Haans über den nunmehr zu Polen gehörigen ehemaligen Kreis Guttentag-Loben (heute Dobrodzień) in Oberschlesien ins Leben gerufen. 1967 kam eine Städtepartnerschaft mit Eu (Normandie in Frankreich) hinzu.
Im Jahr 1982 wurde eine Städtepartnerschaft mit Berwick-upon-Tweed (Vereinigtes Königreich) begründet. Nach der deutschen Wiedervereinigung ergänzte Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt die Reihe der Haaner Partnerstädte. 2004 wurde die bisherige Patenschaft über Dobrodzień zu einer Städtepartnerschaft umgewidmet.
In Würdigung des Engagements in den partnerschaftlichen Beziehungen wurde die Stadt 1994 durch den Europarat mit dem Europadiplom ausgezeichnet und führt seitdem den Ehrentitel „Gemeinde Europas“. 1999 wurde der Stadt zusätzlich die Ehrenfahne des Europarats verliehen. (PDF; 154 kB) Seit vielen Jahren finden Schüleraustausche zwischen Haan und den Partnerstädten statt.
Wappen, Flagge und Logo