Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 45 38 29 112 2 37 34 37 108 3 33 21 28 82 4 16 22 16 54 5 14 6 11 33 6 13 7 2 22 7 12 5 12 29 8 11 12 7 30 9 8 6 15 29 10 7 9 11 27 … … … … … … 37 1 – – 1 41 – 2 – 2 Vollständiger Medaillenspiegel Die Olympischen Sommerspiele 1992 (offiziell Spiele der XXV. Olympiade) wurden vom 25. Juli bis zum 9. August 1992 in Barcelona ausgetragen. Zum ersten Mal seit 20 Jahren waren Sportler aller Nationen vertreten, die ein Nationales Olympisches Komitee hatten (allerdings im Falle Jugoslawien nicht als Repräsentanten ihrer Nation). Südafrika war seit dem Ausschluss aufgrund der Apartheid erstmals seit 1960 wieder dabei. Nach der deutschen Wiedervereinigung startete nun wieder eine gesamtdeutsche Mannschaft. Da 1991 die Sowjetunion aufgelöst worden war, schickten zum ersten Mal seit 1936 die Staaten Estland, Lettland und Litauen eigene Mannschaften zu Olympischen Sommerspielen. Die übrigen Nachfolgestaaten der Sowjetunion stellten eine gemeinsame Mannschaft unter der Bezeichnung „Vereintes Team“ zusammen. Jugoslawien wurde wegen des Balkankrieges von den Spielen ausgeschlossen. Die Sportler durften jedoch als „Independent Olympic Participants“ unter dem Kürzel „IOP“ teilnehmen.
Während der Vorbereitung erfuhr die Stadt Barcelona große Änderungen im Bereich der Infrastruktur, die im Um- und Aufbau von Verkehrswegen und Telekommunikationseinrichtungen geschahen, sowie Umgestaltungen von ganzen Stadtteilen, die dadurch eine andere Charakteristik erhielten. Die Spiele selbst waren geprägt von mediterranem Flair und herzlicher Gastfreundschaft. Erfolgreichster Sportler war der belarussische Turner Wital Schtscherba mit sechs Goldmedaillen. Bei den Damen war die ungarische Schwimmerin Krisztina Egerszegi mit drei Goldmedaillen die erfolgreichste Sportlerin.
Bewerbung Ergebnis der Wahl des Austragungsortes 1992 Ort Land Runde 1 Runde 2 Runde 3 Barcelona 29 37 47 Paris 19 20 23 Belgrad 13 11 5 Brisbane 11 9 10 Birmingham 6 8 – Amsterdam 5 – –
Die Lokalpolitiker Barcelonas hatten schon Jahrzehnte zuvor die Idee, dass sich die Stadt um die Ausrichtung Olympischer Spiele bewerben sollte. Einen ersten Versuch machten sie mit einer Bewerbung für die Spiele von 1924. Dieses Ansinnen vereitelte jedoch Baron Pierre de Coubertin, indem er in einem Brief an alle Mitglieder des IOC um die Wahl von Paris als Austragungsort bat. Auch die Austragungsorte der Spiele von 1928 und 1932 wurden schon sehr frühzeitig mit Amsterdam und Los Angeles festgelegt.Official Report, Volume 1, Seite 208
Somit war eine zweite Kandidatur erst wieder für die Spiele von 1936 möglich, bei der Barcelona gegen Berlin antrat. Die IOC-Session, auf der die Ausrichterstadt ermittelt werden sollte, fand dabei 1931 ungünstigerweise in Barcelona statt. Wegen der Wirren während der spanischen Revolution konnten nur 19 IOC-Mitglieder nach Barcelona reisen, sodass die fehlenden Mitglieder durch Briefwahl über den Austragungsort abstimmen mussten. Die Auszählung ergab für Berlin 43 Stimmen und nur 16 für Barcelona.
Wenige Monate vor den Spielen 1936 wurde die Idee einer Gegenolympiade in Barcelona, der „Olimpiada Popular“, zu den von den Nationalsozialisten missbrauchten Spielen in Berlin geboren. Etwa 6000 Sportler reisten zwar nach Barcelona, wegen des von Franco angeführten Putsches gegen die spanische Regierung konnte die Veranstaltung aber nicht durchgeführt werden.
Ein weiterer Versuch von Barcelona, sich zusammen mit Madrid für die Olympischen Sommerspiele von 1972 zu bewerben, scheiterte ebenfalls. Kurz nach der Wahl von Juan Antonio Samaranch zum Präsidenten des IOC 1980 schlug der Bürgermeister von Barcelona vor, sich erneut zu bewerben, dieses Mal für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1992. Während der Fußballweltmeisterschaft 1982 in Spanien gingen die Stadtbehörden damit an die Öffentlichkeit. Nachdem die sozialistische Regierung unter Felipe González an die Macht gekommen war, sicherte auch diese dem Vorhaben ihre volle Unterstützung zu.
Während der Kandidatur argumentierte das Bewerbungskomitee der Stadt mit Spielen der kurzen Wege: Alle Sportstätten sollten sich im Umkreis von fünf Kilometern in der Stadt befinden, mit einem olympischen Dorf direkt am Meer mit mediterranem Flair, mit einer Stadt reich an kulturellem Leben und einer Architektur, die Moderne und Tradition verbindet. Die Finanzierung der Spiele selbst sollte zum größten Teil privat erfolgen, ähnlich der von Los Angeles 1984. Auch die Bevölkerung unterstützte die Bewerbung, nach Meinungsumfragen waren 64 % der Bewohner in ganz Spanien für das Vorhaben.Official Report, Volume 1, Seite 249
Die Wahl erfolgte 1986 auf der IOC-Session in Lausanne. Andere Kandidatenstädte waren Amsterdam, Belgrad, Birmingham, Brisbane und Paris. Kurz vor der Entscheidung über die Vergabe der Sommerspiele 1992 wurde bei der Explosion einer Autobombe in Barcelona ein Mensch getötet und 18 verletzt. Der Anschlag wurde von den spanischen Behörden als Akt des Widerstands gegen die Olympiabewerbung gewertet.
Barcelona hatte es erneut mit Paris als aussichtsreichstem Gegenkandidaten zu tun. Da am Tag vor der Wahl das französische Albertville zum Ausrichter der Winterspiele 1992 bestimmt worden war, war es jedoch unwahrscheinlich, dass auch die Sommerspiele nach Frankreich vergeben würden. Barcelona erhielt in der dritten Runde der Abstimmung 47 Stimmen, Paris dagegen nur 23. Somit konnte Samaranch den Sieg seiner Heimatstadt verkünden.
Organisation Fünf Monate nach dem Zuschlag des IOC konstituierte sich das Organisationskomitee, COOB’92 genannt. Es setzte sich aus Vertretern des Stadtrates und der Stadtverwaltung von Barcelona, der Regierung von Katalonien sowie aus Mitgliedern des NOK für Spanien und von Sportverbänden zusammen. Zum Präsidenten des Organisationskomitees wurde der Bürgermeister der Stadt, Pasqual Maragall, ernannt, Ehrenpräsident war Kronprinz Felipe von Spanien.Official Report, Volume 2, Seite 18
Eines der ersten Ziele des Organisationskomitees war der Aufbau einer passenden Infrastruktur, die in Barcelona noch nicht vorhanden war. Es fehlte an Ringstraßen, einem Fernmeldeturm, modernen Hotelanlagen, einem Segelhafen sowie dem Ausbau und der Modernisierung des Flughafens. Zudem sollte der Küstenbereich der Stadt attraktiver werden, da gerade hier viele unansehnliche kleine Schuppen, Lagerhallen und Betriebe vorhanden waren. Diese Bauten ließ die Stadt abreißen und die Firmen und Bewohner in ein freies Areal in der Nähe des Flughafens umsiedeln. An ihrer Stelle entstand der Parc del Mar mit dem olympischen Dorf und dem olympischen Segelhafen.
Die Sportstätten konzentrierten sich auf dem Montjuïc, dem „Hausberg“ von Barcelona, in Vall d’Hebron und einem Areal an der Avinguda Diagonal. Von den 43 Sportanlagen mussten nur 15 neu erbaut werden, die anderen waren bereits vorhanden und bedurften lediglich einer Sanierung. Neu gebaut wurden u. a. der Olympiahafen (Port Olímpic) in Barcelona für die Segelwettbewerbe, der Canal Olímpic de Catalunya in Castelldefels für die Kanurennsport-Wettbewerbe und der Parc Olímpic del Segre für die Wettbewerbe im Kanuslalom in La Seu d’Urgell.
Zur Finanzierung der Spiele waren ca. 195 Milliarden Peseten (2,16 Milliarden Dollar) erforderlich. Davon konnten 30 % über Sponsorengelder und durch den Verkauf von Lizenzen sowie 27 % durch die Einnahmen aus den Fernsehübertragungsrechten erwirtschaftet werden, die eine Summe von 635 Millionen Dollar ausmachten. Den Hauptanteil bestritt dabei die amerikanische Fernsehgesellschaft NBC mit 401 Millionen Dollar, die Europäische Rundfunkunion zahlte 90 Millionen Dollar.Kluge, Seite 347 f. Weitere Einnahmen kamen durch ein Münzprogramm zustande. Die königlich spanische Münze legte ab 1989 12 Gold- und 16 Silbermünzen zu verschiedenen Nennwerten auf, durch die das Organisationskomitee ca. 900 Millionen Peseten (10 Millionen Dollar) einnahm.Official Report, Volume 3, Seite 387
Zusammen mit dem Organisationskomitee von Albertville schloss das COOB’92 ein Abkommen über das Vermarktungsprogramm TOP 2, in das zwölf internationale Konzerne einbezogen waren. Die Schweizer Vermarktungsgesellschaft ISL stellte beiden Olympiastädten 175 Millionen US-Dollar zur Verfügung, sodass der Etat des COOB’92 ausgeglichen war.
Daneben waren weitere Investitionen, vor allem für infrastrukturelle Bereiche erforderlich. Diese Kosten wurden auf 753 Milliarden Peseten (8,4 Milliarden Dollar) geschätzt, wobei 41 % in Bauten und 33 % in Straßen und Verkehrswege investiert wurden. Laut einer Schätzung des Stadtrats von Barcelona betrug der Gewinn aus öffentlichen und privaten Investitionen und Konsumationen ca. 854 Milliarden Peseten (9,5 Milliarden Dollar).
Während der Spiele arbeiteten 45.133 Menschen für das Organisationskomitee, davon waren 34.548 als freiwillige Helfer im Einsatz. Für die Sicherheit wurden zusätzlich 21.116 Mitglieder von Polizei, Guardia Civil und der spanischen Armee zum Dienst herangezogen. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 52 Millionen Dollar.
Das Erscheinungsbild der Spiele mini|hochkant|Gestaltungselement während der Spiele Bereits 1988 wählte eine Jury des Organisationskomitees in einem Gestaltungswettbewerb für das Logo der Spiele den Vorschlag des Grafikers Josep M. Trias aus. Es bestand aus einer stilisierten dynamischen menschlichen Figur, die über die olympischen Ringe springt. Dabei symbolisieren der blaue Kopf den Mittelmeerraum, die Arme das Gelb der Sonne und – weit geöffnet – die Gastfreundschaft, die roten Beine die Lebendigkeit der Spiele. Dieselbe Jury wählte auch das Maskottchen aus. Es war ein katalanischer Hirtenhund, den der Grafiker Javier Mariscal entworfen hatte. Der Name Cobi sollte eine Anlehnung an das Organisationskomitee COOB’92 sein. Mariscal entwickelte eine Serie von Cartoons, um Cobi einem breiteren Publikum näherzubringen und auf sympathische Weise für die Spiele zu werben.
Für das Motto der Spiele wählte die Jury den Spruch Amics per sempre („Freunde für immer“ auf Katalanisch). Bei den Piktogrammen nahm Josep M. Trias die von Otl Aicher für die Olympischen Sommerspiele 1972 von München entworfenen Formen als Ausgangsbasis und änderte sie in der Weise ab, dass die Art der Arme und Beine der des Logos der Spiele von Barcelona entsprach. Die Piktogramme waren meist als weiße Symbole auf blauem Hintergrund gehalten, der Hauptfarbe der Spiele. In der Stadt und am Eingang der Sportstätten wurden große weiße viereckige Pfeiler mit bunten Bändern an der Oberseite als Gestaltungselemente aufgestellt. Als Wegweiser dienten blaue Pfeiler mit Piktogrammen und Richtungspfeilen.
Erkennungsmelodie der Olympischen Spiele war das Lied Barcelona von Freddie Mercury und Montserrat Caballé. Das Lied war 1987 von der Opernsängerin und dem Queen-Sänger auf Ibiza zum ersten Mal aufgeführt worden und wurde vom COOB’92 als offizielles Musikstück bestimmt. Mercury erlebte die Olympischen Spiele nicht mehr, er verstarb Ende 1991. Das zweite Stück war vom Motto der Spiele abgeleitet. Es heißt Amigos para siempre und war von Andrew Lloyd Webber und Don Black komponiert worden; Sarah Brightman und Josep Carreras sangen es bei der Schlussfeier.
Fackellauf Nachdem die olympische Flamme am 5. Juni 1992 in Olympia von der griechischen Schauspielerin Maria Pambuki entzündet worden war, kam es schon kurz darauf zu einem Zwischenfall. Der erste Fackelläufer wurde seiner Fackel beraubt, jedoch hatte er zum Glück für die Organisatoren, das Feuer bereits an den zweiten Läufer weitergereicht.Official Report, Volume 4, Seite 38