Obereisesheim ist ein Teilort der Stadt Neckarsulm (Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg). Die ehemalige Gemeinde wurde am 1. Mai 1972 als Ortschaft in die Stadt Neckarsulm eingemeindet. Sie hat 4.327 Einwohner (Stand: 2023) und eine Fläche von 7,44 km² (Stand: 2000). Obereisesheim liegt an der Landstraße L1100 von Neckargartach nach Bad Wimpfen und hat wie Neckarsulm die Postleitzahl 74172 und die Telefonvorwahl 07132.
Geografie Obereisesheim liegt im nördlichen Heilbronner Becken, ungefähr sechs Kilometer nördlich von Heilbronn, am westlichen Ufer des Neckars, gegenüber von Neckarsulm. Es liegt direkt an der Autobahn A6. Bis zum Weinsberger Kreuz, bei welchem sich die Autobahnen A6 und A81 kreuzen, sind es lediglich 7 Kilometer. Des Weiteren verläuft unweit die Bundesstraße 27 zwischen Würzburg und Stuttgart.
Geschichte Ortsgeschichte Frühe Besiedlung Auf dem Hetzenberg zwischen Obereisesheim und Neckargartach wurden bereits im frühen 19. Jahrhundert Grabungsfunde aus der Michelsberger Kultur geborgen. Während des Baus der A 6 im Jahr 1966 stießen Forscher auf drei parallel verlaufende Gräben eines Erdwerks mit Funden aus der Frühphase der Michelsberger Kultur. Die Gräben sowie das Neckarsteilufer und das Tal des Böllinger Baches befestigen eine Fläche von rund 20 Hektar. Die Fundstelle gilt als das früheste Erdwerk unter den Michelsberger Funden im Heilbronner Raum.Jörg Biel: Neue Untersuchungen in dem Michelsberger Erdwerk auf dem Hetzenberg von Neckarsulm-Obereisesheim, Kreis Heilbronn, in: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1990, Stuttgart 1991, S. 39–41.
Ortsgründung und erste Erwähnung mini|hochkant|Eberwin-Skulptur beim Rathaus Obereisesheim wird im Jahre 767 erstmals im Lorscher Codex erwähnt. Am 27. Mai 767 hat ein Eberwin dem Kloster Lorsch drei Morgen Land in der „Isinheimer“ Markung geschenkt. Bereits im Jahre 500 soll auf dieser Markung, ein fränkischer Herrenhof angelegt worden sein. Historiker gehen davon aus, dass es sich bei „Isino“ um den ersten Siedler und bei dem nach ihm benannten „Isinosheim“ um einen Großhof auf dem sogenannten Asperg im heutigen Obereisesheim handelte. Das Kloster Lorsch tauschte seine Eisesheimer Besitzungen bereits im Jahr 905 mit dem Gartachgauer Grafen Liutfried, dessen Sohn Burkhart die Besitzungen 950 an den Bischof von Worms, zu dessen Bistum der Ort auch kirchlich gehörte, abtrat. Das Ritterstift im nahen Wimpfen erhielt durch Bischof Albert von Worms († 1107) einen Hof in Eisesheim. Weitere Besitztümer in Eisesheim trat Worms an die Grafen von Lauffen ab, die ihrerseits einen Bligger von Steinach mit der Verwaltung betrauten. Nach dem Aussterben derer von Lauffen zog Kaiser Friedrich I. deren Reichslehen wieder ein. Im 13. Jahrhundert ging die Ortsherrschaft zunächst an die Grafen von Katzenelnbogen, danach anteilig an die Herren von Neideck und die Herren von Weinsberg.
Spätmittelalterliche Besitzverhältnisse Das von den Weinsbergern gegründete Kloster Lichtenstern in den Löwensteiner Bergen erwarb ab 1395 nach und nach Güter in Obereisesheim und war ab 1451 alleiniger Ortsherr. 1504 hatte das Herzogtum Württemberg die Schirmherrschaft über das Kloster Lichtenstern und damit auch über Obereisesheim. Die Orte Obereisesheim und Untereisesheim bildeten etwa 300 Jahre lang eine württembergische Exklave zwischen der Reichsstadt Heilbronn im Süden und dem Deutschen Orden im Norden und Osten. Sie waren bis 1805 die nördlichsten Orte Württembergs.
Im späten Mittelalter war das Dorf von einem Etter, einem aus Palisaden und teilweise aus großen Hecken bestehenden Zaun mit sechs Toren umgeben. Das Dorf umfasste im späten Mittelalter 22 Höfe, die sich bis auf das Spatzenhöfle auch innerhalb des Etters befanden und zumeist in geistlichem Besitz waren. Der Besitz an den Höfen war teilweise sehr zersplittert, so werden für den ursprünglich zum Kloster Lichtenstern zählenden „Großhof“ zeitweise bis zu 17 Teilbesitzer gezählt. Das Land außerhalb des Etters war Allmende, also Gemeinbesitz der Siedlergemeinde, und später Einzelbesitz, auf dem Ackerbau und Weidewirtschaft betrieben wurde.
1534 führte Herzog Ulrich die Reformation ein und hob die Klöster, darunter auch das Kloster Lichtenstern, auf. Der Besitz der Klöster wurde dem Fürstentum zugeschlagen. Im Jahre 1601 wurde die Mauritiuskirche umgebaut und vergrößert, was die Jahreszahl über dem Portal bezeugt.
Obereisesheim im Dreißigjährigen Krieg mini|hochkant|Gedenktafel für den 1622 bei Obereisesheim gefallenen Herzog Magnus von Württemberg In der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges kam es am 6. Mai 1622 auf Obereisesheimer Markung zur Schlacht bei Wimpfen. Bei dieser Schlacht schlug das vereinigte bayrisch-spanische Heer der katholischen Liga unter dem Feldherrn Tilly das protestantische Heer, welches vom Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach angeführt wurde. Im Kampf fiel auch der württembergische Herzog Magnus. Auf einer Höhe am Holzweg, nordwestlich außerhalb des Ortes, erinnert das Herzog-Magnus-Denkmal an dieses Ereignis. Auf der Gedenktafel bleiben allerdings tausende Soldaten unerwähnt, die in dieser Schlacht ebenfalls getötet wurden. In unterschiedlichen Quellen wird von 5000 bis zu 10.000 Toten berichtet. Im Anschluss an die Schlacht verwüsteten die einziehenden Ligatruppen Obereisesheim, plünderten die Häuser vollständig aus und erschlugen Alte und Kranke, die nicht hatten fliehen können.
Im Jahre 1626 wurde Obereisesheim von einer Pestepidemie heimgesucht, bei der es sich wahrscheinlich um die Rote Ruhr handelte und der etwa 300 der insgesamt 600 Einwohner zum Opfer fielen. In den Jahren 1635 und 1645 hatte der Ort unter Plünderungen und Brandschatzungen der kaiserlichen bzw. französischen Soldaten zu leiden.
Auf dem Weg in die Moderne Im 18. Jahrhundert nahm das Dorf einen wirtschaftlichen Aufschwung und ab 1807 gehörte Obereisesheim zum Oberamt Heilbronn. Nach der Notzeit der Napoleonischen Kriege kam 1806/1807 eine Hungersnot über den Ort. Unter anderem durch ein Hagelwetter wurden große Teile der Ernte vernichtet. Ab Ende des 19. Jahrhunderts begannen Obereisesheimer zunehmend in Neckarsulm im NSU-Werk und in anderen Fabriken zu arbeiten. Der Ort veränderte sich nach und nach von einer bäuerlichen zu einer Arbeiterwohngemeinde.
In Obereisesheim wurde zwischen 1908 und 1910 die Wasserversorgung eingerichtet und in den Jahren 1910 bis 1911 das Leitungsnetz für den elektrischen Strom installiert. Als erstes Freibad im Unterland (in Württemberg rings um Heilbronn) wurde 1933 das heutige „Ernst-Freyer-Bad“ eröffnet.
In den beiden Weltkriegen waren in Obereisesheim 46 bzw. 109 Menschenleben zu beklagen. Der Ort selbst blieb im Zweiten Weltkrieg bis zum Kriegsende weitestgehend von Luftangriffen und Zerstörungen verschont. In den ersten Apriltagen des Jahres 1945 geriet das Dorf jedoch in die Frontlinie zwischen amerikanische und deutsche Kampfeinheiten; der Ortskern wurde dabei stark zerstört.
1951 wurde der Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Rathauses abgeschlossen und 1953 wurde dort auch die Ortsbücherei untergebracht. In den Jahren 1952 und 1953 wurde die Ortskanalisation und 1956 bis 1957 eine Sammelkläranlage gebaut. Eine weitere Verbesserung der Wasserversorgung erfolgte 1963 bis 1966 nochmals durch den Bau eines neuen Hochbehälters. Im Jahre 1957 war die Einweihung der „Wilhelm-Maier-Schule“, die nach dem Ehrenbürger Wilhelm Johann Maier benannt ist, der die Gemeinde 37 Jahre als Bürgermeister geleitet hat.
Eingemeindung nach Neckarsulm 1972 Im Jahre 1972 erfolgte im Zuge der Verwaltungsreform in Baden-Württemberg die Vorbereitungen für eine Eingliederung Obereisesheims nach Neckarsulm. Nach einer Mehrheit bei der Bürgerbefragung und der Abstimmung im Gemeinderat wurde der Ort mit Wirkung zum 1. Mai 1972 in die Stadt Neckarsulm eingemeindet.
In den Jahren 1971 bzw. 1974 wurden die Gewerbegebiete in den Gewannen „Binsing“ bzw. „Mühlrain“ eingerichtet, in denen vermehrt auch größere Firmen ansiedelten. Durch die steigende Einwohnerzahl gab es einen verstärkten Bedarf an Wohnungen, so dass in der Zeit nach 1945 einige neue Wohnbaugebiete entstanden, so zum Beispiel die Gebiete: „Spatzenäcker“ und „Kirchhofäcker“ (1970), „Auf der Breit“ (1971), „Sender“ (ab 1975), „Auf der Breit II“ (1989) und „Auf der Breit III“ (1998). Verkehrstechnisch bedeutsam für Obereisesheim waren die Eröffnung der Autobahn A6 im Jahre 1965, die Anbindung der Neckartalstraße L1100 an die Neckarsulmer Straße L1101 (Brückenstraße) Anfang der 1970er Jahre und die Ortsumgehung mit Verkehrsberuhigung des Ortskernes, die 1992 fertiggestellt wurde. Bisher letztes größeres Bauvorhaben war die Eberwinhalle, die 1995 eingeweiht wurde.Christian Fischer u. a.: 1200 Jahre Obereisesheim, Ludwigsburg 1967, S. 44 bis 201Barbara Löslein: Obereisesheim – Die Entwicklung eines Dorfes, Neckarsulm 1997, S. 7 bis 49
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1377 ca. 250 1625 600 1626 300 1773 490 1834 613 1861 783 1880 904 1900 966 1914 1240 1933 1357 Jahr Einwohner 1945 1480 1956 1789 1961 2094 1967 2530 1972 2925 1980 3396 1985 3514 1990 3756 1995 4028 2000 4282 Jahr Einwohner 31. Dezember 2005 4370 31. Dezember 2006 4322 31. Dezember 2007 4302 31. Dezember 2008 4241 31. Dezember 2009 4225, auf dahenfeld.neckarsulm.de, abgerufen am: 29. Januar 2010 Jahr Einwohner davon Personen ausländischer Herkunft Haushalte 30. November 2011 4190 589 1928Zahlen und Fakten Stand 30. November 2011, auf neckarsulm-obereisesheim.de, abgerufen am: 30. Januar 201231. Dezember 20204322792 -31. März 20234327849 - QuellenChristian Fischer u. a.: 1200 Jahre Obereisesheim, Ludwigsburg 1967, S. 24Barbara Löslein: Obereisesheim – Die Entwicklung eines Dorfes, Neckarsulm 1997, S. 50Barbara Löslein, Dr. Bernd Liebig: Chronik der Stadt Neckarsulm 1977 bis 2000, Neckarsulm 2005, S. 675
Politik Ortschaftsrat mini|Rathaus Obereisesheim (1951 wieder aufgebaut) mini|Die Eberwinhalle, erbaut 1995
Die Wahl des Ortschaftsrats vom 7. Juni 2009 mit einer Wahlbeteiligung von 52,9 % erbrachte folgendes Ergebnis:Andreas Bracht: Vorläufiges Endergebnis der Kommunalwahlen in Neckarsulm, Presse-Information der Stadt Neckarsulm vom 10. Juni 2009
ParteiAnteil ±Sitze ± CDU 48,7 % −5,2 5 −1 SPD 45,5 % +7,0 5 +1 FWV 5,8 % −1.8 0 = Gesamt 100 % 10
Die Wahl des Ortschaftsrats vom 25. Mai 2014 mit einer Wahlbeteiligung von 51,4 % erbrachte folgendes Ergebnis:Andreas Bracht: Vorläufiges Endergebnis der Kommunalwahlen in Neckarsulm, Presse-Information der Stadt Neckarsulm vom 27. Mai 2014
ParteiAnteil ±Sitze ± CDU 50,4 % +1,7 5 = SPD 44,1 % −1,4 4 −1 GRÜNE 5,5 % +5,5 1 +1 Gesamt 100 % 10
Die Wahl des Ortschaftsrats vom 26. Mai 2019 mit einer Wahlbeteiligung von 61,6 % erbrachte folgendes Ergebnis:Dr. Suzanne Mösel: Endergebnis der Kommunalwahlen in Neckarsulm, Presse-Information der Stadt Neckarsulm vom 6. Juni 2019
ParteiAnteil ±Sitze ± SPD 38,8 % −5,3 4 = CDU 33,0 % −17,4 3 −2 GRÜNE 14,7 % +9,2 2 +1 FWV 13,5 % +13.5 1 +1 Gesamt 100 % 10 Bürgermeister und Ortsvorsteher
Schultheißen, Bürgermeister und Ortsvorsteher (ab 1972) 1513 Wendel Rieler 1528 Cäsar Bemmerer vor 1557 Ruller 1557–1572 Philipp Ruoff 1578–1596 Moritz Groß 1598–1604 Bernhard Haydenspach 1604 Michel Rappolt 1611–1616 Michel Hohenstatt 1626 Hans Hohenstatt 1628 Moritz Hohenstatt 1641–1643 Michel Hohenstatt 1645 Matthias Gurr 1661 Matthias Güde 1669–1681 Michel Gurr 1684 Hans Leitz 1692–1725 Martin Schreiber 1729–1730 Elias Martin Bender 1741 Hans Michael Hohenstatt 1742 Johann Karl Joseph (Amtsverweser) 1755 Hans Jakob Bender 1773 Karl Ludwig 1778–1786: Johann Karl Ludwig 1786–1791: ? 1791–1826: Johann Christoph Ludwig 1826–1834: ? 1834–1844: Christoph Friedrich Ludwig 1844–1866: Georg Jakob Großmann 1866–1893: Karl Haag 1893–1909: Christof Ludwig 1909–1920: Karl Hesser 1920–1929: Anton Fehr 1929–1945: Wilhelm Maier April–Sept. 1945: Willi Treubel 1945–1946: Karl Korb