mini|Friedrich Paulus (1942) Friedrich Wilhelm Ernst Paulus (* 23. September 1890 in Guxhagen;In der Literatur werden oft unterschiedliche Varianten von Breitenau als Geburtsort angegeben, dies ist – und war auch schon damals – jedoch lediglich eine Ortslage von Guxhagen. Vgl. † 1. Februar 1957 in Dresden-Oberloschwitz) war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1943 Generalfeldmarschall) und im Zweiten Weltkrieg Oberbefehlshaber der 6. Armee während der Schlacht von Stalingrad. Paulus war von 1943 bis 1953 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und lebte danach bis zu seinem Tod in der DDR.
Leben Kaiserreich und Erster Weltkrieg Friedrich Paulus war Sohn von Ernst Paulus, zunächst Kassierer der Korrektions- und Landarmenanstalt in der Breitenau, sowie Bertha Paulus, der Tochter des Dirigenten (Direktor) Friedrich Wilhelm Nettelbeck. im HNA-Regiowiki Vgl. Familie Paulus zog schließlich nach Kassel, wo Vater Ernst spätestens ab 1900 als Buchhalter bei der Landesdirektion arbeitete. Friedrich Paulus schloss seine Schulzeit am dortigen Wilhelmsgymnasium 1909 mit dem Abitur ab. Sein ursprüngliches Ziel, Offizier bei der Kaiserlichen Marine zu werden, konnte er nicht verwirklichen, da er abgelehnt wurde. Stattdessen schrieb er sich an der Philipps-Universität Marburg für Rechtswissenschaften ein. Nach einem Semester verließ er die Universität wieder und trat am 18. Februar 1910 als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment „Markgraf Ludwig Wilhelm“ (3. Badisches) Nr. 111 der Preußischen Armee in Rastatt ein, wo er am 18. Oktober 1910 zum Fähnrich ernannt wurde. Nach dem Besuch der Kriegsschule Engers avancierte er am 15. August 1911 zum Leutnant. Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs war er Adjutant des III. Bataillons.Peter Steinkamp: Generalfeldmarschall Paulus. S. 11 ff.
Nach dem Kriegsausbruch und der Verlegung seines Regiments nach Freiburg im Breisgau am 6. August 1914 wurde Paulus’ Verband wenig später an der Westfront eingesetzt. Das Rastatter Regiment wurde zunächst zur Unterstützung der deutschen Truppen eingesetzt, die unmittelbar nach Kriegsbeginn durch das französische Heer auf das rechte Rheinufer zurückgeworfen worden waren. Das französische Heer hatte durch die Vogesen Mülhausen erreicht und einen großen Teil des Oberelsass besetzt. Die Kämpfe um die Rückeroberung des Sundgaus begannen am 9. August, am 13. wurde Belfort von deutschen Truppen besetzt. Zwei Tage später wurde Paulus’ Regiment nach Straßburg transportiert. Bei Saarburg erlitt der Verband bei wiederholten Sturmangriffen gegen französische Stellungen schwere Verluste, konnte aber anschließend die Verfolgung der flüchtenden Feinde aufnehmen. Mitte September wurde das Regiment in die Region zwischen Nancy und Metz (→ Festung Metz) verlegt, von wo aus es zwischen den französischen Festungen Toul und Verdun nach Westen vorstoßen sollte. Dieser Plan war erfolglos, der Durchbruch misslang. Am 8. Oktober, mittlerweile im Einsatz zwischen Lille und Arras, meldete sich Paulus krank.
Nach einer längeren Krankheit war er erst 1915 wieder voll verwendungsfähig und wurde als Ordonnanzoffizier im Stab des Jäger-Regiments Nr. 2 eingesetzt. Im Mai 1915 stieg Paulus, mittlerweile zum Oberleutnant befördert, zum Bataillonsadjutanten auf. Das Bataillon wurde, im Rahmen des im Mai 1915 neu aufgestellten Deutschen Alpenkorps, zunächst in Südtirol zur Verteidigung der Grenze Österreich-Ungarns gegen Italien eingesetzt. Im Oktober 1915 kam er nach Serbien und stand im Februar 1916 in Mazedonien. Wenig später kämpfte Paulus mit seinem Bataillon an der Westfront, zunächst (März 1916 bis Mai 1916) in der Champagne, dann (bis August 1916) in der Schlacht um Verdun. Es folgten bis zum September 1916 die Teilnahme an den Kämpfen in den Argonnen und danach der Krieg in Rumänien. Dort blieb er, von einem kurzen Einsatz in den Vogesen im Mai/Juli 1917 abgesehen, bis zum September 1917. Ab September 1917 Teilnehmer der Isonzoschlachten, wurde er im Frühjahr 1918 mit seinem Regiment nach Flandern verlegt. Er war unterdessen als für das Nachrichtenwesen zuständiger Dritter Generalstabsoffizier seines Korps zum Hauptmann befördert und im Mai 1918 in den Stab des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 48 versetzt worden, das aber nicht mehr zum Einsatz kam. Deshalb nahm er an den Kämpfen in Flandern nicht mehr teil.
Die Kriegszeit hatte auf Paulus in mehrfacher Hinsicht weitreichende Auswirkungen. Bei den Einsätzen auf dem Balkan erkrankte er an der Amöbenruhr, von der er sich zeitlebens nicht mehr völlig erholte. Abgesehen von der Beförderung zum Hauptmann wurde er mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Er hatte aber auch die Eskalation der Kriegführung erlebt. In den Materialschlachten wurde der Gegner gnadenlos bekämpft, die örtliche Bevölkerung durch Geiselnahmen und Erschießungen eingeschüchtert. Paulus erlebte in Serbien den Bewegungskrieg und in der „Hölle von Verdun“ den Stellungskrieg. Prägend wurde für ihn auch ein starkes elitäres Bewusstsein, da er einer bereits gut motorisierten Eliteeinheit angehörte. Sein Vorbild fand er in dem erzkonservativen Truppenführer Franz Ritter von Epp.Peter Steinkamp: Generalfeldmarschall Paulus. S. 14 ff.
Weimarer Republik Nach dem Krieg war Paulus seit Ende 1918 Angehöriger eines Freikorps beim Grenzschutz Ost, das gegen die Besetzung schlesischer Gebiete durch polnische Truppen kämpfte. Er war in der Organisation des Freiwilligeneinsatzes sowie der Werbung und Rekrutierung eingesetzt, nahm aber selbst nicht an Kämpfen teil.
1919 wurde Paulus in die vorläufige Reichswehr übernommen, 1920 wurde er in Konstanz Regimentsadjutant des 14. Infanterie-Regiments. Paulus sympathisierte mit den Kapp-Putschisten, konnte aber seine Karriere dennoch zielstrebig fortsetzen. In Stuttgart war er von 1924 bis 1927 als Generalstabsoffizier eingesetzt und erhielt anschließend als Kompaniechef im 13. Infanterie-Regiment sein erstes Truppenkommando. Hier lernte er Erwin Rommel kennen, der Kompaniechef der Maschinengewehrkompanie war. Danach war Paulus bis 1931 als Taktiklehrer in der Division tätig und machte in dieser Funktion durch seine operative Begabung auf sich aufmerksam. Im Februar 1931 wurde er an die Kriegsschule nach Berlin versetzt und zum Major ernannt. Als Lehrgangsleiter für Taktik und Kriegsgeschichte wurde er in der Offiziersausbildung eingesetzt.
Zeit des Nationalsozialismus Vorkriegszeit In der Reichshauptstadt wurde Paulus Zeuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten; seine persönliche Einstellung dazu ist nicht überliefert. Das Offizierskorps blieb eher indifferent, da die Reichswehr an der unmittelbaren Verfolgung der politischen Gegner und den Straßenschlachten nicht beteiligt war. Lediglich die Ambitionen der SA wurden mit Beunruhigung gesehen.
Seit April 1934 Kommandeur der Kraftfahr-Abteilung 3 in Wünsdorf nahe Berlin, wurde Paulus mit seinem Verband während des Röhm-Putsches zwar in Alarmbereitschaft versetzt, kam jedoch nicht zum Einsatz.
Die 1935 wieder eingeführte Wehrpflicht sowie die verstärkte Aufrüstung fanden ausdrücklich Zustimmung im Offizierskorps. Paulus, 1935 zum Oberst befördert und im September zum Chef des Generalstabs der Kraftfahrtruppen ernannt, war in dieser Funktion maßgeblich am Aufbau und an der Entwicklung der deutschen Panzerwaffe beteiligt. Nach vier Jahren wurde er Anfang 1939 Chef des Generalstabs des XVI. Armeekorps unter dem Kommando Generalleutnant Erich Hoepners, gleichzeitig wurde er zum Generalmajor ernannt.Peter Steinkamp: Generalfeldmarschall Paulus, S. 21 ff.
Zweiter Weltkrieg mini|Paulus (rechts neben Hitler) bei einer Lagebesprechung an der Ostfront im Juni 1942 Die Mobilmachung 1939 brachte Paulus den Posten als Chef des Generalstabs der 10. Armee in Leipzig, die nach dem Sieg über Polen am 10. Oktober 1939 in 6. Armee umbenannt wurde. Als rechte Hand von Oberbefehlshaber Generaloberst Walter von Reichenau nahm Paulus am Überfall auf Polen und am Westfeldzug teil, dabei gelangte er im Osten über Częstochowa, Kielce, Radom und Lublin bis nach Warschau, im Westen über Lüttich, Flandern, Lille, die Somme, Oise, Aisne, Marne und Seine nach Orléans und über die Loire bis an die Kanalküste in der Normandie, die sein Verband Ende Juli 1940 erreichte.
Oberquartiermeister I Am 3. September 1940 trat Paulus seine neue Stelle als Oberquartiermeister I beim Generalstab des Heeres an. Damit war er Stellvertreter des Generalstabschefs Franz Halder. Über ihm standen nur noch Halder und der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch. Erste Operationsstudien für den von Hitler befohlenen Angriff auf die Sowjetunion, das Unternehmen Barbarossa, lagen bereits vor. Paulus übernahm nun die detaillierte Ausarbeitung des operativen Vorgehens. Er erkannte die Notwendigkeit eines schnellen Vorstoßes mit dem Ziel der Eroberung Moskaus. Um die Sowjetunion schnell niederwerfen zu können, war es nach seinem Dafürhalten notwendig, mit schnellen Panzerverbänden vorzustoßen und zu verhindern, dass kampfkräftige feindliche Verbände in die Weite des Raumes abziehen konnten. Für den Fall, dass dieser Plan nicht gelang, sah der Generalstab einen lange dauernden Krieg voraus, dem die Wehrmacht schwerlich gewachsen wäre. Am 18. Dezember 1940 gab Hitler den Befehl, den Angriff in die Wege zu leiten.
Im ersten Halbjahr 1941 war Paulus an den Verhandlungen mit den deutschen Verbündeten für den Krieg gegen die Sowjetunion beteiligt. Sein Anteil an der Vorbereitung des Unternehmens Barbarossa beschränkte sich somit nicht nur auf Planspiele, sondern schloss auch die aktive Abstimmung mit den anderen Partnern der Achse mit ein.
Am 24. April wurde Paulus nach Nordafrika gesandt, wo seit Februar 1941 das Deutsche Afrikakorps das italienische Heer im Kampf gegen die britische Armee unterstützte. Der Generalstab stand den Offensiven Rommels skeptisch gegenüber, da sie nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt waren und für den Angriff auf die Sowjetunion benötigte Ressourcen banden. Ein verzögerter Angriffstermin aber würde es unmöglich machen, die Kampfhandlungen vor Beginn der herbstlichen Schlammperiode siegreich zu Ende zu führen. In Nordafrika nahm Paulus am 30. April und 1. Mai am erfolglosen Angriff auf die Festung Tobruk teil, flog dann am 8. Mai nach Rom zu einem Treffen mit dem Duce Benito Mussolini. Von Rom aus kehrte er zwei Tage später nach Berlin zurück.
Am 22. Juni 1941 begann Deutschland seinen Krieg gegen die Sowjetunion. Nach anfänglichen großen Erfolgen der deutschen Truppen wurde die mehrmonatige Schlacht um Moskau ab Oktober 1941 zu einem Misserfolg. Hitler, der von Anfang an statt einer militärischen Kriegführung eine wirtschaftliche angestrebt hatte, entschloss sich nun gegen den heftigen Widerstand des Generalstabes des Heeres, das Hauptgewicht auf die Besetzung des wichtigen Industriegebietes im Donezbecken zu legen und gleichzeitig an dem Ziel der Eroberung Leningrads festzuhalten. Nachdem dies nicht gelungen war, begann am 8. September 1941 die jahrelange Leningrader Blockade. Damit fehlten der Wehrmacht die Kräfte für die Einnahme Moskaus und ein langwieriger Krieg stand bevor. In dieser Situation schickte Generalstabschef Halder Paulus zur Beurteilung der örtlichen Lage an verschiedene Frontabschnitte. Im August 1941 besuchte er auch die 6. Armee und ihren Oberbefehlshaber Reichenau im Abschnitt der Heeresgruppe Süd. Hier erkrankte er wieder an der Amöbenruhr, zudem machte er auf Beobachter einen müden und überarbeiteten Eindruck. Obwohl Paulus wusste, dass Hitler sich mit der Einschätzung, die Sowjetunion würde schnell zusammenbrechen, geirrt hatte, versah er seinen Dienst dennoch pflichtschuldig und gestand Hitler die Entscheidungsgewalt zu.Peter Steinkamp: Generalfeldmarschall Paulus, S. 29 ff.
Verwendung an der Ostfront