mini|Roter Piranha (Pygocentrus nattereri)

Zu den Piranhas (Plural von Piranha [], Tupí-Guaraní, bestehend aus pirá für „Fisch“ und anha für „Zahn“anha auf maniadehistoria.wordpress.com/mini-dicionario-tupi-guarani) werden fünf Fischgattungen aus der Familie der Sägesalmler (Serrasalmidae) gezählt. Es handelt sich um zumeist räuberische Fische, die in den tropischen Süßgewässern Südamerikas vorkommen.

Piranhas sind zumeist hochrückige, seitlich stark abgeflachte Schwarmfische mit sehr scharfen Zähnen. Die Rückenflosse ist oft verhältnismäßig lang. Sie erreichen eine Größe von etwa 15 bis 40 Zentimetern.

Piranhas besitzen ein ausgeprägtes Schwarmverhalten. Bei Einzeltieren konnten Panikreaktionen und Stress nachgewiesen werden, während Piranhas in der Gruppe diese Phänomene auch bei der Nähe eines Feindes nur in geringem Maße zeigen.

Die Lebenserwartung der Piranhas beträgt etwa 15 Jahre. Allerdings können im Aquarium gehaltene Piranhas über 30 Jahre alt werden.

Systematik Ursprünglich wurden alle Piranhas der Gattung Serrasalmus zugeordnet. Die heute existierenden fünf Piranha-Gattungen bilden innerhalb der Sägesalmler (Serrasalmidae) zusammen eine monophyletische Klade, die allerdings erst jüngst erkannt wurde und noch keinen wissenschaftlichen Namen hat.

Gattungen und Arten mini|Wimpelpiranha (Catoprion sp.) mini|Piraya (Pygocentrus piraya) mini|Pygopristis denticulata mini|Serrasalmus elongatus mini|Serrasalmus marginatus mini|Serrasalmus rhombeus mini|Pygocentrus nattereri

Wimpelpiranhas Catoprion Müller & Troschel, 1844 Catoprion absconditus Mateussi et al., 2020 Catoprion mento (Cuvier, 1819) Megapiranha Cione et al., 2009, nur eine Art Megapiranha paranensis Cione et al., 2009, ausgestorben (oberes Miozän) Pristobrycon Eigenmann, 1915 (Carabitos), relativ seltene und weniger aggressive Piranha-Arten im Unter- und Mittellauf des Amazonas, Guayana-Region und dem Orinocodelta Pristobrycon aureus (Spix & Agassiz, 1829) Schlusslichtpiranha (Pristobrycon calmoni Steindachner, 1908) Pristobrycon careospinus Fink & Machado-Allison, 1992 Pristobrycon maculipinnis Fink & Machado-Allison, 1992 Pristobrycon striolatus (Steindachner, 1908) Pygocentrus Pygocentrus cariba (Humboldt in Humboldt & Valenciennes, 1821) Roter Piranha (Pygocentrus nattereri Kner, 1858) Pygocentrus palometa Valenciennes, 1850 (Nomen dubium) Piraya (Pygocentrus piraya Cuvier, 1819) Pygopristis Müller & Troschel, 1844 (nur eine Art) Pygopristis denticulata (Cuvier, 1819) Serrasalmus Lacepède, 1803 (Pirambebas) mit derzeit 31 Arten die artenreichste Gattung (Stand: August 2014), Untergattung Taddyella charakterisiert durch konvexe Kopf-Körper-Umrisslinie Serrasalmus altispinis Merckx, Jégu & Santos, 2000 Serrasalmus altuvei (Ramirez, 1965) Pirambeba (Serrasalmus brandtii Lütken, 1875) Serrasalmus compressus Jégu, Leão & Santos, 1991 Serrasalmus eigenmanni (Norman, 1929), Vorkommen: Essequibo, Potaro, Rio Tampoc in der Guayana-Region Serrasalmus elongatus Kner, 1858 Serrasalmus geryi Jégu & Santos, 1988 Serrasalmus gibbus Castelnau, 1855 Serrasalmus gouldingi Fink & Machado-Allison, 1992 Serrasalmus hastatus Fink & Machado-Allison, 2001 Serrasalmus hollandi (Eigenmann, 1915) Serrasalmus humeralis Valenciennes, 1850 Serrasalmus irritans Peters, 1877 Serrasalmus maculatus Kner, 1858 Serrasalmus manueli (Yepez, Ramirez, 1967) Serrasalmus marginatus Valenciennes, 1837 Serrasalmus medinai (Ramirez, 1965) Serrasalmus nalseni Fernández-Yépez, 1969 Serrasalmus neveriensis Machado-Allison, Fink, López Rojas & Rodenas, 1993 Serrasalmus nigricans (Spix & Agassiz, 1829) Serrasalmus odyssei Hubert & Renno, 2010 Schwarzer Piranha (Serrasalmus rhombeus Linnaeus, 1766) Serrasalmus sanchezi Géry, 1964 Serrasalmus scapularis (Günther, 1929), Vorkommen: Rio Essequibo Serrasalmus serrulatus (Valenciennes, 1850) Schwarzband-Sägesalmler (Serrasalmus spilopleura Kner 1858)angelfire.com

Die Verwandtschaftsbeziehungen der einzelnen Gattungen zueinander zeigt das folgende Kladogramm.N. Hubert, F. Duponchelle, J. Nunez, C. Garcia-Davila, D. Paugy, J.-F. Renno: Phylogeography of the piranha genera Serrasalmus and Pygocentrus: implications for the diversification of the Neotropical ichthyofauna. In: Molecular Ecology. (2007) 16, S. 2115–2136. doi:10.1111/j.1365-294X.2007.03267.x Die Schwestergruppe der Piranhas ist die Gattung Metynnis.A. W. Thompson, R. Betancur-R., H. López-Fernández, G. Ortí: In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 2014.

Verbreitung mini|Verbreitung der drei Pygocentrus-Arten mini|Verbreitung der Serrasalmus-Arten Das Verbreitungsgebiet der Piranhas erstreckt sich vom Orinoco im Norden Südamerikas bis in die subtropischen Bereiche des Río Paraguay im Süden.

Von den derzeit rund 40 bekannten Arten sind 25 im Amazonasbecken beheimatet, 16 leben im Orinocogebiet, 9 finden sich in den Flüssen Guyanas, 8 im Paraguay-Paraná-Gebiet und lediglich 2 im Rio São Francisco. Einige Arten sind räumlich sehr weit verbreitet, wohingegen andere nur lokal vorkommen.

Oftmals sind mehrere Arten gleichzeitig im selben Gewässer zu finden, dabei ist es unerheblich, ob es sich um fließende oder stehende Gewässer handelt. Sieben unterschiedliche Piranha-Arten wurden etwa im Cano Maporal, einem kleinen Fluss in Venezuela, beobachtet.

Piranhas als Aquarienfische werden manchmal in fremde Gewässer ausgesetzt, so wurden sie schon in der Hamburger Alster gflk.de wie auch im rheinländischen Fluss Erft, der durch warmes Grundwasser, das sogenannte Sümpfungswasser aus dem Braunkohleabbau, gespeist wird, als „Exoten“ gefangen.Erftverband, Bergheim.

In den USA ist das Aussetzen von Piranhas gesetzlich verboten, da sich die Tiere in den warmen Gewässern Floridas oder Texas’ etablieren könnten. 1977 hat man beobachtet, dass sich Piranhas der Art Serrasalmus humeralis in einigen Gewässern Floridas vermehren. Diese Art kann Wassertemperaturen bis minimal 11 °C tolerieren. Daraufhin wurden diese Populationen nicht-einheimischer Fische mit Rotenon vernichtet.

Lebensraum Die meisten Piranha-Arten leben in den Weißwasserflüssen Südamerikas. Weißwasserflüsse sind sehr nährstoffreiche Fließgewässer, hell gefärbte Lehmwasserflüsse mit feinem suspendiertem Mineralanteil (Feinschluff und Ton), die Farbe reicht vom milchigen gelb-grau oder rötlich-bräunlich durch tropische Rotlehme und ausgeschwemmten Lateritböden. Die Masse des Wasserkörpers eines Weißwasser- oder Lehmwasserflusses ist dunkel oder völlig lichtlos. In den Randzonen der Várzeas setzen sich die Trübstoffe ab, so dass das Sonnenlicht mehrere Meter eindringen und das Wasser auf Temperaturen zwischen 26 und 30 °C aufheizen kann. Somit ist das Wachstum von Wasserpflanzen möglich, es entstehen tierische Nahrungsketten, an deren Spitze unter anderem die Piranhas als Raubfische stehen. Typische Weißwasserflüsse sind der Amazonas, Rio Solimões, Río Paraguay und Rio Paraná, in denen auch die größte Verbreitung von Piranha-Arten zu verzeichnen ist.

In Schwarzwasserflüssen, die durch starkes Eintrüben von organischem Material und Huminstoffen charakterisiert sind, wie dem Rio Negro, kommen Piranhas meist nur in Mischwasserzonen vor, wo aus Nebenflüssen Weißwasser in den Hauptstrom fließt.

Nährstoffreiche Klarwasserflüsse wie der Rio Xingu oder Rio Tapajós, die aufgrund ihrer starken Durchdringung von Sonnenlicht sehr artenreich sind, haben meist nur in der Mischwasserzone mit Weißwasserflüssen größere Piranha-Populationen. Piranhas halten sich dort meist nur in den trüben Mündungsbereichen auf, wo sich Weißwasser mit Klarwasser mischt.

Piranhaschwärme finden sich vermehrt in langsam fließenden Flussbereichen, in toten Flussarmen oder stehenden Gewässern, die nur periodisch bei Hochwasser mit dem Hauptstrom verbunden sind.Wolfgang Schulte: Piranhas, Wissenswertes über Verhalten, Pflege und Zucht. 1982.

In gestauten Flussbereichen beobachtet man ein starkes Ansteigen der Piranhapopulation.

Jagd

mini|links|Unterkiefer vonPygocentrus nattereri mini|Roter Piranha

Es wird häufig beobachtet, dass kleinere Pirambeba-Rudel (Serrasalmus brandtii) in den Flüssen den größeren Piranhaschwärmen folgen und die Abfallprodukte der Raubfische fressenPiranhas und Pirambebas – die Hyänen und Schakale der Flüsse Südamerikas auf www.aqualog.de. Sie jagen vor allem Fische und Krustentiere, greifen aber, besonders bei dichter Besiedelung, auch größere Wirbeltiere an, da sie aufgrund ihrer scharfen Zähne in der Lage sind, Fleischstücke aus der Beute herauszureißen. Der Piranha fixiert zuerst die Beute, schießt dann auf sie zu und beißt zu. Anschließend kommt die Rüttelbewegung (wie bei Haien), um das Fleischstück zu lösen. Zum Schluss entfernt er sich von der Beute und schluckt.

In ihrer Heimat übernehmen sie in gewissem Maße die Rolle der „Gesundheitspolizei“. Somit erfüllen die Piranhas eine wichtige Funktion zugunsten des ökologischen Gleichgewichtes, weil durch das Vertilgen von Tierkadavern gefährliche Epidemien verhindert werden.

Dabei ist das Aggressionsverhalten der Tiere berüchtigt. Tatsächlich ist die in Abenteuerromanen und -filmen gezeigte Gefährlichkeit der Tiere jedoch maßlos übertrieben.

Zu den natürlichen Feinden der Piranhas zählen Amazonasdelfine, Kaimane, Greifvögel, große Raubfische wie der Arapaima, Riesenotter oder, bei verletzten Tieren, eben auch ihre eigenen Artgenossen.

Brutverhalten Piranhas üben eine intensive Brutpflege aus. Im trüben Weißwasser etwa wird der Laich gern zwischen Wasserpflanzen, teils bis dicht unter der Wasseroberfläche an den Wurzeln der Wasserhyazinthen deponiert. Nach dem Ende des Laichvorgangs übernimmt meist das Männchen die Verteidigung und Versorgung des Geleges und der Larven. Die Brutpflege endet mit der Schwimmfähigkeit der Jungfische.

Gefährlichkeit

Im Gegensatz zu der Vielzahl an Geschichten zu Angriffen auf Menschen gibt es nur wenige wissenschaftliche Daten, die dieses Verhalten der Tiere belegen. Von den sehr wenigen Fällen, in denen Schwärme von Piranhas Menschen gefressen haben, sind im südlichen Brasilien drei belegt, bei denen die Menschen jedoch schon vorher an Herzversagen oder Ertrinken gestorben sind. Verletzungen bei Badenden kommen vor. Meist ist es ein einzelner Biss, im Allgemeinen durch Fische, die ihre Brut verteidigen.Vidal Haddad, Ivan Sazima: Piranha Attacks on Humans in Southeast Brazil: Epidemiology, Natural History, and Clinical Treatment, With Description of a Bite Outbreak. In: Wilderness and Environmental Medicine, 2003, 14, S. 249–254; researchgate.net (PDF). Jan H. Mol untersuchte 2006 in Suriname Unfälle zwischen Piranhas und Menschen. Untersucht wurden drei Regionen der Flüsse Suriname und Wayambo und es stellte sich heraus, dass die meisten Opfer Kinder waren, die beim Baden von größeren vereinzelten Exemplaren des Serrasalmus rhombeus in die Füße gebissen wurden. Angriffe mehrerer Fische auf Menschen kamen sehr selten vor. Beißattacken erfolgten nur vereinzelt, das Opfer wurde nicht weiter verfolgt. Charakteristisch war, dass fast alle Angriffe zur Trockenzeit und in von Essensresten, Fischabfällen und Blut verunreinigten Gewässerzonen stattfanden.Attacks on humans by the piranha Serrasalmus rhombeus in Suriname. Center for Agricultural Research in Suriname (CELOS) and Department of Biology, University of Suriname, Suriname.

mini|Piranha (Nahaufnahme) Mögliche Ursprünge der vielfältigen und weitverbreiteten Vorstellungen bezüglich der Gefährlichkeit von Piranhas sind bereits in den Anfängen der wissenschaftlichen Erkundung der südamerikanischen Fauna zu finden. Alexander von Humboldt, der Pygocentrus cariba 1821 zuerst beschrieb, fasste seine Charakterisierung folgendermaßen zusammen: