Die Stadt Kandel liegt in der Südpfalz im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz und ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Kandel.

Geographie mini|Die Turmgasse mit dem St.-Georgs-Turm mini|Luftbild aus Südwest

Kandel liegt am Nordrand des Bienwaldes, etwa 12 Kilometer von der französischen Grenze entfernt, 19 km südlich von Landau und 20 km westnordwestlich von Karlsruhe in der Oberrheinischen Tiefebene.

Klima Der Jahresniederschlag beträgt 735 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD

Gewässer Im Süden bildet der Otterbach teilweise die Gemarkungsgrenze zu Wörth. Innerhalb der Ortslage nimmt er von rechts den Bruchbach auf. Der Erlenbach bildet im Norden großteils die Grenze zu Steinweiler und Erlenbach bei Kandel. Im Nordosten der Gemarkung mündet der Altbach in ihn.

Nachbargemeinden Wörth am Rhein, Jockgrim, Rheinzabern, Hatzenbühl, Erlenbach bei Kandel, Steinweiler, Winden (Pfalz), Minfeld.

Stadtgliederung Zur Stadt Kandel gehören neben Kandel selbst auch Minderslachen und Kandel-Höfen.

Ursprünglich war Kandel ein für die Südpfalz typisches Straßendorf. Das eigentliche Stadtgebiet gliedert sich in verschiedene Teile: Oberkandel (westlicher Teil), Mittelkandel (mittlerer Teil) und Unterkandel (östlicher Teil). Wegen der Größe des langgestreckten Ortes waren zeitweise auch die Bezeichnungen Langenkandel bzw. LangencandelCyriak Blödner, Homanns Erben: Historische Karte des Fürstbistums Speyer. veröffentlicht 1753 üblich. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entstand südlich der Innenstadt die sogenannte Gartenstadt, in der Nachkriegszeit kamen diverse Neubaugebiete hinzu. Seit Anfang 2006 läuft die Erschließung des Neubaugebiets „Am Höhenweg“.

Geschichte Mittelalter Die erste Erwähnung Kandels findet sich in einer Urkunde des Speyerer Bischofs Günther von Henneberg aus dem Jahre 1150. Dort ist ein „Adelbrath von Canele“ als Zeuge einer Schenkung genannt. Der Name ist möglicherweise eine Eindeutschung von lateinisch canalis (’Röhre, Rinne, Wasserlauf‘), siehe Kandel (Abfluss). Urkunden sprechen im Jahre 1348 von einer Kirche in Kandel, deren Entstehungsjahr jedoch noch nicht hat nachgewiesen werden können.

Emich V. von Leiningen verpfändete 1374 zusammen mit weiteren Dörfern auch Kandel und Minderslachen an den pfälzischen Kurfürsten Ruprecht I. Ab 1379 musste Kandel zwei Herren dienen, da die Herrschaft Guttenberg gemeinsamer Besitz der Grafen von Leiningen-Hardenberg und der pfälzischen Kurfürsten wurde. Aufgrund der „Pfälzischen Teilung“ 1410 fiel der wittelsbachische Teil der Herrschaft Guttenberg mit Kandel an Pfalzgraf Stephan, den Begründer des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. 1460 ließ Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz, von seinen Freunden Friedrich der Siegreiche, von seinen Feinden Der böse Fritz genannt, Kandel wegen eines Streits mit seinem Vetter Ludwig von Zweibrücken brandschatzen. Drei Jahre später übertrug Graf Schaffried von Leiningen seinen Anteil an Guttenberg an die Herren von Lichtenberg. Diese verkauften ihre Rechte bereits einen Tag später an den Kurfürsten Friedrich und den Zweibrücker Herzog Wolfgang. Die beiden pfalz-wittelsbachischen Linien verwalteten nunmehr die Herrschaft gemeinsam. Im Jahre 1475 wurde die an Stelle des 1460 zerstörten Gotteshauses erbaute neue Kirche zu Ehren der Mutter Gottes und des heiligen Märtyrers Georg vollendet. Vier Jahre später übertrug Bischof Ludwig von Helmstatt dem Ritter Heinrich von Otterbach 30 Morgen Äcker auf der Huldeburg bei Kandel. Diese Burg stand der Überlieferung nach auf dem Holderbühl. Spätestens 1481 war das ortsansässige Rittergeschlecht erloschen. Letzter Namensträger war Ritter Egon von Candel. Das Ritterlehen ging an Hans von Helmstädt über.

Bauernaufstand und Dreißigjähriger Krieg Mit Vollendung des St. Georgsturmes 1519 entstand das heute noch bestehende Wahrzeichen der Stadt Kandel. 1525 beteiligten sich die Kandeler Bauern am Bauernaufstand. Anführer des Kandeler Haufe war der Schultheiß Mattes Josel. Nach dem Tod von Kurfürst Ottheinrich 1559 fiel der Anteil der Kurlinie an Guttenberg an Pfalz-Zweibrücken. Neben der regierenden Linie dieses Hauses waren aber auch noch Nebenlinien Miteigentümer, zunächst Pfalz-Veldenz, gefolgt von Pfalz-Sulzbach, Pfalz-Kleeburg und Pfalz-Birkenfeld. Die kroatischen Truppen von Leopold von Österreich plünderten im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs 1622 den Ort und steckten die Kirche und „viele schöne Häuser“ in Brand. Auch zehn Jahre später, 1632, wurde Kandel noch mehrmals geplündert. Das Dach der Kirche, die von französischen Soldaten als Wachlokal genutzt wurde, brannte dann 1635 ab. Gegen Ende des Krieges, 1644, verwüsteten die Truppen des französischen Marschalls Turenne das Gebiet um Kandel, ein Ereignis, das sich dreißig Jahre später wiederholen sollte, bevor 1675 der kaiserliche Feldmarschall Raimondo Montecuccoli in Kandel sein Hauptquartier aufschlug. Aufgrund einer Entscheidung einer der von Ludwig XIV. errichteten Reunionskammern wurde die Herrschaft Guttenberg und damit auch Kandel 1680 als Teil der sogenannten Souveränitätslande dem französisch gewordenen Elsass einverleibt. Der französische König sah sich als Souverain dieses Gebietes und betrachtete die dort regierenden deutschen Fürsten, darunter auch den Herzog von Zweibrücken, als seine Lehnsleute. 1684 wurde in Kandel wieder eine katholische Pfarrei eingerichtet. Es war dies eine sogenannte Königspfarrei, da die Wiedergründung vom Straßburger Intendanten de la Grange als Vertreter der französischen Behörden ausging. Die Georgskirche wurde Simultankirche, nachdem an Weihnachten 1684 den Katholiken deren Chor zugesprochen wurde. Zwischen Chor und Schiff wurde eine Mauer errichtet, die jedoch bereits 1686 wieder abgebrochen wurde.

18. Jahrhundert Im Verlauf des Spanischen Erbfolgekriegs diente der Ort 1702 dem kaiserlichen Heerführer Ludwig von Baden, berühmt unter dem Namen „Türkenlouis“ als Hauptquartier, ebenso 1704 dem kaiserlichen Generalissimus Prinz Eugen von Savoyen, dem „Edlen Ritter“ und dem englischen Feldherrn John Churchill, Herzog von Marlborough, sowie 1706 den französischen Generälen Luxembourg und Villars sowie dem Kurfürsten von Hannover. 1733 wurde Herzog Christian von Zweibrücken aus der Linie Pfalz-Birkenfeld alleiniger Herr von Guttenberg, allerdings unter französischer Oberherrschaft. Zwei Jahre später, nach dem Tod von Herzog Christian III., mussten der Schultheiß von Kandel und mit ihm die Schultheißen aller übrigen Orte der Herrschaft Guttenberg im Schloss Minfeld dem französischen König huldigen. 1785 wurde das Kandeler Rathaus fertiggestellt. Die Sansculotten plünderten Kandel neun Jahre später und brachten unter anderem die Glocken des Georgsturmes weg. Im Jahr 1790 wurden die Orte südlich der Queich dem Département Bas-Rhin zugeordnet. Kandel wurde Kantonsort und Sitz eines Friedensgerichts.

19. Jahrhundert Unter den napoleonischen Truppen, die in Kandel Quartier machten, brach 1812 eine Typhusepidemie aus. Mehr als 600 Soldaten starben und wurden in drei Massengräbern auf dem damaligen Kandeler Friedhof, an der Stelle des heutigen Marktplatzes beigesetzt. Die Pfalz wurde 1816 ein Teil Bayerns. Dessen erster König Maximilian I. Joseph kam aus dem Hause Pfalz-Birkenfeld, der letzten Herrscher-Dynastie über das Amt Guttenberg. Kandel blieb Kantonsort.

Im „tollen Jahr 1849“, dem Jahr des Pfälzischen Aufstandes, errangen auch in Kandel die sogenannten „Patrioten“ und die Umsturzpartei die Oberhand. Elias Fischer sowie die Brüder Philipp Franz und Adolf Martin Weigel und der zum Bürgermeister gewählte Philipp Rothhaas aus der Kandeler „Posthalter-Dynastie“ waren die herausragenden Köpfe der Patrioten.

Bereits im Jahr 1864 erhielt Kandel einen Bahnanschluss.

mini|hochkant|Balken und Schleifstein, die Spuren von tödlichen Granatsplittern aus dem Jahr 1945 tragen 20. Jahrhundert Mit Beginn des 20. Jahrhunderts gab es auch Elektrizität im Ort; Kandel erhielt 1900 ein eigenes E-Werk. Neun Jahre später wurde die erste Wasserleitung fertiggestellt. Nach Ende des Ersten Weltkriegs 1918 wurde Kandel von französischen Truppen besetzt.

1937 erhielt Kandel die Stadtrechte.

Der Zweite Weltkrieg endete für Kandel mit der Besetzung durch amerikanische, später dann durch französische Truppen. Als Teil der Französischen Besatzungszone kam Kandel am 30. August 1946 gemäß Verordnung Nr. 57Verordnung Nr. 57 vom 30. August 1946, bezüglich der Schaffung eines rhein-pfälzischen Landes. In: Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland, Nr. 35 vom 20. August 1946, S. 291 f., Digitalisat der Deutschen Nationalbibliothek: der französischen Militärregierung an das neu gegründete Land Rheinland-Pfalz.

Im Gedenken an die während des Dritten Reichs deportierten Juden wurden im September 2012 in Kandel Stolpersteine verlegt.

1958 wurde die St. Piuskirche eingeweiht und das Simultaneum von 1684 aufgehoben. Im gleichen Jahre wurde bei Bauarbeiten in der Goethestraße ein römisches Grab mit wertvollen Grabbeigaben gefunden, datiert auf das frühe 4. Jahrhundert. Die Grabbeigaben befinden sich im Museum in Speyer, der Steinsarg steht im St. Georgsturm. 1965 erhielt Kandel die Europafahne und die Aristide-Briand-Gedenkmedaille.

Ab 1984 wurde das Gewerbegebiet Horst erschlossen.

21. Jahrhundert Kandel feierte 2001 mit einjähriger Verspätung seine 850-Jahr-Feier mit einem Stadtfest. 2005 wurde mit dem Bau einer neuen Sport- und Mehrzweckhalle begonnen und der renovierte Bahnhof eingeweiht. Ein Jahr später begann die Erschließung des neuen Baugebiets Am Höhenweg. Außerdem wird seit Frühjahr 2006 das Stadtbild von Kandel unter anderem durch die Bienwald-Biene geprägt. Die Biene ist ein mit Fühlern knapp zwei Meter großes Standbild. Sie ist in bunter Bemalung im Stadtgebiet anzutreffen.

Ende Dezember 2017 geriet der Ort in die Schlagzeilen, als der Afghane Abdul D. seine 15-jährige Ex-Freundin Mia V. durch mehrere Messerstiche tötete.In Drogerie getötetes Mädchen: 15-jähriges Opfer hatte sich von mutmaßlichem Messerstecher getrennt. Spiegel Online, 28. Dezember 2017, abgerufen am 29. Dezember 2017. Der Täter, der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen war, wurde im September 2018 vom Landgericht Landau wegen Mordes zu 8 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt.Urteil im Kandel-Prozess: Nach dem Gewalttod der 15-jährigen Mia in Kandel ist der Ex-Freund des Opfers zu acht Jahren und sechs Monaten Haft wegen Mordes verurteilt worden. Tagesspiegel, 3. September 2018, abgerufen am 23. Februar 2021. Seit dieser Tat wurde Kandel regelmäßig zum Schauplatz für rechtspopulistische und rechtsextreme Demonstrationen.Anna-Lena Ripperger: Demonstrationen in Kandel: Eine Stadt in Geiselhaft. In: FAZ.net, 24. März 2018, abgerufen am 25. März 2018. In verschiedenen Bündnissen wehren sich Kandler Bürger gegen die Instrumentalisierung ihrer Stadt für rechtsextreme Propaganda. Das bürgerliche Bündnis „WIR sind Kandel“ wurde dafür zusammen mit „Kandel AKTIV“ am 8. Dezember 2018 mit dem „Brückenpreis“ des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Bevölkerung Einwohnerstatistik Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Kandel

Jahr Einwohner 1802Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz. 1863, S. XX des Anhangs. 2.855 1815 3.498 1835 3.829 1849 3.667 1861 3.500 1871Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden. 1873, S. 65. 3.383 1905 3.665 1939 4.659 Jahr Einwohner 1950 5.118 1965 6.165 1970 6.459 1975 7.166 1980 7.403 1985 7.315 1990 8.070 1995 8.292 Jahr Einwohner 2000 8.377 2005 8.329 2010 8.427 2015 8.943 2017 9.066 2018 9.061 2019 9.034 2020 9.116Gemeindestatistik Kandel 2020 Konfessionsstatistik