Die SchücoArena (traditionell (Bielefelder) Alm oder Alm-Stadion; im Grundbuch Stadion an der Melanchthonstraße) ist das Fußballstadion des Deutschen Sportclubs (DSC) Arminia Bielefeld. Das Stadion an der Melanchthonstraße bietet 26.750 Zuschauern Platz (18.703 Sitz- und 8.047 Stehplätze)https://www.arminia.de/neues/schlagzeilen/detail/aktualisierte-stadionkapazitaet-der-schuecoarena, womit es das größte Stadion der Region Ostwestfalen-Lippe ist.
Standort und Verkehrsanbindung Das Stadion zeichnet sich durch seine innerstädtische Lage aus und befindet sich im Stadtbezirk Mitte inmitten eines Wohngebietes. Es ist in ca. 18 Minuten zu Fuß vom 1,5 km entfernten Bielefelder Hauptbahnhof aus zu erreichen. Die Stadtbahn Bielefeld bedient das Stadion über die Linie 3 (U-Bahn-Haltestellen „Nordpark“ und „Wittekindstraße“) und 4 (U-Bahn-Haltestelle: „Rudolf-Oetker-Halle“). Vor und nach Heimspielen von Arminia Bielefeld verkehren die Bahnlinien 1–4 zwischen ihrer eigentlichen Endhaltestelle und der Endstation Lohmannshof (4) beziehungsweise dem Wendegleis zwischen den beiden Verkehrsgleisen kurz nach dem Aufgang aus dem Tunnel in die Stadt zwischen den Haltestellen Graf-von-Stauffenberg-Straße und Rudolf-Oetker-Halle. Die Linienführung führt auch weiter zur Universität, wo durch mehrere Parkhäuser und Parkplätze ausreichend Stellplätze für PKW zur Verfügung stehen.
Geschichte mini|Südwest-Ansicht vor dem Neubau der Osttribüne Namensgebung Über die Frage, wie es Mitte der 1920er-Jahre zu dem für ein Stadion außergewöhnlichen Namen „Alm“ kam, kann heute nur noch spekuliert werden. Nach der am häufigsten genannten Version geht der Name auf das Vereinsmitglied Heinrich Pehle zurück, der beim Anblick des Geländes „Hier sieht es ja aus wie auf der Alm.“ sagte. Eine zweite Variante geht auf ein Zitat des späteren Vereinsführers Karl Demberg zurück („Lasst sie man kommen, auf unserer Alm werden wir sie schon knicken!“). Die Handballabteilung des Vereins hatte stets die Urheberschaft der Namensgebung für sich reklamiert.
Humorvolle Zeitgenossen behaupten, dass das Stadion deshalb „Alm“ heiße, weil es der höchstgelegene Bundesliga-Spielort sei – man brauche dort ein Jahr für den Aufstieg und ein Jahr für den Abstieg.
Seit dem 13. Januar 2004 ist das Unternehmen Schüco International KG Namenssponsor der Spielstätte. Im September 2024 wurde der 2025 auslaufende Vertrag um drei Jahre bis 2028 verlängert.
Entwicklung (1926–1970) mini|Ein Stadion mitten in der Stadt. Blick von der neuen Haupttribüne auf den Bielefelder Westen. mini|Schematische Darstellung der Stadion-Aufteilung
Seit der Vereinsgründung nutzte die Bielefelder Arminia mehrere Sportplätze in der Stadt. Mitte der 1920er-Jahre stellten die Handballer des Vereins den Kontakt zu einem Bauern namens Lohmann her. Die Arminia erwarb für 100 Jahre die Pacht an einem bisher landwirtschaftlich genutzten Gelände. Mit einem Fußballstadion im heutigen Sinne hatte die Alm damals nicht viel gemeinsam. Die Spielfläche glich einem Acker. Der Boden war uneben und eine Rasenfläche gab es höchstens in der Nähe der Außenlinien. Bei Regen sammelte sich das Wasser in unzähligen kleinen Furchen. Um das Spielfeld herum wurden Erdwälle aufgeschüttet, die als Zuschauerränge dienten. Umkleidekabinen gab es nicht. Während die Handballer eine Gartenlaube in der Nachbarschaft des Stadions nutzen konnten, mussten sich die Fußballer bis weit in die 1960er-Jahre in der etwa 300 Meter von der Alm entfernten Gaststätte Scholle (später Schütze) umziehen.Kirschneck, Uhlig u. a., Seite 84
Am 1. Mai 1926 trugen die Fußballer des DSC Arminia ihr erstes Spiel auf der „Alm“ aus. Vor 2.000 Zuschauern konnten die Gäste von Victoria Hamburg mit 5:1 gewinnen. Die Handballabteilung hatte bereits vorher schon auf der Alm gespielt. Über Gegner und Ergebnisse ist jedoch nichts bekannt. Die Handballer waren es auch, die mit den Gegebenheiten der Alm besser zurechtkamen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die „Alm“ von einer Bombe getroffen. Die Schäden hielten sich jedoch in Grenzen. Dafür wurden große Teile der Umzäunung demontiert und als Heizmaterial verwendet. Nachdem die Arminia 1949 in die Oberliga West aufstieg, wurden nur leichte Veränderungen am Stadion vorgenommen. Noch immer hatte das Spielfeld keine einheitliche Rasenfläche und die Tornetze bestanden aus gespanntem Maschendraht. Im Jahre 1954 beschloss die Stadt, die „Alm“ in einem Vierjahresplan zu einem „Zwischenstadion“ auszubauen.
Auf der gesamten Spielfläche des Stadions wurde Rasen eingesät. Im Bereich der heutigen Haupttribüne wurden die Ränge durch Betonstufen befestigt.Kirschneck, Uhlig u. a., Seite 86 Der damalige Stadionsprecher Albrecht Lämmchen arbeitete zu jener Zeit unter abenteuerlichen Bedingungen. Seine Ansagen machte er von einem Kassenhäuschen aus und erhielt die Informationen für seine Ansagen per Handzeichen.
Nachdem die Arminia in der Saison 1966/67 Herbstmeister der Regionalliga West wurde, kamen Gerüchte auf, dass der Verein bei einem etwaigen Aufstieg in die Bundesliga ins Herforder Jahnstadion ausweichen müsse. Die Modernisierung der Alm geriet zum Zankapfel zwischen dem Verein und der Stadt. Als Kompromiss wurde die Südtribüne gebaut, auf der 3.000 Stehplätze zur Verfügung standen. Selbst nach diesem Ausbau konnte kein exaktes Fassungsvermögen ermittelt werden.
Ausbau für die Bundesliga (1970–1996) mini|links|Die im Jahr 2007 abgerissene Osttribüne 1970 stieg der DSC schließlich in die Bundesliga auf und die „Alm“ wurde grundlegend ausgebaut. An der Westseite des Stadions wurde eine überdachte Sitzplatztribüne und an der Ostseite eine große provisorische Stehplatztribüne aus Stahlrohrgerüsten errichtet. Durch diese Ausbauten wuchs die Kapazität des Stadions auf 30.000 Plätze. Im Herbst 1970 wurden zwei Flutlichtmasten mit einer Leistung von 1.500 Lux errichtet und am 4. Dezember 1970 fand das erste Flutlichtspiel auf der „Alm“ statt. Trotz widriger Wetterverhältnisse wollten 28.000 das Spiel gegen Hertha BSC sehen.
Die Spieler konnten als Umkleideräume nun die Kabinen in der hinter der Südtribüne stehenden „Almhalle“ nutzen. Durch einen Tunnel gelangten die Spieler an das Spielfeld. Zur Sicherheit wurde der Tunneleingang im Stadion durch Zäune und Stacheldraht gesichert. Insgesamt wurden für die Umbaumaßnahmen, die innerhalb weniger Wochen durchgeführt werden mussten, 1,5 Millionen Mark investiert.Kirschneck, Uhlig u. a., Seite 91
Nach dem zweiten Aufstieg 1978 wurde das Fassungsvermögen des Stadions noch weiter erhöht, indem auch an der Nordseite eine große Stahlrohrtribüne errichtet wurde. Das erste Heimspiel der Saison 1978/79 gegen Schalke 04 sahen 34.882 Zuschauer, die größte bestätigte Zuschauerzahl der Vereinsgeschichte. Im November 1978 sollen über 35.000 Zuschauer die Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern gesehen haben.
Nach der Katastrophe von Heysel am 29. Mai 1985 verschärfte der DFB die Sicherheitsanforderungen der Bundesligastadien. Neben der sportlichen Talfahrt der Arminia verfiel die „Alm“ immer mehr. Die nur als Provisorium gedachten Stahlrohrtribünen verrosteten und auf der Südtribüne herrschte Einsturzgefahr. Nach einer Ortsbesichtigung mussten alle Stehplatztribünen aus Stahlrohrbauweise entfernt werden, wodurch die Kapazität zunächst auf 15.000 sank. Eine neue überdachte Osttribüne wurde errichtet, diesmal in dauerhafter Bauweise aus Betonfertigteilen.
Neubau der Nord-, West- und Südtribüne (1996–1999) mini|Westtribüne Als die Arminia während der Saison 1995/96 aussichtsreiche Chancen auf den direkten Durchmarsch in die Bundesliga hatte, entbrannten neue Diskussionen über einen möglichen Aus- oder Neubau der „Alm“. Das Stadion befand sich zum damaligen Zeitpunkt nicht in einem bundesligatauglichen Zustand. Pläne über Neubauten im „Neuen Bahnhofsviertel“, einem ehemaligen innerstädtischen Industriegebiet, oder „auf der grünen Wiese“ zusammen mit dem FC Gütersloh wurden kontrovers diskutiert. Schließlich einigte man sich darauf, die „Alm“ Stück für Stück auszubauen.Kirschneck, Uhlig u. a., Seite 93
mini|links|Südtribüne Nach langen Verhandlungen mit den Anwohnern der Melanchthonstraße erreichte der Verein einen Kompromiss, der den Ausbau ermöglichte. Der Verein finanzierte die Ausbauvorhaben zu zwei Dritteln und erhielt dabei Bürgschaften von der Stadt Bielefeld und dem Land Nordrhein-Westfalen. Insgesamt kosteten die Baumaßnahmen 15 Millionen Mark. Nach dem Ende der Saison wurden die alten Nord- und Westtribünen abgerissen und durch neue überdachte Tribünen ersetzt. Die neuen Tribünen wurden in Fertigbauweise hergestellt und vor Ort zusammengesetzt. Die Zuschauerkapazität wuchs damit auf 22.512 Plätze.
In den Katakomben der Westtribüne entstanden moderne Umkleideräume sowie Presse- und VIP-Räume. Unter dem Dach wurden vierzig Logen errichtet. Außerdem erhielt die Alm zum ersten Mal eine elektronische Anzeigetafel. Nach dem letzten Heimspiel der Saison 1998/99 wurde die Rasenfläche komplett entfernt, damit die vom DFB vorgeschriebene Rasenheizung eingebaut werden konnte.Kirschneck, Uhlig u. a., Seite 94 Ein Jahr später wurde die Südtribüne abgerissen und passend zu den bestehenden neuen Tribünen neu aufgebaut. Auf dem Dach der Südtribüne wurde eine Solaranlage installiert. Die Kapazität stieg auf 26.601 Zuschauer, die die Heimspiele der Arminia fortan verfolgen konnten.
Im Sommer 2000 wurde zwischen der Süd- und Osttribüne die neue Geschäftsstelle des Vereins errichtet. Juristisch gesehen gehört der Gebäudeteil allerdings nicht zum Stadion.
Neubau der Osttribüne (2006–2008) mini|links|Im Bau befindliche Osttribüne am 21. September 2007. Zu sehen ist der schon fertiggestellte und teilweise bestuhlte Unterrang. Die letzte Ausbaustufe – der Neubau der Gegengeraden – wurde nach dem Abstieg 2003 vorerst nicht weiter verfolgt; mit der Realisierung wurde schließlich im Mai 2006 begonnen. Die Initialzündung für den Ausbau gaben gesetzliche Vorgaben bezüglich des Lärmschutzes. Im Zuge des Ausbaus wurde die Gegentribüne abgerissen und eine neue Haupttribüne als reiner Sitzplatzbereich errichtet. Außerdem wurde die Südtribüne in eine reine Stehplatztribüne umgewandelt. Die Zuschauerkapazität steigerte sich damit auf 27.300 Plätze. Die ursprünglich angedachte Erhöhung auf 28.008 Plätze konnte aufgrund baubehördlicher Auflagen nicht verwirklicht werden.
Vor dem Bau regte sich von Seiten der Anwohner Widerstand und mehrere Klagen verzögerten das Projekt. Durch ein Mediationsverfahren am Verwaltungsgericht Minden konnte eine einvernehmliche Lösung mit den Anwohnern gefunden werden.
mini|Im Bau befindliche Osttribüne (Rückansicht) am 21. September 2007.Nachdem aufgrund des ungeklärten Konflikts mit den Anwohnern zwischen den ersten beiden Heimspielen der Spielzeit 2006/2007 vorerst nur die Südtribüne in eine komplette Stehplatztribüne umgewandelt wurde, begann der endgültige Ausbau erst Anfang Juni 2007 mit dem Abriss der alten Osttribüne. Obwohl die Baugenehmigung seit Mitte April 2007 vorlag, setzte der Verein für die restlichen drei Heimspiele auf die Unterstützung der Osttribüne.