mini|hochkant=1.7|Das Outback (Grenzen nach The Pew Charitable Trusts) mini|Ausdehnung Outback/Rangelands gemäß Department of Agriculture, Water and the Environment mini|Braunfärbung zeigt die ungefähre Ausdehnung des Outback mini|Lage der 10 Wüsten im Outback Als Outback werden die Wildnisregionen Australiens in der Subökumene bezeichnet. Es umfasst nach der Definition des The Pew Charitable Trusts mit 5,6 Millionen km² etwa 72 Prozent der Fläche des Kontinentes; das entspricht in etwa der Hälfte der Fläche von Europa. Das Department of Agriculture, Water and the Environment der australischen Regierung definiert das Outback im weitesten Sinne als Weideland (rangelands), das 81 Prozent der Fläche Australiens ausmacht.Outback Australia - the rangelands. In: awe.gov.au vom 3. Oktober 2021.
Das Outback erstreckt sich hauptsächlich über das Northern Territory und Western Australia sowie Teile von Queensland, New South Wales und South Australia. Im Outback lebten mit Stand 2006 etwa 690.000 Personen und davon waren 17 Prozent Aborigines. Es umfasst die unterschiedlichsten Landschaftsformationen und Klimate. Weite Gebiete des extrem trockenen Outbacks Westaustraliens, in denen manchmal jahrelang kein Regen fällt und im Sommer Temperaturen über 50 °C herrschen, sind völlig unzugänglich. Das Outback von Queensland hingegen besteht zum Teil aus unberührtem tropischen Regenwald. Touristisch gut erschlossen sind die Tropenwälder des Top End, der Kakadu-Nationalpark und die Wüsten des Red Centre mit dem Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark, in dem sich der berühmte Monolith und heilige Berg der Aborigines Uluṟu, auch Ayers Rock genannt, befindet; bekannt sind auch die Karlu Karlu (Devil’s Marbles).
Begriffsverständnis Im touristischen Sprachgebrauch außerhalb Australiens hat sich das Verständnis des Red Centre als pars pro toto für das Outback durchgesetzt, weil dieses durch gute infrastrukturelle Erschließung nicht nur für Globetrotter, sondern auch für Pauschaltouristen zugänglich geworden ist. In Australien wurde der Begriff „Outback“ in gedruckter Form zuerst im Jahre 1869 verwendet und bedeutete zu der Zeit „westlich von Wagga Wagga“ im Bundesstaat New South Wales.Sheena M. Coupe (Hrsg.): Frontier Country – Australias Outback Heritage, Bd. 1. Weldon Russell Publishing, Willoughby 1989, ISBN 1-875202-01-3, S. 36 ff.
Für Australier ist das Outback ein sehr dehnbarer Begriff, dessen Auslegung je nach Wohnort stark variiert. So gehören z. B. für die Einwohner der Metropole Sydney bereits die Blue Mountains (etwa 60 Kilometer westlich von Sydney), Wollongong (etwa 100 Kilometer südlich von Sydney) und Newcastle (etwa 100 Kilometer nördlich von Sydney) zum Outback (in the bush). Alice Springs gibt sich touristisches Outback-Flair, versteht sich aber unter der einheimischen Bevölkerung nicht als Outback.
Von der umgangssprachlichen Verwendung des Begriffs her lässt sich das Outback mit der „patagonischen Pampa“ Argentiniens, dem südafrikanischen High Veld, dem neuseeländischen High Country und dem (historischen) Wilden Westen der USA vergleichen. Das echte Outback sind die autarken Gemeinschaften und Selbstversorgungs-Farmen abseits der urbanen Zentren.
Gelegentlich wird das Wort „Outback“ auch im Rundfunk verwendet, um beim Verkehrsfunk das Umland von größeren Städten zu bezeichnen.
Im Duden ist der Begriff „Outback“ mit „wenig besiedeltes Landesinneres [von Australien]“ und mit „englisch (the) outback, eigentlich = draußen ganz hinten, weit außerhalb“ dargestellt.Outback, abgerufen am 24. Mai 2022. In: Duden
Weitere Bezeichnungen Eine, in Australien weit verbreitete Bezeichnung für das Outback ist „(The) Never Never“. Sie bezieht sich auf die Abgelegenheit und Größe des Gebiets.Geoffrey Blainey, A Land Half Won, Melbourne (Seite 186–188) Sun Books, 1983. ISBN 0-7251-0411-2
Eine Erwähnung findet sich in dem Gedicht „Where the Dead Men Lie“ des australischen Dichters Barcroft Boake, das erstmals am 19. Dezember 1891 im The Bulletin magazine veröffentlicht wurde. Out on the wastes of the Never Never - That's where the dead men lie!There where the heat-waves dance forever -That's where the dead men lieRaus auf die Ödnis des Never Never - Da liegen die Toten!Dort, wo die Hitzewellen für immer tanzen -Dort liegen die Toten Eine frühere Referenz als in Barcroft Boakes Gedicht, bietet „The Never Never Land: a Ride in North Queensland“ (1884) von Archibald William Stirling, daher ist es wahrscheinlich, dass der Begriff mindestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts allgemein verwendet wurde. Die australische Autorin Rosa Campbell Praed hatte 1915 den Roman Lady Bridget in the Never-Never Land veröffentlicht. Auch die australischen Schriftstellerin und Lehrerin Jeannie Gunn hat das Leben in diesem abgelegenen Teil des Northern Territory in zwei Büchern beschrieben, darunter der klassische australische Roman We of the Never Never aus dem Jahr 1927. Der Begriff wurde auch mehrmals in dem Film Australia von Baz Luhrmann aus dem Jahr 2008 verwendet. In der Komödie Crocodile Dundee trägt die Firma des Hauptdarstellers den Namen Never Never Tours, das in der deutschen Synchronisation falsch als „Niemals Wieder Safaris“ übersetzt wird.
Das Outback wird auch als „Back of Beyond“ oder „Back o' Bourke“ bezeichnet, obwohl diese Begriffe auch oft verwendet werden, wenn generell auf etwas „weit weg von irgendwo“ oder „weit draussen“ verwiesen wird.
Bedeutende Landschaften Das Outback umfasst die mit zwei Millionen km² weltgrößte zusammenhängende tropische Savanne im nördlichen Australien, mit insgesamt drei Millionen km² die weltgrößte Wüstenlandschaft und das mit 160.000 km² große Great Western Woodlands um Kalgoorlie-Boulder im Südwesten des Outback das weltgrößte Hartlaubwaldgebiet des subtropischen Mittelmeerklimas.
Das Lake-Eyre-Becken bedeckt etwa ein Sechstel der Fläche des australischen Kontinents und ist das weltgrößte Flusssystem, das versickert. Das 1,7 Millionen km² große Great Artesian Basin, das weltgrößte Grundwasserbecken im Osten Australien, erstreckt sich zur Hälfte unter dem Outback.
Vor den Küsten des tropischen Nordens und Nordwestens Australien befinden sich nahezu ungestörte Unterwasserwelten. Sechs Gebiete im Outback sind international für ihre Biodiversität anerkannt und in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen. Acht Feuchtgebiete im Outback wurden als international bedeutsame Ramsar-Gebiete anerkannt.The Modern Outback. Nature, people and the future of remote Australia, vom 14. Oktober 2014. In: Pew Charitable Trusts. S. 4/5
Während die gesamte Landfläche Australiens 2022 zu 20,36 Prozent in irgendeiner Weise geschützt ist,protectedplanet.net, Australia, abgerufen am 4. Juni 2022. kommt das Outback auf über ein Viertel seiner Fläche.Australian Government: Australia's protected areas, abgerufen am 4. Juni 2022. Dies liegt vor allem an den vielen Indigenous Protected Areas (IPA; von den Aborigines verwaltete Schutzgebiete für Natur und Kultur), die etwa 60 Prozent aller Schutzgebiete umfassen.Indigenous Protected Areas - Commonwealth Funded Indigenous Ranger Groups - April 2022, abgerufen am 4. Juni 2022.
Schutzgebietskonzept Australien hat mit fast 50 verschiedenen Typen sehr viele Arten von Schutzgebieten. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist nur ein kleiner Teil davon international nicht aufgeführt oder anerkannt. Den stärksten Schutz vor Eingriffen genießen die beiden internationalen IUCN Schutzgebietskategorien 1a und 1b (Strict Nature Reserve/Wilderness Area) – von denen es in Australien über 2.500 Stück gibt –, gefolgt von den Nationalparks (IUCN-Kategorie II). Die 12 größten dieser streng geschützten Gebiete liegen alle im Outback:UNEP World Conservation Monitoring Centre: protectetplanet.net/Australia, Datentabelle WDPA_WDOECM_Jun2022_Public_AUS_csv.csv, abgerufen am 5. Juni 2022.
Schutzgebiet Typ IUCN-Kat. Fläche in km² Einrichtung Teilstaat Great Victoria Desert Nature Reserve Ia 24.952 1970 Western Australia Mamungari Conservation Park Ia 21.346 1972 South Australia Kakadu National Park (Commonwealth) II 19.111 1979 Northern Territory Gibson Desert Nature Reserve Ia 18.421 1977 Western Australia Watarru Indigenous Protected Area II 16.572 2000 South Australia Karlamilyi National Park II 12.837 1977 Western Australia Walalkara Indigenous Protected Area II 10.689 2000 South Australia Munga-Thirri National Park II 10.144 2011 Queensland Nullarbor Wilderness Protection Area Ib 8.977 2014 South Australia Dundas Nature Reserve Ia 7.852 1981 Western Australia Neale Junction Nature Reserve Ia 7.245 1977 Western Australia Munga-Thirri/Simpson Desert Conservation Park Ia 6.896 1972 South Australia
Nimmt man die in der Mehrzahl wesentlich schwächer geschützten IPA hinzu – fast drei Viertel davon sind den IUCN-Kategorien V (Geschützte Landschaft, vergleichbar mit den deutschen Naturparks) und vor allem VI (Ressourcenschutzgebiet) zuzuordnen –, befindet sich in der Westhälfte Australiens – etwa im Zentrum des Outbacks – eine zusammenhängende geschützte Landfläche aus 23 Einzelgebieten, die mit rund 693.000 km² größer ist als Afghanistan.
Tier- und Pflanzenwelt mini|Mulga-Savanne mini|Nur noch selten in der Wüste anzutreffen: Großer Kaninchennasenbeutler mini|Goulds Waran
Der weitaus größte Teil des Outbacks – das Red Centre – wird von trockenen Halbwüsten, Wüsten und Savannen mit wenigen Bäumen eingenommen, die zu den beiden Florenelementen Torres (im Norden) und Eyre (im Zentrum und im Süden) gehören. Auf 1,5 Mio. km² dominiert der endemische Mulgastrauch oder -baum das flache bis hügeligen Gelände der Eyre-Region. Am Südrand des Outbacks beginnt die Mallee-Hartlaubvegetation. Das häufigste Gras ist das Spinifexgras. Die Savannen sind wie weltweit meistens Feuerökosysteme, in denen etliche Pyrophyten (zum Beispiel der Grasbaum) vorkommen, die regelmäßige Brände zum Überleben benötigen.
Die gesamte australische Flora und Fauna umfasst eine große Anzahl unterschiedlicher, nur auf diesem Kontinent verbreiteter Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche endemische Arten. Im Outback gibt es zahlreiche Tierarten, darunter sind die bekanntesten Kängurus, Emu und Koala (am Ostrand des Outbacks). Die Beuteltier-, Schlangen-, Reptilien- und Vogelfauna Australiens ist einzigartig, da es sich zum größten Teil um endemische Arten handelt. Neben verschiedenen Känguruarten – genannt sei das in touristisch erschlossenen, palmreichen Schluchten häufige Schwarzpfoten-Felskänguru – gehören auch die gefährdeten Arten Doppelkamm-Beutelmaus, Kammschwanz-Beutelmaus und Großer Kaninchennasenbeutler. Typische Vertreter der sehr zahlreichen Reptilienarten des Outbacks sind etwa der Goulds Waran und die Westliche Bartagame sowie die meisten Giftschlangen der Erde – darunter der Inlandtaipan, die giftigste Schlange der Welt. Bei den großen Vögeln ist neben dem Emu noch der Keilschwanzadler zu nennen, der größte Greifvogel Australiens, der in allen Landschaften heimisch ist.National Geographic (Hrsg.): Atlas der wilden Tiere. deutsche Ausgabe, National Geographic Deutschland, Hamburg 2009, ISBN 978-3-86690-117-9. S. 210–211.