Unter Kalkulation (, „Berechnung“) wird allgemein eine Berechnung verstanden, speziell in der Betriebswirtschaftslehre (hier auch Preiskalkulation) dient sie zur Ermittlung und Kontrolle des Preises von Produkten oder Dienstleistungen.
Allgemeines Im Vordergrund steht die betriebswirtschaftliche Darstellung der Kalkulation, die zur Klarstellung auch Preiskalkulation genannt wird. Sie ist eine Aufstellung zwecks Ermittlung der Selbstkosten je Leistungseinheit (Produkt oder Dienstleistung) in Form der Kostenpreise, um Angebotspreise festlegen und die Preisfestsetzung kontrollieren zu können.Gabler Lexikon-Redaktion (Hrsg.), Gabler Kleines Lexikon Wirtschaft, 1986, S. 115 Im Preiswettbewerb dient sie zur Ermittlung der Preisuntergrenze, die bei der langfristigen Preisuntergrenze mit den Selbstkosten identisch ist.Markus Tanne, Kostenrechnung, 2001, S. 201 Erst die Kalkulation ermöglicht es dem Unternehmer, die Preisgrenze seiner Preise kennenzulernen.
Konkret handelt es sich bei dieser Kalkulation um eine Kostenträgerstückrechnung,Jörg Bottler/Bernhard Engel, Kostenträgerstückrechnung (Kalkulationsverfahren), 1977, S. 13 wobei die Kostenträger (Produkte oder Dienstleistungen) und deren Stückkosten im Vordergrund stehen.
Grundlagen Begrifflichkeiten Im Rechnungswesen dient die Kalkulation der Ermittlung der Stückkosten von Produkten, Dienstleistungen oder eines Halbfabrikates (Kostenträgerstückrechnung); der Ermittlung der Produktionskosten pro Rechnungsperiode (Kostenträgerzeitrechnung); der Ermittlung des Brutto- und Netto-Verkaufspreises abhängig von Vertriebskanal und Kundenrabattgruppe. Dabei kann unterschieden werden zwischen der „Vorkalkulation“ in der Planungsphase und der „Nachkalkulation“ nach Abschluss aller Produktions- bzw. Handels- und Vertriebsprozesse. Die Abweichungen aus Vor- und Nachkalkulation sollten interpretiert werden und ins Kosten-Controlling und die Preisgestaltung zurückfließen. Hinzu kommt besonders bei längerfristigen Aufträgen die „Zwischenkalkulation“, mit ihr prüft man, ob sich die Kosten im Rahmen der Vorkalkulation halten; sie erfüllt also eine „Überwachungsfunktion“.
Kostenträgerrechnung
Die Kostenträgerrechnung beantwortet im Wesentlichen die Frage, wofür die Kosten in einem Unternehmen angefallen sind.Jörg Wöltje, Kosten- und Leistungsrechnung: alle Verfahren und Systeme auf einen Blick, 2. Aufl., Haufe/Freiburg, 2016, ISBN 978-3-648-07929-4, S. 186 ff. Die Kostenträgerrechnung, die aus der sogenannten „Kalkulation“ (siehe unten) und aus der Leistungsrechnung (siehe unten) besteht, dient der Ermittlung der Herstellungs- und Selbstkosten pro Stück der von einem Unternehmen erstellten Produkte; zum anderen werden mit ihr bei der kurzfristigen Erfolgsrechnung das periodenbezogene Betriebsergebnis ermittelt. Wesentlich behilft man sich dabei mit der Verwendung des Begriffs des Kostenträgers. Es handelt sich entweder um betriebliche, absatzfähige Leistungen (d. h. sogenannte Marktleistungen) oder innerbetriebliche Leitungen (oder Aufträge oder Kunden, für die Kosten angefallen sind), welche die in einem Unternehmen angefallenen Kosten tragen müssen.
Marktleistungen können die in den Verkauf gehenden Fertigerzeugnisse ebenso wie die auf Lager / Halde produzierten unfertigen oder fertigen Erzeugnisse sein. Innerbetriebliche Leistungen können beispielsweise im Betrieb eigens gebaute Maschinen oder Vorrichtungen zur Erreichung eines bestimmten Betriebsziels in der Produktion sein.
In den Unternehmen werden häufig folgende Kostenträger definiert: Endprodukte oder Endproduktgruppen, Dienstleistungen (etwa Beratungs- oder Serviceleistungen), Aufträge (individuelle Produkte oder Projekte), Kunden. Während „Endprodukte und Endproduktgruppen“ und „Dienstleistungen“ durch Kostenträgerstückrechnung und Kostenträgerzeitrechnung abgedeckt werden, gibt es für „Aufträge“„Auftragskalkulation“: Bei der Auftragskalkulation wird mit einer entsprechenden Berechnung ein komplettes Projekt kalkuliert. Üblicherweise wird dafür eine Klärung der Auftragsanforderungen vorgenommen und ein Lastenheft angelegt. und für „Kunden“„Kundenkalkulation“: Bei der Kundenkalkulation wird die Profitabilität einzelner Kunden oder Kundengruppen ermittelt (siehe Kundenwert). Dabei wird das Marktergebnis eines Kunden, die Bedeutung des Kunden sowie die Aktivität der Geschäftsbeziehung bewertet. Das Kundenergebnis ergibt sich dann aus Marktergebnis abzüglich der Erlöse und Kosten, die dem Kunden zurechenbar sind. Darauf aufbauend können Gruppenergebnisse aus Kundensegmenten berechnet werden. Vergl. gesonderte Kalkulationsverfahren.
Arten Nach Ziel und Zweck der Kalkulation lassen sich folgende Arten unterscheiden:Rüdiger Pieper, Lexikon Management, 1992, S. 193
Merkmal Kalkulationsart Anmerkungen Kalkulationszeitpunkt Vorkalkulation Zwischenkalkulation Nachkalkulation Vorkalkulation findet vor dem Produktionsprozess statt, Zwischenkalkulation wird bei langer Produktionsdauer zum Zwecke der Bilanzierung oder zwecks Disposition durchgeführt, Nachkalkulation findet nach dem Produktionsprozess statt Wirtschaftszweige Bankkalkulation Baukalkulation Handelskalkulation Industriekalkulation Prämienkalkulation bei Kreditinstituten in der Bauwirtschaft im Handel in der Industrie und verwandten Branchen bei Versicherungsunternehmen Einprodukt- oder Mehrproduktunternehmen Individualkalkulation Mischkalkulation Einproduktunternehmen führen nur Individualkalkulationen durch Mehrproduktunternehmen können sowohl Individual- als auch Mischkalkulationen anwenden
Günter Wöhe unterscheidet folgende Kalkulationsverfahren:Günter Wöhe/Ulrich Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2014, S. 916 f.; ISBN 978-3-8006-3795-9
Vorkalkulation In der Vorkalkulation wird der Angebotspreis auf der Grundlage eines aus der Vergangenheit ermittelten Kostensatzes ermittelt. Sie beruht auf den aus der Plankostenrechnung stammenden Plankosten und wird bei Eingang einer Anfrage, einem Auftrag (Kundenauftrag) oder einer Bestellung erstellt.
Nachkalkulation Die Nachkalkulation berechnet nach der Produktion eines Kostenträgers (Produkt/Dienstleistung) oder am Ende einer Rechnungsperiode, ob die in der Vorkalkulation kalkulierten Kosten auch in der Höhe tatsächlich angefallen sind.Gabler Lexikon-Redaktion (Hrsg.), Gabler Kleines Lexikon Wirtschaft, 1986, S. 115 Dazu bedient sie sich der Istkosten, die sich aus der Kosten- und Leistungsrechnung ergeben.
Zwischenkalkulation Die Zwischenkalkulation (oder „mitlaufende Kalkulation“) gibt es bei langer Produktionsdauer (wie im Anlagen- und Schiffsbau). Sie stellt eine Nachkalkulation für den bereits abgeschlossenen Produktionsprozess und eine Vorkalkulation für die noch erforderlichen Produktionsprozesse dar.Josef Kloock, Kalkulation, in: Wolfgang Lück (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 2004, S. 353
Vertriebskalkulation Eine Kalkulation im Vertrieb ermittelt als progressive Kalkulation die Angebotspreise; die Kalkulation bei der Beschaffung vom Lieferanten ist eine retrograde Kalkulation der Nachfragepreise.Reinhold Sellien/Helmut Sellien (Hrsg.), Gablers Wirtschafts-Lexikon, 1980, Sp. 2214
Zudem differenziert die Kostenrechnung danach, ob Kosten tatsächlich angefallen sind (pagatorische Kosten) oder lediglich fiktiv berücksichtigt werden müssen (kalkulatorische Kosten).
Kostenträgerstückrechnung
Die sogenannte „Kalkulation“ ist eine Rechnung der Kosten je Leistungseinheit (d. h. je Einheit einer betrieblichen Leistung). Sie dient der Ermittlung des Stückerfolgs in einem Unternehmen. Kernstück der sogenannten „Kalkulation“ ist die Kostenträgerstückrechnung, in der die im Unternehmen angefallenen Kosten für bestimmte Kostenträger errechnet werden.
Zweck der Kostenträgerstückrechnung Der Zweck der Kostenträgerstückrechnung besteht in der Ermittlung der Selbstkosten je Leistungseinheit ebenso wie der Herstellkosten je Leistungseinheit der in einem Unternehmen erstellten Produkte.
Bei der Produktkalkulation werden die Selbstkosten pro Produkteinheit errechnet. Daraus lässt sich unter anderem das erforderliche Volumen bestimmen, d. h. wie oft ein Produkt zu bestimmten Konditionen verkauft werden muss, damit es rentabel ist. Dies wird mit Hilfe einer Break-even-Analyse berechnet.
Auch können durch Produktkalkulation mögliche Rationalisierungeffekte (Kosteneinsparungen) in der Abwicklung bei der Verschmelzung von Produkten festgestellt werden.
Rechenverfahren der Kostenträgerstückrechnung (1) Divisionskalkulation Bei der einfachen Divisionskalkulation werden die gesamten Kosten durch die Ausbringungsmenge (produzierte Stückzahl oder geleistete Einheiten Dienstleistung) dividiert, um so den Kostenanteil je Einheit zu berechnen. Auf Grund dieser Basis kann die weitere Kalkulation (Gewinnzuschlag, Kundenskonti, Kundenrabatte) vorgenommen werden. Diese Kalkulationsmethode ist nur dann sinnvoll anwendbar, wenn die Kosten für genau ein Produkt oder genau eine Dienstleistungsart bestimmt sind (Einproduktunternehmen).
(2) Divisionskalkulation mit Äquivalenzziffern Kalkuliert man Produktionen mit ähnlichen Produkten (z. B. ein Basisprodukt in verschiedenen Größen) oder Dienstleistungen, so muss man davon ausgehen, dass sich die Kostenanteile je Kostenträgereinheit bei den einzelnen Produktvarianten unterscheiden.
Um diesen Unterschied zu bestimmen, weist man den einzelnen Varianten Verhältniszahlen (Äquivalenzziffern) zu, die Kostenverhältnisse widerspiegeln sollen (z. B. 1 kg Brot = 1 → 2 kg Brot = 2 ohne Rücksicht auf unterschiedliche Backzeiten). Dabei kann es sein, dass mehrere Faktoren in die Verhältniszahlen einfließen müssen (z. B. Mengen, Zeitbedarf, Zusatzstoffe usw.)
Rechnerisch bestimmt man nun mittels eines gewogenen arithmetischen Mittelwerts die Kostenanteile: Dazu multipliziert man die Produktionsmenge jedes einzelnen Produkts mit seiner Äquivalenzziffer zu sogenannten Recheneinheiten, deren Summe man bestimmt. Anschließend bestimmt man den Kostenanteil je Recheneinheit, indem man die Gesamtkosten durch die Summe der Recheneinheiten dividiert. Dieses Ergebnis wird nun mit den einzelnen Äquivalenzziffern multipliziert und man erhält den Kostenanteil für je ein Stück jeder Produktvariante.
(3) Zuschlagskalkulation Die Zuschlagskalkulation wird bei der Einzel- und Serienfertigung angewandt, d. h. für jedes einzelne Produkt (Auftrag) bzw. für jede Serie muss eine gesonderte Kalkulation durchgeführt werden. Voraussetzung für die Zuschlagskalkulation sind die Kostenarten- und die Kostenstellenrechnung.
Die Einzelkosten werden aus der Kostenartenrechnung übernommen und direkt den Kostenträgern zugeordnet. Die Gemeinkosten werden aus der Kostenartenrechnung übernommen, in der Kostenstellenrechnung auf die Kostenstellen verteilt und mit Hilfe von Zuschlagssätzen indirekt den Kostenträgern zugeordnet (z. B. mit dem Betriebsabrechnungsbogen).
Kostenträgerzeitrechnung
Die sogenannte „Leistungsrechnung“ aus der Kosten- und Leistungsrechnung ist eine sogenannte Ergebnisrechnung und dient der Ermittlung des Betriebserfolgs. Kernstück der „Leistungsrechnung“, die die betrieblichen Leistungen (d. h. hauptsächlich Produkte, die in einem Unternehmen hergestellt werden, und Dienstleistungen) erfasst, ist die Kostenträgerzeitrechnung, die das Augenmerk auf das einzelne Produkt richtet. Im Rahmen der Kostenträgerzeitrechnung werden die Produktionskosten eines Produkts für die einzelne Rechnungsperiode ermittelt.
Ermittlung der Herstellkosten und des Verkaufspreises Die Vor- und Nachkalkulation und eventuell Zwischenkalkulation haben in der Auftrags- und Serienfertigung eine unterschiedliche Bedeutung. Sie sind wichtige Kontrollinstrumente in der Kostenrechnung.