mini|270px|Hainan, aufgenommen am 13. November 2020 vom Satelliten Terra

Hainan () ist seit 1988 eine Provinz im Süden der Volksrepublik China, die aus verschiedenen Inseln besteht. Zuvor war die südlichste Provinz der Volksrepublik ein administrativer Teil der Provinz Guangdong (Kanton) gewesen. Die größte der Inseln heißt ebenfalls Hainan und umfasst 97 % der Fläche der Provinz. Häufig fällt im Zusammenhang mit Hainan auch die Bezeichnung „Hawaii von China“.

Geographie Die Insel Hainan () liegt im Südchinesischen Meer und ist über die ca. 15 bis 30 km breite und durchschnittlich 44 m tiefe Hainanstraße (Straße von Qiongzhou) von der Leizhou-Halbinsel auf dem chinesischen Festland abgetrennt. Hainan hat eine Ost-West-Ausdehnung von etwa 210 Kilometern, eine Nord-Süd-Ausdehnung von 165 Kilometern und eine Fläche von 33.920 km². Flächenmäßig ist sie ungefähr halb so groß wie die Insel Ceylon (Sri Lanka) und etwas kleiner als Taiwan. Sie ist damit die zweitgrößte Insel der chinesisch geprägten Welt und die größte der Volksrepublik China. Ihre Lage zwischen dem 18. und 20. nördlichen Längengrad hat sie gemeinsam mit Puerto Rico, Kuba und Hawaii. Die Insel ist von einer etwa 288 km langen Bergkette durchzogen, die von Nordosten nach Südwesten verläuft. Die höchste Erhebung findet sich mit 1867 m im Bereich des Wuzhishan (). Es gibt 81 Gipfel, die eine Höhe über 900 m erreichen, und sechs, die über 1350 m hoch sind. Die großen Ebenen erstrecken sich entlang der Küste, insbesondere im Nordosten, wo sie eine Breite von 1 bis 9 Kilometern haben. Die Länge der Küstenlinie beträgt 1528 Kilometer. Etwa 25,4 % der Fläche Hainans sind von Bergen bedeckt, 13,3 % von Hügeln, 32,6 % von Terrassen und 28,7 % von Ebenen. In den Bergen entspringen 154 Fließgewässer, von denen aber nur drei größere, nicht schiffbare Flüsse bilden: Nandu (), Wanquan () und Changhua ().

Zur Provinz Hainan gehören noch die Zhongsha-Inseln, die Paracel-Inseln und die Spratly-Inseln, wobei diese Inselgruppen auch von Taiwan und Vietnam beansprucht werden.

Klima In Hainan herrscht über das gesamte Jahr ein tropisches Klima. Die im Jahresverlauf auftretenden Temperaturunterschiede fallen eher gering aus. Während die Temperatur von Mai bis September durchschnittlich zwischen 25 Grad Celsius und 32 Grad Celsius schwankt, variiert sie von November bis Februar zwischen 15 Grad Celsius und 21 Grad Celsius. Die Monate Juni bis September sind mit etwa neun Regentagen im Monat die regenreichsten Monate. Die restliche Zeit über regnet es an etwa ein bis fünf Tagen im Monat. Der Jahresniederschlag liegt bei 1639 mm. Im Osten der Insel ist er deutlich höher (2000 bis 2400 mm) als im Westen (1000 bis 1200 mm). Etwa 80 Prozent des Jahresniederschlags gehen in der Regenzeit in den Monaten des Monsuns Mai bis September nieder. Zwischen Juni und Oktober können Taifune auftreten, am häufigsten im August und September. Auf Hainan treten relativ starke Winde auf, vor allem im Westen der Insel, mit Windgeschwindigkeiten von 3,8 bis 4,7 m/s.

Geschichte Während der letzten Kaltzeit lag der Meeresspiegel tiefer als heute und Hainan war über eine Landbrücke mit dem chinesischen Festland und dem nördlichen Vietnam verbunden. Mit dem Ansteigen des Meeresspiegels wurde Hainan etwa vor 6000 Jahren zu einer Insel. Neolithische Funde von Keramik und Steingut an den Fundstellen Yingdun () in Sansha, im Stadtbezirk Haitang von Sanya, am Berg Qiaoshan () und an der Lianziwan-Bucht () im Kreis Lingshui wurden auf die Zeit zwischen 6000 und 3000 v. Chr. datiert. Die ersten neuzeitlichen menschlichen Bewohner der Insel waren vermutlich Angehörige der Ethnie der Li.

Schon zur Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) gab es zwischen 110 und 46 v. Chr. eine chinesische Militärgarnison in Zhuya () nahe dem heutigen Haikou, und der nordöstliche Teil Hainans wurde als Kreis Dan’er () als chinesisches Hoheitsgebiet verwaltet. Im Jahr 46 v. Chr. wurde die chinesische Militärpräsenz auf der Insel aufgrund zu hoher Kosten wieder aufgegeben. Unter dem General Lu Bode () wurden die südchinesischen Küstenstreifen befriedet. Darunter fiel im Jahre 110 v. Chr. auch Hainan.Burkhard Eiswaldt: Hainan Island – Chinas größte Wirtschaftssonderzone. 2009, ISBN 978-3-8370-8839-7. Während der östlichen Han-Dynastie (25–220 n. Chr.) war die Insel als „Zhuya-Staat“ () bekannt, aber nicht unter dauerhafter chinesischer Kontrolle. Während der Tang-Dynastie (631 n. Chr.) wurde die Kreisverwaltung Qiongzhou () nahe dem heutigen Haikou eingerichtet. Hiervon leitet sich die spätere Abkürzung () für Hainan ab. Im Jahr 741 war Hainan in vier Kreise eingeteilt (Yazhou , Wan’anzhou , Zhenzhou und Danzhou ).

mini|links|Tempel der Fünf Beamten in Haikou zur Erinnerung an fünf nach Hainan verbannte Staatsbedienstete mini|270px|Verwaltungsgebiet der Provinz Hainan (in chinesischer Lesart) – die Hoheit über die Inseln im Südchinesischen Meer wird von anderen Staaten nicht anerkannt mini|Sanya (Hainan), 2007

Lange Zeit galt die Insel als unwirtlicher Ort, mit einem ungesunden Tropenklima, feindlichen Eingeborenen, und als „Region tropischer Miasmen“ (), und diente auch als Verbannungsort von unliebsamen Politikern oder Intellektuellen. Beispielsweise verbrachte der Dichter Su Shi († 1101) hier einige Jahre in der Verbannung. Während der Song-Dynastie gab es die erste größere Einwanderungswelle von Han-Chinesen vom Festland. Um das Jahr 1400, zur Zeit der Ming-Dynastie, betrug die Einwohnerzahl der Insel etwa 300.000. Später kam die Insel unter die direkte Jurisdiktion der chinesischen Provinz Guangdong. In den Jahren 1939 bis 1945, während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges, war Hainan japanisch besetzt. Am Ende des Chinesischen Bürgerkriegs war die Insel ein letzter Rückzugsort der nationalchinesischen Kuomintang-Regierung, wurde jedoch im Mai 1950 von den Kommunisten erobert. Damit endeten die letzten größeren Kampfhandlungen des Chinesischen Bürgerkrieges. Unter kommunistischer Herrschaft erlebte Hainan eine schwere Hungersnot und Gewalttätigkeiten während der Zeit des „großen Sprungs nach vorn“ 1958–1962.

Hainan wurde mit der Ernennung einer Provinzregierung am 26. April 1988 zu einer eigenständigen Provinz und zugleich zu Chinas größter wirtschaftlicher Sonderzone. Da die Volksrepublik China, wie auch die Vereinten Nationen und fast alle Staaten der Welt, die Insel Taiwan als eigenständigen Staat nicht anerkennt, wird Hainan offiziell als die zweitgrößte Insel der Volksrepublik China geführt, mit einer Größe, die nur etwas geringer ist als die Taiwans.

Administrative Gliederung In der Provinz Hainan gab es bei der Volkszählung 2020 vier bezirksfreie Städte. Von diesen waren zwei, die Hauptstadt Haikou und die Stadt Sanya, noch weiter in jeweils vier Stadtbezirke unterteilt. Im April wurde auch die bezirksfreie Stadt Sansha in zwei Stadtbezirke eingeteilt, so dass danach zehn Stadtbezirke existierten. Die vierte bezirksfreie Stadt, Danzhou, war nicht weiter in Stadtbezirke eingeteilt.

Außer den zehn Stadtbezirken unterstehen alle anderen 15 Verwaltungseinheiten auf Kreisebene direkt der Provinzregierung. Es sind dies fünf kreisfreie Städte, vier Kreise, und sechs autonome Kreise. Im Jahr 2020 umfasste die Provinz 22 Straßenviertel, 175 Großgemeinden und 21 Landgemeinden (乡).

+Verwaltungsgliederung der Provinz HainanRegionChin.Hanyu PinyinFläche(km²)Einwohner(2020)Verwaltungs-sitzHainanHǎinán Shěng35.177,2210.081.232Haikou— Bezirksfreie Städte —HaikouHǎikǒu Shì2.284,272.873.358XiuyingSanyaSānyà Shì1.918,371.031.396JiyangSanshaSānshā Shì13Sansha hat eine Landfläche von etwa 13 Quadratkilometern und eine Meeresfläche von mehr als 2,6 Millionen Quadratkilometern. 2.333XishaDanzhouDānzhōu Shì3.394,41954.259Nada— Städte auf Kreisebene —WuzhishanWǔzhǐshān Shì1.130,81112.269TongshiQionghaiQiónghǎi Shì1.710,14528.238JiajiWenchangWénchāng Shì2.459,18560.894WenchengWanningWànníng Shì1.899,86545.992WanchengDongfangDōngfāng Shì2.272,62444.458Basuo— Landkreise —Ding’anDìng'ān Xiàn1.196,46284.690Dingcheng ()TunchangTúnchāng Xiàn1.223,97255.335Tuncheng ()ChengmaiChéngmài Xiàn2.076,28497.953Jinjiang ()LingaoLíngāo Xiàn1.343,33420.594Lincheng ()— Autonome Kreise —BaishaBáishā Lízú Zìzhìxiàn2.115,66164.699Yacha ()ChangjiangChāngjiāng Lízú Zìzhìxiàn1.620,51232.124Shilu ()LedongLèdōng Lízú Zìzhìxiàn2.765,53464.435Baoyou ()LingshuiLíngshuǐ Lízú Zìzhìxiàn1.107,88372.511Yelin ()BaotingBǎotíng Lízú Miáozú Zìzhìxiàn1.166,67156.018Baocheng ()QiongzhongQióngzhōng Lízú Miáozú Zìzhìxiàn2.704,16179.586Yinggen ()

Größte Städte Die zehn größten Städte der Provinz mit Einwohnerzahlen der eigentlichen städtischen Siedlung auf dem Stand der Volkszählung 2020 sind die folgenden: RangStadtEinwohnerzahlRangStadtEinwohnerzahl1Haikou2.349.2396Qionghai262.5242Sanya724.8547Dongfang257.9363Danzhou452.1588Wanning225.6084Wenchang341.8629Lingao210.7795Chengmai300.91510Lingshui158.159

Bevölkerung Hainan hatte im Jahre 2008 8.647.300 Einwohner. Davon gehörten 7.139.531 zu den Han-Chinesen und 1.507.721 zu Minderheiten, die sich wie folgt gliedern: Li 1.370.346 Miao 71.718 Hui-Chinesen 36.382 Zhuang 1.126 Sonstige 1.811

Aufgrund von Abtreibungen weiblicher Föten (Geschlechtsselektive Abtreibung) kommen in Hainan pro 100 Mädchen über 130 Jungen zur Welt. 2013 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 76,3 Jahren.

Wirtschaft 1988 wurde Hainan zu einer eigenständigen Provinz und zu Chinas größter Sonderwirtschaftszone., In: chinamil.com.cn, China Military Online, 27. April 2008 (englisch).

Zur 20-Jahr-Feier im Jahr 2008 gab Peking einen neuen Dreijahresplan für die Insel bekannt. Danach sollte ihre Entwicklung zu einem internationalen Anlaufpunkt für Warenumschlag, Handel und Tourismus vorangetrieben werden. Dazu gehören auch die Einrichtung von Freihandelszonen (Duty free shops) auf Hainan und der Ausbau des Hafens Yangpu an der Westküste der Insel zu einem Freihandelshafen.

Da der infrastrukturelle Fokus der Insel auf dem Tourismus liegt, ist es auch aufgrund der geografischen Gegebenenheiten kaum zu Ansiedlungen von Industrien für den Export gekommen.

Landwirtschaft wie der Anbau von Reis, Kaffee, Tee und Nüssen spielt eine verhältnismaßig große Rolle.

Der Prokopfeinkommen liegt im Jahre 2022 bei rund 75000 Renminbi und damit im hinteren Mittelfeld der chinesischen Provinzen.

Militärstandorte Im Süden Hainans befindet sich die bedeutende Marinebasis Sanya. Darüber hinaus beherbergt die Insel eine Reihe von Luftwaffenstützpunkten und gilt – nicht zuletzt wegen ihrer strategischen Lage in der Nähe wichtiger Seehandelsrouten – als wichtiger Standort der elektronischen Aufklärung der Volksbefreiungsarmee.

Weiters befinden sich in der Provinz von der Regierung betriebene leistungsstarke Rundfunk-Störsender, deren Störaussendungen auf Kurzwelle, welche den Vereinbarungen im Rahmen der Internationalen Fernmeldeunion widersprechen, unter günstigen atmosphärischen Bedingungen weltweit zu empfangen sind.

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