Henstedt-Ulzburg ist eine Gemeinde im Kreis Segeberg im Süden Schleswig-Holsteins.

Geografie mini|links|Eisenplatte an der Alsterquelle Die Gemeinde liegt rund 15 Kilometer nördlich der Hamburger Stadtgrenze an der A 7 sowie mehreren Schnell- und Regionalbahn-Linien der AKN Eisenbahn (HVV-Linien A 1, A 2 und A 3).

Henstedt-Ulzburg liegt an der Entwicklungsachse Nord in der Hamburger Metropolregion direkt nördlich der Stadt Norderstedt sowie südlich von Kaltenkirchen. Das Gebiet grenzt, im Uhrzeigersinn geordnet und im Norden beginnend, an Kaltenkirchen, Kisdorf, Wakendorf II, Tangstedt, Norderstedt, Quickborn, Ellerau und Alveslohe.

Die Flüsse Alster und Pinnau entspringen in der Gemeinde. An der Grenze zu Ellerau liegt die Quelle des Ebachs, außerdem entspringen Nebenflüsse der Alster wie Wöddelbek und Höllenbek in Henstedt-Ulzburg. Daneben durchfließen mehrere Bäche wie die Krambek, die Bredenbek und die Wischbek das Gemeindegebiet.

Die Erhebungen Beckersberg (Henstedt) und Götzberg (Götzberg) liegen in Henstedt-Ulzburg, direkt nördlich in Kisdorferwohld liegt der 91 Meter hohe Rathkrügen. Der niedrigste Punkt Henstedt-Ulzburgs liegt auf 22 m ü. NHN im Gebiet Beckershof im Westen der Gemeinde; die höchste Erhebung befindet sich auf 74 m ü. NHN in der Nähe der Götzberger Mühle im Osten des Ortes.

Henstedt-Ulzburg ist derzeit die bevölkerungsreichste Gemeinde Schleswig-Holsteins und die achtgrößte Deutschlands ohne Stadtrecht, wobei sich die sieben bevölkerungsreichsten (abgesehen von Blankenfelde-Mahlow in Brandenburg) allesamt in Niedersachsen befinden. In der Raumplanung des Landes Schleswig-Holstein wird der Ort als Stadtrandkern I. Ordnung eingestuft.

Geschichte Entstanden sind die drei Gemeinden Henstedt, Ulzburg und Götzberg als Bauerndörfer im Mittelalter. Urkundlich erwähnt wurde Ulzburg erstmals im Dezember 1339, Henstedt im Jahr 1343 und Götzberg 1520. Archäologische Funde zeigen jedoch, dass bereits seit der Altsteinzeit Menschen in diesem Gebiet lebten und in der Bronzezeit sowie in der Eisenzeit bereits erste Ansiedlungen entstanden.

Die stark wachsende Großgemeinde entstand am 1. Januar 1970 aus dem Zusammenschluss der Gemeinden Götzberg (4,47 km², im Osten), Henstedt (22,32 km², im Norden, mit Henstedt-Rhen im Süden) und Ulzburg (10,22 km², im Westen, mit Ulzburg Süd). Rund weitere 2 km² wurden 2000 von Alveslohe gekauft, um dort den neuen Ortsteil Beckershof zu errichten.Gemeinde kauft 200 Hektar Land dazu. Hamburger Abendblatt, 17. März 2000. Link ohne Paywall Nach erheblichem Widerstand entschied die Gemeindeverwaltung 2008, die Pläne nicht durchzusetzen.Beckershof – Henstedt Ulzburgs unendliche Geschichte. Frank Knittermeier in: Hamburger Abendblatt, 12. Januar 2005. Link ohne Paywall

Einwohnerstatistik mini|400px|Einwohnerentwicklung von Henstedt-Ulzburg von 1970 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle Jahr Einwohner 1970 10.645 1975 16.367 1980 18.753 1990 21.244 1995 23.412 2000 24.949 2006 26.402 Jahr Einwohner 2011 27.152 2015 27.902 2016 28.065 2017 28.056 2018 28.070 2019 28.062 2020 28.515202328.859

Konfessionsstatistik Gemäß Zensus 2022 waren 26,2 % der Einwohner evangelisch, 4,8 % römisch-katholisch und 69,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.

Ortsteile Die Schleswig-Holstein-Topographie listet als Ortsteile folgende auf: Westerwohld, Vogelsang, Götzberg, Stegelkamp, Hohnerberg, Wohld, Henstedterbaum, Ellerrehm, Birkenau, Drögeneck, Horst, Hohenhorst, Rhen, Togenkamp, Ulzburg-Süd, Beckershof.

Auch bedingt durch die Entstehung der Gemeinde aus drei ehemals selbstständigen Orten weisen die einzelnen Ortsteile Henstedt-Ulzburgs bis heute teilweise deutliche Unterschiede auf:

Ulzburg In Ulzburg befindet sich das Ortszentrum der Gemeinde mit dem 1992–1996 nach Plänen von Diethelm Hoffmann errichteten Rathaus und verdichteter Wohn- und Gewerbenutzung. Nördlich davon liegt mit dem AKN-Bahnhof Henstedt-Ulzburg ein Verkehrsknotenpunkt. Die Bahnstrecke selbst unterquert seit dem Jahr 2000 dieses Gebiet in einem 630 Meter langen Tunnel. Durch das Zentrum führt östlich der AKN-Trasse eine stark befahrene Landesstraße (Hamburger Straße). In der Bebauung herrschen Reihen- und Einzelhäuser vor, in direkter Zentrumslage befinden sich zudem einige Wohn-Hochhäuser aus den 1970er Jahren, daneben ein knapp über 40 Meter hohes Hotelgebäude.

Im Oktober 2014 eröffnete das Einkaufszentrum „City-Center Ulzburg“ (CCU) zwischen Rathaus und Bahnhof. auf kn-online.de, 15. Oktober 2014, abgerufen am 24. Januar 2016. Es ersetzte das deutlich kleinere Ulzburg-Center, das sich an gleicher Stelle befand. Weitere kleinere Handelsflächen liegen im direkten Umfeld des Ulzburger Ortszentrums, das in etwa durch die beiden „Torhäuser“ an der Hamburger Straße aus den 2000er Jahren begrenzt ist. Dominiert wird der Einzelhandel jedoch deutlich vom Gewerbepark Ulzburg am nördlichen Ortsrand. Hier haben sich in dezentraler Lage eine Vielzahl an Filialisten mit insgesamt etwa 44.000 Quadratmeter Verkaufsfläche angesiedelt. Daran schließt sich ein großes Gewerbe- und Industriegebiet an.

Im Norden des Gewerbegebiets am Autobahnzubringer eröffnete 2019 ein 41.000 m² großes, vollautomatisches Zentrallager von Netto Marken-Discount, von wo aus die Filialen in Norddeutschland beliefert werden.Nicole Scholmann: Zentrallager von Netto öffnet die Türen. Kieler Nachrichten, 6. August 2019. Direkt daneben befindet sich der nach langen Planungen 2022 eröffnete Hauptsitz von Rewe Nord, der aus Norderstedt und Kiel hierher umzog. Etwa 270 Märkte werden von hier beliefert. Das Grundstück hat eine Fläche von 250.000 m², das Logistik- und Verwaltungsgebäude misst 104.000 m². Damit handelt es sich um eines der größten Gebäude Schleswig-Holsteins sowie eine der größten Lagerhallen in Deutschland. Vor Ort arbeiten etwa 1000 Menschen, dadurch wurde Rewe zum größten Arbeitgeber im Kreis Segeberg. Insgesamt investierte Rewe 350 Millionen Euro.Rewe-Zentrallager Henstedt-Ulzburg: Hinter den Kulissen der Megahalle. Kieler Nachrichten, 26. Januar 2023.REWE Nord feiert Standorteinweihung in Henstedt-Ulzburg. Rewe Media Center, 5. Juli 2022.

In Ulzburg gibt es einen Kindergarten und eine Grundschule. Das Feuerwehrhaus wird von der Freiwilligen Feuerwehr Henstedt-Ulzburg, die in Henstedt ihr Hauptgebäude hat, genutzt. Das Bürgerhaus und der nördlich davon liegende Bürgerpark befinden sich auch in Ulzburg. An der Grenze zu Ulzburg Süd befindet sich ein Biotop, in dem die Pinnau entspringt. Die Kreuzkirche an der Hamburger Straße wurde bis 1969 errichtet und gehört zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburgs.

Im Jahr 2011 hatte Ulzburg etwa 9200 Einwohner.

Henstedt mini|Teich „Wöddel“ Henstedt hingegen konnte sich seinen ländlichen Charakter deutlicher bewahren. Es gibt größtenteils lockere Bebauung mit Einzel- und Reihenhäusern und nur sehr wenige Mehrfamilienhäuser. Ein Supermarkt befindet sich an der Einmündung Dorfstraße/Norderstedter Straße, kleinere Geschäfte sind vorwiegend im Umkreis der angrenzenden Straße „Neuer Weg“ zu finden. An der Kisdorfer Straße steht die Erlöserkirche aus dem Jahre 1880, die im neugotischen Stil errichtet wurde. Sie gehört zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburgs. Direkt daran grenzen die beiden Gemeindehäuser sowie der Henstedter Friedhof.

Im Ortsteil befindet sich die Grund- und Gemeinschaftsschule „Olzeborchschule“ (mit angeschlossenem Förderzentrum), auf der Grenze zu Ulzburg zudem das Alstergymnasium (ehemaliges Schulzentrum, „Grüne Schule“). An der Maurepasstraße liegen die örtliche Polizeiwache und die Freiwillige Feuerwehr Henstedt-Ulzburg.

Die Buslinie 296 verbindet Henstedt Montags bis Freitags von etwa 6 Uhr bis 9 Uhr sowie zwischen 15.30 Uhr und 18.30 Uhr mit Ulzburg. Das zu den übrigen Zeiten zuvor bestehende Linienbusangebot wurde Ende 2022 eingestellt und durch ein aufpreis- und bestellpflichtiges On-Demand-Angebot ersetzt. Am Südrand Henstedts verkehrt die Regional-Buslinie 7141 Bahnhof Ulzburg–Nahe–Bahnhof Bad Oldesloe mit 3 bis 14 Fahrtenpaaren täglich.

Im alten Ortskern Henstedts befindet sich der Teich „Wöddel“, die benachbarte alte Volksschule wurde in einen Kindergarten umgewandelt.

Im Jahr 2011 hatte Henstedt etwa 5500 Einwohner.

Ulzburg Süd Ulzburg Süd (auch Ulzburg-Süd geschrieben) entstand in großen Teilen erst seit den 1980er Jahren. Bis heute werden dort in großem Stil Neubaugebiete vorwiegend für Reihenhäuser und für Einfamilienhäuser auf kleinen Grundstücken ausgewiesen. Ein eindeutiges Zentrum besitzt der Ortsteil nicht. Einzelhandel besteht teilweise langgezogen am südlichen Ende des Ortsteils entlang der Ulzburg Süd durchquerenden Landesstraße. Ein Nahversorgungszentrum mit einem Supermarkt, einem Discounter und einem Drogeriemarkt wurde demgegenüber weiter östlich, an der Straße Dammstücken errichtet. Im Westen von Ulzburg Süd befindet sich der gleichnamige AKN-Bahnhof, ansonsten ist der Ort über die Buslinien 293 und 616 nach Ulzburg und Norderstedt an den ÖPNV angebunden. Die Planungen für einen neuen Ortsteil „Beckershof“ mit Häusern für mehr als 5000 Menschen westlich der AKN-Strecke, die derzeit den Ortsteil begrenzt, wurden nach der Kommunalwahl 2008 aufgrund der veränderten politischen Lage aufgegeben. Der Bau dieses Großprojektes war in der Gemeinde sehr umstritten. Die früher regierende CDU-Fraktion war für den Ausbau, die Kommunalwahl wurde jedoch von der Wählergemeinschaft Henstedt-Ulzburg (WHU) gewonnen, deren hauptsächliches Wahlkampfthema ihr Nein zum Beckershof-Projekt war. Die Planungszone ist ein Umgemeindungsgebiet und gehörte bis vor wenigen Jahren zu Alveslohe.

Zwischen Ulzburg Süd und dem Rhen liegt das Umspannwerk „Hamburg Nord, Teil Ulzburg“ des Stromnetzbetreibers Tennet TSO. Hier laufen mehrere Hochspannungsleitungen zusammen, über die große Teile des Stromtransports von und nach Schleswig-Holstein abgewickelt werden. Auf dem Gelände steht auch das höchste Bauwerk der Gemeinde, ein etwa 100 Meter hoher Richtfunkmast. Die Grundschule Lütte School wurde in den 2000er Jahren gebaut und befindet sich in dem Ortsteil.

Im Jahr 2011 hatte Ulzburg Süd etwa 5600 Einwohner.

Rhen mini|Moor beim Rhen Der Rhen (früher Henstedt-Rhen) ist der südlichste Ortsteil Henstedt-Ulzburgs. Er gehörte bis 1970 zu Henstedt und wurde in weiten Teilen erst nach dem Zweiten Weltkrieg bebaut, auch hier herrschen Reihen- und Einzelhäuser vor. Im Bereich um das Zentrum des Ortsteils an der Kreuzung Wilstedter / Norderstedter Straße gibt es gleichwohl mehrere Wohnhochhäuser und einige Geschosswohnung-Mehrfamilienhäuser in Zeilenbauweise aus den 1970er Jahren. Die seinerzeit errichteten Häuser um die Kreuzung bieten in den Erdgeschossen eine Vielzahl an vorwiegend kleineren Ladenflächen. Auf einem Platz vor dem „Centrum Rhen“ findet regelmäßig ein Wochenmarkt statt, vom Marktplatz aus gesehen auf der Rückseite des Gebäudes ist ein Supermarkt. Es stehen immer wieder Ladenflächen in dem Areal längere Zeit leer.

Im Osten und Nordosten des Ortsteils, an der Grenze zu einem Naturschutzgebiet, existieren viele größere Einfamilienhäuser mit teils parkartigen Grundstücken Im Südosten befindet sich die Paracelsus-Klinik. An den ÖPNV ist der Rhen mit der Buslinie 293 Ulzburg – Rhen – Norderstedt-Harksheide – Norderstedt Mitte (U-Bahn-Anschluss nach Hamburg) angebunden, an den Wochenenden auch mit der Nachtbuslinie 616. Die Busse der Linie 593 fahren die Paracelsus-Klinik an, an Schultagen auch das Schulzentrum Ulzburg. Neben der Grundschule Rhen im Zentrum des Ortsteils befindet sich am Nordrand die Gemeinschaftsschule Rhen, an der Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5 bis 10 unterrichtet werden. Auf dem Rhen liegt auch die Sportanlage des ehemaligen Fußball-Oberligisten SV Henstedt-Rhen, der mittlerweile unter dem Namen SV Henstedt-Ulzburg in der Landesliga Holstein (6. Liga) spielt.