mini|hochkant|St. Marien (2007) Die St.-Marien-Kirche ist eine profanierte römisch-katholische Kirche in der Bochumer Innenstadt. Der stadtprägende Turm der neogotischen Backstein-Kirche ist mit Spitzhelm etwa 70 Meter hoch. Ihre Lage markiert den Beginn der Westerweiterung der Innenstadt zu den Arbeitervierteln des Bochumer Vereins.
Geschichte Innerhalb der Gemeinde gab es zuerst einen Streit über den passenden Bauplatz, bis eine Schenkung des Baugrundes diesen beendete. Die Lage richtete sich zum Arbeiterviertel Griesenbruch aus, zu dem auch der ehemalige Haupteingang im Turm ausgerichtet ist. Der Kirchenbau erfolgte von 1868 bis 1872 zur Zeit des Kulturkampfes nach einem Entwurf des Architekten Gerhard August Fischer. Am 3. Mai 1872 wurde die Kirche in Anwesenheit des Bischofs Konrad Martin geweiht.
Kriegszerstörung und Wiederaufbau mini|links|Trümmer in der Pfarrkirche St. Marien nach einem Bombenangriff 1943 Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bei einem Großangriff in der Nacht auf Pfingstsonntag vom 12. auf den 13. Juni 1943 von Bomben getroffen und brannte aus. Zuletzt wurde das Gebäude am 4. November 1944 getroffen. Trotz der Kriegsschäden blieb der Turm fast unverändert erhalten und zählt mit seiner Bauart zu einer der bemerkenswertesten des Ruhrgebietes.
Beim Wiederaufbau von 1952 bis 1953 unter dem Bochumer Architekten Kurt Hubert Vieth wurde der restliche Kirchenraum erheblich schlichter aufgebaut. Auch wenn die neugotische Ausstattung verloren ging, wurde die Ausstattung in einer überdurchschnittlichen künstlerischen Qualität ausgeführt. Josef Sauerland schuf neben der Taufkapelle einen Gedenkraum für die Kriegstoten der Gemeinde. Bei den Bauarbeiten kam ein Arbeiter ums Leben. Die Kirche wurde am 3. Oktober 1953 erneut geweiht.
Der Altarraum wurde 1962 bis 1963 durch den Bochumer Architekten Roman Reiser umgestaltet. Hier wurden schon früh die Ideen des Zweiten Vatikanischen Konzils aufgenommen, und der Altar näher an die Gemeinde gerückt. Die Glasfenster wurden 1969 von dem Bochumer Maler und Grafiker Heinrich Wilthelm entworfen. Sie sind beispielhaft für das wandelnde Kunstverständnis zum Ende der 1960er, wo in die sakralen Motive auch moderne Elemente verarbeitet werden. Als Beispiel dienen hier die Raumfahrerköpfe zu Füßen des Engels Michael, die zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Technik und zur Wahrung der Schöpfung aufrufen. Die Fenster wurden in der Glasmalerei Derix hergestellt.
Profanierung mini|hochkant|St. Marien (2007) Im Mai 2000 wurde der Plan bekannt, die Kirche abzureißen, und am 22. September 2002 feierte man die letzte Messe in der Pfarrkirche, die im selben Jahr profaniert wurde. Sie zählt damit zu den Kirchen, die bereits vor der Strukturreform im Bistum Essen aufgegeben wurde.
Die Kirche wurde geschlossen, die Fenster mit Glasmalereien wurden ausgebaut und eingelagert. Kunsthistoriker und viele Gemeindemitglieder kämpften für den Erhalt der Marienkirche. Unterdessen war das Gebäude dem Verfall preisgegeben; wertvolle Wandmosaike wurden zum großen Teil zerstört. 2005 erregte ab März der von der Gemeinde geplante Abriss zugunsten des Neubaus eines Altenheims die Gemüter in der Stadt. Im September wurde der Erhalt der Kirche mit einer Umnutzung bekannt gegeben.Bochumer Themen 2005, ab 8:30 min Ab 2008 gab es Pläne das Kirchenschiff als Kammermusiksaal zu nutzen. Von 2010 bis 2012 nutzte das Street-Art-Ensemble Urbanatix die Kirche als Trainingsstätte.
Einbeziehung in das Musikforum Bochum mini|hochkant|Marienkirche – heute Foyer des Musikzentrums Anneliese Brost Musikforum Ruhr (2018) Schließlich fiel – nicht zuletzt dank des Einsatzes von Generalmusikdirektor Steven Sloane – die Entscheidung, auf dem Marienplatz neben der Kirche das Anneliese Brost Musikforum Ruhr u. a. als Spielstätte für die Bochumer Symphoniker zu bauen.bochumer-symphonie.de: Bauen wir das Musikzentrum in Bochum!, abgerufen am 14. Februar 2012. Im Entwurf des Stuttgarter Büros Bez+Kock Architekten wurde die profanierte Marienkirche als Foyer zwischen den beiden Sälen (Konzertsaal und kleiner Saal) des im Oktober 2016 eröffneten Musikzentrums miteinbezogen.Tim Neshitov: Der amerikanische Traum. Dank Steven Sloane hat das klamme Bochum im klammen Ruhrgebiet jetzt einen Ort für seine Symphoniker. In: Süddeutsche Zeitung, 18. Mai 2016, S. 3. Der Haupteingang in das Musikforum erfolgt über die Süd- und Nordseite des Chores an der Viktoriastraße.
Die Glasfenster von Heinrich Wilthelm und einige der Wandzeichnungen sind in das Musikforum übernommen worden. Eine der Glocken, gegossen vom Bochumer Verein und mit einer Losung des Katholikentags von 1949, Gerechtigkeit schafft Frieden, versehen, ist die Pausenglocke.
Literatur Rüdiger Jordan: „Immer Ärger um Mary“. Die konfliktreiche Geschichte der Bochumer Marienkirche. Bochumer Zeitpunkte Nr. 8 der Kortum-Gesellschaft Bochum, Bochum, 2000
Foyer des Anneliese Brost Musikforums Ruhr. Umnutzung von St. Marien, Bochum. In: Elisabeth Beusker (Hrsg.): Umnutzung von Kirchen. Beispiele aus Nordrhein-Westfalen. Cuvillier Verlag, Göttingen 2021, ISBN 978-3-7369-7233-9, S. 17–22.
Weblinks
Pro Marien-Kirche Bochum-Mitte e.V.
Einzelnachweise
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