Johanngeorgenstadt ist eine Bergstadt im sächsischen Erzgebirgskreis. Sie liegt im Westerzgebirge unmittelbar an der Grenze zu Tschechien.

Die Stadt entstand 1654 als Exulantensiedlung böhmischer Protestanten und hat eine lange Bergbautradition, die mit dem Abbau von Eisen und Zinn begann. Bereits in der Bronzezeit wurde in der Nähe des heutigen Ortes bei der Sauschwemme nach Zinn geseift.Tausende Jahre früher als gedacht ziehen die ersten Bergleute durchs Erzgebirge. In: Sächsische Zeitung vom 20. September 2024 Martin Heinrich Klaproth erhielt von hier Proben von Pechblende, in denen er 1789 erstmals das Element Uran isolieren konnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zwischen 1946 und 1958 durch die Wismut AG ein intensiver und teilweise rücksichtsloser Bergbau betrieben, der das Stadtbild nachhaltig prägte. So zogen Bergschäden den angeordneten Abriss fast der gesamten Altstadt nach sich.

Der Ort trägt aus touristischen Gesichtspunkten die Bezeichnung „Stadt des Schwibbogens“.

Geografie mini|Blick von Pachthaus zum böhmischen Potůčky (Breitenbach, links) und zur Altstadt der sächsischen Stadt Johanngeorgenstadt (rechts) Geografische Lage Die Stadt erstreckt sich vorwiegend auf dem östlichen Hang des fast 900 m hohen Fastenberges an der Einmündung des teilweise die Grenze zur Tschechischen Republik bildenden Breitenbaches in das Schwarzwasser. Die nächsten höheren Berge in der Umgebung der Stadt sind der 1019 m hohe Auersberg, der 1043 m hohe Blatenský vrch (Plattenberg) und der 913 m hohe Rabenberg.

Nachbargemeinden

Stadtgliederung Johanngeorgenstadt besteht aus den Ortsteilen Altstadt (volkstümlich genannt Sockendorf), Mittelstadt, Neustadt, Schwefelwerk, Jugel (Ober- und Unterjugel), Henneberg, Wittigsthal, Pachthaus, Heimberg, Külliggut, Steigerdorf (mit Haberlandmühle), Steinbach und Sauschwemme. Der frühere Ortsteil Neuoberhaus ist heute eine wiederaufgeforstete Wüstung.

Klima Aufgrund der Höhenlage (die Passhöhe der Straße zur Neustadt beträgt 892 m NN) dehnt sich der Winter mit seiner langanhaltenden Schneedecke oft ein halbes Jahr aus, sodass Johanngeorgenstadt zu den schneesicheren Gebieten Sachsens zählt. Windstärken von vier bis sieben sind das ganze Jahr über keine Seltenheit, was dazu führte, dass sich der Ort im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer Sommerfrische entwickelte. Da die dortige Gegend im 18. Jahrhundert in einigen Publikationen als Sächsisches Sibirien bezeichnet wurde, lautet einer der Spitznamen der Stadt Johannsibirsk.

Geschichte mini|Johanngeorgenstadt auf einer Lithographie (1841), rechts das Bergmagazin (erbaut 1806–1812) mini|Idyll am Haldenteich mit Blick auf die Stadt (vor 1917) mini|Gedenktafel zur Entdeckung des Elementes Uran nahe der ehemaligen Georg-Wagsfort-Fundgrube (1789) mini|Gedenktafel an den Abriss der Altstadt Am wurde in Annaburg von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen die Gründung von Johanngeorgenstadt durch aus der Bergstadt Platten und Umgebung vertriebene böhmische Exulanten am Fastenberg unmittelbar an der sächsischen Grenze im Amt Schwarzenberg genehmigt. Er bestimmte, dass die neue Stadt seinen Namen tragen sollte. Die Grundsteinlegung erfolgte am . Nach dem Ablauf der 1656 gewährten zwei Freijahre überließ der Kurfürst von Sachsen der Stadt wegen der herrschenden Armut die staatlichen Akzise-, Schock- und Tranksteuern bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts. Hiermit wurde Johanngeorgenstadt „freye Bergstadt“.Engelschall, S. 94. 1662 wurde auf Initiative von Abraham Wenzel Löbel das Bergamt Johanngeorgenstadt eingerichtet. 1680 sind in der Stadt und deren Umgebung etwa 100 Erzgruben gezählt worden. Der Bergbau wurde von Zinn auch auf Silber ausgedehnt. Er erreichte 1716 seinen Höhepunkt und ging im Laufe des 18. Jahrhunderts zurück.

Im Jahr 1770 war Johanngeorgenstadt von einem Erdbeben betroffen, über das sogar in einer Zeitung in Augsburg berichtet wurde:

Die große Hungersnot im Erzgebirge 1771/72 forderte in der Stadt etwa 650 Todesopfer. Noch um 1800 war Johanngeorgenstadt durch den Brauch des Osterpeitschens bekannt, den die Exulanten 1654 aus Böhmen mit nach Sachsen gebracht hatten.

Bereits 1651 wurde im heutigen Stadtteil Wittigsthal ein Hammerwerk in Betrieb genommen und 1828 durch den dortigen Hammerherrn Carl Gotthilf Nestler (1789–1864) das erste funktionstüchtige Eisenblechwalzwerk Sachsens in der Haberlandmühle errichtet. Im 19. Jahrhundert begann unter anderem die Produktion von Bandspitze und ab 1860 von Lederhandschuhen. Am 19. August 1867 vernichtete ein verheerender Großbrand 287 der 355 Häuser des Stadtgebietes. Es kamen dabei sieben Erwachsene und fünf Kinder ums Leben.

Die erste Großsprungschanze Deutschlands entstand 1929 in der Nähe von Johanngeorgenstadt. Sie trug den Namen Hans-Heinz-Schanze. Im Zweiten Weltkrieg diente das 1901 von Oskar Puschmann als „Henriettenhof“ erbaute Hotel „Deutsches Haus“ gegenüber dem Bahnhof als Lazarett. Das Hotel des vormaligen Besitzers Arthur Krautmann gehörte damals bereits als Büro-Gebäude zu der Blechwarenfabrik „Wendler & Weiß“ des Fabrikanten Herman Wendler. Ferner befand sich in der Stadt ein Außenlager des KZ Flossenbürg, in dem 1.200 KZ-Häftlinge im Werk IV, ehemals Box Möbelfabrik Heinz, der Erla Maschinenwerk GmbH (Leipzig) Teile für Jagdflugzeuge herstellen mussten. Wöchentlich starben 20 bis 30 von ihnen an den Folgen der schlechten Lebensbedingungen. Das Außenlager wurde am 13. April 1945 geräumt und die Häftlinge auf einen Todesmarsch in Richtung KZ Theresienstadt getrieben. Zwischen Mai und August 1945 diente das ehemalige Lager wieder als Gefängnis.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die bekannten Uranvorkommen in Schneeberg und Johanngeorgenstadt Ausgangspunkt für die sowjetischen Erkundungsarbeiten auf Uran in Sachsen für das sowjetische Kernwaffenprogramm.

Im Jahr 1946 übernahm die AG Wismut (ab Dezember 1953 SDAG Wismut) die Johanngeorgenstädter Gruben von der Sachsenerz Bergwerks AG. Mit der Gründung des Objektes 01 begann der Uranabbau in der Lagerstätte in rasanter Geschwindigkeit. Neben den direkten Auswirkungen des Bergbaues auf die Stadt gab es auch Probleme für die örtliche Wirtschaft. So belegte die AG Wismut einen Großteil der Werkhallen des Eisenwerkes Wittigsthal sowie das Fabrikgebäude der Firma Wendler & Weiß.

Im Spätsommer 1948 wurde die Mühlbergsiedlung als Quartier für etwa 8000 Wismut-Beschäftigte angelegt. Ein Teil der Baracken stammte aus dem Kriegsgefangenenlager Stalag IV B, von 1945 bis 1948 sowjetisches Speziallager Mühlberg an der Elbe.Annette Kaminsky: Orte des Erinnerns: Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Ch. Links Verlag, 2007, S. 344–345, ISBN 978-3-86153-443-3

Analog zu der Umsiedlungsaktion in Oberschlema drängte die Wismut AG auch in Johanngeorgenstadt ab dem Jahr 1951 auf eine Umsiedlung der Bewohner der Altstadt und den Abriss der dortigen Gebäude. Zu diesem Zeitpunkt waren die Auswirkungen des Bergbaus auf die Johanngeorgenstädter Altstadt nicht absehbar. Im Dezember 1951 wurde eine Räumungszone mit einer Fläche von rund 90 ha festgelegt. Betroffen waren insgesamt 431 Häuser mit etwa 5600 Einwohnern, fünf größere Betriebe, 199 kleinere Gewerbebetriebe, 26 Kleinbauern und fast alle öffentlichen Einrichtungen der Stadt. Ende 1952 wurde die Räumungszone durch die Verantwortlichen nochmals präzisiert, wodurch nur noch 412 Häuser betroffen waren.

Zur Frage der Umsiedlung der Einwohner wurde eine Expertenkommission gegründet, die bis zum 15. September 1952 ihr Gutachten vorzulegen hatte. Diese Kommission unter Vorsitz von N. D. Iwanow schloss ihre Tätigkeit im Juli 1952 ab und kam unter anderem zu der Schlussfolgerung, dass es nicht notwendig sei, Einwohner der Stadt sowie gesellschaftliche und soziale Einrichtungen umzusiedeln. In einem Brief der Hauptverwaltung der Wismut von Gen. W. A. Sergejew heißt es im Oktober 1952, dass die Notwendigkeit der Umsiedlung der Einwohner entfällt. Weiterhin bittet er um Auskunft, ob diese Frage von der Regierung der DDR überprüft wurde und welche endgültigen Entscheidungen über den Abbruch der Stadt gefallen seien.

Da es in der näheren Umgebung von Johanngeorgenstadt keine Möglichkeit zur Unterbringung der Umsiedler gab, wurde der Beschluss zum Aufbau der Neustadt gefasst. Baubeginn für dieses Projekt war am 20. Februar 1952. Die ersten Wohnungen in der Neustadt konnten am 20. Juli 1953 bezogen werden. Mit der Fertigstellung der ersten Wohnblocks in der Neustadt wurde die Räumung der Altstadt beschleunigt. Geräumt werden sollten nunmehr 440 Häuser, da die Grenzen des zu räumenden Gebietes wieder geändert wurden. Bis zum Jahresende 1956 waren etwa 3480 Einwohner umgesiedelt worden. Durch Verkleinerung des Räumungsgebietes, aber auch wegen des Widerstandes betroffener Einwohner, wurden bis zum Abschluss der Aktion im Jahr 1957 nur 319 Häuser geräumt und etwa 4000 Einwohner umgesiedelt. Nach dem Abriss der Häuser wurden ab 1960 entlang der Straßen Alleebäume gepflanzt, während auf den Brachflächen der 2013 in großem Umfang gefällte Wald aufgeforstet wurde.

Von 1951 bis 1957 bildete Johanngeorgenstadt einen eigenen Stadtkreis. Anschließend gehörte es zum Kreis Schwarzenberg und später zum Landkreis Aue-Schwarzenberg.

Zur Zeit der DDR gab es über 40 Ferienheime und Betriebsferienlager in der Stadt. So unterhielt die Deutsche Reichsbahn mit dem Ingenieurbaubetrieb Dresden das Ferienheim „Helmut Gansauge“ in der Pachthausstraße 21. Johanngeorgenstadt war bis 2010 staatlich anerkannter Erholungsort.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) vom 25. Oktober 2006 (SächsABl. S. 1012) auf: revosax.sachsen.de2010 kein Erholungsort mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 13. Mai 2010 (SächsABl. S. 817) auf: revosax.sachsen.de

Die ab 1990 einsetzende Schließung zahlreicher Betriebe der Handschuh-, Textil- und Möbelindustrie sowie des Maschinenbaues sorgte für einen enormen Rückgang der Bevölkerungszahl weit unter das Vorkriegsniveau. Dies wiederum hatte den Abriss zahlreicher leerstehender Fabrik- und Wohngebäude (vor allem in Neuoberhaus, Pachthaus, Mühlberg und der Mittelstadt, teils frühere Baracken der Wismut-Kumpel) zur Folge. Von den Abbruchmaßnahmen war 2005 auch eines der wenigen Kulturdenkmale der Stadt betroffen: Das zwischen 1806 und 1812 errichtete und vom großen Stadtbrand 1867 verschont gebliebene Gebäude des Bergmagazins wurde mit Genehmigung des Stadtrats abgerissen.

Aufgrund der Haushaltslage (9,7 Millionen Euro Schulden, jährliches Defizit von 600 000 Euro (Stand August 2011)) wird seit 2011 seitens des Sächsischen Innen- und Finanzministeriums Druck auf Johanngeorgenstadt ausgeübt, seine Eigenständigkeit aufzugeben, um so die Finanzprobleme in den Griff zu bekommen. Neben einer Eingemeindung in die Nachbargemeinde Breitenbrunn wurde seitens Johanngeorgenstadt auch eine Fusion aller Gemeinden am Auersberg ins Spiel gebracht, was aber angesichts der entstehenden weiten Wege kaum praktikabel wäre. Verhandelt wird mit der Nachbargemeinde Breitenbrunn, ob eine Eingemeindung oder Fusion realisierbar wäre.Bergstädter machen Forderungen auf – Johanngeorgenstadt soll mit Bedingungen in die Verhandlungen mit Breitenbrunn gehenDie Braut, die keiner küssen will – Selten wurde um Fusionsgespräche so viel Geheimniskrämerei betrieben wie im Fall JohanngeorgenstadtBürger sollen bei Partnerwahl mitreden – Bürger entscheiden: Breitenbrunn oder Eibenstock Im Moment gibt es allerdings keine Bestrebungen zu einer Fusion. Einige Finanzspritzen des Landes haben die finanzielle Lage der Stadt zunächst stabilisiert, auch wenn sie immer noch kritisch ist.

Eingemeindungen 1935: Jugel und Wittigsthal