Autarkie ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit eines Privathaushalts, einer Region oder eines Staates durch die vollständige oder teilweise Selbstversorgung mit Gütern und Dienstleistungen.

Etymologie Der Begriff Autarkie leitet sich aus dem Altgriechischen ab. Er hat seine Wurzeln in den Worten autárkeia (αὐτάρκεια), in poetischer Form autarkía (αὐταρκία), sowie autárkēs (αὐτάρκης), was „selbstgenügsam, über ausreichende Mittel verfügend, unabhängig“ bedeutet. Diese Begriffe wiederum sind zusammengesetzt aus autós (αὐτός), was „selbst, eigen“ bedeutet, und arkein (ἀρκεῖν), was für „abwehren, helfen, genügen, ausreichen“ steht.Etymologie Autarkieautark. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 2. August 2019.

Zum einen wird die Autarkie als jener Zustand bezeichnet, in dem der Mensch „sich selbst genügt“, also keines anderen Menschen bedarf und von allen äußeren Gütern unabhängig ist. Zum anderen – diese Verwendung wird Aristoteles zugeschrieben – bezeichnet die Autarkie schlicht ein „genügendes Auskommen“ des Menschen. In diesem Zusammenhang wird der Begriff auch konnotativ mit „zufrieden“ oder „sicher“ gleichgesetzt.Franz Passow: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Friedrich Christian Wilhelm Vogel, Leipzig 1841, S. 443.

Das Adjektiv autark bedeutet, „auf niemandes Unterstützung oder Weisung angewiesen“ zu sein. Es kann unter anderem Personen, Organisationen oder Abteilungen in Unternehmen beschreiben, die eigenverantwortlich und selbstbestimmt handeln können. Es wird in der Biologie, der Informatik, der Ökologie, der Psychologie, dem Bauwesen und der Politik benutzt. Speziell bei Regionen und Ländern tritt der Aspekt wirtschaftlicher Unabhängigkeit in den Vordergrund.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. De Gruyter, 2001, S. 77 (bearbeitet von Elmar Seebold).

In der heutigen Sprachverwendung wird der Begriff der Autarkie primär im wirtschaftlichen Kontext gebraucht und bringt dabei zumeist die materielle und ökonomische Unabhängigkeit eines Einzelnen, einer Gruppe oder eines Staates zum Ausdruck. Wirtschaftlich vollständig autark wäre ein Land, das alles, was es benötigt, selbst besitzt oder erzeugt, oder das seinen Bedarf auf das beschränkt, was es selbst erzeugen kann.Autarkie. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 30. Juli 2019. Unter diesen Aspekten beschreibt Autarkie einen Zustand der Selbstversorgung, in dem ein Land nicht mehr auf die Einfuhr oder die Ausfuhr von Waren angewiesen ist sowie auf sämtliche auswärtige finanzielle Transaktionen verzichten kann und in diesem Sinne vollständige wirtschaftliche Selbständigkeit erlangt hat.Simon Varga: Vom erstrebenswertesten Leben. Aristoteles‘ Philosophie der Muße. De Gruyter, 2014, S. 59.

Synonyme für autark sind: unabhängig, souverän, eigenständig, frei, selbständig, autonom, ungebunden.Wortschatz autark. Universität Leipzig, abgerufen am 30. Juli 2019.

Messung Die Selbstversorgung mit bestimmten Produkten kann durch den Selbstversorgungsgrad gemessen werden. Diese volkswirtschaftliche Kennzahl stellt in einem Staat die Bruttoeigenerzeugung dem Verbrauch gegenüber. Bei Agrarprodukten spielt der Selbstversorgungsgrad eine große Rolle, weil diese das Grundbedürfnis auf Nahrung befriedigen, das nach Möglichkeit nicht durch Importe gedeckt werden soll. Der Selbstversorgungsgrad zeigt an, inwieweit das Ziel der Versorgungssicherheit erreicht ist. Einige Agrarprodukte weisen in vielen Industriestaaten einen Selbstversorgungsgrad von 100 % oder mehr auf. Hier besteht partielle Autarkie durch Selbstversorgung (Subsistenzwirtschaft). Mit dem Selbstversorgungsgrad ist der Agrarprotektionismus eng verbunden; dieser hat auch zum Ziel, die Autarkie zu stärken.

Geschichte Im antiken Griechenland war die Autarkie ein zentraler Aspekt des politischen Denkens und nahe an den Bereichen der Politik und der Ökonomie angesiedelt. Herodot beschrieb das Wesen der Autarkie als ein „politisches Ideal“. Nach ihm solle das Territorium einer Polis, vor allem im landwirtschaftlichen Bezug, so ertragreich sein, dass alle Bewohner eines Landes mit ausreichenden Gütern unabhängig versorgt und damit ernährt werden können. Für Aristoteles beruhte das gesamte politische System der Polis auf der Aufrechterhaltung der Autarkie, durch die ein Gemeinwesen erst möglich sein könne. Allerdings waren sich Herodot und Aristoteles darüber bewusst, dass vollständige Autarkie praktisch kaum zu realisieren ist und oft mit verschiedenen Einschränkungen einhergeht. Deshalb betonten beide Philosophen, dass sich Menschen mit dem zufriedengeben sollten, was sie erreichen können. Ziel müsse es stets sein, eine höchstmögliche wirtschaftliche Unabhängigkeit anzustreben. Gelinge das nicht, so führe dies zum Verlust der lokalen Selbstverwaltung und somit unweigerlich in eine Fremdherrschaft. Bei Platon ist die Autarkie ein Kennzeichnen des höchsten Wertes und das Hauptziel des idealen Staates. Der Mensch ist nach platonischer Ansicht nicht autark, kann aber indirekt zu einer gewissen Autarkie gelangen. Der eine Weg besteht darin, dass sich die einzelnen Menschen zur politischen Gemeinschaft zusammenschließen. Ein anderer Weg verlangt, dass der Mensch innerlich unabhängig wird von äußeren Lebensumständen, was nahezu unmöglich ist.Simon Varga: Vom erstrebenswertesten Leben. Aristoteles‘ Philosophie der Muße. De Gruyter, 2014, S. 58–59.Jan Kruse: Geschichte der Arbeit und Arbeit als Geschichte. LIT Verlag, Münster 2002, S. 84.Sung-Chul Rhim: Die Struktur des idealen Staates in Platons Politeia. Königshausen & Neumann, 2005, S. 136.

Im Gegensatz zur dominierenden Selbstversorgung im antiken Griechenland wurde die florierende Wirtschaft im Römischen Reich durch einen gut vernetzten Land- und Seehandel und den damit verbundenen Wohlstand geprägt. Max Weber wie auch Hans Delbrück führten den Untergang Roms maßgeblich auf einen Rückfall in die autarke Naturalwirtschaft zurück. Ausgelöst durch die Bildung römisch-katholischer Gemeinden, entstanden Güter, Sprengel, später ganze Kirchenprovinzen, die zunehmend den Charakter eines autarken Herrschaftsgebildes annahmen. So war die monastische Autarkie, unter anderem in Form eines Klostergartens, bereits im 6. Jahrhundert in den Regula Benedicti fest vorgegeben. Letztlich führte die gezielt herbeigeführte Herauslösung aus der städtischen Wirtschaft und die Entkopplung vom transnationalen Handel Schritt für Schritt in eine Autarkie, die zur Grundlage des mittelalterlichen Feudalsystems wurde. Armut, Bescheidenheit, Buße und Predigt waren die wesentlichen Elemente dieser Zeit. Das von der Kirche propagierte Armutsideal verbot fremde Einkünfte, sodass die Bevölkerung auf möglichst autarke eigene Höfe angewiesen war. Ab dem 13. Jahrhundert verloren die weitgehend autarken Grundherrschaften ihre vorherrschende Stellung. Der städtische Markt und der länderübergreifende Handel mit seiner Geldwirtschaft begannen in Europa das ökonomische Leben zu dominieren.Hans Delbrück: Das Mittelalter. Teil 2. Berlin 1929, S. 5 (bearbeitet von Konrad Molinski, Neuauflage: Books on Demand 2011).Hans-Werner Goetz: Leben im Mittelalter vom 7. bis zum 13. Jahrhundert. C. H. Beck, 1994, S. 72.

Eine nahezu vollständige Autarkie, verbunden mit gezieltem Isolationismus, starker Prosperität sowie hohem Lebensstandard und Bevölkerungswachstum, zeigt die Wirtschaftsgeschichte der Qing-Dynastie in China von etwa 1644 bis 1839 auf. Adam Smith bezeichnete 1776 in seinem Hauptwerk Der Wohlstand der Nationen China als eines der „reichsten, fruchtbarsten, gewerblich fleißigsten, kultiviertesten und wohlhabendsten Länder“ der Erde. Als Vorteil nannte er die Größe des Landes, seine Bodenschätze, vor allem aber den erfolgreich praktizierten chinesischen Binnenhandel. Dieser bewahre Menschen vor Hungersnöten und sei „das beste Mittel zur Milderung einer Verknappung und Teuerung unter den verschiedenen Provinzen eines Landes“. Da aber nicht jeder Staat über ähnliche Voraussetzungen verfügt, kam Smith zu dem Ergebnis, dass mittels Freihandel der „Mangel in dem einen Land durch den Überfluss in dem anderen“ leicht ausgeglichen werden könne. Dabei solle der betroffene Wirtschaftsraum seine Einfuhren auf Waren beschränken, die er selbst nicht herstellen oder produzieren kann. Adam Smith zeigte sich davon überzeugt, dass Freihandel nicht nur zu größerem Wohlstand führt, sondern auch das „Band der Freundschaft“ zwischen den Staaten herstellt.Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen. Deutscher Taschenbuch-Verlag, 2003.Gerhard Streminger: Adam Smith. Wohlstand und Moral. C. H. Beck, 2017, S. 99–100.Roy Bin Wong: China Transformed. Historical Change and the Limits of European Experience. Cornell University Press, 1997, S. 22–23.

Die Autarkie bezeichnete Adam Smith als eine Art von „Schutz gegenüber dem internationalen Handel“. In Verbindung mit dieser Aussage definierten britische Nationalökonomen später, dass „eine Wirtschaftspolitik der Autarkie darauf abziele, ein Land daran zu hindern, internationalen Handel zu betreiben“.Simon Varga: Vom erstrebenswertesten Leben. Aristoteles‘ Philosophie der Muße. De Gruyter, 2014, S. 59 (Fußnote 2). Diese Definition ist umstritten, da insbesondere die britische Wirtschaftsgeschichte nicht selten einen „einseitigen Freihandel“ aufweist. So versuchte das Vereinigte Königreich wiederholt, das Britische Weltreich gegenüber dem Rest der Welt durch Schutzzölle oder geschlossene „Freihandelszonen“ abzuschirmen.Peter Wende: Das Britische Empire. Geschichte eines Weltreichs. C. H. Beck, 2012, S. 217–218. Desgleichen bezeichnete Mahatma Gandhi den britischen Freihandel als einseitig, da er andere Länder in die Abhängigkeit britischer Exporte zwinge.Axelrod Alan: Gandhi – der CEO. 14 zeitlose Grundsätze als Leitfaden für die Entscheider von heute. FinanzBuch Verlag, 2011, S. 173. Tatsächlich blieben einige Ex-Kolonien des Folgekonstrukts Commonwealth of Nations bis weit in die 1970er Jahre hinein in erster Linie von Großbritannien abhängig.Markus Bäuchle: Irland. Ein Länderporträt. Ch. Links Verlag, 2015, S. 45. Und auch zuletzt verfolgten offizielle britische Regierungsvertreter im Zusammenhang mit dem Brexit die Vision eines „globalen Großbritanniens“ nebst geschlossenen Freihandelszonen.Die Briten träumen wieder vom Empire. In: Wirtschaftswoche. 7. Juni 2017, abgerufen am 5. August 2019.Der illusorische Traum vom neuen Empire. In: Zeit Online. 24. April 2018, abgerufen am 5. August 2019.

Seit der globalen Finanzkrise 2008 befindet sich der weltweite Freihandel in einem Umbruch. Ab 2009 nahmen versteckte Handelshemmnisse und regulatorische Hürden zu. Mit Donald Trumps erster Amtszeit ab 2017 verstärkte sich der Protektionismus durch gegenseitige Strafzölle zwischen den USA, China und der EU. Seit 2025 hat die handelspolitische Konfrontation erneut deutlich zugenommen. Einerseits wächst die Zahl regionaler und bilateraler Handelsabkommen, andererseits gerät das multilaterale, regelbasierte Handelssystem durch Blockaden unter Druck. Immer mehr Staaten setzen auf lokale Vorgaben, Zölle, Subventionen und weitere Handelsbarrieren. Diese Entwicklung erzwingt eine Neuordnung globaler Lieferketten, die sich zunehmend durch Friendshoring und eine stärkere Ausrichtung auf regionale Wirtschaftsblöcke auszeichnet.

Deutschland In Deutschland beschäftigten sich Ökonomen und Philosophen ebenfalls sehr früh mit der Autarkie-Theorie. Den Gedanken der wirtschaftlichen Selbstversorgung vertieften in umfangreichen Werken unter anderem List, Müller, Kant, Fichte, Hegel, Feuerbach, Treitschke, Mommsen und Marx.Institut für Deutsche Sprache (Hrsg.): Deutsches Fremdwörterbuch. Band 2. De Gruyter, 1996, S. 531–532.