Das Erasmus-Grasser-Gymnasium (EGG) ist ein naturwissenschaftlich-technologisches und Europäisches Gymnasium im Münchner Stadtbezirk Sendling-Westpark. Es wurde ursprünglich 1833 von König Ludwig I. als Königliche Landwirthschafts- und Gewerbe-Schule des Isarkreises gegründet. Benannt ist das Gymnasium heute nach dem Bildhauer, Holzschnitzer und Werkmeister Erasmus Grasser.
Geschichte Die 1833 als Königliche Landwirthschafts- und Gewerbeschule des Isarkreises gegründete Schule gehörte zu den ältesten Realgymnasien Bayerns und war in das im Damenstift von München etablierte „Polytechnikum“ eingebunden. Wie alle Schulen ihrer Art wurde die Institution 1864 von der landwirtschaftlichen Abteilung getrennt und nach der „Allerhöchsten Königlichen Verordnung vom 14. Mai“ König Ludwigs II. zur Königlichen Kreisgewerbsschule des Isarkreises umgestaltet. Am 29. April 1877 wurde sie zur sechsklassigen Kreisrealschule des Isarkreises. 1891 bekam die Schule von Prinzregent Luitpold den Vornamen der verstorbenen Könige Ludwigs I. und Ludwigs II. verliehen und hieß somit zunächst Ludwigs-Realschule. Unter dem NS-Regime wurde die Ludwigs-Realschule 1938 zur Oberschule für Jungen an der Damenstiftstraße umgeformt und nach der Zerstörung des Damenstifts im Zweiten Weltkrieg wurde sie 1946 in das Gebäude des Wittelsbacher-Gymnasiums verlegt. 1948 wurde die Schule zur Ludwigs-Oberrealschule und bekam das heutige Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau zur Betreuung als Zweigstelle. 1958 wurde gemeinsam mit dem Ludwigsgymnasium die heutige Schulanlage an der Fürstenrieder Straße (in der Teilgemeinde Neufriedenheim) bezogen, die von den Architekten Fred Angerer und Adolf und Helga Schnierle entworfen wurde, ebenso wie der 1978 hinzugekommene Erweiterungsbau mit Bibliothek, Auditorium, Mensa, gestaltbaren Sporthallen und Turmsternwarte.
Die Schulgebäude wurden wegen großem Sanierungsbedarf von 2020 bis 2023 generalsaniert.
Als mathematisch-naturwissenschaftliche Lehranstalt unter anderem durch ein „Pädagogisches Seminar für Germanistik, Mathematik/Physik, Kunsterziehung, Turnphilologie m. Chemie, Biologie bzw. Englisch“ ausgewiesen, wurde die Ludwigs-Oberrealschule 1965 wegen des bereits bestehenden gleichnamigen Gymnasiums zum Ludwigsgymnasium II. Obwohl die Bezeichnung wegen des gleichnamigen Namensgebers akzeptiert wurde, so stieß die Nummerierung als „Einstufung“ bzw. „Abstufung“ bei Schulleitung und Kollegium auf Ablehnung, wodurch die neue Namensfindung unumgänglich wurde. Bei der Suche nach einem Namensgeber standen die durch Naturwissenschaften glanzvoll ausgewiesenen Persönlichkeiten Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler, Joseph von Fraunhofer, Werner von Siemens und Justus von Liebig zur Diskussion, wobei zunächst die Wahl auf die Bezeichnung Johannes-Kepler-Gymnasium fiel, für die aber bereits eine Bewerbung im Kultusministerium vorlag. Daher wurden in der weiteren Stufe die Künstler Hans Pfitzner und Erasmus Grasser diskutiert, wobei die Wahl letztendlich auf den heutigen Namensgeber fiel.Hubert Freilinger:
Lage Das heute gemeinsam mit dem Ludwigsgymnasium in einer Anlage westlich angrenzend am Westpark gelegene Erasmus-Grasser-Gymnasium ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.
Besonderheiten Unterrichtsangebot Wahlfächer Astronomie, Italienisch, Spanisch, Japanisch, Informatik (Coding, Maker Space), Modellbau, Keramik, Werken, Fotografie, Schulgarten, Theatergruppe, Orchester, Chor, Violine, Bratsche, Chello, Kontrabass, Big Band, Instrumentalunterricht, Gruppe Bewegungskünste, Orientierungslauf, Hockey, Golf, Tennis, Badminton, Rock ’n’ Roll-Tanz, Bridge, Schach, Streitschlichter, Schulsanitätsdienst, Selbstverteidigung für Mädchen, Mountainbiking, Bühnenbau, Licht und Ton (Veranstaltungstechnik), Schulhausgestaltung, Volleyball, Leichtathletik, Fußball für Mädchen
Infrastruktur Das Gymnasium verfügt über eine Schulsternwarte, ein Schwimmbad (geteilt mit dem Ludwigsgymnasium), einen Schulgarten, eine Schulbibliothek (genannt „Bücherburg“), einen Musikpavillon, über Zeichen- und Werkräume mit Brennofen und Druckerpresse sowie Informatikräumen.
Die Infrastruktur ist jedoch teilweise aufgrund der Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudes beeinträchtigt.
Seminarschule Am Erasmus-Grasser-Gymnasium werden Lehramtsreferendare ausgebildet. Es bestehen Studienseminare für Mathematik, Informatik, Chemie, Biologie, Englisch, Geographie, Sport, Kunst und Wirtschaftswissenschaften.
Partnerschaften Es bestehen Partnerschaften mit dem benachbarten Ludwigsgymnasium und der Technischen Universität München sowie eine Kooperation mit der Siemens-Stiftung.
Sonstiges Die Gruppe Bewegungskünste trat unter anderem 2003 mit ihrem Programm bei der Weltgymnaestrada in Lissabon auf. Die Hockeymannschaft ist Teilnehmer der Bayerischen Meisterschaft der Schulhockeymannschaften und die Schachmannschaft erreichte beim 3. Internet-Schulschachpokal 2005/2006 das Halbfinale.Deutsche Schachjugend:
Für die Nachmittagsbetreuung steht das angeschlossene Tagesheim Studienseminar Albertinum zur Verfügung.
Auszeichnungen 1991: Preis im Wettbewerb „Natur im Schulumfeld“. 2001: 1. Preis im Landeswettbewerb der Mathematik (verbunden mit einem Besuch des Mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach als erste deutsche Schülergruppe) 2001: 3. Platz in der Gruppe 1 beim „Tag der Mathematik“ des Mathematischen Instituts der Ludwig-Maximilians-UniversitätLMU-Math. Inst.: 2005: 2. Platz der Jungen III beim Landesfinale der Schulen im Judowww.oberpfalzjudo.de: Kepler-Gymnasium Weiden Bayerischer Meister der Schulen Sportfechten: 2011 Bay. Meister Herrendegen WK II, Vizemeister Herrenflorett WK II.2010, 2009 bay. Vizemeister Herrendegen WK III, 3. Platz Herrenflorett WK III Tischtennis: mehrmals Münchener Meister Fußball: 2009 Münchner Stadtmeister 2019: 2. Platz in Deutschland für das „Senioren“-Team im Mathematikwettbewerb Náboj 2021: Schulpreis in Silber beim Bundeswettbewerb Informatik 2022: Schulpreis in Silber beim Bundeswettbewerb Informatik 2023: Auszeichnung zur Profilschule für Informatik und Zukunftstechnologien
Schüleraustauschprogramm Sewickley Academy in der Nähe von Pittsburgh, USA Nantes, Frankreich Saint Germain en Laye bei Paris, Frankreich Verona, Italien
Bekannte Angehörige Schüler Friedrich Ludwig Bauer (1924–2015), Informatik-Pionier Manuel Baum (* 1979), Fußballtorwart und -trainerSchule & wir 3/2018 S. 13. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Abgerufen am 10. Oktober 2018. Hans Baur (1897–1993), Chefpilot Hitlers und Führer der Flugstaffel „Reichsregierung“ Wilhelm Baur (1905–1945), Verleger und NS-Funktionär Bernd Eichinger (1949–2011), Filmproduzent Dietmar Hamann (* 1973), Fußballspieler und -trainer Fritz Karmasin (1930–2013); Kommunikationswissenschaftler und außerordentlicher Professor an der Universität Wien Michael Molsner (* 1939), Schriftsteller und Drehbuchautor Marcel Schäfer (* 1984), Fußballspieler und -funktionär Ulrich Seidenberger (* 1961), Diplomat Tim Seyfi (* 1971), Schauspieler Norbert Skrovanek (1954–2014), Fernsehregisseur, Drehbuchautor, Produzent und Hochschullehrer Lisa Vicari (* 1997), Schauspielerin Heinz Wolf (* 1964), Fernsehmoderator Christopher Zeller (* 1984), Hockeyspieler Philipp Zeller (* 1983), Hockeyspieler
Lehrer Paul Amtmann (Musik & Theater 1959–1985), Weggefährte von Carl Orff sowie Autor und Herausgeber („Das Spiel in der Schule“) Ludwig Bernlochner, Schulbuchautor („Geschichte und Geschehen“) Martin Gensbaur (* 1958), Maler, Kunst- und Museumspädagoge, Kunstdozent und Autor André Hartmann (* 1976), Musikkabarettist, Stimmenimitator und Conférencier Wolfgang Krämer (1885–1972), Rektor und Autor der „Lukasburger Stilblüten“ („Lukasburg“ war der Spitzname der Ludwigs-Oberrealschule) Franz Josef Strauß (1915–1988), Bayerischer Ministerpräsident
Weblinks
Website des Gymnasiums
Einzelnachweise
Kategorie:Gymnasium in München Kategorie:Bauwerk in Sendling-Westpark Kategorie:Schulgebäude in München Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1833