mini|Prähistorische Höhlenmalerei, Altamira Spanien, um 16000 v. Chr. Modell im Anthropos-Pavillon des Mährischen Landesmuseums in Brno (Brünn), Tschechien mini|Zeitgenössische Wandkunst in Berlin, 2021 Wandmalerei, auch als Mural bezeichnet, ist eine Form der Malkunst, bei der das Bild nicht wie bei einer Tafelmalerei auf eine Holztafel oder Leinwand aufgetragen wird und zum mobilen Einsatz bestimmt ist, sondern auf eine Wand oder Decke so appliziert wird, dass es fest mit dem Untergrund verbunden ist. Die Wandmalerei ist neben der Bildhauerei die älteste überlieferte Kulturleistung der Menschheit.
Bei einer Wandmalerei versucht der Künstler, das charakteristisch Flächige der Wand zu wahren (strenge Wandmalerei) oder den Eindruck von Dreidimensionalität zu erzeugen (illusionistische Wandmalerei).
Geschichte Frühzeit mini|Höhlenmalerei von Leang Tedongne, Sulawesi, ca. 45.500 BP mini|Jagdszene, Felsmalerei im Tassili n'Ajjer, Algerien, um 6.000 v. Chr. Die Wandmalerei ist eine der frühesten Kulturleistungen der Menschheit. Berühmte Funde in Europa liegen in der Grotte Chauvet, Höhlen von Monte Castillo oder der Höhle von Lascaux. Zeugnisse von Wandmalereien aus dem jüngeren Neolithikum finden sich in Çatalhöyük (ca. 6000 v. Chr.), wo diese Malereien besonders gut erhalten sind und wohl Kulträume schmückten. Auch an anderen Orten im Nahen Osten finden sich Wandmalereien aus dieser Zeit.
Ägypten mini|links|Altägyptische Wandmalerei im Grab von Ramses III. (Tal der Könige) mini|Wandmalerei aus dem Palast in Amarna, Prinzessinnen Zahlreiche Wandmalereien haben sich in Grabkapellen der Alten Ägypter erhalten. In diesen Wandmalereien wurden vorwiegend für das nach ägyptischem Glauben notwendige Beigaben zum 'Überleben' in der anderen Welt dargestellt, über das die Toten auf diese Weise dann dort verfügen konnten. So befinden sich dort viele Darstellungen von Nahrungszubereitung oder auch von Werkstätten, in denen sich die Verstorbenen notwendige Gerätschaften „herstellen“ konnten. Sie sollten zum einen das Überleben im Jenseits garantieren, jedoch auch als Statussymbol den Wohlstand des Verstorbenen in der Totenwelt demonstrieren. Gartendarstellungen geben die Vorstellungen der damaligen Künstler von dem Aussehen der jenseitigen Welt wieder. Oftmals hatten diese Wandmalereien auch religiöse und zeremonielle Bedeutung und sollten durch ihre erzählende Bildhaftigkeit wohl auch teilweise die der Hieroglyphenschrift Leseunkundigen anschaulich über die dargestellten Themen unterrichten. Auch profane Bauten wurden zu dieser Zeit mit Wandmalereien ausgestattet, doch sind von solchen Gestaltungen wegen des schlechteren Schutzes sehr viel weniger Beispiele erhalten geblieben. Im Alten Reich und Mittleren Reich (ca. 3000–1550 v. Chr.) dominierten monochrome Bemalungen, seit dem Neuen Reich sind auch figürliche Darstellungen bekannt. Vor allem die Paläste in Malqatta und Amarna waren mit polychromen Wandmalereien ausgestattet. Hier findet man Darstellungen von Nillandschaften, der Herrscher und deren Dienerschaft; es finden sich auch Abbildung unterworfener Feinde, womit kriegerische Erfolge für die Zeitgenossen und Nachfahren festgehalten werden sollten. Die Bilder nehmen oftmals direkten Bezug zur Funktion des Raumes. Die Wandmalereien in den Häusern hoher Beamter dienten dagegen mehr dekorativen Zwecken und zeigten vorwiegend geometrische und pflanzliche Motive. mini|hochkant|Wandmalereifragment aus Knossos
Vorderasien mini|links|Bronzezeitliche Darstellung einer Frühlingslandschaft, Akrotiri Santorini um 1500 v. Chr. In Vorderasien wurden in dieser Zeit insbesondere Wohnbauten und Paläste mit Wandmalereien versehen, von denen jedoch bis auf einige wenige Reste nur noch Fragmente erhalten sind. Im Tempel von Tell Uqair sind gut erhaltene Malereien mit Löwen- und Leopardenmotiven zu sehen, deren Entstehungszeit auf ca. 3000 v. Chr. datiert wird. Auch im Palast von Mari (Entstehungszeit ca. 1800 v. Chr.) befinden sich figürliche Malereien. Weitere Beispiele für eine reiche Ausmalung liefern ein Palast in Nuzi und ein assyrischer Statthalterpalast in Til Barsip.
Ägäis Eine besondere Blüte erlebte die Wandmalerei (von ca. 1650 v. Chr. bis 1250 v. Chr.) im ägäischen Raum, wo Paläste (Knossos auf Kreta) und Wohnhäuser (Akrotiri auf Santorin) sehr farbintensiv ausgemalt wurden. Diese Malereien sind in der Regel in der Freskotechnik ausgeführt, während die in Ägypten und Vorderasien meist um Seccomalerei handelt. Es finden sich Gartenlandschaften und figürliche Szenen, die sich vor allem durch ihre Lebendigkeit und die Darstellung von Bewegungsabläufen zunächst von den gleichzeitig entstandenen Malereien in Vorderasien unterscheiden. Der sog. minoische Stil wurde jedoch so berühmt, dass sich Könige in Ägypten (Tell el-Daba) und in der Folge auch in Vorderasien (Alalach) in diesem Stil malende Künstler an ihre Höfe holten und ihre Paläste von diesen ausgestalten ließen. So wirkte sich der Ägäische Einfluss auch auf die ägyptischen Malereien aus.
Antike Europa Archäologen haben bei Grabungen an der ICE-Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle in einer prähistorischen Siedlung bei Wennungen im Burgenlandkreis 2009 eine bemalte Wand aus rund 1500 Einzelstücken, insgesamt rund 200 Kilogramm schwer entdeckt. Nach H. Meller handelt es sich um den bisher größten Fund von Wandmalerei der Eisenzeit nördlich der Alpen. Die Archäologen konnten aus den Teilen ein Wandstück von rund zwei Meter Länge und anderthalb Meter Höhe wiederherstellen. Möglicherweise zierte die bemalte Wand die Front eines bedeutsamen Gebäudes. Dominierende Farben der Malerei waren Rot, Beige und Weiß. Der Farbstoff war Hämatit, auch als Rötel bekannt. Neben typischen Ornamenten der Eisenzeit wie Dreiecken und sogenannten S-Haken sind auch Ornamente von symbolhaftem Charakter zu erkennen.
Obwohl im Gegensatz zur Vasenmalerei so gut wie keine Wandmalereien aus der griechischen Antike erhalten sind, scheinen die Künstler dieser Zeit die illusionistische Wandmalerei nahezu perfekt beherrscht zu haben, wie ein von Plinius dem Älteren überlieferter Wettstreit der Künstler Zeuxis von Herakleia und Parrhasios um 400 v. Chr. zeigt: Dabei habe Zeuxis die Trauben in seinem Wandbild so täuschend echt dargestellt, dass sie Vögel herbeigelockt hätten. Parrhasios dagegen habe in seinem Bild wiederum einen Vorhang so naturgetreu wiedergegeben, dass Zeuxios die Entfernung des Vorhangs verlangt habe, damit das gesamte Bild beurteilt werden könne. Als Zeuxis seinen Irrtum erkannte, habe er den Preis beschämt dem Parrhasios zuerkannt, da er selbst zwar das Getier, jener aber den Künstler habe täuschen können.
In Etrurien, einer vorwiegend von Bronze, und Keramikhandwerkern besiedelten Region um den Trasimenischen See in Italien, finden sich aus dieser Zeit vorwiegend ausgemalte Grabkammern. Themen der etruskischen Wandbilder waren wie auch im alten Ägypten Situationen aus dem Diesseits, von denen man sich eine positive Auswirkung auf das Leben des Verstorbenen im Jenseits versprach. So wurden vorwiegend Freuden des Lebens wie z. B. Bankette dargestellt. mini|links|Villa Poppaea in Oplontis, Caldarium Im Römischen Reich leistete sich fast jeder Hausbesitzer, der einem gehobenen Stand angehörte, die Bemalung der Wände seines Hauses. So verbreitet wie hier war, jedenfalls gemessen an der Zahl der Einwohner, die Wandmalerei sonst nie wieder. Diese Entwicklung begann zwar schon bei den Griechen vor der Zeitenwende, erreichte aber ihren Höhepunkt im ersten nachchristlichen Jahrhundert im römischen Reich, wo selbst in den abgelegensten Provinzen die Villen reicher Bürger ausgemalt waren. Die Entwicklung der römischen Wandmalerei wird in verschiedene Stile (1.–4. pompejanischer Stil) unterteilt. Durch den Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79, dessen Ascheregen die Städte Pompeji und Herculaneum unter sich begrub und luftdicht abschloss, haben sich zahlreiche Wandgemälde in den Villen der reichen Bürger Roms, die hier ihre Landsitze hatten, in fast unversehrtem Zustand erhalten. Bei den im 18. Jahrhundert einsetzenden Ausgrabungen wurden allerdings viele Wandbilder durch unsachgemäße Behandlung oder auch, um die abgehobenen und anderswohin verbrachten Fragmente möglichst gering und damit kostbar zu halten, unwiederbringlich zerstört.
Im dritten nachchristlichen Jahrhundert setzte offensichtlich ein Niedergang der Wandmalerei ein; aus der nachfolgenden Zeit lassen sich nur wenige Beispiele dieser Kunstform und dies meist nur in sakralen Bauten finden. Im alten Rom und Byzanz wurde die Wandmalerei u. a. auch wegen der besseren Haltbarkeit oftmals durch das Mosaik ersetzt und/oder ergänzt.
Asien mini|Wandmalerei aus der Synagoge von Dura Europos: Moses wird aus dem Nil errettet mini|links|Wandmalerei in einem indischen Tempel Auch bei den Parthern und Sassaniden war die Wandmalerei mit Sicherheit eine weit verbreitete Kunstform, allerdings sind diese Werke oftmals nur in Fragmenten erhalten. Die parthische Malerei ist von einer starken Frontalität geprägt, während die auf ihnen folgenden Sassaniden Darstellungen im Profil bevorzugten.
Auch in Zentralasien erlebte die Wandmalerei, besonders mit der Verbreitung des Buddhismus, eine weite Verbreitung. Heiligtümer Buddhas waren oftmals reich mit Szenen aus seinem Leben ausgemalt, wobei man in Zentralasien auch zahlreiche ausgemalte Höhlenheiligtümer findet. Diese Blüte endete an vielen Orten mit dem Aufkommen des eher bilderfeindlichen Islam (vgl. Bilderverbot im Islam). In Indien gelten die buddhistischen Felsmalereien in den Höhlen von Ajanta als Meisterwerke dieser Epoche. Spätere Werke in Ajanta sowie hinduistische, jainistische und buddhistische Darstellungen in den Höhlen von Ellora setzten den Guptastil fort. mini|Wandmalereien in Mandawa, Rajasthan In China sind vor allem in der Tang-Dynastie die monumentalen Grabanlagen hoher Hofbeamter und von Mitgliedern des Königshauses ausgemalt worden. In China gibt es auch zahlreiche buddhistische Tempel, in Höhlen hineingebaut, die mit Wandmalereien versehen sind. Eine eigene Spielart des Buddhismus in Tibet stellen tibetisch-buddhistische Wandmalereien dar.
In der Shekhawati-Region im Norden Indiens (Rajasthan), vor allem im Ort Mandawa, existieren noch mehrere im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit naiven und religiösen Themen bemalte Kaufmannshäuser (havelis). Aber auch in einigen ländlichen Regionen Indiens wurden die Lehmhäuser mit geometrischen oder floralen Ornamenten bemalt, die von den Bewohnern über Jahrhunderte tradiert worden sind.
Mittelamerika Vor allem bei den Mayas blühte die Kunst der Wandmalerei. Gut erhaltene Beispiele fanden sich in San Bartolo, wo sie die Wände einer Grabkammer schmückten. In Bonampak finden sie sich in einem Tempel. Die Bilder bedecken in drei Räumen eine Fläche von 144 m². Dargestellt werden der Herrscher und sein Gefolge, Tribut- und Kriegsszenen, ein Strafgericht, Tanzszenen und Blutopfer von Adligen. Die Wandmalereien geben einen einzigartigen Einblick in das soziale Gefüge der Mayagesellschaft in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends u. Z.
Mittelalter Romanik mini|Romanische Deckenmalerei in der Sigwardskirche (Idensen) (um 1130) mini|links|Wandmalerei in St-Genest, Lavardin (Loir-et-Cher), Frankreich In romanischer Zeit (1000–1200) erlebte die Wandmalerei durch die Christianisierung einen großen Aufschwung. Die Kirchen wurden für die Leseunkundigen mit biblischen Darstellungen geschmückt, um sie mit dem Evangelium bekannt zu machen. (Siehe: Kirchenmalerei.) Auch auf Burgen befanden sich Wandmalereien, allerdings eher mit weltlichen Sujets. Eindrucksvolle Beispiele sind die Szenen aus dem Dritten Kreuzzug auf Burg Gamburg und der Iwein-Zyklus auf Schloss Rodenegg in Südtirol.