mini|Die 1808 errichtete Jakobus-Kapelle auf der Anhöhe vor der Ortschaft
Ühlingen ist ein Ort im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg und zusammen mit Birkendorf Namensgeber der Gemeinde Ühlingen-Birkendorf. Durch Rathaus und Verwaltung ist Ühlingen als der politische Hauptort der Gemeinde gesetzt. Der Ortsteil Ühlingen konnte im Jahr 2016 das 1200-jährige Bestehen feiern. Ortsvorsteher ist Klaus Müller.Werner Steinhart: Viele Sanierungen auf der Wunschliste. In: Albbote. 20. Oktober 2021.
Lage Ühlingen liegt auf einer der vom Hochrheintal ansteigenden Hochebenen des Südschwarzwalds. Die Ortschaft liegt an einer Verkehrskreuzung, die südlich über Untermettingen (L 158) an die untere Wutach ausfächert sowie aus Stühlingen heranführt und entlang dem Schlüchttal mit Tiengen verbindet. Nach Norden führt die Straße weiter über Birkendorf (nach Bonndorf) und Grafenhausen nach Rothaus an den Schluchsee. Abzweigungen im Ort ins nähere Umfeld. Zu Ühlingen zählen die Weiler Schelgen, Ober- und Unter-Witzhalden sowie die Stockenhöfe.
Gemeinde Bei der schrittweisen Gemeindefusion 1971 bis 1975 hatten die Bürgerschaften der verschiedenen Orte vereinbart, dass die Ortschaften ein aktives Gremium behalten sollten, deren Sachkenntnisse und auch das Wissen um Sozialstrukturen der Gesamtgemeinde in Beratung zukommen würde. Die Ortschaften verfügen dabei im Sinne des baden-württembergischen Kommunalrechts damit über eine begrenzte Selbstverwaltung. Organe dieser Selbstverwaltung sind der Ortschaftsrat und der Ortsvorsteher. Mit dem Zusammenschluss richtete auch Ühlingen einen Ortschaftsrat mit Ortsvorsteher ein. Der Ortschaftsrat und der (Gesamt-)Gemeinderat bewirken Vorhaben, die dann auch effizient und mit Ideen, Eigenleistungen der Bürgerschaft und fachkundiger Ausführung beteiligter Firmen und Gewerke realisiert werden können. Sichtbar wird dies gerade auch in der fantasievollen Gestaltung des Abenteuerspielplatzes und des benachbarten „Pumptracks“. Mittel aus Vereinen und dem Ortschaftsrats, aus Förderungen und Gemeindebeteiligungen fließen dabei zusammen.Werner Steinhart: Neue Pläne für alten Spielplatz. In: Albbote. 27. Mai 2021.
Aktivitäten 2021 Infolge der Corona-Pandemie „(war) das Vereins- und öffentliche Leben […] auch im vergangenen Jahr nahezu stillgelegt. Was draußen und mit Abstand möglich war, konnte hingegen stattfinden.“ Reparaturen (Ruhebänke), ein Aussichtspunkt, Bepflanzungen und Verbindungswege wurden hergestellt und nach Angaben des Ortsvorstehers Klaus Müller auch „die Ortskernsanierung beendet und der Mehrgenerationenpark seiner Bestimmung übergeben.“ Da auch für 2022 keine grundlegende Änderung der derzeitigen Situation zu erwarten ist, sind auch weiterhin viele Maßnahmen in Eigenleistung und aufgrund der Initiativen von Bürgern vorgesehen.Werner Steinhart: Pflege der Anlagen auch unter Pandemie-Bedingungen. In: Albbote. 21. Januar 2022.
Bürgeraktivitäten und Maßnahmen der Gemeinde Beispiele von Initiativen und Aktivitäten des Ortschaftsrates und mit vom Gemeinderat beschlossene und von der Gemeindeverwaltung durchgeführte Maßnahmen:
Ortskernsanierung Die in drei Bauabschnitten laufende Ortskernsanierung in Ühlingen wurde nach der Ankündigung eines Straßenbauprojektes des Landes vom Ortschaftsrat Ühlingens in Gang gebracht, der diese Gelegenheit nutzen wollte und den Gemeinderat überzeugen konnte. Der Erste Bauabschnitt begann 2014, „sah eine zentrale Bushaltestelle (ÖPNV) vor“ und „die Verdolung des Mättlenbachs in der Kirchstraße in Sachen Hochwasserschutz“. Es folgte im Zweiten Bauabschnitt ab 2015 der Umbau eines uralten, denkmalgeschützten und ortsbildprägenden Gebäudes „zu einem sozialen Zentrum mit Tagespflege“. Ein Kindergarten wurde integriert, und in zwei Obergeschossen barrierefreie Wohnungen (mit Aufzug) eingerichtet. Mit Anbau war auch die Sozialstation unterzubringen. Mit der Deckensanierung der Landstraße „(wurde) die Boden-Infrastruktur […] komplett erneuert und dazu kam noch die Verlegung von Leerrohren für die Breitbandversorgung.“
Im Dritten Bauabschnitt ab 2018 stand die „Sanierung der Kirchstraße zwischen Rathaus und Kirche“ auf dem Programm und der Umbau des verkommenen Kurparks zum Mehrgenerationenpark. Die Straßensanierung konnte auch auf Anliegerbereiche ausgeweitet werden, „viele der Anlieger waren bereit, sich aktiv mit ihren Grundstücken zu beteiligen.“ Abschluss der Ortskernsanierung war im Mai 2021, das „Einweihungsfest zur OKS soll noch stattfinden.“Werner Steinhart: Meilenstein für Schlüchttalgemeinde. In: Albbote. 4. Juni 2021.
mini|Der 2021 fertige Mehrgenerationenpark in Ühlingen Mehrgenerationenpark Der im Juli 2021 offiziell eröffnete Mehrgenerationenpark war ein Wunsch des Ortschaftsrates Ühlingen. Er ersetzt den ehemaligen Kurpark, der als Grünfläche „in Zeiten des Krieges von der Gemeinde in Gartenzellen aufgeteilt und den Bürgern, die kein Eigentum hatten, zur Verfügung gestellt wurden.“ Danach und im „aufstrebenden Fremdenverkehr hatten die Zimmervermieter die Fläche aufgewertet“ und in den 70er Jahren ein Gartenbauspezialist „ein Kleinod daraus gemacht, doch mit den Jahren verfiel das Gelände zu einer ungepflegte Wiese.“ Die Entscheidung zur Umgestaltung der Fläche fiel im Oktober 2018, die Kosten beliefen sich „in Höhe von rund 200.000 Euro. […] Der Park ist für alle Generationen konzipiert und sollte keinesfalls ein reiner Spielplatz werden. […] Groß war das Interesse der Ühlinger bei der Eröffnung.“Werner Steinhart: Treffpunkt für alle Ühlinger. In: Albbote. 29. Juli 2021.
Bauplätze und Gebäude
Nachdem es „derzeit keine Bauplätze“ gibt, sollen „Erweiterungsmaßnahmen [… (Karl-Sternadel-Weg)] spätesten 2023 auf den Weg gebracht werden.“ Sanierungen: Fassade der Schlüchttal-Schule und Fensterfront sowie Dach der Schlüchttalhalle. Erweiterung des Kindergartens, Kosten rund eine Million Euro.
Gewerbegebiet
Erweiterung mit Anbindung an die L 157. Zwei Straßensanierungen und des „Kreuzungsbereich in Oberwitzhalden von Unterwitzhalden kommend.“ Der Ortschaftsrat setzt Eigenmittel in Höhe von 11.000 Euro für Feldwegesanierung, Verschönerungsmaßnahmen und den „Austausch zweier Holzbrücken über die Schlücht“ ein.Werner Steinhart: Viele Sanierungen auf der Wunschliste. In: Albbote. 20. Oktober 2021.
Private Initiative
Der Gastronom Daniel Frech (Posthorn) und Braumeister Konstantin Ziller aus Birkendorf eröffneten im August 2019 die Brauerei „Brauschopf“ mit drei Sorten Bier im Angebot.Kai Oldenburg: Freunde machen ihr Bier. In: Albbote. 26. August 2019.
mini|Pfeilspitze aus Hornstein aus einem Dolmen der Jungsteinzeit Geschichte Der Urgeschichte, wahrscheinlich der Jungsteinzeit zuzuordnen, sind bei Ühlingen, Im Stocken, (620-630 m), Funde bekannt: 1925 und 1938 wurden auf einem Südosthang beim Stockenhof mehrere Silices aufgesammelt, darunter eine schön randretuschierte Klinge sowie eine flächig gemuschelte Pfeilspitze mit gerader Basis. Rohstoff: Muschelkalk-Hornstein und Jaspis. Die Fundstelle liegt auf der welligen Muschelkalkhochfläche westlich der Steina. Verbleib: Früher Priv.-Slg. E. Güntert, Mauchen. Lit.: Mein Heimatland 12, 1925, 123.Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins (Funde und Fundstellen in den Landkreisen Säckingen und Waldshut). In: Badische Fundberichte. Sonderheft 11, Katalogband, Staatliches Amt für Ur- und Frühgeschichte, Freiburg im Breisgau, 1969, S. 161.
mini|Domitian, auf der Rückseite die besiegte, trauernde Germania
Römerzeit
Auf der Gemarkung wurden römische Münzen von Domitian und Hadrian gefundenW. H. Mayer (Hrsg.): Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut. Verlag R. Philipp, Waldshut 1926, S. 151. – wahrscheinlich im Bereich der römischen Anlage (Villa Rustica) auf Breitwiesen, nahe dem heutigen Breitwieser Hof am Ausgang der Schlüchttalstraße. Das offensichtlich in großer Menge vorhandene Steinmaterial der römischen Villa diente mit Sicherheit auch folgenden Hof-Bauten. Unweit wurden auch in Obermettingen römische Grundmauern gefunden und es gibt auch Hinweise auf Straßenbau (entsprechende Namen mehrfach heute noch erhalten).
Alamannen und Franken Die zahlreichen, wie auch bei Ühlingen auf -ingen lautenden Ortschaftsnamen bezeugen im Umfeld alemannische Siedlungsgründungen, die – in sicherer Entfernung von der römischen Verteidigungslinie entlang des Hochrheins im 4. Jahrhundert – auch schon früh gegründet worden sein könnten (Höfe).
Im Gegensatz zu den Alamannen mieden die Franken die römischen Ruinenorte nicht, sondern bauten die meist auch verkehrsgünstig gelegenen Plätze nach ihren Siegen seit Ende des 6. Jahrhunderts und der Besetzung der Alamannia, mit dem Steinmaterial zu einem Netz befestigter Orte aus. Die Gaueinteilung des Landes wurde unter Karl dem Großen um 800 eingeführt.
„Der Ort Uehlingen (ûlo=Eule) kommt urkundlich schon 816 als Hullingun vor. 1166 hieß es Ulingen, 1277 Ulingin und 1280 Ulingen. 1517 tritt der Name als Uelingen auf.“„Durch den Albgau-Grafen Gotsbert kam Hullingen größtenteils an das Kloster St. Gallen.“ Der heute noch umstrittene Graf Kuno von Öhningen (und spätere Herzog Konrad I. (Schwaben)) soll sein im Jahre 965 gegründetes Kloster Öhningen „mit reichen Gütern“ aus Hullingen (?) ausgestattet haben.Hans Matt-Willmatt (Bearbeitung und Redaktion): Die Chronik des Kreises Waldshut. Geographie·Geschichte·Kultur·Wirtschaft. Vocke Verlag, Waldshut 1957, S. 95. Mit der Rodung weiter Waldgebiete wurde die Region Südschwarzwald ab dem 10. Jahrhundert immer weiter erschlossen und besiedelt. Ühlingen hatte einst einen eigenen Adel.
mini|Ruine Mandach, Rest des Brückenpfeilers am Burggraben
Die Edlen von Ühlingen Ihr Wappen führte einen fünfmal schräg geteilten Schild im Siegel. „Die Edlen von Uehlingen waren Dienstmannen des Stiftes Oehningen und werden als besondere Wohltäter des Klosters Riedern genannt.“ Vom Ritter Arnold von Ühlingen geht die Sage, er habe „lange dem Schwerte gedient“ und sei dann „in das Kloster St. Blasien eingetreten, wo er die Schweine hütete.“
Die Edelfamilie soll auf Schloss Mandach bei Riedern gewohnt haben,H. Matt-Willmatt: „urkundlich nicht zu belegen“ (S. 95). Die Burg soll um 1352 im Besitz von Heinrich von Erzingen gewesen sein. Das Erzinger Geschlecht besaß die Burg bis zu seinem Aussterben um 1501. später ließ sie sich in Schaffhausen nieder und vererbte durch Heirat Uehlingen an das dortige Patriziergeschlecht im Thurn. Dies ist auf das Jahr 1329 datiert.
„Noch im 14. Jahrhundert wird ein ‚Eberhart von Uilingen‘ genannt.“Albert Krieger: Topographisches Wörterbauch des Großherzogtums Baden. 2 Bände, Heidelberg 1904–1905. In: Harald Huber: Wappenbuch des Landkreises Waldshut. Südkurier Verlag, Konstanz 1982, ISBN 3-87799-018-5, S. 112.
Von den Im Thurn ging Ulingen „1457 an die Edlen Rumlang zu Gutenburg … Text der Urkunde: „Ich Hans Wilhelm im Thurn zu Jestetten hab zu kouffen geben Dietrich von Rumlang zu Gouttenburg ritter daz dorf Ulingen mit gerichten, mit zwingen, mit bennen 1457.““
Verkauf ans Kloster St. Blasien „Dietrich von Rumlang hatte 10 Jahre zuvor auch die Gutenburg gekauft. Dieser wiederum verkaufte am St. Hilaritag (20.12.) 1480 mit Zustimmung seiner Gemahlin Fronegk geborene Landenberg zu Greifensee, das ganze Dorf Ühlingen, dazu seine Leute, den Korn-, Wein-, den Heu- und Lämmerzehnten und den St. Martins Groß- und Kleinzehnten an Abt Christoph von St. Blasien. Dadurch wurde St. Blasien jahrhundertelang der Grund- und Zehntherr, auch hatte das benachbarte Kloster Riedern hier einige alte Rechte.“Hans Matt-Willmatt: Chronik des Kreises Waldshut. Vocke Verlag, Waldshut 1957, S. 95.
Bauernkrieg