mini|Maibaum 2026 vor dem Bezirksamt in Straßdorf miniatur|Kinderumzug mit Maibaum in Ochsenfurt in den 1930er-Jahren
Ein Maibaum ist ein geschmückter Baum oder Baumstamm, der in Bayern, im Rheinland, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Emsland, Ostfriesland, in Nordrhein-Westfalen, Franken, Baden, Schwaben, der Pfalz, Hessen, in Teilen Sachsens, Sachsen-Anhalts, Thüringens und der Lausitz sowie in Österreich, Teilen der Schweiz, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Slawonien (in Kroatien), Ungarn und Teilen von Rumänien zum 1. Mai aufgerichtet wird, in anderen Regionen auch zu Pfingsten.
In Baden-Württemberg, Bayern, der Pfalz und Österreich ist das feierliche Aufstellen eines Baumstammes auf dem Dorfplatz üblich. Der spezielle Brauch mit dem damit verbundenen Dorf- oder Stadtfest, das in der Regel am 30. April, am 1. Mai oder zu Pfingsten stattfindet, ist in vielen Teilen Mittel- und Nordeuropas verbreitet, in Skandinavien eher zu Mittsommer (bzw. am Johannistag).
Beschreibung Maibäume sind meist große, hochstämmige, bis nahe zur Spitze entastete, meist entrindete und verzierte Bäume, die an zentralem Platz im Ort bei einer festlichen Veranstaltung aufgerichtet werden. Je nach Region – und sogar je nach Ort – kann die Gestaltung der Maibäume unterschiedlich aussehen. In ländlichen Gebieten geschieht das Aufrichten per Muskelkraft und mit Seilen und Stützbalken, in weiten Teilen Bayerns und Österreichs meist durch die Mitglieder des örtlichen Burschenvereins und der freiwilligen Feuerwehr. Innerhalb der meisten Städte ist das mittlerweile untersagt; dort kommen im Hinblick auf die erhöhte Unfallgefahr Maschinen (Autokräne oder Holzvollernter) zum Einsatz. Traditionell wird der Maibaum in eine vorbereitete, befestigte Grube gestellt, in der er beim Aufrichten über eine schiefe Ebene gleitet und in der er anschließend sicher verkeilt werden kann. Vielerorts werden aus Aufwands- und Sicherheitsgründen wiederverwendbare Aufnahmen aus Stahl und Beton für das untere Ende des Baumes genutzt.
Entweder wird der Maibaum jedes Jahr neu gefällt oder es wird über mehrere Jahre derselbe Stamm verwendet, dem eine neue Krone aufgesetzt wird. In Ostfriesland zum Beispiel wird der Stamm unter Wasser gelagert und jedes Jahr zum Mai wieder hervorgeholt. Meist werden die Stämme geschält und mit bunten Bändern, Girlanden, Krepppapier-Streifen oder Tannenzweigen geschmückt. Andernorts sind sie ohne Verzierung oder werden im Naturzustand mit Rinde belassen. Am oberen Ende wird der Baum meistens von einem Kranz und der grünen Baumspitze gekrönt.
Ein – nach bayerischen Traditionen – geschnürter (bemalter) Stamm hat in Bayern die Spirale von unten links nach oben rechts gedreht. Als Vorlage dienen dabei die bayerischen Rauten, die den weiß-blauen Himmel darstellen. In Franken sieht man die Bäume dagegen in weiß-rotem Streifendesign. Für beide Varianten gibt es historisch begründete Ausnahmen. mini|Maibaum in Ebersberg mit Zunftschildern In Bayern wird der Maibaum meist als Zunftbaum mit verschiedenen Zunftschildern verziert; in moderner Zeit können diese Schilder anstatt der Zünfte auch die Logos lokaler Geschäfte und Sponsoren tragen.
Im Rheinland wird als Maibaum oft eine Birke geschlagen oder eine kleine Birke wird einem hohen entasteten Nadelbaumstamm aufgesetzt, während z. B. im Oberschwäbischen und in Bayern meistens ein Nadelbaum gewählt wird.
Während im Rheinland die jährlich neu gefällten Bäume zwischen 20 und 25 m hoch sind und mehrjährig zum Aufstellen verwendete Bäume bis zu 40 m hoch sein können, werden in Bayern bei den ganzjährig fest installierten Bäumen Rekordhöhen bis 56 m erreicht.
Das Maibaumaufstellen
miniatur|Der Maibaum wird mit Hilfe langer Stangenpaare, sogenannter Schwaiberl oder auch Scharstangen und ansonsten nur mit Irxnschmalz (bairisch für Schwalben bzw. Scherstangen bzw. Muskelkraft), aufgestellt, hier auch mit maschineller Unterstützung mini|Aufrichten des Maibaums in Uherský Brod mini|Versteigerung des alten Maibaums in Stücken in Ebenhausen
Direkt vor dem Aufstellen wird der Baum je nach Region in einer Art Prozession durchs Dorf getragen, deren Ziel oft ein zentraler Platz und/oder eine Gaststätte ist und die meistens von Zuschauern und einer Blaskapelle begleitet wird. Dort findet dann nachmittags oder gegen Abend das eigentliche Aufstellen des Baums statt. Während der Maibaum früher meistens mit Hilfe langer Stangen aufgestellt wurde, nimmt man heute ggf. auch Traktoren, Gabelstapler oder sogar Kräne zur Unterstützung. In einigen Orten und in Niederösterreich verwendet man Seile und Leitern. Der Maibaum bleibt je nach lokalem Brauch bis zum Monatsende, manchmal auch bis zum Herbst stehen und wird dann wieder umgelegt. Er wird entweder abgeschmückt und der Stamm für das nächste Jahr eingelagert oder im Rahmen eines Festes umgeschnitten. Dabei wird der Baum oft als Brennholz versteigert oder verlost. Üblicherweise überlässt dann der Gewinner den Baum dem Veranstalter und erhält dafür einen Ersatzpreis. In vielen Teilen Bayerns bleibt der Baum ganzjährig stehen. Dabei ist es vor allem in den Gegenden Oberbayerns üblich, einen Maibaum nur alle zwei bis fünf Jahre aufzustellen und den alten Baum nach Möglichkeit auch bis ein Jahr vor der Neuaufstellung stehen zu lassen.
Wenn der Baum am Vorabend des 1. Mai aufgestellt wird, geht die Veranstaltung meistens in einen Maitanz über. Während sich die Zuschauer mit Bier und Bratwürsten die Zeit vertreiben, mühen sich die jungen Burschen damit ab, den regional auch mit Symbolen verschiedener Berufe geschmückten Maibaum in die richtige Lage zu bringen.
Um 1970 wurden Maibäume noch häufig in eine frisch ausgehobene, ausreichend tiefe und möglichst enge Erdgrube gesetzt. Während der Baum mit Stangen schon vertikal gehalten wird, kann das untere Baumende durch Einklemmen mit Steinen und Einstampfen von Erde fixiert werden. Zumindest nahe der Erdoberfläche wird hohe Klemmkraft durch das Einschlagen von Holzkeilen entlang des Baumholzes erzielt. Wird rundum vorerst nur an vier gleichmäßig verteilten Stellen eingekeilt, kann der Baum durch einseitig stärkeres Keilen genau in die Vertikale gerichtet werden. In neuer Zeit werden Maibaumgruben (aus Stahlbeton) einseitig mit einer schräg abwärts führenden Rampe versehen, um die Baumbasis besser einfädeln zu können. Ist der Baum etwa senkrecht in der Grube, wird die Öffnung zur Rampe verriegelt. Die quadratische Grube wird mit Holzbrettern verengt, bevor Keile eingeschlagen werden. Auf starken maschinellen Zug nach oben kann der Baum einfach aus seiner Verkeilung gelöst werden. Eine ähnliche Technik wird beim Aufstellen von Holzmasten für Telegraphen- und anderen Leitungen in Erdboden genutzt.
Beim traditionellen, also händischen, Aufrichten eines Maibaums erfolgt das erste Heben näher beim dünnen Ende direkt mit den Händen, weiterwandernd zur Längenhälfte. Der Schwerpunkt des Baums befindet sich etwa bei einem Drittel seiner Länge. Jeweils ein Paar Schubstangen, in breiter A-Form an einem Punkt des Baums angesetzt, ermöglichen, den Baum zunehmend weiter und geradlinig aufzurichten. Stehen die Schubstangen ausreichend steil, können sie am Boden kraftsparend abgestützt werden. Schubstangen können am Kopf eine weite eiserne Gabel mit Zacke in der Mitte aufweisen, die sich ins Holz eindrückt. Schubstangen ohne Eisenarmatur können paarweise mit einem kurzen Seilstück verbunden sein, das 270° um den Mast geschlungen ist, wenn die Stangen im rechten Winkel zueinander stehen. Der so geklemmte Baum bleibt an der Oberfläche unangestochen. Eine Technik mit Schubstangen mit Seil ist in Rohrendorf bei Krems, Niederösterreich bis heute Tradition.Alter Brauch: Maibaumaufstellen mit Schubstangen orf.at, 1. Mai 2023, abgerufen am 1. Mai 2023.
Je steiler der Baum beim Aufrichten steht, desto geringer wird die zum weiteren Heben notwendige Kraft. Das wird teilweise dadurch kompensiert, dass die begrenzt langen Schubstangen näher an den Drehpunkt heranrücken müssen und durch den kurzen Hebelarm doch eine größere Kraft notwendig wird.
Liebesmaien
miniatur|Fachwerkhaus mit Maibaum, Königswinter
Daneben gibt es auch den Brauch, dass die jungen, unverheirateten Männer eines Dorfes vor den Häusern aller unverheirateten Frauen kleinere Maibäume, sogenannte Maien (meistens Birken oder im oberschwäbischen Tannen), als „Gunstbeweis“ aufstellen.Mechthild Wiswe: Pfingstmai im Salzgittergebiet. In: Salzgitter-Jahrbuch. Hrsg. Geschichtsverein Salzgitter e. V., Bd. 21/22, 1999/2000, S. 154. In einigen Teilen Deutschlands, zum Beispiel im Rheinland, im Saarland, im Bergischen Land, in Franken, Oberbayern und in Schwaben, ist es üblich, dass männliche Jugendliche und junge Männer am Haus der Freundin oder Angebeteten einen Baum anbringen. Üblich sind vor allem mit buntem Krepp-Papier geschmückte Birken, wobei die Farbe der Bänder ursprünglich eine Bedeutung hatte. Je nach örtlichem Brauchtum kann am Baum ein sogenanntes Maiherz aus Holz oder festem Karton angebracht werden, in das der Name der Angebeteten eingraviert und in der Regel auch ein Spruch als Zuneigungsbekundung geschrieben wird. Das Aufstellen folgt regional variierenden, ungeschriebenen Regeln, siehe Brauchtum im Mai.
Der Maibaum bleibt einen Monat lang stehen, bis zum ersten Juni. Dann holt derjenige den Maibaum ab, der ihn aufgestellt hat. Üblicherweise wird dies, wenn die Frau ihn mag, mit einer Einladung zum Essen und mit einem Kasten Bier belohnt. Es gibt allerdings auch die Tradition, dass der junge Mann, der den Baum wieder abholt, von der Mutter der Frau einen Kuchen, vom Vater einen Kasten Bier und von ihr selbst einen Kuss bekommt. Kuchen und Bier werden in der Regel an diejenigen Junggesellen verteilt, die den Baum „auslösen“. Dies sind oft dieselben, welche schon beim Setzen geholfen haben. Nachdem der Baum ausgelöst wurde, kann die Frau eine dünne Scheibe vom Fuß des Stammes absägen und dieses als Erinnerungsstück behalten. Üblicherweise geschieht das im Beisein der Junggesellen, bevor der Baum abtransportiert wird.
In einem Schaltjahr kann es umgekehrt sein: Weibliche Jugendliche, junge Frauen und verheiratete Männer stellen teilweise auch ihrerseits Maibäume auf.
In den letzten Jahrzehnten wurde dieser Brauch in vielen Teilen Deutschlands aufgeweicht, angesehene Mädchen und junge Frauen erhalten oftmals sogar mehrere Maibäume ohne Beziehungsabsichten. Soweit ist das immer noch ein Gunstbeweis, oftmals aber auch nicht mehr. In manchen Orten am Niederrhein setzen die Mädchen und jungen Frauen der Landjugend selber den Jungen und jungen Männern Maibäume.
Das Gegenstück zum Maibaum als Gunstbeweis ist der sogenannte Schandmaien, der eine bösgemeinte Heimzahlung darstellt.
Bildergalerie
Maibaumstehlen
Vor allem das Stehlen des Maibaumes ist ein oft ausgeübter Brauch. In der Nacht vor dem Aufstellen wird der Maibaum meistens von jungen Männern bewacht.M. Wiswe: Pfingstmai im Salzgittergebiet. In: Salzgitter-Jahrbuch. Hrsg. Geschichtsverein Salzgitter e. V., Bd. 21/22, 1999/2000, S. 156
Um das Entwenden des Maibaums zu verhindern, muss nach dem Brauch in Friesland und Ostfriesland spätestens bei Annäherung von Fremden einer der Wächter eine Hand am Baum haben. Schaffen es die Gegner, dieses zu verhindern oder die Wächter so abzulenken, dass sie ihre Pflicht vernachlässigen, und dann drei Spatenstiche gegen den Baum auszuführen, gilt der Baum als gestohlen. Er wird mit einem Schild versehen, auf dem der Sachverhalt vermerkt ist, und entweder gleich oder am folgenden Tag abgeholt und neben dem eigenen Baum der erfolgreichen Diebe aufgestellt.
In den meisten Teilen Österreichs und Oberschwabens gilt ein Maibaum erst dann als gestohlen, wenn er von den Dieben vollständig umgelegt wurde, oder erst, wenn er bereits vom ursprünglichen Standort abtransportiert wurde. Es gilt als Regel, dass nur der Maibäume stehlen darf, der auch selber einen aufgestellt hat.