mini|Zülpich, Luftaufnahme (2016) mini|hochkant|Rathaus von Zülpich mini|Markt(platz) beim Rathaus in Zülpich
Zülpich ist eine Stadt im Kreis Euskirchen im Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen. Die einstige Römerstadt mit dem lateinischen Namen TolbiacumDer römische Stadtname Tolbiacum ist gallischer Abstammung und von Tolbiākon abgeleitet. existiert bereits seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. und war wiederum im 5. Jahrhundert n. Chr. Austragungsort der Schlacht von Zülpich, die zu einem feststehenden Begriff in der europäischen Geschichtsschreibung wurde. Zülpich birgt ferner eine Vielzahl historischer Kulturdenkmäler, zu denen auch das einzige deutsche Museum der Badekultur gehört.
Geografie Zülpich liegt in der Zülpicher Börde, einer Landschaft der Niederrheinischen Bucht zwischen der Eifel im Südwesten und der Kölner Bucht im Nordosten. Als Teil des Rheinischen Braunkohlereviers war sie Zentrum des von 1953 bis 1967 betriebenen Tagebaus Zülpich, aus dem zwei Baggerseen hervorgegangen sind: der öffentlich genutzte Wassersportsee Zülpich und der als Bioreservat geschützte Naturschutzsee Füssenich.
Zülpich besitzt sieben Nachbargemeinden. Im Osten grenzt die Stadt an die Gemeinde Weilerswist und die Kreisstadt Euskirchen, im Süden an die Stadt Mechernich (alle im Kreis Euskirchen), im Westen an die Stadt Heimbach, die Stadt Nideggen und die Gemeinde Vettweiß (alle im Kreis Düren) sowie im Norden an die Stadt Erftstadt (im Rhein-Erft-Kreis).
Stadtgliederung Zülpich gliedert sich in 24 Stadtteile, die Kernstadt einbezogen. Die folgende Tabelle zeigt die Lage und die Einwohnerzahl der Stadtteile und Ortschaften (Stand: 30. Juni 2026).
Ortschaft Lage Einwohner Bessenich westlich 592 Bürvenich südlich 965 Dürscheven östlich 637 Enzen östlich 615 Eppenich südlich 156 Füssenich westlich 900 Geich westlich 823 Hoven mit dem Ort Floren südlich 1154 Juntersdorf westlich 231 Langendorf südlich 301 Linzenich östlich 350 Lövenich östlich 261 Merzenich südlich 183 Mülheim östlich 380 Nemmenich mit dem Ort Lüssem östlich 790 Niederelvenich östlich 638 Oberelvenich östlich 188 Rövenich nördlich 576 Schwerfen mit dem Ort Virnich östlich 1621 Sinzenich östlich 1248 Ülpenich östlich 1191 Weiler in der Ebene nördlich 433 Wichterich östlich 1053 Zülpich (Kernstadt) 6752Zülpich (Gesamt)22038
Klima
Geschichte Bei Ausschachtarbeiten im Baugebiet „Seegärten“ wurden 2009 Fundstücke zu Tage gefördert, die aus der Jungsteinzeit stammen. Es sind Überreste von Gerätschaften, die Siedler im 4. Jahrtausend v. Chr. benutzt haben. Bisher war man davon ausgegangen, dass die frühere Römerstadt auf eine nur rund 2000 Jahre alte Geschichte zurückblicken könne. Man geht davon aus, dass sich bereits 5500 v. Chr. erstmals Nomaden an dieser Stelle im Rheinland niederließen, um sesshaft zu werden. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 24. November 2009.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. bestand Zülpich vermutlich bereits als kleiner römischer Vicus, der unter dem Namen Tolbiacum erstmals für das Jahr 70 n. Chr. bei Tacitus erwähnt wird.Tacitus, Historiae IV, 79. In der Stadt trafen wichtige römische Fernstraßen aufeinander, die zu folgenden Städten führten: Reims Durocortorum Remorum Trier Augusta Treverorum (Römerstraße Trier–Köln) Xanten Colonia Ulpia Traiana (über Neuss Novaesium, Römerstraße Trier–Neuss) Bonn Castra Bonnensia (über Euskirchen-Billig Belgica Vicus) Köln Oppidum Ubiorum / Colonia Claudia Ara Agrippinensium Jülich Iuliacum Vicus (Regionalverbindung)
Die Straßenverbindungen von Reims und Trier trafen sich im Bereich des heutigen Stadtteils Hoven und liefen zusammen durch die Siedlung weiter in Richtung Köln. Die Wegstrecke von Xanten könnte, zusammen mit der Straße von Jülich, nach einem schräg am Hang verlaufenden Anstieg auf den Zülpicher Horst ebenfalls am Ortsrand von Hoven zu der Trier/Reims-Kölner Straße gestoßen sein. Die aus Osten von Bonn kommende Straße traf nach Grabungsbefunden im Bereich des heutigen Geriatrischen Zentrums die Köln-Trierer Straße südlich der Brabenderstraße. Viele dieser Straßen sind heute noch im Wegenetz oder der Feldflur erkennbar.
Im 2. Jahrhundert wurde eine römische Thermenanlage erbaut und im 4. Jahrhundert ein Mauerring um die Kernstadt errichtet.Zur Entwicklung des antiken Tolbiacum siehe Werner Eck: Tolbiacum/Zülpich, eine Siedlung im römischen Niedergermanien. In: Bernhard Wißmann u. a.: Neue Beiträge zur Geschichte Zülpichs. Von der Römerzeit bis zum Ende des Kurstaats (= Geschichte im Kreis Euskirchen. Jahrgang 34). Geschichtsverein des Kreises Euskirchen, Weilerswist 2020, S. 1–34 (online). 496 wurden bei Zülpich in der Schlacht von Zülpich die Alamannen vom Frankenkönig Chlodwig I. geschlagen. Nach der Schlacht trat Chlodwig zum christlichen Glauben über und begründete das merowingische Frankenreich. Der Zülpicher Königshof war seit der Karolingerzeit auch das Zentrum des Zülpichgaus, der bis ins 11. Jahrhundert zum Herrschaftsgebiet der Ezzonen gehörte.
mini|Das mittelalterliche Zülpich, Zeichnung von 1749
Die Kirche St. Peter findet 848 ihre erste urkundliche Erwähnung. Im Jahr 881 wurde Zülpich während der Raubzüge der Wikinger in das Rheinland zerstört. Heinrich I., König des Ostfrankenreichs, eroberte die Stadt im Jahr 925. Nach dieser Schlacht unterwarf sich Herzog Giselbert von Lothringen Heinrich, damit fiel Lotharingen an die Ostfranken.
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Stadtrechte erteilt. Zwischen den Jahren 1278 und 1285 wurde die Stadt durch den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg befestigt. Im Jahre 1288 wurde die Stadt durch den Grafen Walram von Jülich zerstört. Unter kurkölnischer Herrschaft (endgültig seit 1368) wurde die Stadt im Jahre 1395 wieder aufgebaut, die bis heute zu einem großen Teil erhalten ist. Anfang des 15. Jahrhunderts kam es zur Vollendung der Burg, der Stadtmauer und der Toranlagen in ihrer heutigen Erscheinung.
1635 gründeten die Kapuziner in Zülpich eine Ordensniederlassung mit einem Gymnasium, später wurde hieraus ein Krankenhaus. Dieses besteht noch heute als Geriatrisches Zentrum. 1798, in der Franzosenzeit, wurde Zülpich Hauptort eines französischen Kantons, nachdem das Rheinland an Frankreich gefallen war.
1864 erreichte die Bördebahn die Stadt. In den 1930er Jahren entdeckten Archäologen die sehr gut erhaltene römische Thermenanlage.
Am 24. Dezember 1944 wurde Zülpich von den Alliierten bombardiert und große Teile der Kernstadt zerstört.
1952 wurde das neue Rathaus eingeweiht und der Grundstein für den Neuaufbau der Kirche St. Peter gelegt. Von 1953 bis 1967 wurde im Tagebau Zülpich Braunkohle gefördert.
Am 1. Januar 1969 wurden die ehemaligen Gemeinden Bessenich, Dürscheven, Enzen, Langendorf, Linzenich-Lövenich, Merzenich, Nemmenich, Oberelvenich, Rövenich, Sinzenich, Ülpenich, Weiler in der Ebene und Wichterich in die Stadt Zülpich eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kamen Bürvenich, Füssenich und Schwerfen (Ortsteil von Veytal) hinzu.
2007 bewarb sich Zülpich um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2010 in Nordrhein-Westfalen, die jedoch an die Stadt Hemer vergeben wurde. Mit dem abgewandelten Konzept „Zülpicher Jahrtausendgärten – Von der Römerzeit bis ins 21. Jahrhundert“ bewarb sich Zülpich erneut um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2014 und setzte sich gegen den einzigen Mitbewerber Hamm durch.
Politik
Stadtrat Der Stadtrat ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Zülpich. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Wahl fand am 13. September 2020 statt.
Bürgermeister Der Jurist Ulf Hürtgen wurde bei der Wahl am 14. September 2025 im Amt als Bürgermeister bestätigt; er übt das Amt seit 2015 aus.Lebenslauf auf der Website von Ulf Hürtgen
Städtepartnerschaften Offizielle Städtepartnerschaften Blaye (Frankreich) Kangasala (Finnland) Elst (Gemeinde Overbetuwe) (Niederlande)
Nicht offizielle Städtepartnerschaften Leiwen (Mosel) Tàrrega (Spanien), Partnerstadt von Blaye
Wappen und Flagge
Beschreibung der Flagge: „In Weiß ein schwarzes Kreuz, belegt mit einem, zwei gekreuzte gelbe Schlüssel, tragenden roten Schild.“
Die Hauptsatzung gibt keine Auskunft über eine Flagge. Laut Auskunft der Gemeindeverwaltung wird aber eine Wappenflagge geführt.
Religion
Seit dem 13. Jahrhundert lebten nachweislich Juden in Zülpich. Die jüdische Gemeinde war vor 1933 dabei mit 150 Mitgliedern deutlich größer als die evangelische Kirchengemeinde. Seit dem Holocaust leben keine Juden mehr in Zülpich. Derzeit sind etwa 15 % der Einwohner evangelisch.Auf Zülpich entfallen 3.055 Gemeindeglieder…
Verkehr Schienenverkehr mini|Sonderzug im Bf Zülpich (2007)
Der Bahnhof Zülpich wurde 1864 von der Rheinischen-Eisenbahn-Gesellschaft an der Strecke Düren–Euskirchen errichtet. Ab 1895 verkehrten Züge der Euskirchener Kreisbahnen (EKB) nach Mülheim-Wichterich und Arloff. 1909 eröffnete die Dürener Kreisbahn (DKB) den Betrieb auf ihrer Strecke von Distelrath zunächst bis Zülpich. Gemeinsamer Bahnhof für EKB und DKB war der Bahnhof Zülpich-Stadt. 1911 erfolgte die Verlängerung weiter in Richtung Embken. 1959 stellte die EKB den Betrieb in Zülpich ein, 1962 folgte die DKB. Der Personenverkehr auf der Bördebahn wurde zum 27. Mai 1983 eingestellt.
Danach wurde es auch im Bahnhof Zülpich ruhig. Das Bahnhofsgebäude ist neben dem vermieteten Lagerschuppen noch erhalten. Das Stellwerk Zf wurde renoviert und wird seit 2007 von der IG Rurtalbahn genutzt. Zunächst fuhren seit 2006 wieder am Wochenende Züge der Bürgerbahn vom Bördeexpress durch Zülpich, wo zwischenzeitlich der Bahnsteig erneuert wurde. Der Betrieb wurde 2015 ganzjährig auf sams-, sonn- und feiertags ausgeweitet. Ab 2018 sollte die Linie auch unter der Woche, ab 2020 stündlich fahren. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 startete der Vorlaufbetrieb mit einem täglichen Angebot.
Seit Januar 2023 bestehen vom Bahnhof Zülpich Verbindungen im Stundentakt nach Euskirchen und Düren.
Busverkehr Zülpich liegt im Verbundraum des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg und wird von zahlreichen Buslinien bedient, teilweise auch aus dem benachbarten Aachener Verkehrsverbund. Zusätzlich verkehren einige Buslinien als TaxiBusPlus im Bedarfsverkehr.
Linie Betreiber Verlauf
Wirtschaft Zülpich gehört zur Euregio Maas-Rhein. In der Kernstadt prägen lokale Gaststätten, Dienstleister und Einzelhandelsgeschäfte das Erscheinungsbild, am Nordostrand existiert ferner ein modernes Gewerbegebiet. Traditionell von großer Bedeutung sind außerdem die zahlreichen Landwirtschaftsbetriebe und Naherholungseinrichtungen. Darüber hinaus hat sich Zülpich zu einem Zentrum der Chemieindustrie entwickelt und ist Sitz zahlreicher Erzeuger von Kunststoffen und Kosmetikbestandteilen wie Albis oder Zeiss. Auch der irische Verpackungshersteller Smurfit Kappa unterhält hier eine Papierfabrik und der japanische Aromenproduzent Takasago betreibt in Zülpich seine Europaniederlassung samt eigenem Werk.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Tourismus Zülpich wird der Tourismusregion Eifel zugeordnet. Die leicht hügelige Landschaft bietet mit ihren Bachauen, dem Naturschutz- und Wassersportsee gute Freizeitmöglichkeiten für Reiter, Radfahrer und Wanderer. Zülpich ist an eine Reihe von Radwanderwegen angeschlossen. Die 524 km lange Wasserburgen-Route verbindet mehr als 130 Burgen am Rand der Eifel und in der Kölner Bucht. Das 265 km lange Radwegenetz der Tälerroute erschließt touristisch interessante Orte in Nordrhein-Westfalen auf familienfreundlicher Strecke. Die 480 km lange Kaiser-Route verläuft von Aachen nach Paderborn. Sie ist nach Kaiser Karl dem Großen benannt, der in Aachen residierte. Der Routenverlauf orientiert sich an der mutmaßlichen Route, die das kaiserliche Heer im Jahr 775 auf seinem Kreuzzug in das Gebiet der Sachsen nahm.
Landesgartenschau 2014 / Seepark Zülpich mini|Römerbastion am Seepark zum Eröffnungstag der Landesgartenschau 2014 am 16. April 2014