mini|hochkant=1.8|Bockflinte mit englischem Schaft Als Flinte (auch Schrotflinte) wird eine Handfeuerwaffe mit glatter Laufbohrung bezeichnet. Sie ist von der Büchse mit gezogenem Lauf zu unterscheiden. Heutzutage sind Flinten in erster Linie für das Verfeuern von Schrotkugeln auf kurze Distanzen ausgelegt. Sie kommen als Jagd-, Sport- und Dienst-Gewehre zum Einsatz. Je nach Munition ergeben sich realistische Einsatzreichweiten von 50 bis 100 Metern. Ein Überschreiten dieser Reichweiten ist mit dafür ausgelegten Patronen möglich. Neben Schrot können auch massive Flintenlaufgeschosse verschossen werden.
Ursprünglich wurde als Flinte das um 1620 aufkommende glattläufige Steinschlossgewehr bezeichnet, weil es mit Hilfe eines Flintsteins (Feuerstein) zündete.Flinte. In: Das große Kunstlexikon von P. W. Hartmann. beyars.com Stand 13. Juli 2008.
Begriffsentstehung Der Begriff Flinte stammt vom Flintschloss (Feuersteinschloss) und ist dem althochdeutschen Begriff flins (Steinsplitter) entlehnt.Flintschloss. In: Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann. beyars.com Stand 13. Juli 2008.Adelung: Flinte, die. Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2, Leipzig 1796, S. 212. zeno.org Stand 13. Juli 2008. Das wahrscheinlich zwischen 1620 und 1630 in Frankreich entwickelte Steinschloss nutzt einen Feuerstein (genannt auch Flinsstein und FlintensteinWilhelm Hassenstein, Hermann Virl: Das Feuerwerkbuch von 1420. 600 Jahre deutsche Pulverwaffen und Büchsenmeisterei. Neudruck des Erstdruckes aus dem Jahr 1529 mit Übertragung ins Hochdeutsche und Erläuterungen von Wilhelm Hassenstein. Verlag der Deutschen Technik, München 1941, S. 167 und 169.) zur Erzeugung von Funken. Dabei ist der Stein im Hahn befestigt und schlägt bei Betätigung des Abzugs gegen den Pfannendeckel der Batterie. Dieser öffnet sich dadurch und der Funke entzündet das darunter liegende „Zündkraut“ (Schwarzpulver), welches über eine Bohrung im Lauf die Treibladung entzündet.Steinschloss. In: Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann. beyars.com Stand 13. Juli 2008.
Die Steinschlossflinte verdrängte bis etwa 1700 die glattläufige schwere Muskete und leichte Arkebuse mit Luntenschloss als bis dahin übliche Militärwaffen. Die Steinschlossflinte blieb bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts in militärischem Gebrauch, bevor sie durch die Flinte mit Perkussionsschloss abgelöst wurde. Aufgrund ihrer mangelnden Präzision taugte die Flinte im Rahmen der Lineartaktik nur für den gemeinsamen Salvenschuss; dagegen war die präzisere, aber umständlicher zu ladende Radschloss-, Steinschloss- oder Perkussionsschlossbüchse die bevorzugte Waffe für den gezielten Einzel- und Fernschuss (bis ca. 650 m) des militärischen Scharfschützen oder auf der privaten Jagd. Die mit der Steinschlossflinte bewaffneten neu aufgestellten Einheiten der Linieninfanterie hießen Füsiliere, während die bisherigen Musketiere und Grenadiere, selbst nach Einführung der Flinte auch bei ihnen, ihre traditionelle Benennung meist beibehielten. Die dagegen mit Büchsen ausgestatteten Soldaten der leichten Infanterie nannte man Schützen, Jäger, Voltigeure oder Karabiniers. Mit der Ablösung der bisherigen Vorderladerwaffen durch moderne Hinterlader in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschwanden glattläufige Schusswaffen, von der Flinte bis zum Glattrohrgeschütz, nahezu vollständig aus den Armeearsenalen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, bilden seitdem Waffen mit gezogenem Lauf den militärischen Standard.
Im Übrigen unterscheidet man seit Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen der schweren Militärflinte und der leichten, zivil verwendeten Jagdflinte.Flinte. In: Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 724–725, zeno.org Stand 13. Juli 2008.
Varianten Einschüssige Flinten, Doppel- und Bockflinten Einläufige, einschüssige Flinten sind günstig, leicht und robust.Rolf Richter: Kleine Jagdwaffenkunde für Ausbildung und Praxis. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München 1980, S. 22. In der Regel handelt es sich um Waffen mit Kipplaufverschluss, Modelle mit Zylinderverschluss sind eher selten. Doppelflinten (mit zwei nebeneinander liegenden Läufen, auch Querflinten genannt) und Bockflinten (mit zwei übereinanderliegenden Läufen) sind schwerer, haben jedoch den Vorteil, ohne Verzug einen zweiten Schuss abgeben zu können.mini|Bockflinte, ladebereit
Mehrläufige Gewehre, oft Drillinge, bei denen glatte und gezogene Läufe installiert sind, nennt man kombinierte Waffen.
Die häufig verwendete Bezeichnung „Bockdoppelflinte“ stellt eigentlich eine Art Pleonasmus dar. Die Bezeichnung „Bock…“ beschreibt die übereinander liegende (aufgebockte) Anordnung der Läufe. Die Bezeichnung „Bockdoppelflinte“ für zwei übereinander liegende Schrotläufe wird aber verwendet, um eine Verwechslung mit „Bockbüchsflinte“, also einem über einem Kugellauf liegenden Schrotlauf, zu verhindern. Als Abkürzung in Kleinanzeigen wird jedoch fast immer „BDF“ (Bockdoppelflinte) verwendet.
Auch zwischen den Querflinten und Bockflinten gibt es wichtige Unterschiede. So bietet die Bockflinte zu den Seiten ein besseres Gesichtsfeld. Durch die über und nicht zwischen den Läufen liegende Visierschiene wird bei heißgeschossenen Läufen die Sicht auf das Ziel weniger durch aufsteigende Warmluftschlieren beeinträchtigt. Ebenso wird der Rückstoß des unteren Laufs als geringer empfunden, da er geradliniger in die Schulter geleitet wird. Bei beiden Waffen hebt der Rückstoß die Mündung an, bei der Querflinte wird sie jedoch auch zur Seite bewegt, da hier die Achse der Waffe zwischen den Laufachsen liegt.
Schloss Die fünf Hauptteile eines Schlosses sind der Spannarm, das Spannstück, der Zündstift, der Hahn und die Abzugsstange. Diese Teile werden gebraucht, um einen Schuss abzufeuern.
Flinte mit Hahn mini|Englische Hahndoppelflinte
Hahnflinten verfügen über einen bzw. zwei außen liegende Hähne, die von Hand ge- oder entspannt werden können und bei Betätigung des Abzugs auf den Schlagbolzen treffen, wodurch dieser gegen das Zündhütchen der Patrone geschlagen wird. Gute Waffen dieser Art verfügen über ein sogenanntes Rückspringschloss, bei dem der Hahn nach dem Abschlagen in einer Sicherungsrast ruht.
Selbstspanner mini|Schloss mit Selbstspanner
Selbstspanner sind einfach zu bedienen und bei Bockflinten eine Notwendigkeit, da sich sonst ein Hahn an der Seite oder unter der Waffe befinden würde. Aktuell stellen sie die Mehrzahl der Kipplaufflinten.
Bei hahnlosen Seitenschlossflinten sind die bei Hahnflinten außen liegenden Hähne an die Innenseite der Schlossplatte verlegt worden. Dabei wurden sie von der Form her zu Schlagstücken abgeändert. Gespannt, also zurückgedrückt, werden sie beim Öffnen der Flinte. Hier wirkt ein Spannhebel mit Gegenlager im Vorderschaft auf sie ein.
Diese Schlösser gibt es als einfache Ausführung ohne Sicherheitsfangstange. Zwar sind sie leicht zu entnehmen und zu warten, jedoch fehlen ihnen wesentliche Sicherheitsmerkmale hochwertiger Waffen von Holland & Holland oder Sauer & Sohn. Die Firma Krieghoff bietet eine Version mit von oben eingreifender Sicherheitsfangstange an, die also selbst bei Bruch der Stange noch greift.
Das Kastenschloss liegt innerhalb der Basküle, schwächt dadurch nicht den Schaft und ist leicht und günstig in der Herstellung. Es gibt verschiedene Bauweisen, nach deren bekanntester, dem Anson & Deeley-Schloss, es auch häufig genannt wird. Das kompakteste Schloss ist das Blitzschloss.
Verschluss mini|Kipplaufverschluss
Bei Flinten dieser Art handelt es sich fast immer um Kipplaufwaffen. Dabei bildet der Stoßboden der Basküle (Bodenstück) den Verschluss. Der Lauf wird um einen Gelenkbolzen vor dem Stoßboden abgekippt. In der angekippten Lage wird er dann durch einen Verriegelungskeil in seiner Position fixiert.Wolfgang Pietzner: Waffenlehre. (PDF) 1. Ausgabe: Grundlagen der Systemlehre. Arbeiten zu Studium und Praxis im Bundesgrenzschutz, Teil 4. Lübeck 1998, ISBN 3-930732-32-7, S. 32. Selten werden auch einläufige Flinten mit Zylinderverschluss hergestellt.
Bei der doppelten Laufhakenverriegelung werden zwei Laufhaken durch einen seitlich eingreifenden Verschlusskeil fixiert.
Blockverschlüsse nutzen diese Verschlussart ebenfalls. Hierbei ist jedoch einer der Laufhaken als massiver Stift ausgearbeitet. Senkt sich der Block ab, wird er frei und damit beweglich.
Der Greener-Querriegel-Verschluss ist ein mit doppelter Laufhakenverriegelung, welcher um einen zusätzlichen Querbolzen ergänzt ist, der eine Verlängerung der Schiene durchstößt.Rolf Richter: Kleine Jagdwaffenkunde für Ausbildung und Praxis. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München 1980, S. 27.
Der Kersten-Verschluss, auch Straßburger oder Doppel-Greener genannt, hat zwei symmetrisch angebrachte Verlängerungen des oberen Laufs. Diese sind seitlich durchbohrt und auch hier wird durch Bolzen verriegelt. Bei diesem Verschluss fällt oft ein Laufhaken weg oder es wird in diesem nicht mehr verriegelt, sondern er stützt sich nur noch ab. Der Kersten-Verschluss geht auf den Straßburger Büchsenmacher Gustav Kersten zurück. Dieser ließ sich um 1900 für diesen Verschluss einen Gebrauchsmusterschutz des Deutschen Reiches (Nummer 123783) erteilen.
Zur Vereinfachung des Verschlusses gibt es heute oft hakenlose Verschlüsse, die seitlich eingreifen. Man nennt sie Flanken-Verschlüsse. Bei diesen ist der Drehpunkt auf Höhe der unteren Laufseelenachse. Dieses entlastet den Verschluss und, wie bei Sauer oder Beretta, reicht ein kräftiger Riegel bzw. Flankenverschluss aus.
Doppelflinten-System Darne mini|Darne-Doppelflinte, Verschluss geöffnet
Eine Sonderstellung nehmen die von der Firma Darne (gegründet 1881) in St. Etienne, Frankreich gefertigten Jagdwaffen ein. Äußerlich gleichen diese Doppelflinten und -büchsen den klassischen Kipplaufwaffen, haben jedoch einen Verschluss, der parallel zur Laufachse zurückgezogen wird. Die Betätigung erfolgt über einen oben angebrachten Hebel, der, nach hinten gezogen, den Verschluss entriegelt, dabei die Zündstifte spannt und den Verschlussblock in Ladeposition bringt. Nach vorne geschwenkt wird der Verschluss wieder nach vorne gebracht, verriegelt und die Waffe ist schussbereit. Die Verriegelung erfolgt durch einen unten am Verschlussblock angebrachten Schwenkriegel, der sich in einem Gegenlager in der Laufverlängerung abstützt und zusätzlich durch einen Bolzen, der in eine entsprechende Bohrung im oben zwischen den Läufen angebrachten Verriegelungsstück eingreift.
Darne-Flinten und -Büchsen werden in allen gängigen Jagdkalibern hergestellt. Sie haben selektive Auswerfer, d. h. die nicht abgeschossene Patrone wird nicht ausgeworfen. Obschon sie eine hohe Verarbeitungsqualität aufweisen, sind sie selten. Der Grund mag sein, dass sie nicht geknickt getragen werden können und dass konventionelle Kipplaufwaffen subjektiv gegenüber dem nach hinten zu öffnenden Verriegelungssystem als sicherer betrachtet werden.
Doppelflinten System-Charlin Auch die Firma von Louis Charlin in St. Etienne bot ab 1904 eine Doppelflinte mit ähnlicher Funktion an, einem Verschluss, der parallel zur Laufachse zurückgezogen wird. Im Unterschied zur Darne-Flinte verriegelte die Waffe mit einem Kniegelenkverschluss.
Flinten mit teilweise gezogenem Lauf mini|Historische Paradoxmündung eines Flintenlaufes nach dem Fosbery-Patent Nr. 7568
Eine Ausnahme, die als Paradoxon zu der Grunddefinition von glatten Läufen bekannt ist, betrifft Ausführungen von Flinten, die über teilweise gezogene Läufe, über vollständig gezogene Läufe oder über Chokes mit Zugprofil (auch R-Choke) verfügen. Diese sind sowohl zum Verschießen von Schrot als auch von Flintenlaufgeschossen ausgelegt, welche durch eine Rotationsbewegung im Flug stabilisiert werden sollen.Karl Heinz Martini: Das Waffensachkundebuch. 12. Auflage. Journal-Verlag Schwend GmbH, Schwäbisch Hall 2000, S. 29, ISBN 3-935210-00-0.