MUMPS (Massachusetts General Hospital Utility Multi-Programming System) ist ein 1966 ursprünglich auf DEC PDP-Computern entwickeltes Betriebssystem, eine Programmiersprache und ein Datenbanksystem. Es war von Beginn an eine offene Entwicklungsumgebung für fast alle gängigen Computer-Plattformen. 1993 erfolgte die Namensänderung auf M durch die weltweit organisierte MUMPS Usergroup (MUG). Der Begriff MUMPS wurde 1971 bis 2003 vom Massachusetts General Hospital (MGH) als Markenname geschützt.

Konzept und Entwicklung MUMPS wurde 1966 von Neil Pappalardo und Curt Marble unter der Leitung von Octo Barnett im Laboratory of Computer Science des Massachusetts General Hospital entwickelt.The whole story started in 1966 at MGH (Massachusetts General Hospital)The true history of MUMPS - 1990 Dissertation F.G Kohun, Carnegie-Mellon University Per 1969 erfolgte der erste Produktiveinsatz im Krankenhaus ebenda. Die Entwickler und Anwender schlossen sich in Folge dann 1971 zur MUMPS Users´ Group (MUG) zusammen. Dieser Gruppe gehörten Universitätsinstitute, Anwender (vorwiegend Krankenhäuser), Softwareentwickler und „Implementoren“ (Vendors) an. 1973 gründete sich aus der MUG das MUMPS Development Committee (MDC) und startete die Entwicklung eines MUMPS Standards, der dann 1977 von der ANSI (American National Standards Institute) als MUMPS ANSI-Standard (ANSI/MDC X11.1-1977) – als zweite Programmiersprache überhaupt – veröffentlicht wurde. Ein Update der Sprachdefinition erfolgte 1984 (ANSI/MDC X11.1-1984) und 1990 (ANSI/MDC X11.1-1990, ebenso ISO, NIST Standards). 1992 wurde die Sprache MUMPS erweitert um eine Reihe von neuen, moderneren Sprachelementen zur ISO-Norm ISO/IEC 11756. 1995 wurde die Norm erneut veröffentlicht, diesmal mit einer Verknüpfung zu gks, jis90, sql (x3.135), tcp-ip, x3.64 und X-Windows. Die derzeit (Stand Januar 2023) letzte Ausgabe der Norm (ISO/IEC 11756:1999) wurde 1999 publiziert und zuletzt 2020 bestätigt. 1993 erfolgte mit einem neuen Marketingkonzept eine Änderung des Namens MUMPS auf M.„Mumps News“ - Special Report: The Name Change Vol 8, No 5, 1991, S. 5 - Hrsg. Mumps User's Group, Silver Spring MD Die Mumps User Groups änderten ihren Namen entsprechend in M Technology Association (MTA). In Deutschland schlossen sich Implementoren und Softwarehäuser zum M Technologie Konsortium zusammen.„Mumps News“ - History of the MUMPS Programming Language - Vol 8 No 5, 1991, S. 10 - Hrsg. Mumps User's Group, Silver Spring MD

Der ANSI Status ab 1977 erleichterte die Portierung der Sprache auf viele Systemumgebungen. Die Liste der Vendors umfasste von DEC (digital equipment, weltweit zweitgrößter Computerhersteller) bis zum Ein-Personen-Unternehmen. Ungewöhnlich waren Portierungen in Osteuropa und den Dritte-Welt-Staaten auf PDP-Nachbauten, z. B. DIAMS für SM-4 Minicomputer (ab 1978), DIAMS-DVK für PC (ab 1988).Mug Quarterly Vol. XXI, Jan 1991 No. 1 - Mumps in der UdSSR S 41 - Hrsg. Mug - NA Ebenso machte die Implementierung von M auf Japanese VAX DSM (DEC) und 1984 die Erweiterung des Standards für non-ASCII den Weg nach Japan frei. Zu Beginn der 1990er-Jahre erlebte MUMPS bzw. M seine Hochblüte und war auf praktisch allen Betriebssystemen und Prozessoren verfügbar. Die MUG führte in ihrer Zeitschrift per 1991 insgesamt 23 MUMPS Implementoren und über hundert verschiedene Hersteller von Computersystemen an, von denen viele nicht mehr existieren. Allein für MS-DOS gab es 11 verschiedene Vendors.Mug Quarterly, Vol. XX1, Dez 1991, No 5 - S. 59 - Hrsg. Mug USA In einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner war für 1993 ein Gesamtumsatz im M-Umfeld von $ 1,3 Milliarden errechnet worden, mit einer Prognose von $ 2 Milliarden im Jahr 1995.

Ende des 20. Jahrhunderts verlor die von einer „Usergemeinschaft“ (MUG) und einem „akademischen“ und „demokratischen“ M-Entwicklungskomitee (MDC) getragene Sprache M an Bedeutung und Reputation. In der öffentlichen Wahrnehmung des Fachpublikums, in Computerzeitschriften und in der Fachliteratur trat M – mangels aktivem Markting – nicht in Erscheinung. Relationale Datenbanken wurden u. a. durch Oracle, IBM (DB2), Berkley (Ingres), Informix, dBase und Sybase (später Microsoft) propagiert. Die technologische Überlegenheit von M ging gegenüber den Möglichkeiten der Einbindung anderer Programmiersprachen, Web-Applikationen und Datenbanken unter, erst nach 1995 gab es hier viele proprietäre Erweiterungen. Die genormten Sprachelemente zur Entwicklung einer grafischen Benutzeroberfläche – das MWAPI (M-Windows Application interface) – kamen 1992 zu spät, um sich in der Microsoft Windows, IBM OS/2, Apples Macintosh oder X/Motif-Windows-Welt zu etablieren. Die Informatik-Ausbildung wandte sich anderen, moderneren Konzepten zu. Kleinere M-Applikationen konnten sich am Markt nicht etablieren, da die Hersteller von M ihre Lizenzmodelle an Institutionen und Großanwendern orientierten.

Die Firma DEC geriet wie alle anderen Hersteller von Minicomputern wie IBM, Wang, Nixdorf, Data General durch die zunehmende Rechnerleistung der Personal Computer (IBM-PC) bei sinkenden Kosten unter wirtschaftlichen Druck und wurde 1998 an Compaq Computer verkauft. MUMPS Systeme (Digital Standard Mumps – DSM-11 und DSM/VMS) waren nicht zuletzt für den 30-jährigen Erfolg der DEC PDP-11 Minicomputer Serie verantwortlich.

Intersystems, gegründet 1978 und mit ISM-11 (einem DSM-11 Klone) einer der anfänglichen MUMPS-Implementoren, übernahm 1993 DTM (Datatree Mumps) und erwarb dann von DEC im Jahre 1994 die Rechte an Digital Standard MUMPS (DSM) für PDP und VAX Maschinen. Mit der Übernahme von Micronetics, dem damals weltweit zweitgrößten Anbieter von M, im Jahr 1998 waren mit Ausnahme von GT.M alle bekannteren kommerziellen M-Versionen (DSM, MSM, DTM, ISM) im Eigentum von Intersystems. GT.M (Greystone Technology M) ist seit 2004 ein strategisches Produkt im Eigentum der FIS (Fidelity National Information Services, Inc.), einem der weltweit größten Finanzdienstleister. Zeitgleich wurde von Intersystems 1997 das Produkt Caché auf den Markt gebracht und die Begriffe M und MUMPS dadurch aus dem Marketingjargon entfernt. Die Programmsprache M wurde zu Caché Object Script und die M-Datenbank zu „Caché - die postrelationale Datenbank“. Der offene M-Standard wurde zum firmeneigenen „InterSystems-Standard“ erweitert, eine MDC als Träger einer Weiterentwicklung unnötig und die weltweiten MTA (Usergruppen) lösten sich sukzessive auf.Die Zukunft von M und des MDC - Prof Dr. R. Walters - M Börse Nr. 2/98 - S 14 Hrsg. MUG Deutschland, Frankfurt

Weitere Versuche zur Entwicklung einer offenen, von Usergruppen-getragenen Plattform für M waren nicht erfolgreich. GT.M wurde 2000 für Linux und OpenVMS zur Open-Source-Software. Ein Spinoff (2017) von GT.M ist yottaDB, die ebenfalls als Open-Source-Projekt als Schwerpunkt die Anbindung von anderen Sprachen hat. Weitere MUMPS Open-Source Projekte sind z. B. MUMPS V1, Reference Standard M, MiniM oder "MUMPS 1976" sowie im Umfeld dazu ca. 90 Public Repositories als Github-Projekt.

M Technologie/Sprache ist in der Vergangenheit bis 2026 unter folgenden Bezeichnungen bzw. Markennamen erschienen: MUMPS, M, M[UMPS], DIAMS, ДИАМС, MUMPS/V1, DSM, ISM, GT.M, DTM, MSM, M21, mumpsv1, Open/M, M/SQL, Caché, FreeM, CCSM, MGM, M/Global, M3 Lite, UC Davis MicroMUMPS, Kevin O’Kane’s M[UMPS], Yotta-DB, PFCS Corporation’s Unix MUMPS, MiniM, RSM, “Caché ObjectScript” und “IRIS Data Platform”

Umfeld Die Mumps User Groups (MUG) waren weltweit organisiert. Um die größeren zu nennen: Per 1990 gab es MUG-Nord America, MUG-Brazil, MUG-Europe, MUG-Deutschland, MUG-Japan, MUG-Netherlands, MUG-Russia (DIAMS-SOYUS), MUG-UK als eigenständige „Vereine“, deren Mitglieder (Universitäten, Implementoren, Softwarehäuser) sich im MUMPS Development Committee (MDC) engagierten. Es gab mehrere Fachzeitschriften, die von den User Groups herausgegeben wurden, unter anderem die in Europa verbreiteten MUMPS NEWS (MUG-NA), Mug-Quarterly (MUG-NA), MUG Newsletter ab 1993 in M Professional umbenannt (MTA-Europe) und M Börse von der MUG Deutschland. Daneben gab es noch vierteljährlich die DSM NEWS von DEC. Die Kundenzeitschrift von InterSystems war the M/USER später M news. Die jährlichen „MUMPS Users' Group Meetings“ dienten zum Informationsaustausch. Z. B.: MUG Wien (1987) mit 170 Teilnehmern.Proceedings of the 12th Annual Meeting of the MUMPS Users´ Group-Europe Vienna 1987, ISBN 90-72355-01-6. Das MUG-Meeting in New Orleans (USA) im Jahr 1991 hatte mehr als tausend Teilnehmer.Mug Europa Newsletter Vol. VIII, No. 2/3 1991 - Seite 18 Hrsg. Newsletter-MUG-Europe, Frankfurt Das MTA Meeting 1995 in Barcelona dauerte 4 Tage und hatte über 400 Konferenzteilnehmer. Eine wichtige Rolle spielte das MDC, das sich aus verschiedensten Interessensgruppen (Vendors, Uni, Anwender, Entwickler) um die Sprache zusammensetze. Es traf sich mehrmals jährlich und beriet über Erweiterungen und Implementationen. Jedes Mitglied der MUG konnte Verbesserungsvorschläge machen, die dann ihre Rolle vom Vorschlag über Typ C, B, A und dann zum Standard bis zur ANS bzw. ISO durchliefen. Auch jeder Hersteller der Sprache war jeweils nur mit einer Stimme vertreten.

Typisch für Anwendungen aus dieser Vor-Windows-Zeit zwischen 1970 und 2000 sind textorientierte Benutzeroberflächen auf einem Text-Bildschirm, Teletype oder einem PC mit Terminalemulationssoftware. Angebunden wurden die Geräte mit RS-232-Schnittstelle. Mit dem Aufkommen von Netzwerken in Unternehmen wurden Terminalserver und PCs mittels LAT-Protokoll (Local Area Transport – DEC proprietär), später mittels Telnet angebunden. Grafische Benutzeroberflächen entstanden mit dem Aufkommen von Windows anfänglich nur für die Entwicklerumgebung (z. B CachéStudio von InterSystems oder SERENJI Debugger von Georg James Software). Eine im ISO-Standard 1992 enthaltene Erweiterung (MWAPI) zur Entwicklung von M-Applikationen unter Windows konnte sich nicht durchsetzen. MUMPS wurde anfänglich vorwiegend für Krankenhaus-Anwendungen verwendet, die größte IT-Ausschreibung (1,02 Milliarden USD) weltweit war in den 1970er-Jahren das 700 Militärkrankenhäuser umfassende Projekt des US Department of Veterans Affairs. Zur Zeit seiner Entstehung war MUMPS den konkurrierenden Programmiersprachen in vieler Hinsicht überlegen – vor allem wegen des Multitaskings, kurzen Entwicklungszeiten (Interpretersprache) und des Gebrauchs geringer System-Ressourcen – und wurde bald auch in anderen Branchen wie z. B. Deutscher Hafen Hamburg, FIS und Logistik eingesetzt. Nicht nur aufgrund der extremen Langlebigkeit vieler betrieblicher IT-Systeme, bei denen eine Komplettablösung nicht nur teuer, sondern auch sehr riskant ist, gibt es immer noch zahlreiche "alte" MUMPS-Systeme weltweit. Nach wie vor werden aber laufend neue Anwendungen mit M entwickelt, wobei die M-Datenbank und die Sprache M "versteckt" unter proprietären Produkten liegt. Das weltweit größte Paket an medizinischer Software ist VistA (Veterans Health Information Systems and Technology Architecture). Dies ist eine public domain MUMPS Entwicklung (DSM und Nachbauten), entstanden 1977. Von SPAR, einem der größten österreichischen EinzelhandelsunternehmenSpar-International mit über 400.000 Mitarbeitern in Österreich und Niederlassungen in der Schweiz, in Osteuropa und weltweit, wird InterSystems-M als M-Warenwirtschaftssystem "Integrated Management Application for Grocery Enterprises" (IMAP) verwendet. Der Möbelhändler XXXLutz mit insgesamt 370 Einrichtungshäusern in Europa und 26.000 MitarbeiternXXXLutz verwendet und entwickelt seine Applikationssoftware mit M. Die Firma SHD ist einer der größeren Softwareentwickler für Möbelhäuser, der sich seit mehr als 4 Jahrzehnten mit M-Technologie beschäftigt.

MUMPS / M als Betriebssystem und Umgebung