Die Pützer Elster ist ein einmotoriger Schulterdecker für die allgemeine Luftfahrt der deutschen Firma Alfons Pützer KG.
Geschichte Im Jahr 1957 schrieb die deutsche Luftwaffe einen Auftrag für ein Sportflugzeug mit zwei nebeneinander liegenden Sitzen aus. Dafür entwickelte die Firma Alfons Pützer KG in Bonn zusammen mit Fritz Raab und Gerhard Siegel aus der Motorraab (Moraa), einer motorisierten Weiterentwicklung des Segelflugzeuges Doppelraab, die Pützer Elster. Sie übernahm von der Doppelraab das (allerdings verstärkte) Tragwerk und den 52 PS starken Porsche-678/3-Motor, bekam aber einen neuen Rumpf in Sperrholz-Schalenbauweise mit nebeneinander angeordneten Pilotensitzen, die durch zwei große nach oben öffnende Klapptüren zu erreichen waren. Über einen Handgriff im Cockpit konnte das Bugrad gesteuert und über Seilzüge die Trommelbremsen der Haupträder betätigt werden. Die Elster V1 (D-EJOB) wurde gerade noch rechtzeitig vor dem Vorführungstermin fertig und startete am 11. November 1957 auf dem Flugplatz Bonn/Hangelar zu ihrem Erstflug.
mini|Elster B der Luftwaffe (97+05), Fliegerhorst Pferdsfeld, 1972 Am dreitägigen Vergleichsfliegen der Bundeswehr im November 1957 waren neben der Pützer Elster, eine Klemm Kl 107 von der Bölkow GmbH, eine Blume Bl 502 von der Walter Blume Leichtbau und Flugtechnik GmbH, eine Meindl M.150 vom Flugzeugbau Burg Lengenfeld, eine Scheibe SF 23A von Egon Scheibe und eine Rheinflug RW-3 von Hanno Fischer beteiligt.Heinz Dieter Schneider: Von der Elster zum Bussard Flugzeug Classic 4/2007 Die Elster setzte sich dabei gegen die anderen Maschinen durch und konnte einen Auftrag von 24 Maschinen durch die Bundeswehr verbuchen.
Im Mai 1958 wurde die Pützer Elster V1 auf der Luftfahrtschau in Hannover einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Auch am Deutschlandflug 1958 nahm die Elster V1 mit der Startnummer „Z2“ teil. Da sich der Porsche-678/3-Motor als zu schwach erwies, wurde die V1 noch 1958 versuchsweise auf einen Porsche 678/1 mit 65 PS umgerüstet. Das Flugzeug erhielt daraufhin die Bezeichnung Elster A65. Eine weitere Elster (Elster A65, V2, D-EFYP) wurde direkt mit dem stärkeren Porsche 978/1 mit 48 kW im April 1959 fertiggestellt. Aber auch der stärkere Porsche-Motor führte zu keinen befriedigenden Leistungen. Daraufhin erhielt die Elster V1 Ende 1958 den Continental C90-8F, mit dem die Maschine am 10. Januar 1959 zum ersten Mal als Elster B V1 flog.
Elster B mini|Elster B der Luftwaffe (97+05) als Schleppmaschine, Pferdsfeld, 1972 Die erste für die Sportfluggruppen der Bundeswehr vorgesehene Serienmaschine mit der WNr. 003 erhielt als Änderung gegenüber den V-Mustern kürzere und kleinere Querruder und ein größeres Seitenleitwerk. Die als zivile Exportversion vorgesehene Elster B, WNr. 010 wurde als Versuchsträger für den 70 kW starken Continental C90-12F verwendet. Als D-EDEZ flog sie mit diesem Motor erstmals am 7. April 1959 und wurde im Mai 1959 auf der Luftfahrtschau in Hannover der Öffentlichkeit als Pützer Elster B präsentiert. Die bereits im Bau befindlichen WNr. 003 bis 009 wurden im Laufe des Jahres 1959 auf den C90-12F umgerüstet. Auch die Elster V2 wurde im August 1959 auf diesen Motor als Elster B V2 umgerüstet. Am 20. August 1959 erteilte das Luftfahrt-Bundesamt die Musterzulassung L584 für die Pützer Elster B.Luftfahrt-Bundesamt – Gerätekennblatt L584, Braunschweig, 1994
Die beiden V-Muster wurden im Oktober 1959 zur praktischen Einsatzerprobung an die Motorsportfliegerschule in Bonn-Hangelar und die Fliegergruppe Sigmaringen übergeben. Die ersten Serienmaschinen (WNr. 003-009) für die Sportfluggruppen der Bundeswehr wurden am 21. Dezember 1959 übergeben. Insgesamt wurden neben den beiden V-Mustern 33 Exemplare der Elster B gebaut und davon neun an Privatpersonen verkauft.
In England wurde die Pützer Elster B als „Magpie“ von Flair Aviation Sales Co. in Bromley ab 1960 vertrieben. Verkäufe ins europäische Ausland konnten mit der Elster allerdings nicht erzielt werden. Erst im Gebrauchtflugzeugmarkt kamen zwei Elster später nach England, die dort als „Magpie“ betrieben wurden.
Elster C mini|Pützer Elster C, WNr. 022, D-EBFY in Rheine-Eschendorf Ab 1962 sollte die Maschine als Elster C auch als Schleppflugzeug zum Einsatz kommen. Dafür wurde die Elster B WNr. 009, D-EDIQ als Testmuster mit einem Lycoming-O-320-A2B Motor mit 110 kW ausgerüstet, die am 28. Juli 1963 erstmals flog. Die Musterzulassung für die Elster C erteilte das Luftfahrt-Bundesamt am 30. Juli 1964. Die Elster C wurde in elf Exemplaren gebaut und einige Elster B auf diesen Standard umgerüstet. Die letzten Elster C entstanden nicht mehr bei der Alfons Pützer KG in der Bornheimer Straße in Bonn, sondern wurden bereits in den neuen Hallen der Sportavia-Pützer auf der Dahlemer Binz gefertigt.
Die Elster gehört zu den ersten in der BRD nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten und in größeren Stückzahlen produzierten Motorflugzeugen. Es wurden bis 1967 insgesamt 46 Exemplare hergestellt. Für die Wanderausstellung „Unsere Luftwaffe“ entstand eine 1:1-Attrappe der Pützer Elster. Das Flugzeug wurde neben dem Einsatz in der Bundeswehr für Schulungszwecke in den Luftwaffensportgruppen auch im zivilen Bereich verwendet.FliegerRevue: Die Konstruktionen des Alfons Pützer – Kurzer Höhenflug der Elster Oktober 2010, S. 56–59
Seit 17. September 2010 fungiert die restaurierte Pützer Elster B WNr. 32, D-ELKY von Jürgen Gassebner als „Fliegender Botschafter“ des Porsche-Museums in Stuttgart-Zuffenhausen.Reflektion.info - Pützer Elster B wirbt für das Porsche-Museum
Wettbewerbe Deutschlandflug 1961Renate Heege: Deutschlandflug – Die Chronik, DAeC, 2018
Horst Geyer und H. Schmetz nahmen mit einer Pützer Elster für die Sportfluggruppen der Bundeswehr am Deutschlandflug 1961 von Braunschweig nach Neubiberg in der Zeit vom 21. bis 25. Juni 1961 teil. In der Gruppe II, Kategorie B belegten sie mit 510,5 Punkten den ersten Platz. In der Gesamtwertung lag die Elster 15 Punkte hinter dem Gesamtsieger Gerd Maier und Paul König mit ihrer Piper PA-18. Burda-Preis der Lüfte 1963
Peter Hommes und Walter Mohr belegten mit ihrer Pützer Elster des Fliegerclubs Merzbrück bei Aachen 1963 mit 976 Punkten den zweiten Platz beim Burda-Preis der Lüfte. Sie verfehlten den von einer Bölkow Junior erflogenen ersten Platz um drei Punkte. Deutschlandflug 1967Flugrevue: Deutschlandflug 1967, FR 8/67
Die Luftwaffensportgruppe Leipheim wurde mit E. Wuggazer und R. Schmidt beim Deutschlandflug 1967 auf der Strecke von Friedrichshafen nach Mönchengladbach in der Zeit vom 20. bis 25. Juni 1967 mit ihrer Pützer Elster B, WNr. 014, D-EFYL, Startnummer „345“ Gesamtsieger, sowie Sieger in der Gruppe III, Kategorie C.
Zwischenfälle Laut Aviation Safety Network WikiBase sind bis Dezember 2018 insgesamt 19 Elster B/C irreparabel beschädigt bzw. zerstört worden, davon zwei mit Todesfällen (siehe unten). Vier Elster B der Liste waren im Besitz von Luftwaffen-Sportfluggruppen.Unfallstatistik Pützer Elster B/C, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 28. Dezember 2018. Bei sind 19 Zwischenfälle aufgelistet, davon wurden vier Flugzeuge wieder hergestellt:
18. April 1964, Nörvenich, WNr. 025, D-EBGO, Startunfall 4. Juli 1964, Unterkirchnah, WNr. 023, D-EBGE, BfU-Report 810.3-28/64 23. Mai 1965, Lechfeld, WNr. 028, D-ELBO, missglückter Durchstartversuch 28. Mai 1968, Aachen-Merzbrück, WNr. 022, D-EBFY, beschädigt bei Startabbruch nach Motorausfall, repariert 24. Mai 1970, Steyerberg, WNr. 031, D-ELKU, missglückter Abfangvorgang nach Stall, BFU-Report 810.3-27/70 31. Mai 1971, Frechen, WNr. 045, D-EGZC, Stall bei Landung, BFU-Report 810.3-31/71 28. September 1975, Eschwege, WNr. 033, D-ENGY, Startunfall 12. Juni 1976, Bornheim, WNr. 004, 97+02, abgeschrieben nach Außenlandung 12. Juni 1976, Niederöblarn, WNr. 041, D-EDHE, beschädigt bei Bodenkollision, repariert 14. Mai 1978, Langenberg, WNr. 021, D-EFAR, Fehler bei Abfangflug 13. April 1980, Borkenberge, WNr. 035, D-EDWE, Startunfall, 1 Toter, BFU-Bericht 3X049-80 19. April 1980, Diepholz, WNr. 007, D-ELBU, zerstört durch Sturm am Boden 6. Juli 1980, Nienhagen, WNr. 037, D-EDWO, Strukturversagen?, BFU-Bericht 3X235-80 29. April 1984, Damme, WNr. 027, D-ENNE, Startunfall 31. Mai 1984, …, WNr. 011, D-EDEZ, …, repariert 13. Oktober 1985, Ammersee, WNr. 017, D-EDIV, abgeschrieben nach Triebwerksausfall 19. Juli 1988, Bohlhof, WNr. 038, D-EDWU, BFU-Bericht 3X337-88, repariert 26. Juli 1988, …, WNr. 039, D-EDWY, schwer beschädigt bei Bodenkontakt, repariert 16. Juni 1996, Dinslaken/Schwarze Heide, WNr. 038, D-EDWU, harte Landung 31. Juli 1997, Breitscheid, WNr. 039, D-EDWY, BFU-Bericht 3X311-96 26. Juni 2010, Konstanz, WNr. 009/038, D-EDIQ, Startunfall, 2 Tote. Die Maschine des Luftfahrt-Vereins Bottrop war auf dem Weg zum Flugplatz Dinslaken/Schwarze Heide, BFU-Bericht 3X084-10Luftfahrt-Bundesamt, BFU-Bericht BFU 3X084-10
Verbliebene Exemplare
Bei sind 16 verbliebene Pützer Elster 2018 aufgelistet, davon vier Flugzeuge in Museen, acht flugfähig:
WNr. V1, D-EJOB, befand sich 2012 in Mendig zur flugfähigen Restaurierung WNr. V2, D-EFYP, befand sich 2021 in Murcia-Spanien zur flugfähigen Restaurierung WNr. 005, 97+03/D-ECFM, Exponat im Militärhistorischen Museum Flugplatz Berlin-Gatow WNr. 008, D-ELTY, in Manching WNr. 014, D-EFYL, Museum LeipheimKlassiker der Luftfahrt: Fliegerhorstmuseum Leipheim: Pützer Elster B für die Ausstellung, 8. Oktober 2010 WNr. 016, D-EMEL, flugfähig, Museum Großenhain WNr. 018, D-ECTI, 2016 abgestellt in Mendig WNr. 019, D-EDYL, 2015 abgestellt in Westerheim WNr. 020, D-EDUH, flugfähig in Pirmasens, Teilnahme 100 Jahre Alfons Pützer, 3. August 2018, BonnPlanePictures.net WNr. 022, D-EBFY, flugfähig in Rheine WNr. 029, D-EMVB, flugfähig in Memmingen WNr. 030, D-EGWD, flugfähig in Bad Kissingen WNr. 032, D-ELKY, flugfähig im Porsche-Museum WNr. 034, D-EDWA, flugfähig in Pegnitz, Teilnahme 100 Jahre Alfons Pützer, 3. August 2018, Bonn WNr. 042, D-EFPR, flugfähig in Haßfurt WNr. 043, D-EGFH, flugfähig, Teilnahme 100 Jahre Alfons Pützer, 3. August 2018, Bonn WNr. 044, D-EDNO, eingelagert in Nordholz
Status der abgestellten WNr. V2, 003, 006, 009, 011 und 024 ist nicht bekannt.
Technische Daten mini|Elster B der Luftwaffe (97+05) auf dem Fliegerhorst Pferdsfeld, 1972 Kenngröße Elster A Elster BAlfons Pützer KG: Elster-Verkaufsprospekt, Bonn, 1958 Elster C Besatzung 2 Länge 7,00 m 7,10 m Spannweite 13,80 m 13,22 m Höhe 2,50 m Zuladung 231 kg 230 kg Leermasse 394 kg 470 kg max. Startmasse 625 kg 700 kg 750 kg Reisegeschwindigkeit 130 km/h 150 km/h 180 km/h Höchstgeschwindigkeit 150 km/h 180 km/h 200 km/h Dienstgipfelhöhe 4000 m Reichweite 780 km 450 km Triebwerke ein Porsche 678/3; ein Continental C90-12F; 70 kW ein Lycoming O-320; 110 kW
Siehe auch Liste von Flugzeugtypen Alfons Pützer KG – Herstellerbetrieb Alfons Pützer – Konstrukteur Fritz Raab (Flugzeugkonstrukteur) – Konstrukteur
Literatur
Heinz Dieter Schneider: Von der Elster zum Bussard Flugzeug Classic 4/2007 FliegerRevue: Die Konstruktionen des Alfons Pützer – Kurzer Höhenflug der Elster, Oktober 2010, S. 56–59 Siegfried Wache: F-40 Flugzeuge der Bundeswehr: Piper L.18C und Elster "B", Flugzeug Publikations GmbH, 1990 Rolf Wurster: 50 Jahre Deutsche Motorflugzeuge. ISBN 978-3-8311-1854-0
Weblinks Allgemeine Links
Alfons Pützer Homepage – Elster Bild- und Dokumentenarchiv Geschichte der Luftwaffe – Bilder, Infos zum Elster-Einsatz bei der Luftwaffe flugzeugbilder.de – zahlreiche aktuelle Pützer Elster Aufnahmen Luftfahrt-Bundesamt – Gerätekennblatt L584, Braunschweig, 1994 Links zu Seiten über verbliebene Pützer Elster – Bilder, Infos zur Elster im Luftwaffenmuseum Gatow Elster Porschemuseum – Bilder, Infos zur Elster D-ELKY des Porsche-Museums Kulturgut Mobilität – Infos zur D-ELKY des Porsche-Museums Reflektion.info – Bilder, Infos zur Elster D-ELKY (auch Restaurierung)